Der Sänger, das Groupie und ein Fisch
Diese Seite ist mal besucht worden.

Der Sänger, Das Groupie und ein Fisch

KAPITEL 1: DAS GROUPIE 3 KAPITEL 2: DIE BESTE FREUNDIN 6 KAPITEL 3: DER SÄNGER DIE DRITTE 9 KAPITEL 4: KONZERT IN BAYERN 12 KAPITEL 5: HERBST IN BERLIN 16

Kapitel 1: Das Groupie

Meine Geschichte ist nicht schnell erzählt, weder kurz noch lang, ein Atem reicht nicht für einen Satz aus. Sie ist alt und jung, neu und gehört. Sie ist weder wichtig noch uninteressant. Sie wird ins Ohr gehen und langweilen. Du kennst sie und wieder nicht. Sie ist meine Geschichte, doch deine kann sie auch sein. Sie handelt von Liebe und Haß und auch nicht.

Wie sich die Sonne im Wasser mehrfach spiegelt hatte Maud tausende Stimmungen und Gesichter ihres Charakters. Oft hörte sie im Vorübergehen, im Radio ein Lied und schon war sie wer. Ein Junkie, ein Groupie, eine Esoteriktussi, eine Streetfighterin, eine toughe Frau, ein Mädchen, Feministin oder ein kesser Vater; lesbisch, Hetera oder beides. Es gab kein einheitliches Ich sowie sie es von anderen kannte. Die waren immer sie selbst. Sie hatte tausend Facetten, die sich genügend oft tierisch wiedersprachen.

In ihrer Esoterikphase dachte sie sich: Na ja ich hatte halt schon so viele Leben vor diesem und habe deshalb so viele Seelen in mir. Aber meistens war sie einfach nur verzweifelt. Es ist auch schwer damit auszukommen. Am schlimmsten war es im Frühling. Wenn sich andere so einfach verliebten, ging es bei ihr los. ”Erstens in wenn könnte ich mich verlieben? In eine Frau, einen Typen, einen weiblichen Mann oder in eine Kerlfrau? Und wenn, was ist dann wenn ich gerade Junkie, Emanze und Groupie bin, aber auf Frauen stehe, die sowas gar nicht ab können?”

Das übelste von allem war, wenn sie sich in einen Sänger verliebte. Halt, möchtet ihr da vielleicht rufen. Das ist doch Teeniekram, Schwärmerei, Fankult oder Psychose. Keine ”normale” erwachsene Frau verliebt sich ernsthaft in einen Sänger einer Rockgruppe! Doch, doch meine Lieben, Maud schaffte auch dieses. Als Groupie war es nun mal ihr Hobby, am Wochenende auf Konzerte zu gehen. Wegen der Musik, um hinter die Bühne zu gelangen (dort sammelte sie Autogramme, die sie oft am gleichen Abend wieder verlor) und um sich mit den Bandmitgliedern zu unterhalten. In der Regel klappte dies wunderbar, ohne große Komplikationen für sie. Außer, daß sie auf diese Art und Weise ihre beste Freundin verlor. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Einmal aber, es war ein Konzert eines französischen Sängers, den sie auf der Bühne eher als mittelmäßig empfand. Nun ja ihre Eintrittskarte Backstage war der Satz: ”Ich möchte gerne ein Autogramm!” Der Ordner fragte beim ”Star” nach und sie durfte nach hinten. Er war geschmeichelt und nett. Er bot ihr den Sitz neben sich an und holte ihr ein Bier. Er stellte die anderen vor und es entspann sich ein kleines Gespräch. Doch bald darauf wurde zum allgemeinen Aufbruch geblasen.

Sie war geschockt. Dies gab es noch nie. Der Star war nett zu ihr, wollte aber dennoch gleich - ohne sie - schlafen gehen. Was tun, um diese Katastrophe aufzuhalten? Ihm um den Hals fallen und küssen. Nee, dazu hatte sie zuvor too much den coolen Junkie raushängen lassen. Außerdem ihr Stolz. Aber er war süß und sie spürte, daß sich der Magen zusammenzog und das Blut in ihren Adern pochte. Die Hände kalt und naß. Zum Glück war da noch der Photograph, mit dem sie während des Konzertes geredet hatte. Ein Satz, zwei Sätze und zurück. Zu ihm”I would like to have a photo of us.” Entzücken auf seiner Seite und zack sind die Aufnahmen im Kasten. Oh weh trotz allem ging er, zwar mit Abschiedsküßchen, aber er ging.

Und Maud war verliebt. Sie schwebte und war gleichzeitig sauer. Sie haßte ihn (wegen der vermeintlichen Zurückweisung ) und kaufte sich sofort seine Musik. Sie wollte alles von ihm wissen und nahm am selben Abend einen anderen mit nach Hause.

Einen Mond später war der Sänger wieder in der Stadt. Sie wußte es eine Woche vorher. Natürlich brauchte sie für diesen Event neue Klamotten. Früh ging sie zum Veranstaltungsort, um eine Karte zu kaufen. Die Zwischenzeit zum Konzertbeginn wurde mit Alkohol verbracht. Und dem Erinnern, an das Verschicken eines der Fotos an seine Plattenfirma, mit einem ausgeklüngelten Brief auf french. An die langwierige und fruchtlose Suche nach Informationen über ihn. Und dann war sie in der Halle. Heiße Eisfinger krochen den Rücken empor. Das Zittern innerlich wurde fast zum Herzinfarkt. Zum Glück war da wieder der Photograph. Der kam direkt aus dem Backstagebereich. Ein Wort und ”Hallo” und schon hatten zweie ein Thema: ”Hast du ihn schon begrüßt?” ”Nein, ich habe mich noch nicht getraut nach hinten zu gehen.” ”Ich werde gleich nochmal nach hinten müssen, aber ich weiß nicht, ob ich dich mitnehmen kann.” ”Na dann grüß ihn doch einfach von mir.” ”Gut!” Die Aufregung erforderte ihren Tribut. Maud mußte die Toilette aufsuchen. Zurück suchte sie schon der Photograph. ”Wo warst du? Er war gerade hier und wollte sehen, wer ihn hat grüßen lassen!” ”Scheiße, ich bring mich um, ich bin doof. Aah Scheiße, so ein Mist auch! Ich hab nur Pech!” ”Hey, er meinte auch, daß du nach dem Konzert Backstage willkommen bist, er möchte die Frau, die ihn gegrüßt hat, sehen.” Im Magen einen Freuerball, in den Adern Eis und im Kopf den geilsten Kick seit Jahren. Alles scheint möglich. So wird das Konzert zum getanzten Traum mit dem Ziel der Sehnsucht direkt vor der Nase. Oh ja Maud, er sieht zu dir rüber. Oh Göttin hilf mir oder ich zerplatze. Kein Trip puscht so wie dieses irre Gefühl. Ewigkeit senke dich herab.

Noch eine Zugabe und dann ist es soweit. Doch das Zittern im Magen, dieses Zusammenkrampfen im Leibesinneren. Keep cool, leicht gesagt, wie soll Maud nur an dem Bodyguard, dem Türsteher, dem Petrus der Groupies vorbei. ”Äh, du ich werde hinten erwartet” Nein das hört sich nicht cool an. Als Erzengel erscheint wieder der Photograph und zieht sie einfach mit.

Im Heiligtum herrscht jedoch emsiges Treiben. Diverse Musiker, Besucher, wichtige und unwichtige Menschen laben sich am Buffet und an den Getränken. Erst mal ein Bier. Die langhaarige Blonde, die ihn da anschmachtet, ist doch schon hundert. Keine Konkurrenz, so ´ne Tussi ohne Rückgrat. ”Ça va?” ”Qui ça va, très bien” Oh nein mein Lieber, Maud kann doch gar kein Französisch und versteht doch gar nicht was du ihr sagen willst. Sie wird immer verzweifelter, versucht auf Englisch sich mitzuteilen. Irgendwie gelingt es ihr natürlich nicht. Da ist die Audienz schon wieder beendet und Gott schlendert von dannen. Zurück ein Bündel voller Adrenalin und anderen körpereigenen Psychosubstanzen. Tranquilizer waren leider nicht dabei. So schleicht sie wie eine Raubkatze umher. Redet mal hier, mal dort mit Menschen. Die Augen schweifen, bis sie die Beute in einem hinteren Zimmer verschwinden sind. Die Garderobe, ein fast leerer Raum mit Tisch und drei Stühlen in der Mitte und Wandhaken für die Kleidung. Er unterhält sich mit einem Typen, Algerier oder so. Ihr wird aber sofort der Platz geräumt und er bittet sie, sich zu setzen. Wieder beginnt die Tortur der Sprachschwierigkeiten. Wieso spricht er nicht Englisch, wie beim ersten Konzert. Wieso muß er sie so hinhalten. Und dann steht er einfach auf und läßt Maud alleine an dem Tisch sitzen. So ohne ein Wort. Jedenfalls ohne ein Wort, das sie versteht.

Verdattert wird sie sauer und traurig. Nur weg, raus aus diesem Raum. An der Tür sieht sie ihn mit einem Handy telefonieren. Als sie ein paar Schritte weiter ist, geht er zurück in den Raum und telefoniert weiter.

Eine Neutronenbombe ist nichts dagegen. Sofort bricht der autonome Punk-Junkie durch. Maud plündert die Alkoholbestände, treibt was zum Rauchen auf, stänkert den Produzenten und andere wichtige Leute an. Zum Schluß säuft sie mit dem irischen Bassisten um die Wette. Diesem gesteht sie ihre Liebe zu dem Sänger. Welch ein Mann von der grünen Insel würde eine tiefe unglückliche Liebe nicht verstehen. So versucht er sie zu trösten. Er hätte ja gehört, daß der Sänger sich vor kurzem verliebt hätte. Jedenfalls würde er sich so benehmen, wie wenn er sich verliebt hätte. Da hätte Maud natürlich keine Chance. Er hätte aber auch gehört, daß dies nicht so gut für den Sänger verliefe und er fände es besser, wenn der Sänger sich in eine andere verlieben würden. Außerdem würden sie ja gleich mit dem Tourbus weiter nach Mainz fahren.

Sie wären halt auf Tour, da hätte keiner Zeit für mehr. So wurde dann vereinbart, daß der Ire dem Sänger von der Liebe, die Maud für ihn empfindet, erzählen sollte. Freundschaftlich teilten die beiden sich das letzte Sixpack (jeder drei Flaschen) und Maud wurde in die kalte Nacht entlassen.

Kapitel 2: Die beste Freundin

Der Frühling begann somit für Maud mit einer Tiefphase. War okay so war eh kalt und die Arbeit machte auch keinen Spaß. Is’ ja auch nicht so tolle wo neu anzufangen, keine Einweisung zu bekommen und nach zwei Wochen verabschiedet sich die Ansprechpartnerin bzw die Chefin. Maud sollte plötzlich für alles da sein. Und dann noch die Depression zu haben. April, Melancholie und Nico (die coolste Junkiefrau schlechthin).

Schön war es da eine sogenannte beste Freundin zu haben. Noch schöner, wenn diese mehr ist. Wenn diese dich in den Arm nimmt und küßt und ... Ja leider war da nie mehr als in Arm nehmen und küssen. Aber Maud hatte ja gelernt nicht zu aufdringlich zu sein, Grenzen zu achten und der anderen den Raum zu geben ... Vor allem wenn die Geliebte Mißbrauchserfahrung hatte. Oh meine Lieben dann sollte frau erst recht vorsichtig sein. Ist ja gut so, nur die beste Freundin hielt Maud damit schon sechs Jahre hin. Zwölf Jahre kannten die beiden sich. In dieser Zeit zog Maud manchmal los und fand sich knutschend mit einer in der Ecke, aber zu mehr fehlte der Mut. Oder das sentimale Erste Mal wollte dann doch mit der Liebsten verbracht werden.

Die beste Freundin wußte um Maud, sie konnte sie gut manipulieren. Ihr wißt ja ein Lied und schon ist die gute Maud auf ihrem Trip. Nun was Maud nicht wußte oder wahr haben wollte, die beste Freundin war auf der Jagd nach einem Mann. Eigentlich egal, Hauptsache sie konnte damit ihre Mutter ärgern. Zwischenzeitlich war Maud dafür auch ganz gut. Schließlich hatte Maud ja mal Kontaktverbot mit der besten Freundin von deren Mutter bekommen. Und auch so war die Letztere der Ersten nicht grün. Außerdem war Maud eine wunderbare Waffe gegen unbrauchbare gewordenen Bewerbern. Frau konnte sie ja so leicht gebrauchen. Ein Lied, eine stimmungsvolle Sequenz, ein paar Sätze und schon sprang die Gute jedem Mann an die Kehle. Nicht daß die beste Freundin Maud nicht geliebt hätte. Nein in der männerlosen Zeit war es immer schön jemanden zu haben, mit der frau reden und ein bißchen kuscheln kann. Aber bitte nicht zuviel, sonst könnte frau ja wieder schwach werden. Wie so manchmal.

Meistens hatte die beste Freundin eh keine Zeit, da sie viel arbeiten mußte. Neben ihrem anstrengenden Tag als angehende Psychiaterin, war sie unheimlich engagiert in der Wiederbeschaffung von Werten. Also nicht in der Müllverwertung sondern im ethisch, moralischen Sinne. Also dann doch mehr im idealistischen Bereich. Schön das! Kurz und dumm gefaßt, kommt die Revolution auf schleichenden Pfaden, wenn frau Kinder bekommt und sie diese a`la ”Liedloff” aufzieht. Kennt ihr nicht, ach was. Ist eigentlich auch was dran. Also Kind nach der Geburt auf den Bauch, Säugen, viel Liebe und Wärme geben , mit Baby in einem Bett pennen (da bekommt es halt die Wärme und Nähe mit), Tragetuch und so weiter.

Für Maud war dies ganz klar. Die beste Freundin propagierte das, was eh ein Teil ihrer Charakteren, die Streetfighterin, die Weltverbesserin und die Frau in ihrer Teileigenschaft als Mutter, war. Was keiner klar war, war daß Maud nie Mutter sein wollte bzw sein konnte. Sie wollte dann doch lieber die Liebhaberin der Mutter sein. Oder doch eher die Geliebte einer Frau ohne Mutterambitionen, einer Idealistin. Oder einer Frau, die so ähnlich gestrickt war wie sie selbst, die selber so Arten- Entschuldigung Facettenreich war?

Trotz allem waren sich die Ladies sehr zu geneigt und hatten in ihrer langen Laufbahn als beste Freundinnen vieles gemeinsam. So entschlossen sie sich auch, endlich einmal (nach zwölf Jahren!) gemeinsam in den Urlaub zu fahren.

Für die beste Freundin ein gelungenes Fressen, ihrer Mutter ein Reinzuwürgen. Pustekuchen die Ma’ war begeistert, hatte sie doch längst ihre Vorbehalte gegenüber Maud abgebaut. Schlechtes Omen für die Reise. In gnadenvoller Unkenntnisse tiefergehender Beweggründe plante Maud voller Lust diese Reise. Es sollte nach Frankreich gehen, dem Phantasiereich ihres Paradieses. Und auch die beste Freundin hatte starke Affinität mit diesem Lande. Maud dachte an lauschige Nächte im Zelt mit verspieltem Frühstück in einem süßen Bistro, Milchkaffee und Croissant. Esoterische Ruinen klettern am Tag und die Göttin mit Amazonenliebe feiern des Nächtens. Sie hoffte, daß die Nähe des Alltages die Distanz des Mißbrauches aufheben wird und die beste Freundin sich endlich zur Liebe bekennen kann. Und sah sich schon als Zigeunerin, als wilde Amazone frei schweifend unter dem Monde ziehend.

Der erste Tag, Übernachtung bei den Eltern von Maud, ließ sich gut an. Alle gutgemeinten provokanten Hinweise auf Lesbischsein wurden wohlwollend aufgenommen. Die Katzen, wurde von diesen vorher nie erzählt, nun dann wird es später der Fall sein, waren perfekt bei der Mitbewohnerin untergebracht. So ging es dann am nächsten Tage in die Ferne. Die Tage waren exzellent, die beste Freundin kümmert sich wie eine Ehefrau um Maud. Natürlich lernten sie nicht explizit Männer kennen, dafür sorgte die Aura des Frauenpärchens. Und wenn dann wollten die Typen etwas von Maud. Was der besten Freundin natürlich stank, aber sie ließ sich nichts anmerken. Die Nächte waren ein Horror. Maud konnte kaum schlafen, da sich die beste Freudin immer auf die äußerste Kante legte und wenn Maud sie mal berührte (was bei einem französischem Bett nun mal leicht der Fall ist), sie extrem zusammenschreckte und sich soweit wie möglich zurückzog. So waren beide nie richtig ausgeschlafen. Maud schob dieses Verhalten auf die Mißbrauchsgeschichte der besten Freundin und versuchte so rücksichtsvoll wie möglich zu sein. Was die folge hatte, daß sie noch weniger ruhig schlafen konnte, weil sie immer aufpaßte, daß sie der Geliebten nicht zu nahe kam. Wenn sie gewußt hätte, was wirklich hinter diesem Rückzugsgefecht der Frau stand? Die beste Freundin wollte sich nur von ihren lesbischen Tendenzen, die sie immer mehr, je länger sie mit Maud eng zusammen war, fühlte, abgrenzen (jedenfalls sexuell): Sonst hätte sie für immer den Bock auf Männer, den sie eh nie so verspürte, verloren. Also spielte sie des nächtens die verfolgte Mißbrauchsunschuld und des tags die treusorgende Ehefrau (weil Maud verlieren wollte sie auch nicht) in der Hoffnung weil Prinz möge sie entdecken und erwecken und sie in die erhoffte Ehe entführen.

Dummheit ist nicht unbedingt ein Zeichen von fehlender Intelligenz und so war Maud sehr dumm zu dieser Zeit. Sie wollte glauben alles wäre im Lot und das Verhängnis nahm seinen Lauf. Einen Monat nach dem Urlaub besuchten beide ein Konzert, Maud nahm an, daß sie beide Groupies waren. So sorgte sie auch dafür, daß die beste Freundin einen Typen, auf den sie ihr Auge geworfen hatte, kennen lernte. Er spielte eine Art ägyptische Zither. Nicht hübsch, nicht häßlich wenn frau auf die Art von iranischen Fundamentalisten steht. So vollbärtig mit stechenden schwarzen Augen. Für ´nen Groupieflirt am Rande mochte es jedoch angehen. Deshalb hatte Maud nichts dagegen als die beste Freundin mit ihm tanzte. Als sie jedoch nach einer halben Stunde mit ihm abzischte und Maud auch noch zuflüsterte ”Je t´aime”. Ja da war sie doch etwas pikiert. War nicht abgemacht worden, daß sie bei ihr übernachtete? Und ihr irgendwie so einen häßlichen Vollbart vorzuziehen, daß war nicht normal. Hatten sie bis jetzt nicht immer die Typen stehen lassen? Allein die Vorstellung wie der Typ jetzt die Venusgrotte betrat, von der Maud immer träumte. Die sie einmal auf einer Stipvisite sah. Eklig! Maud ging mit düsterer Laune in ihr Heim, zu den Katzen.

So fand die Eine ihr heiß ersehntes Männerglück und die Andere erforschte zeitweilig den Grund der Hölle. Die beste Freundin heiratete und bekam eine Tochter. Maud bekam ihr Coming-Out. Kapitel 3: Der Sänger die Dritte

Voll auf dem Vergangenheitstrip, eingebunden in ihre eigene Wiederauferstehung der Vergangenheit, inklusive einem lauwarmen Aufwärmen ihres Liebesgefühls zum Altfreund Pierre, kam das geliebte Verhängnis in Form eines Veranstaltungstermins. Der französische Sänger, der von dem immer noch die Photos an der Wand prangten, kam wieder in die Stadt. Wie es der Araber vom Pfefferberg gesagt hatte, er kam im März in die Stadt. Diesmal gab es aber keine neuen Kleider für diesen Event. Nein, erstmal ließ es Maud ziemlich kalt. Na ja bis auf dieses gewisse Kribbeln, das sie immer verspürte wenn sie an den Samstag, an dem er spielen sollte, dachte. Und oft dachte sie ja auch nicht daran. Zuerst nur alle vier Stunden, dann ein bißchen öfter. Donnerstag wußten es schon alle Kollegen. Am Freitag wurde das Radio, mit dem der Radiosender empfangen werden konnte, wo Freikarten für solche Konzerte zu holen waren, zum Schreibtisch geholt. Minütlich steigerte sich die Spannung, bis die gesamte Abteilung fieberte. Doch es gab keine Freikarten.

”Wenn ihr wißt wer der Produzent und Gitarrist der CD der Woche und des letzten Albums ist ...” Keine Karte, dafür eine CD von ihm, gab es zu gewinnen. Unterstützt durch begeistert klingende Laute der Kolleginnen und gestärkt durch den Willen 35 Mark zu sparen, beschriftete Maud eine nette HIV-Präventionsbotschaftskarte aus Australien mit dem richtigen Lösungswort, klaute kurz einer Kollegin eine Briefmarke und ab damit. Nochmal schnell den KollegInnenen den genauen Schönheitsauf-bauprogrammplan für das Ereignis des Jahres erzählen und dann ins Ungewisse.

Eng anliegende schwarze Satinhose, ein Glück daß Maud 5 Kilo in den zwei Jahren abgenommen hatte, ihr dunkeltaubengraublaues Viskoseshirt, eng mit chinesischen Muster, garniert von ihrer alten Streetfighterinnen-Lederjacke marschiert sie elastisch in den großen Saal zur ersten Reihe. Eine gekonnte Mischung aus Femme Fatal und Emanze, zwar etwas erblondet aber mit stahlhartem Kajalblick und lieblich geschwungenen roten Lippen. Direkt vorm Mikrofon wird der Platz besetzt. Noch schnell unten im Café einen Wein reingezogen und vor der Tür ‘ne Zigarette, ER fängt ja nie pünktlich an.

Gigantisch diese Mischung, ER als Joe Crocker, Keith Richards und die alten Orientweisen. Bei dem Technolied kurz den Ordner draußen gefragt, wo die Garderobe liegt und bei der ersten Zugabe noch ‘nen Wein besorgt. Maud möchte die Erste sein, später Backstage. Zwischendurch hatte sie immer wieder Photos gemacht mit dem eingeschmuggelten Apparat, um den Geist einzufangen, zu bannen und um die Schlange im Magen zu besänftigen.

War es möglich, daß ER sie sah, erkannte, als sie tanzte. Als sie, wie ein Profi, ihn in allen Posen ablichtete. Sang ER nur für sie, mit seinem Freude ausstrahlenden Gesicht. ”Nein soviele Menschen und so lange her, ER kennt mich nicht mehr. Wer bin ich auch für ihn? Eine Fremde, die vor zwei Jahren auf einem seiner unzähligen Konzerte war.” Maud zermarterte ihr Gehirn, während sie zur Gaderobe eilte.

Im Erdgeschoß der schwangeren Auster, dem Veranstaltungsort, glänzten graue Betonwände mit geschmackvoller siebziger Jahre Auslegware. Kein Laut war zu hören. Maud saß in ihrer coolen schwarzen Lederjacke ein Glas Wein in der Hand auf einer Sitzgelegenheit vor den magischen Räumen. Kurz vorher inszenierten sich drei Mitglieder eines Kamerateams auf der Couch, bevor sie in den heiligen Hallen verschwanden.

”Das ist frau ja von Filmstudenten gewöhnt”, dachte sich Maud in der Hoffnung, damit der Flut von Angstschweiß begegnen zu können. ”Oder ist es doch ein Filteam von Arte, dem Kulturkanal. Da kann ich doch nie reinplatzen. Und hier draußen sitzen, ist ja noch peinlicher.” Im inneren Singsang vertieft, bemerkt Maud den dunkeläugigen Vollbart spät. Aber nicht zu spät. ”Das ist doch der Typ, der angeblich Rachid kennt. Der Maler, der immer so auf arrogant macht. Von dem sich doch meine beste Freundin hat absabbern lassen, weil er ihr Märchen über ihren Traumprinzen erzählt hat. Von wegen Psychologiestudent!” Erbost spricht Maud den Typen an: ”Lang nicht gesehn. Was treibt dich so rum?” ”Na willst du etwa IHN besuchen!” Sardonisch in seinen Vollbart grinsend schiebt der Typ durch die Tür ins Allerheiligste ab. Sauer und perplex angesicht dieser Frechheit zündet Maud sich erstmal ne Kippe an und nippt an ihrem Wein. ”Der Arsch geht da rein und ich sitz hier blöd rum. Scheiße, was glaubt das patriachalische Vollbartgesicht denn, wer ich bin?” Morgain, die Krähe, die Rachegöttin erhebt ihre schwarzen Schwingen und flugs ist Maud im Backstagebereich.

Ein rechteckiger Raum fast ausgefüllt von einem riesigen Konferenztisch, Gaderobeständer zur Linken, daneben Stühle, rechts ein Kühlschrank, der halb zwei zusammengerückte Tische mit den Resten eines schon immer kärglichen Büffets verdeckt, hauptsächlich Salat. Kein Sänger, viele Leute, Bandmitlgieder auch und das Vollbart. Gestärkt durch Antipathie pflanzt sich Maud neben ihn. ”Sag was machst du wirklich hier?” Funkelt sie ihn an. ”Ach weißt du bla bla bla ist ein Freund von Dingsbums, der spielt hier die Oud, auch ein Marokaner, ich will mit ihm reden. Soll ihm Grüße sagen.”

Der Typ tut wichtig und Maud so als ob sie dazu gehört. Alles löst sich auf. Ein kleiner Mensch mit dunklen Locken und Hackennase lugt aus einer Seitentüre kurz hervor, im Begriff sich vom Filmteam zu verabschieden. ER verschwindet wieder. Ein Herzschlag und der Sänger taucht vor Maud auf, ein Bier in der Hand, erfreut und: ”Ich kenne dich, wir haben uns gesehen in Berlin ...” So oder so was ähnliches hört Maud aus dem französischen Wortschwall heraus, als der Sänger ihr das Bier anbietet. Sie antwortet auf Englisch. ER setzt sich neben sie. Sie kramt aus ihrer Jacke zwei Photos vom ersten Konzert hervor. ER freut sich wie ein Kind und zeigt die Photos seinen Bandkumpels mit stolz geschwellter Brust. Maud deucht die Art wie ER sich mit seinem Signet auf der Rückseite verewigt très charmant. But same procedure as every concert. Nach einigen Sätzen, die Maud nicht versteht erhebt sich der Sänger und spricht mit ein paar Typen aus der Band. Auf der anderen Seite des Raumes! Zwei bis dahin unbeachtete Deutsche outen sich als MitarbeiterInnen seiner Plattenfirma und heißen ihn in ihrem Namen willkommen. Plattitüden dann noch so vor sich hin, bis er die Audienz beendet. Auf einer Tournee und auch sonst ist der Bereich hinter der Bühne ein Geisterleben für sich. Als Groupie agiert Maud wie es sich gehört. Sie verteilt gute Ratschläge und Visitenkarten an die Plattenfirmenmenschen. Läßt ein Poster des heutigen Abends von allen Bandmitlgiedern, einschließlich dem Sänger, unterschreiben und mischt sich auch so gekonnt unter das Volk. So endete sie schließlich mit allen im Hotel. Jedoch ohne ein weiteres Wort mit IHM gewechselt zu haben.

Dabei bleibt es dann auch im Verlauf des weiteren Abends. Der Rest der Band verteilt sich im Foyer, lässig hingeworfen in die Ledergarnitur und jammert. Es gibt nichts mehr zum Essen, nichts zum Rauchen. Maud erklärt zum tausendsten Mal, daß sie ihren Dealer um die Zeit nicht mehr erreichen kann und man müßte raus gehen, um was zum Rauchen zu bekommen. Doch die Band ist zu lasch, zu faul um sich zu bewegen. Der Sänger taucht kurz auf und verschwindet wieder.

Irgendwann geht Maud mit dem Percussionisten und dem Gitarristen auf´s Zimmer, um die Minibar zu plündern und MTV zu glotzen. Doch auch das befriedigt sie nicht. Sie will zu IHM. Dann will der Gitarrist auch noch verschwinden, angeblich um die anderen und um Bier zu holen. Maud hat keine Lust, alleine mit dem anderen im Zimmer zu bleiben. Das ist nicht gut für ihren Ruf, denn der ist total scharf auf sie und wie soll sie danach behaupten, daß nichts gelaufen ist. Der Sänger würde sie ja für eine Schlampe halten und dann sieht der Percussionist auch Kacke aus. Ne, ne nicht mit ihr. So haut sie mit ab, fährt runter ins Foyer und läßt sich vom Nachtportier die Zimmernummer vom Sänger geben. ”Entschuldigen Sie bitte, ich muß morgen früh Herrn ... anrufen, könnten Sie mir die Telefonnummer geben?” Der Portier erklärt ihr dann auch noch, daß die Durchwahl der Nummer die Zimmernummer ist. Tja Alter, uralter Trick erfahrener Groupies.

Doch was jetzt. Maud sitzt im Gang vor seiner Tür. Plötzlich tierisch bekifft und besoffen, beschließt sie zu gehen. Doch vorher nimmt sie das Foto vom ersten Konzert, auf dem sie und ER sind und schreibt hinten drauf: ”It was a great concert, have a good time, Maud”. Mit dem Foto und einer Visitenkarte in der Hand torkelt sie zum Fahrstuhl, da trifft sie zwei aus der Band, die sie zum Verweilen überreden wollen. Aber wenn Maud gehen will, geht sie. Unten angekommen überreicht sie das Foto und die Visitenkarte dem Portier, mit der Bitte diese am Morgen dem Sänger zu überreichen. Und die Kühle der Morgendämmerung fängt sie ein, auf ihrem Weg nach Hause.

Katzenjammer folgte dem Aufwachen, wie der Wolf der Fährte. Es fing doch so gut an. Haßt ER sie, schlimmer ist sie IHM egal. Herzschmerzen verdrängen Kopfschmerzen. Der Frühling hielt noch heftigere Stürme für sie bereit. Das Sterben verdrängte die Liebe. Kälte verdarb die ersten Blüten.

Kapitel 4: Konzert in Bayern

Todesfälle an sich, haben ja nichts Aufbauendes. Zwei Tote in drei Tagen und dann noch zwei, die frau sehr viel bedeuten, ziehen noch mehr runter. Maud hatte ihre liebe Oma und einen Freund/Kollegen zu beklagen. Dies nahm Raum, Zeit und Kraft ein. Schwierig zu trennen die Trauer um den/die Einzelne/n. Für sie war die Lösung, zu verfallen dem dunklen Meer der Tränen, des Verlustes, des Erinnerns, des Schmerzes und zwar absolut. Ohne Pardon. Es war ein Muß soviele Trauerrituale wie möglich zu absolvieren. Durch das zeitnahe Sterben der beiden Menschen war es ihr unmöglich an der Trauerfeier ihrer Oma teilzunehmen. So kam es, daß sie an dem Tag der Trauerfeier für ihren Kollegen nach Bayern fuhr zur Urnenbeisetzung ihrer Oma.

Hatte die Großmutter ein letztes Geschenk für ihre Enkelin oder war es Zufall? Jedenfalls hörte Maud im bayrischen Dschungel eine aufregende Mär. Der Sänger kommt ein zweites Mal nach Deutschland. Die Weltstadt München war tolerant und trotz Gauweiler, Strauß, Waigel und Konsorten so mulitkulti, daß sie ihn einlud, zu spielen auf einem Festival.

Zurück in Berlin wurde das Internet bemüht und zack waren die Fakten klar. Wann und in welchem Zelt er auftrat. Alte Seilschaften trugen das ihre bei, so daß die Planung Konzertbesuch gedieh. Auch die Deutsche Bahn AG ließ sich nicht lumpen und steuerte das ihre bei: ein Sommer-Sonderangebot Berlin-München und zurück für schlappe 100 Märker. Die Göttin liebt ihre Kinder!

Ein Zelt auf Stein, Kies gebaut, halbrund um die Arena Tribühnen wie im griechischen Theater zugeschnitten auf eine große Bühne. Und Maud mit neuem Rock, dunkelbraun mit hellblauem Muster, und ein dazu passendes hellblaues enganliegendes Top. Ungeschminkt, aber mit frisch gefärbten Wimpern und rot-blondem Haar wiegt sie sich in den orientalischen Weisen der Musik. Zu kurz, aber einfach genial war das Konzert. Maud ist schlichtweg begeistert. Die Musik des Sängers, die laue Wärme des Sommerabends versetzt sie in eine Stimmung, die sie euphorisiert. Gutgelaunt ist der Weg zu dem Wachhund, der den Backstagebereich verteidigt ein leichtes. ”Halt, hier geht´s nicht durch. Das ist verboten” ”Entschuldigung bitte, aber ich hätte gerne gewußt, wie ich backstage komme?” säuselt Maud mit dem geübten Charme eines Groupies. ”Ich darf hier keinen durchlassen. Des is mei Befehl!!!” ”Ach das ist schade. Ich verstehe das, aber ich bin extra aus Berlin gekommen. Ich kenne den Sänger. Aber er weiß nicht, daß ich hier bin. Ich habe erst gerstern erfahren, daß heute das Konzert ist und so konnte ich nichts sagen, daß ich komme.” Sie lächelt den Ordner gewinnend an. ”Ich habe für ihn ein Geschenk mitgebracht, daß würde ich ihm gerne geben. Photos vom letzten Konzert in Berlin im März.”

”Ich darf hier keinen durchlassen,” wiederholt er. ”Aber hmmm, der Schorsch vorne am Einlaß, der is doch dafür zuständig. Geh doch dahin und frag den mal, ob du durch darfst” Der Ordner grübelt. Da fällt sein Blick auf einen anderen. ”Ey Peter, komm mal her! Bist du net a für´n backstage do.” ”Jo, scho” bayert der andere zurück. ”Ge maderl soag ehm wos de willst” zufrieden weist der Ordner auf Maud.

Etwas verfeinert durch Ausschmückungen und mit einem kleinen Anflug von bayrisch wiederholt sie ihre Geschichte.

”Na schau ma mal. Komm mit, wenn er dich sieht und den Knüppel holt, dann mußte halt wieder gehn.” Mit diesen Worten geleitet der zweite Ordner in den heiligen Bereich.

Hinter der Bühne stehen einige Campingwägen an einem hohen Holzzaun, der den gesamten Backstagebereich einrahmt. Zwischen den Wägen und dem Veranstaltungszelt ist ein weiteres großes Zelt aufgebaut. Dieses entpuppt sich als ein richtiges, aber kleines Restaurant mit gedeckten Tischen und einer gläsernen Büffettheke, die durch eine Wand geteilt ist. An der Trennwand steht er, blickt plötzlich auf und sieht zu den Eindringlingen. Noch während der Ordner, hallo Sänger schreit, eilt dieser auf Maud zu und küßt sie auf beiden Wangen. ”Ça va?” Trés bien, merci. Et toi ça va?” Maud hatte ja doch etwas gelernt. Der Ordner wendet sich ab, da die Sache ja klar ist und Maud wird von IHM hinter die Trennwand geführt. Der Hinterausgang des Cateringzeltes öffnete sich auf einen kleinen Platz, der durch den Holzzaun und zwei Campingwagen begrenzt wurde. Dort standen zwei Tische mit Bänken. An diesen saßen die anderen von der Band. Im Hintergrund dudelte die zweite Gruppe dieses Abends.

In einer Geschwindigkeit deren Ausmaße nur die französische Sprache mächtig ist, stellt der Sänger ihr die anderen vor. Sie kommt kaum noch nach zu murmeln, ”Ça va und trés bien, merci.” Keinen Namen kann sie sich behalten, aber dies ist auch nicht so wichtig. Ihr heliozentrisches Weltbild ist auf die Sonne Sänger ausgerichtet. Und der Sonne hat sie zwei Opfergaben darzureichen.

”J´ai un cadeau pour toi!” Maud gibt IHM einen Umschlag. ER strahlt und reißt ihn auf. Sieht die Photos, frägt ob die von Berlin sind und reicht sie an die anderen weiter. Sie finden Beifall und enthusiatischen Anklang. Als dieser im Abklingen ist, wartet Maud mit ihrer nächsten Überraschung auf. ”Un cadeau pour les group!” Es war wie Weihnachten! ER hält die klitzekleine blaue Schachtel, die Maud höchst selbst gebastetelt hatte, in den Händen und dreht sie. Zu ihr gewandt will Er auf französisch irgendetwas wissen. Sie denkt sich ihren Teil, weiß aber nicht was Shit auf französisch heißt. ”C’ est chokolade” sagt sie in der Hoffnung, daß der spanische Insiderslang für Haschisch auch Algeriern geläufig ist. Und Wunder ist es auch. Der Sänger ändert sofort sein Verhalten. Spielt mit der Schachtel, schüttelt sie an seinem Ohr, als wüßte er nicht, was sie enthält. Grinst wie ein Kobold hält sie seinem Kumpel, dem Gitarristen, vor die Nase und murmelte verschwörerisch etwas von Kokain. Lugt gleichzeitig um Bestätigung heischend zu Maud hin. Sie zuckt nur die Achseln und bedauert ”No”.

ER zieht weiter seine Show ab. Fummelt an dem Schächtelchen rum, bis er sie endlich geöffnet hat. Der Inhalt wird unter lautem Rufen an die gierige Meute der Band verteilt. Nicht ohne vorher dem Gitarristen den Shit unter die Nase zu halten. Gleich dreie fangen an einen Joint zu bauen.

Nach diesem Einstieg steht Maud erstmal etwas dumm rum. Ein Glück, daß auf dem letzten Konzert der Tablaspieler sich etwas in sie verguckt hatte. So eilt er denn auch zu ihrer Rettung, in dem er ihr einen Platz an dem Tisch anbietet, an dem alle sitzen. ER bleibt stehen, um weiterhin den Clown zu spielen. Liebevoll ärgert er seine Bandmitglieder und sieht immer wieder zu Maud. Auch als ER ihr gegenüber sitzt, versucht ER immer wieder sie miteinzubeziehen. Da er um die Verständigungs-probleme weiß, greift er zum Mittel der nonverbalen Kommunikation und verzieht sein Gesicht, fuchtelt mit den Armen und nimmt auch so Rollen ein, um das Gesagte zu verdeutlichen. Gerührt und vollkommen hin und weg durch ihr Glück, strahlt sie ihn nur an. Versteht jedoch voll, worum es bei seinen Neckereien geht.

So macht ER zeitweise seinen jungschen Gitarristen an. Nennt ihn homophob, zieht ihn damit auf. Sieht zuerst ihn und dann Maud an, verzieht sein Gesicht und rollt mit den Augen. Nach einem kurzen Kontrollblick auf sie, greift er plötzlich in den Schritt. Natürlich nur in die Luft, sah aber echt aus. Schaut sie an und als ER merkt, daß sie über solche pubertären Scherze nur lacht, grinst er diabolisch. ”Ein Test”, denkt Maud. Und um auch mal was beizutragen, wendet sie sich an den Oudspieler , Hakim. Ein Mensch, der etwas Englisch versteht.

”I have heard that you have played in Turkey?” ”Yes, it was good, you speak turkish?” ”A little bit. Like ’teekurler‘ or ‘eek’.

Damit hat Maud einen Volltreffer gelandet. Alle finden es total cool, daß sie türkisch reden kann, ER will wissen, woher, sie gibt mit ihren türkischen Freundinnen an und tut so, als ob sie voll gut spricht. ER lächelt sie an. Hakim, selbst an Maud interessiert, verkündet auf Englisch, daß er auch türkisch kann. ”Na warte, Junge” denkt sich Maud und testet ihn. Sie dreht sich zu ihm hin, macht ihre schönen blauen Augen rund und groß und blickt Hakim tief in die seinen. ”Seviyorum çanm!” Hakim war das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange. Fixiert durch ihrem Blick versunken im Blau. Berauscht durch ihre Macht wendet sich Maud ab. Natürlich kann er kein Türkisch, doch ist er jetzt gefangen in ihrem Netz. Leider ist der Sänger kein so leichtes Opfer. Das Objekt all ihrer Begierde stopfte sich im Cateringzelt den Mund mit Essen voll. Ausgehungert wie immer. Als hätte ER damit die Hostessen auf eine Idee gebracht, wurde das heiße Büffet eröffnet.

ER schwelgte im Reich Lukullus und alle außer Maud taten es ihm gleich. Es senkte sich keine Stille über die gefüllten Teller und malmenden Mäulern. Fröhlich wurden zwischen den Bissen Scherze gewechselt. Da man Maud nicht darben lassen wollte, wurde sie ständig zum Essen genötigt. Hakim hartnäckig in seiner Werbung, beturtelte sie mit gutem Zureden. Und um IHM eins auszuwischen, ER kümmerte sich nur noch um das stetige Auffüllen seines Tellers, ließ sie sich herab einen Bissen von Hakim anzunehmen. Ein Ritual, das gerne unter Flirtenden vollzogen wird. ER wird es wohl nicht einmal bemerkt haben.

Zwischenzeitlich bemühte sich die zweite Band des Abends redlich. In der Absicht auf sich aufmerksam zu machen und um die Verdauungspause zu unterbrechen, sprach Maud Hakim an. ”Elle sont algeric?” ”Non, ils ne sont pas algerian, ils viennent á ... äh, ou vient le groupe?” Keiner wußte so recht, wo die andere Gruppe genau herkam, doch man einigte sich auf Afrika, ist ja auch klein das Land. Maud hingegen hatte ihr Ziel erreich. Der Sänger redete voll auf sie ein. War bestimmt wichtig, hörte sich jedenfalls so an, nur sie verstand nothing. ER gab es auf, verschwand im als Garderobe umgestalteten Campingwagen, kam freudestrahlend wieder heraus und auf sie zu. Mit unverständlichen Sätzen überreichte ER ihr einen Backstagepaß. ”Merci bon que!” Maud strahlt, Tschernobyl war nix dagegen. Was für ein Tag, Sommer, Mittelmeerwetter, funkelnde Sterne über ihr, liebe Menschen neben ihr, Joint in der Hand und ER im Blick, Zeit, um sich vorerst zu verabschieden. Denn rar macht sich die Maid, die um den Liebsten freit! Außerdem warten draußen die Freunde, bei denen sie übernachtet. Maud hat keinen Bock, daß die ohne sie verschwinden und sie hat keinen Bock sofort zu gehen. Also raus aus dem Backstagebereich, reinkommen ist ja jetzt kein Problem mehr. Die Freunde stehen vorm Musikzelt und rauchen, die zweite Band fanden sie nicht so berauschend. Ungläubig lauschen sie Maud und begutachten pflichtschuldig ihren Backstagepaß. Gemeinsam gehen sie zu einem Weinzelt, wo Maud sich mit ihnen in einer Stunde verabredet. Langsam schlendert sie wieder zurück. Hält etwas inne, um die Grandiosität der Nacht zu erfassen.

Die Stunde verging ohne das etwas Großes passiert wäre. Maud schäckerte mit Hakim rum. Je heftiger, je mehr sich ER mit anderen beschäftigte. Hakim erzählte, daß sie im August noch einmal in der Türkei auftreten werden und daß für Herbst ein Gig in Berlin und in München geplant sei. Als sich am Himmel Gewitterwolken auftürmten, ER ihr keine Aufmerksamkeit schenkte, ging Maud. Ein letzter Triumph, ER bedankte sich, Englisch stammelnd, überschwenglich für ihr Geschenk und küßte sie auf beide Wangen. Nochalant zwitschert sie: ”It was me a pleasure!” und tänzelt hüfteschwingend von dannen. Kapitel 5: Herbst in Berlin

Zwei Wochen Urlaub im lieblichen Perigord, uralte Kulturlandschaft im Südwesten Frankreichs, schwarze Trüffel und Höhlenbilder, Monsieur Neandertal läßt grüßen, Maud lernt trotzdem kein Wort dazu. Dabei hatte sie sich so fest vorgenommen, die Sprache im Land zu lernen, so per Konversation mit den Eingeborenen. Pustekuchen! Faul herumliegen, dem Gras beim Wachsen und den Enten beim Schwimmen zusehen, das war eher ihr Ding. Erst auf dem Heimweg, im Gare du Nord, in Paris hatte sie Kontakt zu Einheimischen. Und das war der nette gut aussehende algerische Kellner. Aber flirten konnte der. Ganz heiß wird ihr bei dem Gedanken an die schwarzen Augen. Hmmm, wenn ER doch auch nur sie so angieren würde. Aber nein, die Herbsttagundnachtgleiche ist längst vorbei, die Tage drübe, grau, kalt und kein Sänger am Horizont sichtbar. Von wegen im Herbst nach Berlin kommen, wahrscheinlich nur Valium für durchgeknallte Groupies. Auf Arbeit wird’s auch immer beschissener und überhaupt. Herbst = Depression, eine Gleichung, die bei Maud immer aufgeht. Sollte sie vielleicht einen kleinen Liebeszauber machen? Nicht nötig, die Göttin hat ein Einsehen mit ihrer treuen Dienerin, der Pfefferberg kündigt groß an: ER spielt nächsten Samstag.

Eigentlich wollte Maud mit ihrer neuen besten Freundin Branwen und ihrer türkischen Freundin Sonne, Günes, ins Konzert gehen. Um Rückendeckung zu haben, um nicht immer nur Einzelkämpferin zu sein, denn im Team gewinnt sich’s leichter. Ischtar, die Göttin der Wollust, liebt starke Frauen, ist aber auch die Dunkle, die Schicksalsgöttin. Günes wurde ihre gesamte Barschaft, 500 DM, geklaut. Branwen und Maud wollten unbedingt zusammen hin. Endlich würde Branwen den Schatz ihrer Schwester im Hühnerauge kennenlernen. Könnte den enthusiastischen Schilderungen ein Bild, ein Erlebnis zu ordnen können. Man wollte sich bei Maud treffen, was Essen, ein Glas Wein trinken und gemeinsam hinfahren. Beim dritten Telefonat, nachdem die Garderobe für das Happening abgehakt war, sprach Branwen das aus, was Maud sich heimlich die ganze Zeit dachte: ”Sag mal wie wär’s denn, soll ich nicht ein bißchen Koks besorgen?” ”Oh Mann, ich hab mir schon die ganze Zeit gedacht, es wär geil, wenn wir was hätten. Ich hab ja schon lange nicht mehr, ist ja auch nicht so mein Ding, aber für heute, das wär die Krönung, Branwen, du bist wirklich meine Schwester im Hühnerauge...”

Kein Koks, keine Branwen. Auf der Szene trieben sich nur noch Flachwichser herum, richtig miese Abzocker. Linkte doch so ein Vertreter der Lüge und des Abschaumes die liebe Branwen und drehte ihr ein anderes Pulver an. Zu tiefst gefrustet, wie ihr das hatte passieren können und überhaupt (Herbst = Depression), blieb auch Branwen a zu Hause. Ein Entschluß, mitgetragen von Maud (wäre es nicht ER gewesen, sie wäre auch auf dem Sofa geblieben) der später bitterlich bereut wurde. Von beiden, was der späteren Sachlage nicht gerade dienlich war.

Same concert, same procedure as every time. Gestylt, atemberaubend aussehend steht Maud an der Bühne. Ganz vorne, vor dem Mikrofon des Sängers ist der Platz zu sichern. Ein Glück, daß sie die Frau neben ihr kennengelernt hat, die hilft ihr beim Platz verteidigen. Sehr sympathisch die Gute, so kann frau sich die Wartezeit, ER fängt ja nie pünktlich an, mit Plaudern über Kondome, Gleitgel und Safer Sex im Besonderen vertreiben. Zwischenzeitlich wird der Ordner am Backstageeingang so lange bequatscht bis er die Grußkarte für IHN in Empfang nimmt. Natürlich wird er sie an IHN weiterleiten. Die Karte hatte sie im Urlaub besorgt, ach was sie sprang ihr sofort ins Auge und es war ihr klar, diese Karte mußte ER bekommen. Im Hintergrund der Körper eines struppigen Terriers, davor ein winziges Kätzchen und darauf stand: ”C´est toi, quelque j´aime!” Hinten auf die Karte hatte sie geschrieben: ”Salut..., I wish you a great concert, see you, Maud! Nicht gerade einfallsreich, aber verständlich für jemanden, der kaum Englisch kann.

Flugzeuge im Bauch sind nichts im Gegensatz zu dem Aufruhr, den Maud spürte als ER auf die Bühne kam. Der schwarze Ledermantel, das schwarze, betont nachlässig aus der hautengen schwarzen Satinhose hängende Hemd, eine Baskenmütze keck auf den schwarzen Locken, Gott laß dich fressen. ER grinst (sie?) an, zieht das Mikro dicht vor seinen Mund und schreit, krächzt, schraubt Töne zu melodischen Gesänge. Mit Hakim macht er auf Mike Jagger und Keith Richards, dann verfällt er wieder in seine typischen Joe-Crocker-Posen. Wie ein Derwisch tanzt Maud in Ekstase, angefeuert von einer Gruppe Arabern, die sie umtanzen.

In einer Pause zwischen zwei Musikstücken sprach sie die Frau an: ”Du, die haben über dich getuschelt!” ”Hä, wie das denn? Woher weißt du das?” ”Während du mit dem Rücken zur Bühne getanzt hast, hat ER auf dich gezeigt und dann haben ER und der Oudspieler die Köpfe zusammengesteckt und dann haben sie gelacht.”

ER hat sie erkannt, ER hat mit Hakim über sie geredet. ER... vollkommen aufgedreht, beflügelt, berauscht tanzt sie, diesmal aber die Band im Blick. Und wahrhaftig Hakim winkt ihr zu, der süße Drummer hebt grüßend die Sticks, der Gitarrist nickt ihr zu und ER grinst diabolisch süß. So müssen sich die Jünger Christi gefühlt haben, als ihnen der Heiland erschien. Und es wurde noch besser. Als sie wieder einmal mit dem Rücken zur Bühne tanzt, wundert sie sich über die begeisterten Rufe der Araber. Sie blickt auf und sieht, wie Hakim über sie gebeugt, seine Oud spielt. Sie ist ein Teil der Band, der Show geworden. Wahr gewordener Traum eines jeden Groupies.

Nicht richtig erzogene Ordner hingegen sind der Alptraum. Dieses spezielle Exemplar der Marke, heute habe ich was zu sagen, wollte doch par tout Maud nicht Backstage lassen. Nichts fruchtete, kein gutes Zureden, kein Schmeicheln, kein Drohen. Dann behauptete dieser Kerl, der angeblich Manager der Band sein sollte, auch noch sie nicht zu kennen. Kein Wunder Maud hatte den Knilch noch nie gesehen. Rettung naht in Form des süßen Drummers. ”Hey, why you be not here, come!”

Sie schiebt den Ordner zur Seite und schreitet nach hinten. Ein lautes Hallo bzw. Salut begrüßt ihren Auftritt im Allerheiligen. ER geht auf sie zu, lacht und ... ”Salut, äh ... äh ... Maud” Wahnsinn! ER spricht sie mit ihrem Namen an. ER küßt sie dreimal auf die Wangen! Was für ein Empfang, auch die anderen begrüßen sie mit lauten Zurufen und Küßchen sowie man halt alte Bekannte grüßt. Der süße Drummer fragt, was sie trinken möchte. Hakim geht in die Offensive. ”Salut, Maud! Ça va?” ”Trés bien, merci. Et toi ça va?” ”I will go dance, do you know some good discotheque?” ”Oh that´s a good idea. Of course I know a lot of good discotheques! Here in the basement is a very good one. You like to go there?” ”Bien sur, sure, we go dancing!”

Scheint ja alles wie am Schnürchen zu klappen. Maud sieht sich schon, im Morgengrauen, verschwitzt, aber glücklich, nach einer durchtanzten Nacht, Arm in Arm mit IHM ins Bett verschwinden.

Natürlich kam es nicht so, wäre ja auch irgendwie seltsam, wenn Träume Wirklichkeit werden würden. Welch eine Welt alle glücklich, keine Dramen mehr, keine Kriege, 100 % Arbeitslosigkeit für Psychiater, Ärzte und anderes Gesocks. Wäre schön, aber nein, nach einer Weile richtet Er das Wort an Maud. Etwas verlegen, doch immer ein Mann: "Sorry I must go tonight to paris!" Was??? Im ersten Schock begreift sie alles und nichts. "You leave tonight? Why?" "Tomorrow, sunday, i have a rendevous." Haspelt Er verlegen vor sich hin. Seltsamerweise kann ER plötzlich ein durchaus passables Englisch sprechen. Rendevous, ach ja, Maud starrt IHN an und laut: "Ach jaaa, okay!" ER fängt an etwas hastiger zu reden: "I, moi, at monday, Je, I have a date with my record firm, because of a lifealbum." "Okay"(Ach ja) "It´s important!" ER windet sich so ein bißchen, warum eigentlich? Maud wird plötzlich sauer, so richtig sauer. Wieso hampelt ER so rum, wieso macht ER immer alles kaputt? Warum liebt ER sie nicht! Und es platzt aus ihr heraus: "Why do you never stay here in Berlin and have a look at this town at night? Berlin is a very amazing city, very interesting. You never have time for it! Berlin is something special! You don´t know it. Why do you spend no time for getting to know it?..." Peinlich berührt, sieht ER zum sogenannten Manager und seinen Kumpels von der Band hin und her, keiner hilft ihm. "We will come to Berlin again." Ein flehender Blick zum Manager, der nickt, "And then we have more time." "Okay!" Immer noch innerlich kochend wendet sich Maud zu Hakim: "And you, would you stay here?" "I, I think I sleep in Hotel."

"Do you either want to go to discotheque?" "Of course." Auch Hakim kann sich nur noch stammelnd äußern. Aber Maud ist ein wenig beruhigt, immerhin Hakim bleibt bei ihr. Und aus purer Rache oder Verzweiflung hat sie vor, mit Hakim eine geile Nacht zu verbringen. Sie wird mit ihm heftigst rumflirten und zur Krönung mit ihm ins Bett springen.

Mittlerweile hat ER sich vor ihr in den hinteren Teil des Backstagebereiches zurück gezogen und zieht sich die Reste des Büfetts rein. Maud bemerkt dies, etwas säuerlich, als sie sich Nachschub an Wein besorgt. "Feigling", entschlossen wendet sie sich ihrem Opfer zu, immer ein waches Auge für die Umgebung habend. So unterhalten sie sich über ihre Arbeit, was sie denn so treibt. Hakim ist ganz angetan. Is ja logisch, schließlich ist ihre Arbeitsstelle ja so was von politisch korrekt. Und daß sie als Betriebswirtschaftlerin da arbeitet, sie könnte ja auch dicke Kohle in der freien Wirtschaft machen, kommt immer gut an.

Um sie und Hakim herum ziehen sich die anderen langsam zurück. ER packt vor ihren Augen seine Tasche. Da nimmt er vorsichtig ihre Karte und legt sie sorgsam ganz nach oben. Immerhin. Und weg ist Er. Hakim wird auf einmal so komisch, druckst rum und raus ist es: "I must also go now!"

Es stürzt keine Welt mehr ein. Sie fühlt sich nur betrogen. Eine tiefe innere Leere macht der Wut Platz. Ist ja klar, wenn der Boß pfeift, muß der Handlanger spuren. Und so läßt sie Hakim ziehen, geht ein paar Schritte hinterher, zaudert, bleibt stehen und geht zurück in den Saal, wo der Rest des Publikums feiert.

Ein guter Auftakt für den Herbst. Nüchtern betrachtet war’s nicht so schlimm, wie es sich anfühlt. Maud geilte sich dementsprechend eine Weile an der Verlegenheit von IHM angesichts seiner Argumentation, warum Er denn zurück nach Paris fahren müßte, dran auf. Die Arbeit schlug auch erbarmungslos zu. Und dann gab es noch das Konzert Anfang Dezember. Eine junge Gruppe aus Grenoble, spielte im Haus der Kulturen der Welt. Maud, süchtig nach jeder Art von französich/magrebischer Musik war wie immer in der ersten Reihe.

Und es war gut. Weihrauchschwaden, elektrisierende, mystische und mit reißende Rhythmen umfingen sie. Es hielt sie nicht mehr auf dem Sitz, sie mußte tanzen. Ein geiler Trip, so ganz ohne Säure. Später auf dem Sofa vor der Garderobe meinte der Frontman der Gruppe zu Maud, als sie ihr Gras auspackte: "You are a real magic woman. You was the first, who has dancend and you are e realy good dancer. You feel the music, so you dance. Gnawi that´s it. You do it." Jeder fand sie Klasse, ihre Art, ihr Tanzen, ihr Aussehen, alles an ihr, sie hätte jeden haben können. Nur, ER muß ja unbedingt nach Paris zurückfahren.

So ging es den ganzen Herbst und Winter über. Die Konzerte kamen und gingen, Maud wurde zu einem festen Bestandteil der Magrebmusikszene. Ihr Tanzen wurde von allen gerühmt und jeder hätte gerne mal mit ihr. Sie sammelte Autogramme und Komplimente und ging tieftraurig allein nach Hause. Und ER.

Melancholie, triestes Wetter, tiefste Depression und Ärger auf Arbeit, mehr als Ärger, nicht nur Maud, sondern auch Branwen, vor allem Branwen, ihre liebste Freundin, versanken im Morast. Maud hielt noch ihr sporadisch aufflammender Haß einigermaßen aufrecht, Branwen zog es tiefer. So sehr, daß sie leider mal wieder den selbst ernannten Heilern der Welt, den Besserwissern, diese Psychotherapeuten, den Abstinenz-Suchtexperten ins Netz ging. Aber es ging halt so nicht weiter. Für sie. Wegen diesen Idioten ging es Branwen körperlich schlechter, trotz allem ging es ihr auf der anderen Seite besser. Kontaktsperre hatten diese retardierten Möchtegerns verhängt, als Maus Branwen wiedersah, hatte diese 8 Kilo weniger. Aber brechen konnten sie sie nicht. Göttin sei Dank.

Nichts läßt die Macht aufhalten. Im Januar wurde es mal so warm, daß die Krokusse ihre Triebe der Sonne entgegenstreckten. Sofort wurde das Wetter schlechter.

Branwen hangelte sich von Tag zur Nacht und weiter, immer der Angst im Nacken und der Hoffnung im Auge. Drei Tage Putzen, ein Zeichen, daß es ihr gut geht und zwei Tage Sofa. Und dann zur Arbeit, gesellschaftliche Verpflichtungen, langsam bekamen die Weiden Kätzchen und die Forsythien, diese gelb blühenden Sträucher, Knospen. Maud registrierte diese Veränderungen, feierte brav am 1. Februar Imbolg, ein wichtiger Hexensabbat oder eher das erste der Frühlingsfeste, in der Hoffnung, daß das beginnende Wachsen eine positive Umkehr für sie selbst, ER, und für Branwen bringen wird. So mag es nun mal gewesen sein, im Rückblick der Geschichte. Und dann ....

Fortsetzung folgt ....

Wenn dir die Geschichte gefällt, dann besuche doch mein Guestbook


DIE FORTSETZUNG von Der Sänger, das Groupie und ein Fisch
Kapitel 6 und 7 <

Sign My Guestbook Guestbook by GuestWorld View My Guestbook