
Fach: Geschichte und Gemeinschaftskunde
Von: Paul
Peter
Benedikt
Max
Am: 8.3.2001
Klasse: TG 11/1
|
· Ausblick |
Zur Zeit ist die Presse
fieberhaft dabei, über Themen wie BSE bzw. die Maul und Klauen Seuche zu berichten.
Beides sind Seuchen, die bisher nicht behandelt werden können. BSE führt eine
Veränderung in den Gehirnen von Rindern vor, die dadurch z.B. die Motorik
verlieren und letztlich daran verenden. Die Auswirkungen für den Menschen
sollen angeblich nach einer Inkubationszeit von bis zu 15 Jahren auftreten und
sich als die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit bemerkbar machen, wobei die
Auswirkungen mit denen eines Rindes vergleichbar sind. Die Maul und Klauen
Seuche betrifft zwar nicht den Menschen aber sie verbreitet sich sehr schnell
unter den Tieren, wo auch sie tödliche
Folgen hat.
Maßnahmen, gegen BSE und MKS
vorgenommen werden:
1. die Bauernhöfe mit Verdachtstieren werden abgesperrt
2. alle Tiere, die mit dem Betroffenen Verdachtstier
zusammen waren werden getötet.
3. die Tierleichen werden verbrannt.
Deutschland und andere
Europäische Länder haben z.B. Einfuhrverbote für Rindfleisch bzw. neuerdings
auch für alle Huftiere aus England verhängt. England war auch das erste Land,
von dem allgemein im Zusammenhang mit BSE bzw. erst kürzlich von MKS zu lesen
war.
Die Maul-und-Klauen-Seuche
entsteht durch Veränderungen von Eiweisen, in diesem fall sogenannte VLPs
(Virus like proteins). Daher sehen Forscher in dem Ergebnis nur eine sehr
eingeschränkte Möglichkeit
für einen Impfstoff sie drängen aber auf weitere Forschung, da ein solcher
Impfstoff große Bedeutung für die Tierhaltung hätte.
Nach heutigem Stand der
Wissenschaft wird die BSE (Bovine
Spongiforme Enzephalopathie) durch übertragbare Proteine ohne eigene Erbsubstanz,
so genannte Prione, verursacht und gehört zur Krankheitsgruppe der TSE
(transmissiblen spongiformen Enzephalopathien). Zu den TSE gehört unter anderem
auch die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit des Menschen.
Einige Kritiker sagen, dass BSE eine Erscheinung der fortgeschrittenen Industrialisierung der Landwirtschaft sei. Denn BSE wird über Tiermehl verbreitet. Tiermehl wird von Bauern verwendet, um die Futterkosten für ihre Tiere niedrig zu halten, welche bei artgerechter Nahrung deutlich höher lägen.
Ursprünglich ist die Pest eine Krankheit wildlebender Nagetiere in dünn besiedelten Gebieten in Asien, Afrika und Amerika.
Beim Menschen gibt es drei Formen der Pest: die Beulenpest,
die Lungenpest und die Pestsepsis. Am bekanntesten ist die Beulenpest
(Bubonenpest) sie trägt ihren Namen, weil die Erkrankten an Leistenbeugen,
Achselhöhlen oder Hals charakteristische Beulen bekommen – vergrößerte
Lymphknoten.
Übertragen werden die Pestbakterien am häufigsten durch den
Biß verschiedener Insekten, z.B. durch den Rattenfloh (Parasit welcher
Wanderratten befällt). Bei der Lungenpest erfolgt die Ansteckung über Tröpfchen
(Atem) von einer anderen infizierten Person welche in die Lunge gelangen. Zur
Pestsepsis kommt es, wenn Pestbakterien durch die Lunge ins Blut gelangen und
sich dort massenhaft vermehren. Pestseptis kann auch durch verunreinigte
Lebensmittel oder Dinge entstehen, die mit der Mund- oder Rachenschleimhaut in
Berührung kommen.
Die durch das
Bakterium abgegebenen Gifte (Toxine) schädigen die Blutgefäße, als Folge tritt
Flüssigkeit ins umgebende Gewebe aus. Bei Nichtbehandlung bilden sich
entzündliche Verletzungen in allen Organen. Unmittelbare Todesursachen sind das
übermäßige hohe Fieber mit Schüttelkrämpfen, der toxische Schock sowie die
Gerinnung zwischen den Blutgefäßen.
Die Beulenpest verläuft ohne Behandlung in über 50 Prozent
der Fälle tödlich. Für die Lungenpest liegt die Sterblichkeit bei 95 Prozent,
wer an der Pestsepsis erkrankt, stirbt (fast) immer. Erhalten Pestkranke eine
angemessene Therapie, sterben nur fünf bis zehn Prozent von ihnen. Das
Überstehen der Krankheit verleiht eine begrenzte, jedoch lang anhaltende
Immunität.
Krankheitsverlauf
Bei einer Inkubationszeit von zwei bis zehn Tagen tritt die
Beulenpest meist plötzlich mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen,
Gliederschmerzen, und allgemeinem Unwohlsein auf. Die Lymphknoten schwellen an
und schmerzen. Fieber ist von Schüttelfrost begleitet und steigt auf 39 bis
40,5 °C. Puls und Atmung sind beschleunigt, und der Kranke wirkt erschöpft und
teilnahmslos. Die Beulen steigen bis zur Größe eines Hühnereies an.
Bei künstlicher Öffnung der Beulen ist eine Heilung möglich.
Falls die Krankheit nicht tödlich verläuft, geht die Temperatur nach etwa fünf
Tagen zurück, ansonsten stirbt man nach vier Tagen. Die Lungenpest kann
sich durch die Beulenpest oder durch
Einatmen infektiösen Materials
entwickeln. Die Inkubationszeit ist kürzer als bei der Beulenpest und
kann wenige Stunden betragen. Der Erkrankte bekommt Brustschmerzen, Fieber und
Husten. Der Tod tritt dann bei Nichtbehandlung nach zwei bis drei Tagen auf.
Die Pestsepsis zeigt sich durch plötzlich einsetzendes, hohes Fieber, nach
einigen Stunden färbt sich die Haut dunkelrot, und oft stirbt der Kranke noch
am selben Tag. Die dunkelrote Farbe ist folge des Atemversagens, sie hat der
Pest den bekannten Namen „Schwarzer Tod“ eingebracht.
Heilung der Pest
Früher öffneten Doktoren in dicken Kostümen und mit
Schnabelmasken die Pestbeulen und ließen Blut und Eiter abfließen.
Furchtlosigkeit wurde als oberstes Mittel gegen Pest gepriesen. Über fünfzig
verschiedene Pestheilige (darunter besonders der Heilige Sebastian) wurden
angerufen. Isolation und Quarantäne wurde eingesetzt, dies erwies sich als eine
der wenigen wirksamen Methoden gegen die Pest. Jede Stadt führte die
Quarantäne, normalerweise vierzig Tage lang, an allen Fremden durch. Kranke
wurden isoliert. Täglich wurden die Toten auf Pestkarren aus der Stadt zu
Pestlöchern transportiert und dort hineingeworfen. Wurden die Toten noch
einzeln beerdigt, so kamen spezielle Pestsärge zum Einsatz: sie besaßen an der
Unterseite zwei Klappen, durch die der Tote ins Grab geworfen werden konnte,
und der Sarg war einsatzbereit für den nächsten Toten.
Heute stehen gegen die Pest effizientere Methoden zur
Verfügung: Ist die Krankheit bereits ausgebrochen, kann sie durch verschiedene
Antibiotika gestoppt werden. Ist mit einer Ansteckung zu rechnen (Reise in ein
befallenes Gebiet) gewährleistet eine Impfung einen fünfmonatigen Schutz. Diese
Schutzimpfung besteht normalerweise aus abgetöteten Pestbakterien, als weitere
Möglichkeit findet die Chemoprophylaxe mit Sulfadiazin Anwendung.
Die Pest tritt schon seit
3000 Jahren immer wieder auf. Die zentralasiatischen Hochsteppen werden als
Ausgangspunkt für viele Seuchenzüge gesehen.
Mittel- und Südafrika,
Australien und Amerika blieben davon jedoch bis zu den Epidemien des 20.
Jahrhunderts verschont.
Das Seuchenartige Auftreten
der Pest ist bis in die Antike zurück dokumentiert (Homers Ilias oder die
Pestschilderungen des Lukrez).
Im 1. Buch Samuels ist
beschrieben, wie zwischen 1100 und 100 vor Christus die Pest durch die Bundeslade
verbreitet wurde. Die Philister Soldaten, die die Lade von den Israeliten
erobern konnten, erkrankten an einer Beulenkrankheit. Es kamen in vielen
Städten auf der Reise dieser Soldaten Pesterkrankungen auf.
Um 543 nach Christus taucht
dann die Justinianische Pest auf. Der Ursprung dieser Pestwelle ist vermutlich
Ägypten – von wo sie sich dann auf ganz Europa ausdehnte. Dies hatte
gravierende Folgen, der Untergang des byzantinischen Reiches wird ihr
zugeschrieben. (die Hälfte der Bevölkerung fiel ihr zum Opfer).
Die größte Pestepidemie
suchte Europa von 1347 bis 1352 heim. Entstanden in Indien oder China, wurde
sie über die Seidenstraße und andere Handelswege verbreitet, so dass in
Konstantinopel die ersten Pestopfer dokumentiert wurden. Nur 3 Handelsschiffe
Brachten die Pest nach Sizilien, das daraufhin 530 000 Opfer zu beklagen hatte.
Catania eine Hafenstadt wurde z.B. vollständig entvölkert. Bologna (30 000 Tote),
Siena (80 000 Tote) und Venedig (40 000 tote). Bis 1348 kam die Pest nach Mitteleuropa, wo sie sich dann bis nach
Island ausbreitete. Diese Epidemie wurde im nachhinein dann als Schwarzer Tod
bezeichnet. Sie forderte schätzungsweise 25 Millionen Todesopfer (etwa 1/3 der Bevölkerung). Diese Pestwelle
hatte auch tiefgreifende Auswirkungen auf die Weltanschauung und das
Wirtschaftsleben der mittelalterlichen Menschen.
Als Pestverursacher sah man
damals eine Veränderung der Luft, giftige Dämpfe und Schwärme von unsichtbaren
Insekten die in den Blutkreislauf gelangten und Veränderungen im Körper zur
Folge haben sollten.
Es wurden auch Die Juden als
angebliche Brunnenvergifter für die Pestepidemien verantwortlich gemacht – was
dann während zweiten großen Pestwelle im 14. Jahrhundert zu Pogromen führte.
Damals versuchte man die
Pest durch schweißtreibende Mittel, das Aufschneiden der Pestbeulen sowie das
Ausräuchern der Krankenzimmer zu behandeln.
Im 14. und 15. Jahrhundert
jedoch wurde in Europa sinnvolle seuchenhygienische Maßnahmen eingeführt.
Venedig z.B. war einer der Vorreiter. Bereits 1343 gründeten sie eine
staatliche Gesundheitskommission und führten 1348 den Pestbrief ein, der
Reisenden bescheinigen sollte, dass sie aus einer pestfreien Gegend kommen.
Ohne diesen Brief durften sie keine venezianischen Gebiete betreten. Auf der Insel
Santa Maria di Nazareth mussten Fremde eine 40 Tage lange Quaranta (Quarantäne)
unter der Beobachtung von Ärzten verbringen, bevor sie Venedig betreten
durften.
Auch Behörden in Deutschland
versuchten durch „Pestverordnungen“ die Seuchen einzudämmen. Krankheitsfälle
waren ab sofort zu melden und Kranke durften 4 Wochen lang das Haus nicht
verlassen – sie wurden durch „Zuträger“ versorgt. Zusammenkünfte wurden
beschränkt – der Wirtschaftsbesuch z.B. war untersagt. Leute die Kranke
beherbergten, durften nicht mehr in Kirchen, oder das Rathaus. Das Bettzeug und
die Kleidung der Kranken mussten 6 Wochen durchgelüftet werden. Häuser der
Kranken durften 6 Wochen nicht bezogen werden.
Bis ins 18. Jahrhundert kam
die Pest in Europa immer wieder in unterschiedlicher Ausprägung auf. Durch
Kriege wurde die Pest noch verschärft – 1618. bis 1648 durch den
Dreißigjährigen Krieg.
In London gab es
1665/1666 die bisher letzte große
Epidemie Europas – sie forderte zehntausende Todesopfer.
Im Jahre 1894 nahm eine
erneute Pestepidemie in China ihren Ausgang, die etwa 50 Jahre dauern und 12
Millionen Opfer fordern sollte. Durch Handelsschiffe wurde die Pest von China
dann praktisch in alle großen Häfen der Welt exportiert, kam nach Afrika, zu
den pazifischen Inseln, nach Australien und Amerika. Europa war dieses Mal
nicht betroffen weil die Europäer aus ihrer Vergangenheit gelernt hatten und
schon lange seuchenhygienische Maßnahmen getroffen hatten.
1894 wurde dann durch
Alexander Yersin und unabhängig von ihm durch Shibabasuro Kitsato der Erreger
der Pest nachgewiesen. Agostin Bassi aus Italien hatte jedoch schon zuvor
vermutet dass die Ursache der Pest lebende Organismen seien. Dank der
Entdeckung der Infektionskette (Ratte-Floh-Mensch) konnte nun gezielt gegen die
Pest angegangen werden.
Pest: Durch Pestbakterien verursachte und besonders von Ratten über
Pestflöhe übertragene epidemische Krankheit.
50-90% der Fälle
verliefen tödlich.
Eine pestartige Seuche
grassierte im Allgäu im Jahre 1006. Im Jahre 1350 entvölkerte die Beulenpest
das ganze Allgäu. Nach einer örtlichen Überlieferung sollen innerhalb eines
Jahres allein in Isny 5000 Personen gestorben sein. Im Allgäu sollen insgesamt
mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausgestorben sein.
Im Jahre 1466 wurde bei
Augsburg eine Grippeepedemie fälschlicherweise für die Pest gehalten. Eine
weitere Pestepedemie gab es zwischen 1482 und 1484. Dabei fielen allein in
Kaufbeuren 800 Personen der Krankheit zum Opfer, in Kempten 1400.
Der Memminger Stadtarzt
Ellenbog gab eine Pestordnung mit Ratschlägen heraus, wie der Ansteckung
vorgebeugt werden kann und wie Erkrankte behandelt werden sollen.
Einer weitere
Pestepedemie fielen im Jahre 1524 in Kempten 1600 Einwohner zum Opfer. Auch der
verhasste Fürstabt Rudolf von Raitnau starb an der Pest.
Im Jahre 1551 brach
wiederholt in Isny die Pest aus, in Kempten am 20. Juni 1564, bei der bis zum
3. Januar 1565 die amtliche Zahl der an Pest Verstorbenen auf 1442 angegeben
wird. Erneuter Pestausbruch 1574 und 1609 im Allgäu, vor allem in Kempten.
Ein weiteres Pestjahr
war 1611. Die in diesem Jahr vor allem in der Schweiz herrschende Pest forderte
auch im Allgäu Opfer. In Memmingen 200, auch in Isny ist die Rede von vielen
Toten. Vor den Toren der Stadt Füssen lagen haufenweise Leichen.
1627 starben innerhalb
von 10 Wochen in Kaufbeuren 500 Personen an der Pest. Der Kaufbeurener Arzt Dr.
Brengger verfasste auf Wunsch des Stadtrats eine Vorschrift für das Verhalten
der Bevölkerung während der Pestzeit.
Wegen der Pest wurden in
vielen Städten die Friedhöfe nach außerhalb verlegt.
Von 1628 bis 1630 gab es
270 Pesttote in
Leutkirch
600 Pesttote in
Memmingen
210 Pesttote in Legau
385 Pesttote in
Immenstadt
1960 Pesttote in
Kempten und 700 Pesttote in Wangen.
Im Westallgäu gab es im
Jahre 1634 eine Pestepedemie. Davon waren die Orte Scheidegg, Röthenbach,
Stiefenhofen und Weiler betroffen. Allein in Scheidegg starben vom 19. Mai bis zum 16. September 420
Personen an der Pest.
1635 gab es in Kempten
den Erlass, Häuser mit Pestkranken durch ein schwarzes Kreuz, das auf der
Haustür anzubringen war, zu kennzeichnen.
Die Stadt Isny erließ
folgende Anordnungen:
1.
Sofortige Meldepflicht
aller Erkrankungen
2.
Den Kranken und ihren
Angehörigen ist das Verlassen ihres Hauses bis auf weiteres verboten
3.
Alle öffentlichen Bäder
werden sofort geschlossen.
4.
Niemand darf genötigt
werden, mit einem Beerdigungszug zu gehen. Beerdigungen finden ausschließlich
zwischen 11 und 12 Uhr nachts statt.
5.
Das Ausgießen von
Nachtgeschirren durchs Fenster auf öffentliche Straßen wird verboten.
6.
Alle geselligen
Zusammenkünfte sind verboten.
Die Geißlerzüge und
Judenverfolgungen
Die Geißlerzüge
und Judenverfolgungen stellen zwei besonders charakteristische Begleitphänomene
des Schwarzen Todes dar.
Geißlerzüge
Da Ursache und Infektionsweg
der Pest unbekannt waren, sah man diese Krankheit als Vorboten des Jüngsten
Gerichtes, zumal die Bevölkerung Europas schon lange vor der Pest mit dunklen
Prophezeihungen und Unglücksbotschaften konfrontiert war. Immer wieder war vom
Weltuntergang die Rede, der sich durch Erdbeben und schreckliche Plagen
ankündigen würde. Nur durch Buße und Sühne könne man errettet werden.
In dieser Situation gewann
die Geißlerbewegung, die es bereits seit dem 13. Jh. in Europa gab, an
Bedeutung. Die Geißler vollzogen das Leiden Christi nach und zogen durch
Europa.
Die Geißeln bestanden aus
Stöcken, die vorne Stränge mit Knoten besaßen. In den Knoten steckten
Eisenspitzen. Zu hunderten zogen die Geißler durch Städte und Dörfer, schlugen
sich mit den Geißeln und sangen monotone Lieder, um gemeinsam mit der
Bevölkerung Gott um Verschonung vor dem Tod und um Aufschub des Weltendes zu
bitten.
Da überall große Angst
herrschte, hatte die Geißlerbewegung anfangs großen Zulauf. Eine Mitgliedschaft
war an strenge Bedingungen und Regeln geknüpft. Den Leitern des Geißlerzuges,
den Meistern, war absoluter Gehorsam zu leisten. Die Geißler kontrollierten
sich auch gegenseitig.
Bei der Bevölkerung waren
sie hoch angesehen, das sie anscheinend eine moralische Überlegenheit besaßen.
Man erhoffte sich durch sie die Rettung. Allerdings zeigte sich nach und nach,
dass die Geißler überhaupt nicht in der Lage waren, die Pest einzudämmen. Im
Gegenteil: Später sah es oft so aus, als würde die Seuche von ihnen verbreitet
werden, weil sie ihnen nicht selten auf den Fuß folgte. Außerdem ließ im Laufe
der Jahre die starke Disziplin in den Geißlerzügen nach, Diebe und Kriminelle
schlichen sich ein, da man mit den Geißlern ohne Kontrolle in die Städte
gelangen konnte. Da die Geißler auch gegen irdischen Reichtum predigten, die
reichen Kleriker anprangerten und wichtige Dogmen und Gesetze in Frage
stellten, machten sie sich auch beim Klerus unbeliebt.
Die Geißlerbewegung war
unglaubwürdig geworden und überall in Europa wurde ihr von der Regierung
Einhalt geboten. Am Ende wurden sie sogar mit Judenverfolgungen und Mord an
Juden in Verbindung gebracht, wobei jedoch nicht klar ist, ob es tatsächlich so
war, oder ob man dies den Geißlern nur nachgesagt hat.
Unter der Bevölkerung
herrschte nach wie vor große Angst vor der Pest und dem vermeintlich
darauffolgenden Weltuntergang, sodass die Theorie von den Juden als Schuldige
auf fruchtbaren Boden fiel.
Judenverfolgungen 1348 / 49
Die Beschuldigung,
Verfolgung und Ermordung von Juden war das fürchterlichste Begleitphänomen des
Pestalltages im Mittelalter. Viele jüdische Gemeinden Zentraleuropas wurden
regelrecht ausgerottet. Die Juden waren bereits vor der Pest durch den
konfessionellen Unterschied und rechtliche Einschränkungen isoliert. Es war
ihnen z.B untersagt, bestimmte Tätigkeiten wie öffentliche Ämter oder
Handwerkerberufe auszuüben. So wurde der Beruf des Geldverleihers, der als
unehrenhaft galt und den Christen sogar verboten war, zur jüdischen Domäne.
Die Ausgrenzung der Juden
erfolgte auch, indem man sie zwang, den spitzen Judenhut zu tragen, an vielen
Orten war auch ein Flecken aus gelbem Filz auf der Kleidung Vorschrift. Immer
wieder wurde den Juden kriminelle Machenschaften vorgeworfen. So hatte man sich
einen erkennbaren Feind geschaffen. Die Juden als diskriminierte Minderheit
waren auf wirtschaftliche Erfolge angewiesen, um zu überleben. Dies zog
wiederum Neid und Missgunst nach sich.
Mit dem Ausbruch der Pest
bot es sich bei vielen an, die Juden zu beschuldigen. Man warf ihnen vor,
Brunnen und Trinkwasser vergiftet zu
haben. Manche Juden
„gestanden“ das auch unter der Folter. Es fanden in vielen Städten Europas
Massaker in den jüdischen Vierteln statt. Die kollektive Angst vor der Pest und
dem nahenden Jüngsten Gericht rief eine Massenhysterie hervor. In vielen Orten
wurden die Juden in ein Haus getrieben, das dann angezündet wurde. Es begingen auch
viele Juden Selbstmord. Argumente von Obrigkeiten, die Juden schützen sollten,
hatten keine Wirkung, zumal die Juden als Christusmörder bezeichnet wurden und
ihnen auch unterstellt wurde, dass sie bei Kulthandlungen Kinderblut tränken
und Kindermorde begingen.
Selbst der Papst, der sich
zum Fürsprecher der Juden machte, hatte auf den Judenhass keinen Einfluss. Auch
sein Hinweis, dass viele Juden unter den Pestopfern waren, wurde weitgehend
ignoriert. Das Gerücht von der Vergiftung der Brunnen durch Juden erhielt sich
und man fand immer wieder „Beweise“ dafür.
Bei vielen Obrigkeiten, wie
Rudolf von Habsburg, galten Juden als Menschen zweiter Klasse und wurden als
Eigentum der kaiserlichen Kammer bezeichnet
(servi camerae imperialis). Die Juden mussten ihrer Obrigkeit sogenannte
Schutzgelder zahlen, was eine gute Einnahmequelle war. Schutz erhielten sie
jedoch meist nicht. Das Vermögen der ermordeten Juden „erbten“ ihre Obrigkeiten
bzw. die Städte, in denen die gelebt hatten. So wurde der Hass auf die Juden
noch durch Habgier und Machtsucht angestachelt.
Später setzte sich auch das
Gerücht durch, die Juden wollen durch die Vergiftung der Brunnen die Christen
in ihrer Zahl einschränken, um Macht zu erlangen. Alle Gerüchte über die Juden
fielen beim Volke auf fruchtbaren Boden und die Juden konnten auf kein Mitleid
hoffen.
Um 1350 waren viele
europäische Judengemeinden ausgelöscht. Die überlebenden Juden hatten ihre
verbrieften Rechte sowie den Schutz des Monarchen eingebüßt und ihre
Aufenthaltsgenehmigungen waren begrenzt. In der späteren Zeit wurde ihnen noch
mehr Intoleranz entgegengebracht.
Die großen Pestepidemien gehören der Vergangenheit an, ihren
Schrecken hat die Pest jedoch bis heute nicht verloren. Und auch heute
schrecken alle paar Jahre Berichte über neue Ausbrüche der tödlichen Seuche die
Menschen auf. So werden heute pro Jahr wieder rund 140 Pesttote gezählt. Das
sind mehr als noch vor einigen Jahrzehnten. Auch die Anzahl der Erkrankungen
stieg von 200 im Jahr 1981 auf über 2000 zehn Jahre später. Heutige
Pestinfektionsgebiete sind Bolivien, Peru, Brasilien, Uganda, Zaire, Vietnam
und die Mongolei.
Bergdolt, Klaus; Der schwarze Tod in Europa, C.H.Beck
1999
Unbekannt; Weitnauer Allgäuer Chronik
http://www.schweizerbauer.ch/btm/news/aktuell/artikel/01340/artikel.html
http://www.biogene.org/themen/biotech/newspez3.htm
http://www.referate.de/html/bio/bio0043.php
http://www.mcmedizin.ch/home/frankenstein/pestimmittelalter.htm