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08.01.04 MIA ist übel!Deutschland ist zum Kotzen.Warum auch dir übel sein sollte:
In der Politik ist es schon lange en vogue, durch Entsorgung oder Verharmlosung der deutschen Vergangenheit die Deutschen der Gegenwart wieder zu einem tadellosen und duften Völkchen machen zu wollen. Dies ist in den letzten Jahren immer wieder (Walser, Möllemann u.a.) und zuletzt bei Martin Hohmann deutlich geworden. Dass es diese gar nicht allzu neue deutsche Euphorie auch in der Popmusik gibt, wissen hingegen viele nicht oder unterschätzen die Bedeutung. Auch die in den Studierendenprotesten oft vorgenom-menen positiven Bezugnahmen auf (den Standort) Deutschland, stossen kaum auf Widerstand. Jetzt sollen Mia im Rahmen des Uni-Streikprogramms auftreten.
Mia stehen als Paradebeispiel für einen Trend im deutschen Pop, der die nationale Identität wieder aufleben lassen will. Andi, der Gitarrist der Berliner "Elektropunk"-Band Mia, formuliert das folgendermaßen: "Es geht uns jetzt darum, die schwere Bedeutung der deutschen Farben neu zu belegen." Ähnliche 'Gedanken' finden sich in den Texten der Band (z.B. in 'Was es ist') und den Äußerungen ihrer Mitglieder zuhauf. Bei der letzten Loveparade machten Mia als schwarz-rot-gold verkleidete Marschkapelle den Anfang. Überhaupt ist der 'Neuanfang' zentrales Thema für den nationalen Deutschpop: man fühlt sich endlich geläutert. Schließlich habe man ja die Vergangenheit gründlich aufgearbeitet, sei sich nun seiner besonderen Verantwortung bewusst und zu guter letzt ist man spätestens seit dem Engagement gegen den Irak-Krieg auf Seiten der 'guten Völker' angekommen. Dass es hierbei aber nicht in erster Linie um tatsächliche Ereignisse, sondern deren vorgestellte Konsequenz geht, wird deutlich: "Was offensichtlich das Schönste an diesem Krieg ist: dass man endlich wieder ungehemmt für Deutschland sein darf...", so der Betreiber des Labels, bei dem Mia unter Vertrag sind. Auf den Webseiten des neudeutschen Kunst-Projektes namens 'Angefangen', als dessen Teil sich Mia begreift, stellt man die Frage: "Was bedeutet es für Dich, deutsch zu sein"? "The Aim Of Design Is To Define Space", eine andere Berliner Band aus dem 'Angefangen'-Konsortium, antwortet frank und frei: "Bilden und Erziehen". So was haben wir doch schon mal gehört: Am deutschen Wesen... Nicht, dass man seine nationale Identität mit falschen Inhalten füllen würde, ist hier das Problem, sondern dass man überhaupt auf die Idee kommt, Ungetüme wie ein nationales 'Bewusstsein' neu erschaffen zu wollen. So lässt denn auch die nicht gerade als deutschfeindlich zu bezeichnende Süddeutsche Zeitung kein gutes Haar an Mia und würde die 'modischen' Ergebnisse des aktuellen Deutschlandhypes am liebsten in der "Altkleidersammlung" sehen. Die zum halbamtlichen Regierungsorgan aufgestiegene taz hält das Ganze sogar für "saudämlich". Wenn es nur so harmlos wäre! Andernorts hat man inzwischen Konsequenzen gezogen: So haben das Leipziger Kulturzentrum "Conne Island" sowie das Frankfurter "Cafe Exzess" Auftritte mit Bands wie Mia oder anderen zum 'Angefangen'-Projekt gehörenden KünstlerInnen abgesagt. Auch die hessischen Asten der Unis haben schnell Abstand von der ursprünglich in Frankfurt entstandenen Idee genommen, Mia zu einem Auftritt bei der bundesweiten Demo gegen Studiengebühren am 13.12.03 in die Main-Metropole einzuladen, nachdem bekannt geworden war, um welches Gedankengut Mia und Konsorten die Popkultur 'bereichern' wollen. Uni-Streik-AG "mia ist übel"
mailto: mia_ist_uebel(at)freenet.de
www.mia-ist-uebel.tkWir danken der Antifa Giessen für ihren Text, auf den wir diesen aufgebaut haben ;-). |