Die Pest


 

Fach: Geschichte und Gemeinschaftskunde

 

Von: Paul       

        Peter      

        Benedikt   

        Max        

 

Am: 8.3.2001

 

 

Klasse: TG 11/1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt

 

 

·       Einleitung

·       Die Krankheit selbst

·       Geschichtlicher Rückblick

·       Pest im Allgäu

·       Die Geißlerzüge und Judenverfolgungen

·       Ausblick

·       Literaturverzeichnis

 

 

 

 

Einleitung

 

Zur Zeit ist die Presse fieberhaft dabei, über Themen wie BSE bzw. die Maul und Klauen Seuche zu berichten. Beides sind Seuchen, die bisher nicht behandelt werden können. BSE führt eine Veränderung in den Gehirnen von Rindern vor, die dadurch z.B. die Motorik verlieren und letztlich daran verenden. Die Auswirkungen für den Menschen sollen angeblich nach einer Inkubationszeit von bis zu 15 Jahren auftreten und sich als die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit bemerkbar machen, wobei die Auswirkungen mit denen eines Rindes vergleichbar sind. Die Maul und Klauen Seuche betrifft zwar nicht den Menschen aber sie verbreitet sich sehr schnell unter den Tieren,  wo auch sie tödliche Folgen hat.

 

Maßnahmen, gegen BSE und MKS vorgenommen werden:

1.      die Bauernhöfe mit Verdachtstieren werden abgesperrt

2.      alle Tiere, die mit dem Betroffenen Verdachtstier zusammen waren werden getötet.

3.      die Tierleichen werden verbrannt.

 

Deutschland und andere Europäische Länder haben z.B. Einfuhrverbote für Rindfleisch bzw. neuerdings auch für alle Huftiere aus England verhängt. England war auch das erste Land, von dem allgemein im Zusammenhang mit BSE bzw. erst kürzlich von MKS zu lesen war.

 

Die Maul-und-Klauen-Seuche entsteht durch Veränderungen von Eiweisen, in diesem fall sogenannte VLPs (Virus like proteins). Daher sehen Forscher in dem Ergebnis nur eine sehr

eingeschränkte Möglichkeit für einen Impfstoff sie drängen aber auf weitere Forschung, da ein solcher Impfstoff große Bedeutung für die Tierhaltung hätte.

 

Nach heutigem Stand der Wissenschaft wird die BSE (Bovine  Spongiforme Enzephalopathie) durch übertragbare Proteine ohne eigene Erbsubstanz, so genannte Prione, verursacht und gehört zur Krankheitsgruppe der TSE (transmissiblen spongiformen Enzephalopathien). Zu den TSE gehört unter anderem auch die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit des Menschen.

 

Einige Kritiker sagen, dass BSE eine Erscheinung der fortgeschrittenen Industrialisierung der Landwirtschaft sei. Denn BSE wird über Tiermehl verbreitet. Tiermehl wird von Bauern verwendet, um die Futterkosten für ihre Tiere niedrig zu halten, welche bei artgerechter Nahrung deutlich höher lägen.

 

 

 

 

Die Krankheit selbst

 

Ursprünglich ist die Pest eine Krankheit wildlebender Nagetiere in dünn besiedelten Gebieten in Asien, Afrika und Amerika. 

 

Beim Menschen gibt es drei Formen der Pest: die Beulenpest, die Lungenpest und die Pestsepsis. Am bekanntesten ist die Beulenpest (Bubonenpest) sie trägt ihren Namen, weil die Erkrankten an Leistenbeugen, Achselhöhlen oder Hals charakteristische Beulen bekommen – vergrößerte Lymphknoten.

 

Übertragen werden die Pestbakterien am häufigsten durch den Biß verschiedener Insekten, z.B. durch den Rattenfloh (Parasit welcher Wanderratten befällt). Bei der Lungenpest erfolgt die Ansteckung über Tröpfchen (Atem) von einer anderen infizierten Person welche in die Lunge gelangen. Zur Pestsepsis kommt es, wenn Pestbakterien durch die Lunge ins Blut gelangen und sich dort massenhaft vermehren. Pestseptis kann auch durch verunreinigte Lebensmittel oder Dinge entstehen, die mit der Mund- oder Rachenschleimhaut in Berührung kommen.

 

 Die durch das Bakterium abgegebenen Gifte (Toxine) schädigen die Blutgefäße, als Folge tritt Flüssigkeit ins umgebende Gewebe aus. Bei Nichtbehandlung bilden sich entzündliche Verletzungen in allen Organen. Unmittelbare Todesursachen sind das übermäßige hohe Fieber mit Schüttelkrämpfen, der toxische Schock sowie die Gerinnung zwischen den Blutgefäßen.

 

Die Beulenpest verläuft ohne Behandlung in über 50 Prozent der Fälle tödlich. Für die Lungenpest liegt die Sterblichkeit bei 95 Prozent, wer an der Pestsepsis erkrankt, stirbt (fast) immer. Erhalten Pestkranke eine angemessene Therapie, sterben nur fünf bis zehn Prozent von ihnen. Das Überstehen der Krankheit verleiht eine begrenzte, jedoch lang anhaltende Immunität.

 

 

Krankheitsverlauf

 

Bei einer Inkubationszeit von zwei bis zehn Tagen tritt die Beulenpest meist plötzlich mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Gliederschmerzen, und allgemeinem Unwohlsein auf. Die Lymphknoten schwellen an und schmerzen. Fieber ist von Schüttelfrost begleitet und steigt auf 39 bis 40,5 °C. Puls und Atmung sind beschleunigt, und der Kranke wirkt erschöpft und teilnahmslos. Die Beulen steigen bis zur Größe eines Hühnereies an.

 

Bei künstlicher Öffnung der Beulen ist eine Heilung möglich. Falls die Krankheit nicht tödlich verläuft, geht die Temperatur nach etwa fünf Tagen zurück, ansonsten stirbt man nach vier Tagen. Die Lungenpest kann sich  durch die Beulenpest oder durch Einatmen infektiösen Materials  entwickeln. Die Inkubationszeit ist kürzer als bei der Beulenpest und kann wenige Stunden betragen. Der Erkrankte bekommt Brustschmerzen, Fieber und Husten. Der Tod tritt dann bei Nichtbehandlung nach zwei bis drei Tagen auf. Die Pestsepsis zeigt sich durch plötzlich einsetzendes, hohes Fieber, nach einigen Stunden färbt sich die Haut dunkelrot, und oft stirbt der Kranke noch am selben Tag. Die dunkelrote Farbe ist folge des Atemversagens, sie hat der Pest den bekannten Namen „Schwarzer Tod“ eingebracht.

 

Heilung der Pest

 

Früher öffneten Doktoren in dicken Kostümen und mit Schnabelmasken die Pestbeulen und ließen Blut und Eiter abfließen. Furchtlosigkeit wurde als oberstes Mittel gegen Pest gepriesen. Über fünfzig verschiedene Pestheilige (darunter besonders der Heilige Sebastian) wurden angerufen. Isolation und Quarantäne wurde eingesetzt, dies erwies sich als eine der wenigen wirksamen Methoden gegen die Pest. Jede Stadt führte die Quarantäne, normalerweise vierzig Tage lang, an allen Fremden durch. Kranke wurden isoliert. Täglich wurden die Toten auf Pestkarren aus der Stadt zu Pestlöchern transportiert und dort hineingeworfen. Wurden die Toten noch einzeln beerdigt, so kamen spezielle Pestsärge zum Einsatz: sie besaßen an der Unterseite zwei Klappen, durch die der Tote ins Grab geworfen werden konnte, und der Sarg war einsatzbereit für den nächsten Toten.

Heute stehen gegen die Pest effizientere Methoden zur Verfügung: Ist die Krankheit bereits ausgebrochen, kann sie durch verschiedene Antibiotika gestoppt werden. Ist mit einer Ansteckung zu rechnen (Reise in ein befallenes Gebiet) gewährleistet eine Impfung einen fünfmonatigen Schutz. Diese Schutzimpfung besteht normalerweise aus abgetöteten Pestbakterien, als weitere Möglichkeit findet die Chemoprophylaxe mit Sulfadiazin Anwendung.

 

 

 

 

Geschichtlicher Rückblick

 

Die Pest tritt schon seit 3000 Jahren immer wieder auf. Die zentralasiatischen Hochsteppen werden als Ausgangspunkt für viele Seuchenzüge gesehen.

 

Mittel- und Südafrika, Australien und Amerika blieben davon jedoch bis zu den Epidemien des 20. Jahrhunderts verschont.

 

Das Seuchenartige Auftreten der Pest ist bis in die Antike zurück dokumentiert (Homers Ilias oder die Pestschilderungen des Lukrez).

Im 1. Buch Samuels ist beschrieben, wie zwischen 1100 und 100 vor Christus die Pest durch die Bundeslade verbreitet wurde. Die Philister Soldaten, die die Lade von den Israeliten erobern konnten, erkrankten an einer Beulenkrankheit. Es kamen in vielen Städten auf der Reise dieser Soldaten Pesterkrankungen auf.

 

Um 543 nach Christus taucht dann die Justinianische Pest auf. Der Ursprung dieser Pestwelle ist vermutlich Ägypten – von wo sie sich dann auf ganz Europa ausdehnte. Dies hatte gravierende Folgen, der Untergang des byzantinischen Reiches wird ihr zugeschrieben. (die Hälfte der Bevölkerung fiel ihr zum Opfer).

 

Die größte Pestepidemie suchte Europa von 1347 bis 1352 heim. Entstanden in Indien oder China, wurde sie über die Seidenstraße und andere Handelswege verbreitet, so dass in Konstantinopel die ersten Pestopfer dokumentiert wurden. Nur 3 Handelsschiffe Brachten die Pest nach Sizilien, das daraufhin 530 000 Opfer zu beklagen hatte. Catania eine Hafenstadt wurde z.B. vollständig entvölkert. Bologna (30 000 Tote), Siena (80 000 Tote) und Venedig (40 000 tote). Bis 1348 kam die Pest nach Mitteleuropa, wo sie sich dann bis nach Island ausbreitete. Diese Epidemie wurde im nachhinein dann als Schwarzer Tod bezeichnet. Sie forderte schätzungsweise 25 Millionen Todesopfer  (etwa 1/3 der Bevölkerung). Diese Pestwelle hatte auch tiefgreifende Auswirkungen auf die Weltanschauung und das Wirtschaftsleben der mittelalterlichen Menschen.

 

Als Pestverursacher sah man damals eine Veränderung der Luft, giftige Dämpfe und Schwärme von unsichtbaren Insekten die in den Blutkreislauf gelangten und Veränderungen im Körper zur Folge haben sollten.

Es wurden auch Die Juden als angebliche Brunnenvergifter für die Pestepidemien verantwortlich gemacht – was dann während zweiten großen Pestwelle im 14. Jahrhundert zu Pogromen führte.

 

Damals versuchte man die Pest durch schweißtreibende Mittel, das Aufschneiden der Pestbeulen sowie das Ausräuchern der Krankenzimmer zu behandeln.

Im 14. und 15. Jahrhundert jedoch wurde in Europa sinnvolle seuchenhygienische Maßnahmen eingeführt. Venedig z.B. war einer der Vorreiter. Bereits 1343 gründeten sie eine staatliche Gesundheitskommission und führten 1348 den Pestbrief ein, der Reisenden bescheinigen sollte, dass sie aus einer pestfreien Gegend kommen. Ohne diesen Brief durften sie keine venezianischen Gebiete betreten. Auf der Insel Santa Maria di Nazareth mussten Fremde eine 40 Tage lange Quaranta (Quarantäne) unter der Beobachtung von Ärzten verbringen, bevor sie Venedig betreten durften.

 

Auch Behörden in Deutschland versuchten durch „Pestverordnungen“ die Seuchen einzudämmen. Krankheitsfälle waren ab sofort zu melden und Kranke durften 4 Wochen lang das Haus nicht verlassen – sie wurden durch „Zuträger“ versorgt. Zusammenkünfte wurden beschränkt – der Wirtschaftsbesuch z.B. war untersagt. Leute die Kranke beherbergten, durften nicht mehr in Kirchen, oder das Rathaus. Das Bettzeug und die Kleidung der Kranken mussten 6 Wochen durchgelüftet werden. Häuser der Kranken durften 6 Wochen nicht bezogen werden.

 

Bis ins 18. Jahrhundert kam die Pest in Europa immer wieder in unterschiedlicher Ausprägung auf. Durch Kriege wurde die Pest noch verschärft – 1618. bis 1648 durch den Dreißigjährigen Krieg.

 

In London gab es 1665/1666  die bisher letzte große Epidemie Europas – sie forderte zehntausende Todesopfer. 

Im Jahre 1894 nahm eine erneute Pestepidemie in China ihren Ausgang, die etwa 50 Jahre dauern und 12 Millionen Opfer fordern sollte. Durch Handelsschiffe wurde die Pest von China dann praktisch in alle großen Häfen der Welt exportiert, kam nach Afrika, zu den pazifischen Inseln, nach Australien und Amerika. Europa war dieses Mal nicht betroffen weil die Europäer aus ihrer Vergangenheit gelernt hatten und schon lange seuchenhygienische Maßnahmen getroffen hatten.

1894 wurde dann durch Alexander Yersin und unabhängig von ihm durch Shibabasuro Kitsato der Erreger der Pest nachgewiesen. Agostin Bassi aus Italien hatte jedoch schon zuvor vermutet dass die Ursache der Pest lebende Organismen seien. Dank der Entdeckung der Infektionskette (Ratte-Floh-Mensch) konnte nun gezielt gegen die Pest angegangen werden.

 

 

 

 

Pest im Allgäu

 

Pest: Durch Pestbakterien verursachte und besonders von Ratten über Pestflöhe übertragene epidemische Krankheit.

50-90% der Fälle verliefen tödlich.

 

Eine pestartige Seuche grassierte im Allgäu im Jahre 1006. Im Jahre 1350 entvölkerte die Beulenpest das ganze Allgäu. Nach einer örtlichen Überlieferung sollen innerhalb eines Jahres allein in Isny 5000 Personen gestorben sein. Im Allgäu sollen insgesamt mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausgestorben sein.

 

Im Jahre 1466 wurde bei Augsburg eine Grippeepedemie fälschlicherweise für die Pest gehalten. Eine weitere Pestepedemie gab es zwischen 1482 und 1484. Dabei fielen allein in Kaufbeuren 800 Personen der Krankheit zum Opfer, in Kempten 1400.

 

Der Memminger Stadtarzt Ellenbog gab eine Pestordnung mit Ratschlägen heraus, wie der Ansteckung vorgebeugt werden kann und wie Erkrankte behandelt werden sollen.

Einer weitere Pestepedemie fielen im Jahre 1524 in Kempten 1600 Einwohner zum Opfer. Auch der verhasste Fürstabt Rudolf von Raitnau starb an der Pest.

 

Im Jahre 1551 brach wiederholt in Isny die Pest aus, in Kempten am 20. Juni 1564, bei der bis zum 3. Januar 1565 die amtliche Zahl der an Pest Verstorbenen auf 1442 angegeben wird. Erneuter Pestausbruch 1574 und 1609 im Allgäu, vor allem in Kempten.

Ein weiteres Pestjahr war 1611. Die in diesem Jahr vor allem in der Schweiz herrschende Pest forderte auch im Allgäu Opfer. In Memmingen 200, auch in Isny ist die Rede von vielen Toten. Vor den Toren der Stadt Füssen lagen haufenweise Leichen.

 

1627 starben innerhalb von 10 Wochen in Kaufbeuren 500 Personen an der Pest. Der Kaufbeurener Arzt Dr. Brengger verfasste auf Wunsch des Stadtrats eine Vorschrift für das Verhalten der Bevölkerung während der Pestzeit.

 

Wegen der Pest wurden in vielen Städten die Friedhöfe nach außerhalb verlegt.

Von 1628 bis 1630 gab es

270 Pesttote in Leutkirch

600 Pesttote in Memmingen

210 Pesttote in Legau

385 Pesttote in Immenstadt

1960 Pesttote in Kempten  und 700 Pesttote in Wangen.

Im Westallgäu gab es im Jahre 1634 eine Pestepedemie. Davon waren die Orte Scheidegg, Röthenbach, Stiefenhofen und Weiler betroffen. Allein in Scheidegg starben  vom 19. Mai bis zum 16. September 420 Personen an der Pest.

 

1635 gab es in Kempten den Erlass, Häuser mit Pestkranken durch ein schwarzes Kreuz, das auf der Haustür anzubringen war, zu kennzeichnen.

 

 

 

Die Stadt Isny erließ folgende Anordnungen:

 

1.      Sofortige Meldepflicht aller Erkrankungen

2.      Den Kranken und ihren Angehörigen ist das Verlassen ihres Hauses bis auf weiteres verboten

3.      Alle öffentlichen Bäder werden sofort geschlossen.

4.      Niemand darf genötigt werden, mit einem Beerdigungszug zu gehen. Beerdigungen finden ausschließlich zwischen 11 und 12 Uhr nachts statt.

5.      Das Ausgießen von Nachtgeschirren durchs Fenster auf öffentliche Straßen wird verboten.

6.      Alle geselligen Zusammenkünfte sind verboten.

 

 

 

 

Die Geißlerzüge und Judenverfolgungen                         

 

   Die Geißlerzüge und Judenverfolgungen stellen zwei besonders charakteristische Begleitphänomene des Schwarzen Todes dar.

 

Geißlerzüge 

 

Da Ursache und Infektionsweg der Pest unbekannt waren, sah man diese Krankheit als Vorboten des Jüngsten Gerichtes, zumal die Bevölkerung Europas schon lange vor der Pest mit dunklen Prophezeihungen und Unglücksbotschaften konfrontiert war. Immer wieder war vom Weltuntergang die Rede, der sich durch Erdbeben und schreckliche Plagen ankündigen würde. Nur durch Buße und Sühne könne man errettet werden.

 

In dieser Situation gewann die Geißlerbewegung, die es bereits seit dem 13. Jh. in Europa gab, an Bedeutung. Die Geißler vollzogen das Leiden Christi nach und zogen durch Europa.

Die Geißeln bestanden aus Stöcken, die vorne Stränge mit Knoten besaßen. In den Knoten steckten Eisenspitzen. Zu hunderten zogen die Geißler durch Städte und Dörfer, schlugen sich mit den Geißeln und sangen monotone Lieder, um gemeinsam mit der Bevölkerung Gott um Verschonung vor dem Tod und um Aufschub des Weltendes zu bitten.

 

Da überall große Angst herrschte, hatte die Geißlerbewegung anfangs großen Zulauf. Eine Mitgliedschaft war an strenge Bedingungen und Regeln geknüpft. Den Leitern des Geißlerzuges, den Meistern, war absoluter Gehorsam zu leisten. Die Geißler kontrollierten sich auch gegenseitig.

 

Bei der Bevölkerung waren sie hoch angesehen, das sie anscheinend eine moralische Überlegenheit besaßen. Man erhoffte sich durch sie die Rettung. Allerdings zeigte sich nach und nach, dass die Geißler überhaupt nicht in der Lage waren, die Pest einzudämmen. Im Gegenteil: Später sah es oft so aus, als würde die Seuche von ihnen verbreitet werden, weil sie ihnen nicht selten auf den Fuß folgte. Außerdem ließ im Laufe der Jahre die starke Disziplin in den Geißlerzügen nach, Diebe und Kriminelle schlichen sich ein, da man mit den Geißlern ohne Kontrolle in die Städte gelangen konnte. Da die Geißler auch gegen irdischen Reichtum predigten, die reichen Kleriker anprangerten und wichtige Dogmen und Gesetze in Frage stellten, machten sie sich auch beim Klerus unbeliebt.

 

Die Geißlerbewegung war unglaubwürdig geworden und überall in Europa wurde ihr von der Regierung Einhalt geboten. Am Ende wurden sie sogar mit Judenverfolgungen und Mord an Juden in Verbindung gebracht, wobei jedoch nicht klar ist, ob es tatsächlich so war, oder ob man dies den Geißlern nur nachgesagt hat.

 

Unter der Bevölkerung herrschte nach wie vor große Angst vor der Pest und dem vermeintlich darauffolgenden Weltuntergang, sodass die Theorie von den Juden als Schuldige auf fruchtbaren Boden fiel.

 

 

Judenverfolgungen 1348 / 49

 

Die Beschuldigung, Verfolgung und Ermordung von Juden war das fürchterlichste Begleitphänomen des Pestalltages im Mittelalter. Viele jüdische Gemeinden Zentraleuropas wurden regelrecht ausgerottet. Die Juden waren bereits vor der Pest durch den konfessionellen Unterschied und rechtliche Einschränkungen isoliert. Es war ihnen z.B untersagt, bestimmte Tätigkeiten wie öffentliche Ämter oder Handwerkerberufe auszuüben. So wurde der Beruf des Geldverleihers, der als unehrenhaft galt und den Christen sogar verboten war, zur jüdischen Domäne.

 

 

Die Ausgrenzung der Juden erfolgte auch, indem man sie zwang, den spitzen Judenhut zu tragen, an vielen Orten war auch ein Flecken aus gelbem Filz auf der Kleidung Vorschrift. Immer wieder wurde den Juden kriminelle Machenschaften vorgeworfen. So hatte man sich einen erkennbaren Feind geschaffen. Die Juden als diskriminierte Minderheit waren auf wirtschaftliche Erfolge angewiesen, um zu überleben. Dies zog wiederum Neid und Missgunst nach sich.

 

Mit dem Ausbruch der Pest bot es sich bei vielen an, die Juden zu beschuldigen. Man warf ihnen vor, Brunnen und Trinkwasser vergiftet zu

haben. Manche Juden „gestanden“ das auch unter der Folter. Es fanden in vielen Städten Europas Massaker in den jüdischen Vierteln statt. Die kollektive Angst vor der Pest und dem nahenden Jüngsten Gericht rief eine Massenhysterie hervor. In vielen Orten wurden die Juden in ein Haus getrieben, das dann angezündet wurde. Es begingen auch viele Juden Selbstmord. Argumente von Obrigkeiten, die Juden schützen sollten, hatten keine Wirkung, zumal die Juden als Christusmörder bezeichnet wurden und ihnen auch unterstellt wurde, dass sie bei Kulthandlungen Kinderblut tränken und Kindermorde begingen.

 

Selbst der Papst, der sich zum Fürsprecher der Juden machte, hatte auf den Judenhass keinen Einfluss. Auch sein Hinweis, dass viele Juden unter den Pestopfern waren, wurde weitgehend ignoriert. Das Gerücht von der Vergiftung der Brunnen durch Juden erhielt sich und man fand immer wieder „Beweise“ dafür.

 

Bei vielen Obrigkeiten, wie Rudolf von Habsburg, galten Juden als Menschen zweiter Klasse und wurden als Eigentum der kaiserlichen Kammer bezeichnet  (servi camerae imperialis). Die Juden mussten ihrer Obrigkeit sogenannte Schutzgelder zahlen, was eine gute Einnahmequelle war. Schutz erhielten sie jedoch meist nicht. Das Vermögen der ermordeten Juden „erbten“ ihre Obrigkeiten bzw. die Städte, in denen die gelebt hatten. So wurde der Hass auf die Juden noch durch Habgier und Machtsucht angestachelt.

 

Später setzte sich auch das Gerücht durch, die Juden wollen durch die Vergiftung der Brunnen die Christen in ihrer Zahl einschränken, um Macht zu erlangen. Alle Gerüchte über die Juden fielen beim Volke auf fruchtbaren Boden und die Juden konnten auf kein Mitleid hoffen.

 

Um 1350 waren viele europäische Judengemeinden ausgelöscht. Die überlebenden Juden hatten ihre verbrieften Rechte sowie den Schutz des Monarchen eingebüßt und ihre Aufenthaltsgenehmigungen waren begrenzt. In der späteren Zeit wurde ihnen noch mehr Intoleranz entgegengebracht.

 

 

 

Ausblick

 

Die großen Pestepidemien gehören der Vergangenheit an, ihren Schrecken hat die Pest jedoch bis heute nicht verloren. Und auch heute schrecken alle paar Jahre Berichte über neue Ausbrüche der tödlichen Seuche die Menschen auf. So werden heute pro Jahr wieder rund 140 Pesttote gezählt. Das sind mehr als noch vor einigen Jahrzehnten. Auch die Anzahl der Erkrankungen stieg von 200 im Jahr 1981 auf über 2000 zehn Jahre später. Heutige Pestinfektionsgebiete sind Bolivien, Peru, Brasilien, Uganda, Zaire, Vietnam und die Mongolei.

 

 

 

 

 

Literaturverzeichnis

 

Bücher

 

Bergdolt, Klaus;  Der schwarze Tod in Europa, C.H.Beck 1999

Unbekannt;         Weitnauer Allgäuer Chronik

 

 

Internetadressen

 

http://www.schweizerbauer.ch/btm/news/aktuell/artikel/01340/artikel.html

http://www.biogene.org/themen/biotech/newspez3.htm

http://www.google.com/search?hl=de&safe=off&q=pest+mittelalter+europa+geschichte+krankheit&lr=lang_de

http://www.referate.de/html/bio/bio0043.php

http://www.mcmedizin.ch/home/frankenstein/pestimmittelalter.htm