todesstrafe, unschuldig zum tode verurteilt
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European Coalition to Abolish the Death Penalty



UNSCHULDIG ZUM TODE VERURTEILT 7

Kenny Richey

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- Zum Tode verurteilt für ein Verbrechen, das kein Verbrechen war -

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HINTERGRUNDINFORMATION:

Am 30.6.1986 brach in einem Appartmenthaus in Columbus Grove, Ohio nach einer Party ein Feuer in der Wohnung von Hope Collins aus. Hope Collins und Kenny Richey waren befreundet. Cynthia, Hopes dreijährige Tochter, starb an einer Rauchvergiftung.

Ihre Mutter hatte sie allein in der Wohnung zurückgelassen, um zu einer Party zu gehen und war über Nacht bei ihrem Freund geblieben. Daß das kleine Mädchen nachts allein war, gehörte zum Alltag. Es ist auch dokumentiert, daß die Mutter dem Kind häufig Schlaftabletten gab.

Tage vorher hatte sich der Schotte Kenny Richey von seiner Freundin (Candy Barchet) getrennt, die in der Wohnung unter Hope und Cynthia lebte. Sie waren nur kurz zusammengewesen.

In dieser Nacht im Juni traf sich Candy zum ersten Mal mit jemand anderem, Mike Nicholls.

Mike und Kenny sprachen miteinander und Mike wollte wissen, was Kenny davon hält, daß er jetzt mit Candy zusammen war. Am Ende des Gesprächs wünschte Kenny Mike viel Glück. Er wußte, daß er es brauchen konnte, da Candy sich mit verschiedenen Männern herumtrieb.

Als die Party an jenem Abend vorüber war, gingen alle nach Hause. Auch Kenny. Er war sehr betrunken und fiel schon mal in einen Busch, wo er dann minutenlang liegenblieb.

Ein Nachbar, der das sah, wurde langsam besorgt und überlegte, ob er nachschauen sollte, als Kenny wieder aufstand und weiterschwankte.

Später erwachte Kenny von Ton der Sirenen in der Wohnung seines Vaters. Er stand auf und sah die Flammen.

"Da ist noch ein Baby drin!" schrie Kenny mehrmals und versuchte dreimal, in das Haus zu ge-langen, wurde aber von Polizisten zur eigenen Sicherheit zurückgehalten. Ein Polizist kümmerte sich um Kenny, versuchte ihn zu beruhigen. Als Kenny ein wenig ruhiger wurde, erzählte er von dem kleinen Mädchen, aber es war zu spät.

Nachdem die Wohnung von der Feuerwehr inspiziert wurde, gab man sie frei. Bereits am Tag war alles leergeräumt und zur Müllkippe gebracht.

Am nächsten Tag mußte Kenny zum Arzt wegen seines Arms, den er sich Tage zuvor gebrochen hatte. Später am Tag kam die Polizei zu ihm, um ihn über Hope zu befragen. Kenny wußte nicht, wo sie sich aufhielt.

Als man Hope fand, brachte man sie ins Hospital, um ihre Tochter zu identifizieren. Das erste, was sie sagte war: "Cynthia hat schon vorher mit Feuer gespielt."

Die Polizei klagte Hope an, ihr Kind in Gefahr gebracht zu haben und war gerade dabei, eine Klage wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu erheben, als Hope behauptete, Kenny sei der Babysitter gewesen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie nichts von einem Babysitter erwähnt.

Man befragte Kenny zu dieser Aussage, er stritt ab, das Babysitten übernommen zu haben, sagte er sei viel zu betrunken gewesen und würde in diesem Zustand niemals auf ein Kind aufpassen. Zwei Zeugen unterstützten Kennys Aussage, trotzdem schien die Polizei Hope zu glauben.

Durch die Feuerwehr wurde die Brandursache untersucht, und es wurde angegeben, es sei ein elektrischer Defekt gewesen, so wurde es auch im Bericht angegeben und den Zeitungen erzählt.

Plötzlich tauchte aber eine neue Theorie auf, die Kenny ins Rampenlicht brachte. Die Theorie sagte aus, Kenny habe zwei Kanister Petroleum und Farbverdünner gestohlen, sei damit über ein schräges Schuppendach geklettert, hätte sich dann ca. 1,8 m auf einen Balkon gehangelt und wäre noch einmal ca. 1,5 m geklettert, um in die Wohnung zu kommen. Das alles mit diesen zwei Ka-nistern und einem gebrochenen Arm, zusätzlich völlig betrunken und ohne einen Laut zu machen.

In der Wohnung soll er die brennbare Flüssigkeit überall auf dem Teppich verteilt, danach den Rauchmelder unterbrochen und das Haus angesteckt haben. Als das getan war, habe Kenny auf gleichem Weg die Wohnung wieder verlassen und die Kanister versteckt. Die Kanister wurden nie gefunden! Kennys Kleidung oder seine Schuhe wiesen keine Spur einer brennbaren Flüssig-keit auf - nahezu unmöglich, wenn man den angenommen Tatverlauf betrachtet.

Wie kam die Staatsanwaltschaft auf diese Theorie?

Man hörte, daß Kennys Beziehung mit diesem Mädchen auseinander gegangen war und ent-schied, daß er eifersüchtig war, sich betrank um dann in seiner Wut die Wohnung oberhalb in Brand setzte, um Candy und Mike zu töten.

Kenny leugnete, aber das half ihm nicht weiter.

Man behauptete, er hätte die Kanister in einem Laden gestohlen, der nur ein paar Straßen von dem Apartmenthaus entfernt lag. Der Ladenbesitzer sagte, er vermisse eigentlich nichts, könne das aber nicht hundertprozentig sagen.

Die Staatsanwaltschaft ordnete an, daß der Teppich aus der Wohnung wieder von der Müllhalde geholt wird, wo er schon 36 Stunden lang lag, um ihn zu testen. Der Teppich wurde herbeige-schafft und im Hof des Polizeireviers ausgebreitet, dort wo die Polizeiwagen betankt wurden... Kaum verwunderlich, daß man Spuren von brennbarer Flüssigkeit auf dem Teppich fand.

Das reichte um Kenny zu verhaften und anzuklagen.

Zeugen wurden benannt - es ging darum, ob Kenny bei der Party fröhlich und ausgelassen war oder wütend. Kein Zeuge war beständig in seiner Aussage.

Kenny bekam einen Pflichtverteidiger - Bill Kluge. Es war sein erstes Kapitalverbrechen, sein erster Mordfall.

Einer der Staatsanwälte, Randall Basinger, kandidierte in jenem Jahr als Richter. Er bekam die Seite 1 in den Zeitungen, als er bekanntgab, in diesem Fall die Todesstrafe zu fordern. Mit der Todesstrafe konnte er Wählerstimmen an sich binden. Außerdem brachte ihm der Fall jede Menge Publicity.

Die Wahlen gingen vorüber, mit Erfolg für Basinger. Richter Basinger entschied nun, Kenny einen Geständnishandel anzubieten: Sag du bist schuldig, dann bekommst du 11 Jahre und bist nach 6 Jahren wieder draußen! Kenny lehnte ab, er wollte nichts gestehen, was er nicht getan hatte, er wollte seine Unschuld in einem Prozeß beweisen.

Danach überzeugte die Staatsanwaltschaft Kennys unerfahrenen Verteidigungsanwalt, daß Kenny bei diesem emotionalen Fall - da ein Kind gestorben war - kein faires Verfahren bekommen kön-ne. Besser wäre für ihn ein Gremium bestehend aus drei Richtern. Kenny glaubte, sein Anwalt würde seine Interessen am besten vertreten und verzichtete auf das Recht auf eine Jury. Er bekam auch keine Zeit, um das eine gegen das andere abzuwägen. Eine Option wäre ja auch gewesen, den Verhandlungsort zu wechseln, um einen mehr fairen Prozeß zu bekommen.

Das Verfahren dauerte drei Tage, es konnte Kenny nicht nachgewiesen werden, daß er das Kind vorsätzlich getötet hat, aber die Staatsanwaltschaft war der Meinung, daß der trotzdem den Tod verdiene. Das ganze Verfahren beruhte auf Indizien. Es gab niemanden, der sah oder hörte, daß Kenny die Tat begangen hat und auch sonst keinen Beweis gegen ihn. Der Vorsitzende Richter verurteilte Kenny zum Tode und gab als Hauptgrund an, daß er den Rauchmelder außer Betrieb setzte, dadurch habe er der kleinen Cynthia keine Chance zum Entkommen gegeben.

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich verblüfft, denn Kenny war vom Staatsanwalt nie bezichtigt worden, den Rauchmelder außer Betrieb gesetzt zu haben, da bekannt war, daß dieser schon vor-her nicht funktionstüchtig war. Zeugin Peggy Price hatte der Staatsanwaltschaft gesagt, daß Hope selbst, den Rauchmelder un-terbrochen hatte, als sie an diesem Abend das Essen kochte. Peggy Price war anwesend und hat es gesehen. Sie sagte auch darüber aus, daß die kleine Cynthia von Feuer fasziniert war und daß die Feuerwehr innerhalb von sechs Wochen dreimal anrücken mußte, weil das Mädchen mit Feu-er gespielt hatte. Nichts davon wurde im Gerichtssaal erwähnt. Die Verteidigung versagte vollkommen.

Kenny hat heute einen Anwalt, der den Fall pro bono übernommen hat.

In einem Gespräch mit einem Offiziellen, der damals den Brand untersuchte, trat jetzt zu Tage, daß viele Leute ihre Rauchmelder unterbrechen, da diese sehr schnell Alarm schlagen.

Der neue Anwalt fand auch Experten, die die "Beweise" kritisch unter die Lupe nahmen. Chemi-ker, Dr. Armstrong, untersuchte den Teppich noch einmal und konnte keine Spur von brennbarer Flüssigkeit auf den Teppichteilen finden.

Ein FBI Feuerexperte, der beim FBI die Untersuchung von Bränden lehrt, sagte, Brandursache war leichtfertiger Umgang mit Feuer, möglicherweise ein spielendes Kind. Auf dem Sofa wurde etwa 40 Minuten vor dem Brandausbruch geraucht.

Mike Nicholls (der neue Freund von Kennys Exfreundin) sagte aus, Kenny sei nicht wütend ge-wesen, er hätte ihm die Hand geschüttelt und viel Glück gewünscht.

Kenny ist seit dem 27. Januar 1987 im Todestrakt von Ohio. Mit seinen Berufungen ist er nun auf der Bundesebene angelangt. Die Zeit drängt also.

Bitte schreiben Sie an folgende Adressen und fordern Sie: Gerechtigkeit für Kenny Richey!

Attorney General
Betty D Montgomery
State Office Tower
30 East Broad Street
Columbus, Ohio 43215-3428
USA

Governor of Ohio
George Vainovich
77 South High Street
Riffe Center, 30th floor
Columbus, Ohio 43266-0601
USA

Supreme Court of Ohio
30 East Broad Street
Columbus, Ohio 43266-0419
USA

Kontaktadresse für Fragen und weitere Informationen:

Weitere Informationen zu Kenny Richey

campaign@ktorley.freeserve.co.uk