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Seminararbeit

K O N S U M R Ä U M E

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verfasst von: Hoffmann Marion (Gr.2)

Dezember 2000

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

  1. Einleitung.......................................................................................................................1
  2. Drogenpolitik – Voraussetzungen für die Einrichtung von Konsumräumen.........3
    1. Drogenpolitische Richtungen.............................................................................3
      1. Klassische Aufteilung...........................................................................3
      2. Richtungen und Typen von Interventionen..........................................5
    2. Drogenpolitischer Umbruch...............................................................................7
    3. Drogenpolitik in Europa und speziell in Österreich...........................................8
  3. Konsumräume als Angebot in der Drogenarbeit.....................................................10
    1. Semantische Betrachtung und Grundlagen.......................................................10
    2. Leitlinien...........................................................................................................11
      1. Ausführungen zur Arbeitsgruppe........................................................11
      2. Grundsätzliche Erfahrungen und Erkenntnisse...................................11
      3. Schwerpunkte, auf die sich die Leitlinien beziehen............................12
    3. Kritische Zwischenbilanz von Konsumräumen................................................16
      1. Erfahrungen und Ergebnisse in Deutschland......................................17
      2. Offene Fragen.....................................................................................19
      3. Ausblick .............................................................................................21
  4. Aktuelles aus Österreich.............................................................................................22
    1. Gesetzliche Lage...............................................................................................22
    2. Arbeitskreise in Drogenhilfsvereinen...............................................................23
  5. Schlussteil....................................................................................................................25

Literaturverzeichnis..........................................................................................................27

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Einleitung

 

Diese Seminararbeit "Konsumräume" entstand aufgrund meines Interesses für dieses Thema, das in meinen letzten Praktika geweckt wurde. Es folgt eine kurze Beschreibung meiner bisherigen Arbeitsbereiche, um so darzustellen aus welcher Perspektive ich an diese Arbeit herangegangen bin.

Meine Erfahrungen in der Drogenarbeit konnte ich durch verschiedene Zugänge sammeln: Zum einen aus der Sicht einer Drogenberatungsstelle mit angehängtem Jugendtreff, dem "Wagon" in Mödling, zum anderen aus dem Blickwinkel von "Streetwork" (Verein Wiener Sozialprojekte) am Karlsplatz in Wien. Diese zwei Angebote, die sich vor allem durch ihr Klientel sehr unterschieden, wiesen aber doch auch durch ihren akzeptanzorientierten Ansatz ähnliche Arbeitsweisen auf. Ausgezeichnete Ergänzung dazu stellte mein Praktikum bei der Fachstelle für Suchtprävention NÖ dar, wo ich wichtige Zusammenhänge über den Suchtmechanismus erfuhr und verschiedene Konzepte der Vorbeugung von Abhängigkeit kennen lernte bzw. worauf es ankommt um möglichst "resistent" gegen Sucht zu werden.

Nach jedem Praktikum wuchs mein Wissen über das soziale Netz der Drogenarbeit, und so wurde mir klar, dass die Angebote für Drogenabhängige in den einzelnen Regionen, aber auch Ländern und Staaten variieren. Dass ein in vielen Staaten etablierter Konsumraum bei uns in Österreich überhaupt im Angebot fehlt machte mich neugierig.

Ebenso wie die Tatsache, dass im Sommer 2000 eine Bedarfserhebung im Zusammenhang mit Gesundheitsräumen* bei den Klienten des Vereins Wiener Sozialprojekte durchgeführt wurde, wodurch ich die Gelegenheit hatte auch im Einzelfall die Meinungen von Klienten zu hören, begleitend oder nach dem die Befragten den Fragebogen ausgefüllt hatten.

So stellte sich die Frage, ob Konsumräume auch in Österreich ein sinnvolles ergänzendes Angebot darstellen würden.

Folgende Arbeit versucht nun dieser Hypothese näher auf die Spur zu kommen.

Dazu werden zuerst die Drogenpolitischen Voraussetzungen zur Errichtung eines Konsumraums behandelt. Hier scheint es notwendig erst wesentliche Richtungen und Begriffe abzuklären, bevor auf die Situation in Europa und Österreich eingegangen wird.

* Synonym für Konsumräume (siehe unten Kapitel 3.1.)

Im dritten Kapitel werden die Konsumräume konkret beleuchtet. Die Erwähnung, der im Laufe der Jahre entstandenen Namen für diese Einrichtung, die sich immer wieder gegenseitig abgelöst haben oder parallel existieren finden neben den wichtigsten Grundlagen zu Konsumräumen gleich am Anfang Platz. Nach einer Auseinandersetzung mit den Leitlinien folgt eine kritische Zwischenbilanz bezüglich der bereits bestehenden Einrichtungen. Diese zwei Punkte ergänzen sich sehr gu, und zum Teil überschneiden sie sich auch, denn beide sind Bedingung füreinander: ohne Leitlinien und Konzept keine Erfahrung bzw. Bilanz, und ohne Reflexion würde es keine professionellen Leitlinien geben, so wie sie hier zu finden sind.

Zuletzt rundet Aktuelles aus Österreich die Seminararbeit ab. Leider gibt es hierzu noch keine detaillierten Angaben. Die Recherchen zu diesem Thema zeigten sich als besonders schwierig, weil es erst wenige zaghafte Versuche gibt, Konsumräume in Österreich einzurichten. Die Quellen für diesen Teil der Arbeit wurden vor allem durch "Mundpropaganda" bezogen, deshalb beinhaltet diese Arbeit vermutlich nur einen Teil der ersten Versuche in unserem Lande.

Abschließend folgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte und eine persönliche Stellungnahme, die nochmals die Prioritäten unterstreicht und offene Fragen aufzeigt.

Die Quellen zu dieser Arbeit wurden zum Großteil dem Internet entnommen, stammen aber auch aus fachspezifischen Zeitschriften und Büchern. Wobei sich zeigte, dass es nur sehr wenige deutschsprachige Autoren gibt, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Allgemein, aber vor allem bezüglich Österreich gibt es kaum gedruckte Quellen für die Öffentlichkeit, so wurde diese Arbeit noch mit einem Bericht von der Caritas Innsbruck, persönlichen Erfahrungen und Gesprächen ergänzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Drogenpolitik – Voraussetzungen für die Errichtung

von Konsumräumen

2.1. Drogenpolitische Richtungen

Wolfgang Heckmann zeigt in seinem Artikel "Internationale Strategien in der Drogenpolitik" einen kurzen Abriss aller drogenpolitischen Richtungen bzw. der aktuell in Diskussion stehender Typen von Interventionen.

Vor der Auseinandersetzung mit dem Begriff Drogenpolitik, scheint es wichtig festzustellen, dass sie keinen eigenen Bereich darstellt, sondern in Gesundheits-, Sozial-, Jugend-, Rechts-, Sicherheits- und sogar in die Wirtschaftspolitik eingebunden ist. Die Schwerpunkte der Politik verlagern sich je nachdem, wo die Koordination stattfindet.

 

2.1.1. Klassische Aufteilung

Die folgenden Politik-Varianten in der klassischen Aufteilung kommen praktisch nirgends in ihrer reinen Form vor:

Die meisten Staaten wählen eine Mischung mit Schwerpunkt beim "legalen" bzw. "repressiven" oder beim "psycho-sozialen" bzw. "helfenden" Ansatz. Als Beispiel für den "liberalen" Ansatz kann weltweit kein Land genannt werden.

Es folgt eine Beschreibung des Autors in welcher er drogenpolitische Schwerpunkte in Zusammenhang bringt mit den jeweiligen Überzeugungen über die Ursachen von Sucht bzw. mit bestimmten psychologischen Konstrukten.

Beim repressiven Ansatz wird meist angenommen, dass die Existenz gefährlicher Drogen Ursache für die Suchtprobleme ist, und sie deshalb ausgerottet werden müssen. Zugleich herrscht das psychologische Konstrukt, dass bei den einzelnen Drogenmissbraucher/innen ein Mangel an Mündigkeit besteht und sie deshalb Schutz bedürfen.

Der liberale Ansatz verfolgt meist die Überzeugung, dass die gesellschaftlichen Umstände wie Stigmatisierung und Kriminalisierung das Elend der Konsument/innen ausmachen. Hand in Hand geht das Konstrukt der Legalisierung, welches den Reiz des Verbotenen versucht zu nehmen.

In der Regel meint der psycho-soziale Ansatz, dass die Persönlichkeit der Gebraucher/innen ganz wesentlich zur Entwicklung von süchtigem Verhalten beiträgt, und deshalb Beratung und Betreuung unumgänglich sind. Es dominiert eine psychologische Vorstellung von einem Problemhintergrund bei jedem Missbrauch, den es aufzudecken und zu beeinflussen gilt.

Der Autor behandelt folglich auch die Bedeutung der Begriffe: konservativ, liberal und progressiv bzgl. des Umgangs mit Drogen.

Konservativ handeln heißt Beibelassung des Zustandes, also Abhängige können abhängig bleiben, sogar Stoff vom Staat erhalten, wenn sie nur ruhig bleiben. Die reaktionäre Variante, wird zusätzlich diejenigen, die sich abweichend verhalten bestrafen und in Gefängnisse bzw. Anstalten wegsperren. Die wertekonservative Variante für die der Drogensüchtige ein Gräuel ist, empfiehlt den Pfad der Tugend (Ehrlichkeit, Fleiß und Ordnung).

Liberal handeln bedeutet Freiheit wählen, die Unabhängigkeit von Zwängen zu erreichen und der Individualität den Vorrang zu geben, was eigentlich auch Unabhängigkeit von Drogen beinhalten würde. Häufiger wird die liberalistische Variante propagiert, bei der man Freiheit und Beliebigkeit nicht trennt. Die Idealvorstellung von mündigen Bürgern schließt hier die Möglichkeit mit ein sich Drogen zu bedienen, wenn dies nur selbst- und nicht fremdschädigend ist.

Progressiv handeln heißt Weiterentwicklung auf ein erkennbares Ziel hin, also Selbstständigkeit zu fördern, Lebensqualität zu verbessern und letztlich Drogenfreiheit zu erreichen. Wenn es den Begriff gäbe müsste man auch von einer progressistischen Variante sprechen, die alle Modeströmungen aufgreift, die von konservativen Kräften abgelehnt werden. Leider verkommt progressives Denken oft in einfache Formulierungen von Widerspruch zur herrschenden Auffassung. Die progressive Strategie ist eine hin zur Drogenfreiheit. Sympathisch ist sie durch die Einbindung der heute noch Abhängigen in die Gemeinsamkeit, welche auch die Verbesserung der allgemeinen gesellschaftlichen Situation im Blick hat, so wird das ursprüngliche Potential der Drogenkonsumenten noch einmal aktiviert. Viele begannen mit dem Konsum, weil sie unzufrieden waren und mehr wollten. Dieses "mehr" zu erarbeiten ist Bestandteil der progressiven Therapie.

 

 

2.1.2. Richtungen und Typen von Interventionen

Heckmann meint, dass es sich aber mittlerweile in der drogenpolitischen Diskussion nicht mehr um komplexe Strategien dreht, sondern um Richtungen von Interventionen:

a) Supply reduction

b) Demand reduction

c) Harm reduction

d) Risk reduction

Leider werden allzu oft Lieblingsstrategien ausgewählt, propagiert und ausprobiert. Dies wiederspricht u.a. der Auffassung von Hans Embald, dem vieljährigen Fachbeamten für Drogenproblematik der WHO, der in seinem Vortrag 1993 bekundete, dass in alle vier Richtungen mit der gleichen Energie gearbeitet werden solle. Dem schließt sich auch der ICCA* an, mit der Feststellung, dass zum Management des Drogenproblems alle vier Wege zu beschreiten wären.

ad a)

Im Zusammenhang mit der Angebotsreduktion wird all zu oft das weitaus größere Problem der Überproduktion von Alkohol und suchterzeugenden Medikamente außer Acht gelassen. Priorität hat die Hetze auf die illegalen Drogen, die sich z.B. dadurch äußert, dass Mohnfelder angezündet, Kokain-Importe abgefangen und Straßendealer eingesperrt werden.

ad b)

Bei der Reduktion der Nachfrage geht es um Aufklärung und Erziehung. Dies zeigt jedoch kaum Früchte, wenn noch immer fast überall auf der Welt die Werbung den Konsum von Suchtstoffen forciert.

ad c)

Viele Menschen verstehen darunter nur den Abbau von Strafen und Ausgrenzung und übersehen aber das vorrangige Elend der Obdachlosigkeit und des Mangels an Einkommen, wahrscheinlich weil dies nur mit umfangreichen Förderprogrammen (zur Verbesserung der Lebensqualität von Süchtigen) zu bewältigen wäre.

 

* Rat gegen Alkohol- u. Drogenabhängigkeit: weltweit größte auf das Suchtproblem spezialisierte NGO

In der Schadensminimierung gibt es drei Ziele, die es zu erreichen gilt:

(1998,HCLU POLICY PAPERS on Harm-Reduction Drug Policy)

ad d)

Populär ist dies seit dem Beginn der AIDS-Krise. Heute haben sich Zahlreiche Programme etabliert, die auch noch weitere Risiken wie Hepatitis-Infektionen vermeiden wollen. Verschwiegen werden daneben weitgehend die allergrößten Risiken: die Teilnahme im Straßenverkehr und die Gewalttätigkeit.

 

Die Einrichtung von Konsumräumen wird vor allem im Zusammenhang mit den letzteren beiden Typen gefordert.

Im Rahmen einer Gesamtstrategie der harm reduction nennt man das Ziel risikoärmere Konsumgewohnheiten zu fördern die safer-use Beratung, was folgendes beinhaltet:

Belehrende Vorhaltungen, moralisierende Wertungen oder Rigorismen sind jedoch nicht angeraten, denn sie erzeugen Akzeptanzprobleme und schaffen statt Verhaltensänderungen kontraproduktive Schuldgefühle. Als methodische Hinweise nennt der Autor: Peer Support, Beachtung unterschiedlicher Interessenslager (Gesundheitsschutz, Genusserhaltung) und das Vorschlagen akzeptabler Teillösungen.

(vgl. Heudtlass 1995; S.70-73)

 

    1. Drogenpolitischer Umbruch

Seit Ende der achtziger Jahre befindet sich die Drogenarbeit in einer Umbruchsphase, weil sich die ausschließlich an Abstinenz orientierten Konzepte der Drogenpolitik als weitgehend ineffizient erwiesen haben. Die Faktoren, die hin zu einer akzeptanzorientierten Drogenarbeit zwangen waren die geringe Reichweite, die ständig wachsende Zahl von Drogentodesfällen, die zunehmende Verelendung der Abhängigen, sowie die steigenden gesellschaftlichen Sekundärkosten (z.B. Beschaffungskriminalität). Neue Wege im Sekundärpräventiven Bereich wurden auch beschritten um die Verbreitung von HIV in den Griff zu bekommen.

Grundlage akzeptanzorientierter Drogenarbeit ist, dass Drogengebraucher als mündige, zur Selbstverantwortung und Selbstbestimmung fähige Menschen angesehen werden und auch Recht auf menschenwürdige Behandlung haben. (Schneider 1997; S. 8)

Es hat sich in der Praxis gezeigt, dass die Angebote akzeptanzorientierter Drogenarbeit diejenigen erreicht haben, die vom traditionellen abstinenzorientierten Hilfesystem ausgeschlossen waren. In diesem Zusammenhang fällt oft der Begriff der Niedrigschwelligkeit (möglichst wenig Hemmschwellen von den angebotenen Hilfeleistungen für die Klienten), der jedoch nur einen methodischen Ansatz darstellt und nicht notwendigerweise eine Abkehr vom Abstinenzparadigma beinhaltet.

Da die akzeptanzorientierte Drogenarbeit grundsätzlich von ganz anderen Prämissen und Zielsetzungen ausgeht als die traditionell hochschwellige Drogenarbeit und die gegenwärtige, eher repressiv orientierte Drogenpolitik, ist akzeptanzorientierte Drogenhilfe niemals nur Ergänzung der Angebotspalette, sondern versucht mit ihren neuen Ideen und Ansätzen auch drogenpolitisch auf diese zurückzuwirken. Gleichzeitig versteht sie sich nicht als Konkurrenz zu abstinenzorientierten Einrichtungen, sondern als zusätzliches Hilfsangebot, denn szenenahe Kontakt- und Anlaufstellen machen feste Beratungs- und Therapieangebote nicht überflüssig, sondern erhöhen auch ihre Nachfrage aufgrund der größeren Reichweite durch die akzeptanzorientierten Angebote. Wichtig dabei ist, dass die Wahlfreiheit zwischen den Hilfsangeboten gewährleistet ist, damit die Drogenabhängigen das Recht haben selbst über den geeigneten Weg zu bestimmen.

Aufgabe sollte es sein, den Drogengebrauch zu tolerieren und Information über risikoarme und gesundheitsschonende Gebrauchsvarianten zu vermitteln. Um Überdosierungen zu vermeiden und die gesundheitlichen Risiken allgemein zu reduzieren, müssen neben Hinweisen auf risikobewusste Gebrauchsformen auch Informationen über Verunreinigungen und Stoffkonzentration von illegalen Drogen gehören. Dies wäre durch Maßnahmen wie z.B. Substitutionsmöglichkeiten, Verteilung von sterilen Spritzen und der Einrichtung von Konsumräumen erreichbar.

(vgl. Schneider 1997, S.7-14)

 

2.3. Drogenpolitik in Europa und speziell in Österreich

Wir stehen inmitten eines Prozesses der europäischen Annäherung und Einigung. Ein daraus entstehender Nachteil liegt nach Heckmann darin, dass beim Versuch der Harmonisierung vieler nationaler Politiken auch die "Frage des richtigen" Weges in der Drogenpolitik noch einmal offen ist. Österreich und Deutschland stehen in der Mitte zwischen den liberalen Niederlanden bzw. der Schweiz und den skandinavischen Ländern, die keine Lockerung der Prohibition und der Entmutigung potentieller Konsument/innen wünschen. Ebenso wie die meisten europäischen Staaten wollen sie eine Aufrechterhaltung des illegalen Status vieler Drogen und daneben umfangreiche Hilfestellung für Geschädigte anbieten. Gefahr liegt nun darin, dass eine weiter polarisierte Diskussion auch die Mehrheit der Staaten aus der Mitte in eines der beiden Lager drängt.

Keine Strategie ist überlegen: zum einen sind sie alle widersprüchlich und zum anderen stehen die öffentlichen Erklärungen oftmals nur in geringen Zusammenhang mit der Praxis (In den Niederlanden herrscht weit weniger Liberalität als behauptet und in Schweden ist das Ausmaß der Zwangsbehandlungen weitaus geringer, als öffentlich angekündigt). Auch die epidemiologischen Daten zeigen kaum eine Korrelation auf zwischen der Suchtproblematik und nationalen oder sozial- und gesundheitspolitischen Merkmalen.

Eines will trotzdem gemerkt sein: Europäisch denken, heißt liberal denken. Denn ohne Liberalität lässt sich kein Interessensausgleich und keine respektierende Nachbarschaft herstellen. Liberalität zielt auf Freiheit in Verantwortung, aber ebenso auf Drogenfreiheit, d.h. auf Unabhängigkeit von Zwängen und Zwangshandlungen.

Ende Oktober 2000 schrieb Christof Spörk einen Artikel im Profil als Reaktion auf die, im Bundesrat Bern bevorstehende Legalisierung von Cannabisprodukten. Er beschreibt in diesem Zusammenhang die österreichische Entwicklung der Drogenpolitik, die hier provokant als mittelalterlich bezeichnet wird. Grund dafür ist, dass Justizminister Dieter Böhmdorfer und Staatssekretär Reinhart Waneck eine neue Richtung verordnen, durch die Verschärfung des Suchtmittelgesetzes. Dafür hat man keine inländischen Drogenfachleute zu Rate gezogen, sondern den umstrittenen deutsch-schwedischen Wissenschaftler Michael Koch. Diese Richtung wird ebenfalls vom Wiener FP-Gemeinderat Heinz Christian Strache vertreten, der die Einstellung des international beachteten Drogenprojekts "Check-it" fordert. Ebenfalls damit einher gehen auch die Plakate eines drogenfreien Wiens, die FPÖ Spitzenkandidat Hilmar Kabas verspricht.

Drogenkoordinator Hacker plädiert auf den gesunden Menschenverstand der Öffentlichkeit, die inzwischen auch schon bemerkt haben müsse, dass man mit Repression das Drogenproblem nicht lösen könne, und dass es Sache der Gesundheitspolitik und nicht des Strafrechts ist Drogenpolitik zu machen.

Im Gegensatz zu Cannabiskonsumenten ist die Kriminalisierung der Heroingebraucher derzeit etwas rückläufig. Statistiken beweisen, dass man die Rauschgiftszene in den vergangenen Jahren dank neuer Konzepte (Einwegspritzentausch z.B.) gut in den Griff bekommen hat. Europaweit ist es einmalig, dass die HIV-Rate unter Heroinsüchtigen gegen Null tendiert.

Was nun diese Drogenpolitik als Parteipolitik der FPÖ mit sich gebracht hat? Spörk zitiert reißerisch Hacker: "die völlige Verunsicherung unserer Patienten".

Dass also von vielen Politikern Österreichs ein repressiverer Weg angepeilt wird ist gewiss. Doch ob wirklich so heiß gegessen wie gekocht wird werden wir in Zukunft sehen. Besonders in Zeiten wie diesen, in welcher die politischen Forderungen von unseren Erfahrungen und Theorien aus der Sozialarbeit abweichen, ist es vor allem wichtig eine Lobby zu schaffen, die im Sinne unseres Klientels für eine humane und nicht unrealistische Drogenarbeit kämpft. Mit diesen Worten möchte ich meine Ausführungen zur Drogenpolitik beenden, und übergehen zum speziellen Thema der Konsumräume, für die in Österreich bislang noch kein Platz in der Drogenpolitik eingeräumt wurde.

 

 

 

 

 

  1. Konsumräume als Angebot in der Drogenarbeit
  2.  

    3.1. Semantische Betrachtung und Grundlagen

    Dem Angebot, das die Bedingungen dafür schafft, dass Konsument/innen illegaler Drogen die Möglichkeit erhalten, ihre Gesundheit besser vor Risiken zu schützen – also Räume die die Konsum- und somit auch die Lebensbedingungen verbessern gibt man allerorts verschiedene Namen. Heino Stöver und Ingo Ilja Michels setzen sich in ihrem Artikel "Gesundheitsräume" auch mit der Semantik folgender Begriffe auseinander. In den ersten basisorientierten Versuchen der Schweiz standen zum einen die Betroffenen im Vordergrund und zum anderen fand auch der soziale Austausch und Genuss Ausdruck in den Begriffen: "Fixerstübli" bzw. "-cafe". Deutschland signalisierte mit seinen "Druckräumen" eine Wende der Drogenszene zur Injektion und somit Nähe zum Klientel. Die Umbenennung zu "Gesundheitsräumen" wurde aus taktischen Gründen im Bezug auf Recht und Politik vorgenommen. Damit drückte man den Anspruch aus, dass die Gesundheit der Betroffenen im Mittelpunkt steht, und somit die Injektion selber nur Teil der gesundheitsfördernden Anstrengungen ist. Eine informelle Duldungspolitik wird schließlich in Begriffen wie "legale Konsummöglichkeiten" und "tolerierter intravenöser Drogengebrauch" deutlich.

    Den Drogenkonsum hinzunehmen kann einerseits als Kapitulation vor der Sucht gedeutet werden, andererseits schließt eine Fokussierung auf die Heilung einen Großteil der Konsument/innen von den Hilfeleistungen aus. Auch die schon oben erwähnte Zunahme von HIV- und Hepatitisinfektionen trugen zur Verschiebung der Prioritäten der Drogenhilfe und zur Errichtung von Konsumräumen bei.

    Für Konsument/innen, die sich in der offenen Szene befinden, ist es unmöglich hygienische, risikoarme und stressfreie Konsumorte zu finden. Als Möglichkeiten stehen den bereits mit Entzugserscheinungen Kämpfenden Toiletten, Abbruchhäuser, Parks und Kinderspielplätze zur Verfügung. Wasser wird aus den Toilettenbecken oder Lacken aufgezogen, es gibt oft keine sauberen Spritzen, geschweige denn Alkoholtupfer und Pflaster. Abszesse können entstehen, wenn in der Hektik bzw. Dunkelheit Venen durchgestochen werden.

    So gibt es seit mehr als zwanzig Jahren Diskussionen über die Notwendigkeit von Gesundheitsräumen. Stöver und Michels schreiben dies weniger der Auseinandersetzung mit Humanität gegenüber den Ausgegrenzten zu, sondern den immer wieder kehrenden aktuellen dramatischen Anlässen einer Reihe von Drogentoten.

     

    1. Leitlinien

3.2.1. Ausführungen zur Arbeitsgruppe

Am 18. und 19. November 1999 wurde in Hannover eine Konferenz abgehalten mit dem Thema: "Konsumräume als professionelles Angebot der Suchthilfe – Internationale Konferenz zur Erarbeitung von Leitlinien". Veranstaltet wurde sie von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Arbeitsstelle Sucht- und Drogenforschung und dem "akzept" – Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik.

In diesem Rahmen konnten 180 Teilnehmer, deren Professionen weit gestreut waren (aus Sozialarbeit, Gesundheitswesen, Polizei und Justiz) von Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Österreich, Frankreich und Australien über alle Aspekte von Konsumräumen diskutieren. Neben dem Austausch von Erfahrung wurden Arbeitsgruppen gebildet, die Leitlinien für eine fachgerechte Planung, Umsetzung, Durchführung, Dokumentation und politische Verankerung von Konsumräumen erarbeitet haben. Diese Leitlinien sollen bestehenden Angeboten und Einrichtungen, die ein solches planen als fachliche Orientierung dienen. Außerdem sollen diese Leitlinien ebenfalls für politische und administrative Verantwortliche eine fachliche Grundlage für ihre Entscheidungen bilden. Daneben war es auch Ziel der Veranstaltung ein Netzwerk von Menschen zu gründen, die sich mit

Konsumräumen beschäftigen.

 

3.2.2. Grundsätzliche Erfahrungen und Erkenntnisse

Um den Hintergrund aus welchem die Leitlinien (heraus) entstanden sind besser verstehen zu können, stellt sich ihnen noch ein Abriss der Erfahrungen und Erkenntnisse im Umgang mit Konsumräumen voran, welche in den meisten Arbeitsgruppen behandelt wurden.

 

3.2.3. Schwerpunkte, auf die sich die Leitlinien beziehen

  1. Planung- und Umsetzungsprozess von Konsumräumen
  2. Unterschiedlichkeit konzeptioneller Ansätze
  3. Arbeitsweisen bzw. –methodiken
  4. Innere Organisation und Vernetzung
  5. Kommunal-, ordnungs- und rechtspolitische Interessen an einem Konsumraum
  6. Konsumräume im ländlichen/kleinstädtischen Bereich und Konsummöglichkeiten innerhalb anderer Versorgungsangeboten

Ad a) Planungs- und Umsetzungsprozess

Ad b) Unterschiedlichkeit konzeptioneller Ansätze

Ad c) Arbeitsweisen / -methodiken

Nur wenn akzeptanzorientiert und lebensweltbezogen gearbeitet wird, und ein fachlich geschultes Personal bei der Umsetzung beteiligt ist kann eine gesundheitliche und soziale Unterstützung gewährleistet werden.

Soziale Unterstützung:

Gesundheitliche Unterstützung:

Ad d) Innere Organisation und Vernetzung

 

Ad e) Kommunal-. Ordnungs- und rechtspolitische Interessen an einem Konsumraum

Ad f) Konsumräume im ländlichen Bereich / innerhalb anderer Versorgungsangebote

(vgl. Schneider, Wolfgang; Stöver, Heino 1999)

 

    1. Kritische Zwischenbilanz von Konsumräumen
    2. Zur Zeit gibt es in Australien, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz sogenannte SIRs –Safer Injection Rooms. (vgl. Nadelmann, Coffin, Hallingby, Greenshields, 1998) Im Ausland konnte man also bereits praktische Erfahrungen sammeln in Zusammenhang mit Angeboten, die den intra venösen Drogenkonsum geduldet haben. Manche hatten Experimentalcharakter, waren symbolhafte Tabubrüche und sind wieder eingestellt worden, andere wurden nur eine Zeit lang von den Ermittlungsbehörden, der Justiz und der Nachbarschaft geduldet und wurden dann geschlossen und wieder andere haben sich schließlich gehalten, sind weiterentwickelt worden und avancierten zu einem integralen Bestandteil der kommunalen Drogen- und AIDS-Hilfe-Infrastruktur.

      In dem Sammelband "Akzeptierende Drogenarbeit – Eine kritische Zwischenbilanz" fassen Michels und Stöver 1999 in Ihrem Artikel zusammen, was sich aus den bisherigen Erfahrungen mit Konsumräumen schließen lässt, wie man die Ergebnisse weiterverarbeiten kann, welche Bedeutung dieses Angebot bekommen hat und schließlich welche konzeptionellen Fragen noch offen stehen.

      1. Erfahrungen und Ergebnisse in Deutschland

Seit den achtziger Jahren wurden in Deutschland in bereits bestehenden Hilfsangeboten Nischen und informelle Duldung für Drogenkonsumenten geschaffen, wodurch sich bereits mehrere Erfahrungen entnehmen lassen, die durch Erkenntnisse in der Schweiz bestätigt werden:

Durch eine offene Anlaufstelle kann man zwar mehr und zugleich ehrlichere Kontakte zu den Usern knüpfen, doch das heißt nicht, dass die Beziehung stressfreier oder konfliktärmer wird, weil trotzdem eine Hausordnung durchgesetzt werden muss. Die psychische und physische Belastung der Mitarbeiter/innen ist hoch, weil sie verstärkt Ordnungs- und Kontrollfunktion übernehmen und gleichzeitig machen die Anrainer Druck. Solange es nicht mehrere Angebote in einer Region gibt, ist es für Mitarbeiter, Nachbarn und Politiker akzeptabler den Drogenkonsum zunächst im halboffenen Bereich (z.B. Notschlafstellen) zu tolerieren.

Die Fokussierung auf den Druckraum führt zu einer Polarisierung. Dem weicht die Duldung des Alltäglichen (d.h. die Tolerierung in anderen Angeboten) aus.

Die Duldung des Drogenverkaufs ist in Deutschland und der Schweiz, anders als in den Niederlanden (Legalitätsprinzip) in Konsumräumen verboten. Grundregeln wurden in einem Rechtsgutachten bereits früh festgelegt.

In der Praxis wurde deutlich, dass diese geduldeten Angebote im Graubereich oftmals selbst nicht hygienischen Ansprüchen genügten und die Ordnungsaufgaben (Hausregeln kontrollieren und vermitteln, Organisation) nicht einfach waren, nichts desto trotz müssen Gesundheitsräume gut geplant und strukturiert werden.

Neben Sozialarbeiter/innen können auch andere Professionen wie medizinisches Hilfs- oder qualifiziertes Personal mit Zielgruppenerfahrung bzw. Student/innen eingesetzt werden. Die Auswahl der Professionen bewegt sich im Spannungsfeld von Unter- bis Überforderung. Auch der Einbezug von Betroffenenkompetenz soll nicht unerwähnt bleiben.

Die Gesundheitsräume in Hannover (Fixpunkt), Frankfurt (East Side, La Strada, Nidda- und Elbenstraße) und Hamburg (Verein Freiraum) haben folgende zentralen Zielsetzungen und implizite Effekte festgehalten (vgl. Kemmesies 1995):

      1. Gesundheitsfürsorge
      2. Erwerb von gesundheitlichen Kompetenzen bei Drogenkonsumenten
      3. Kontaktfelderweiterung
      4. Kommunikation
      5. Selbsthilfeförderung
      6. Entlastung des öffentlichen Raumes

 

Ad a) Gesundheitsfürsorge

Darunter verstehen die genannten Einrichtungen Bereitstellung risikoarmer, stressfreier Konsumbedingungen mit dem Ziel gesundheitliche Risiken zu minimieren also Infektions- und Drogennotfallprophylaxe. Dass Konsumräume Überlebenshilfe leisten (insbesondere durch Drogennotfallprophylaxe, Reanimation und ambulante Wundversorgung) das zeigten auch die Ergebnisse einer Studie von Kemmesies (1995). Sie besagt, dass bei 10.000 dokumentierten Konsumsituationen nur 24 Überdosierungen festgestellt wurden, die zu Komplikationen führten.

Ad b) Erwerb von gesundheitlichen Kompetenzen bei Drogenkonsumenten

Durch Aufklärung von Risiken und Körperpflege verbessert sich das Gesundheitswissen und –handeln rund um den (intravenösen) Drogenkonsum.

Ad c) Kontaktfelderweiterung

Aufgrund von negativen Vorerfahrungen (zu problemorientierte und kopflastige Angebote) und befürchteten Verlust der Anonymität werden viele Drogenkonsument/innen von anderen Einrichtungen gar nicht bis wenig erreicht. Konsumraumangebote könnten möglicherweise neue "Kunden" ansprechen: intravenöse Kokainkonsumenten und Jugendliche in der "honeymoon-Phase" ihres Konsums beispielsweise.

Ad d) Kommunikation

Hier kommunizieren Drogengebraucher/innen und Berater/innen. Wichtige lebensweltbezogene Fragen wie Erfahrungen mit diversen Applikationsformen und Strategien der Infektionsvermeidung können behandelt werden. Weitergabe von Techniken von safer-use und gegenseitige Hilfe werden ebenso gefördert wie der Informationsaustausch über guten und billigen Stoff und peer support.

Dies kann einerseits bis zur Entstehung und Entwicklung von Ritualen für safer-use, safer-sex und safer-work (Prostitution), andererseits ist gerade der kommunikative Aspekt so wichtig, in Anbetracht der Zerschlagung der offenen Szenen und der Dominanz repressiven Handelns.

Ad e) Selbsthilfeförderung

Kommunikation führt zu einem Informationsaustausch, alltagspraktischen Hilfen (konkrete Hilfen beim Injizieren verboten) und tragen zu Verabredungen bei.

Ad f) Entlastung des Öffentlichen Raumes

Die Öffentlichkeit ist interessiert an einer Entlastung und Lösung des Drogenproblems vor ihrer Haustür. Doch implizites Ziel von Gesundheitsräumen ist es auch eine Enttabuisierung und Akzeptanz des Konsums zu erreichen als Grundlage für einen normalen Umgang mit Drogenabhängigen.

 

Die Autoren sprechen folglich v.a. zwei Problembereiche an: zum einen die ordnungspolitische Überfrachtung der Erwartungen an Gesundheitsräume und zum anderen die Frage wo nun ein Raum mit geduldetem intravenösen Konsum geschaffen werden soll.

Bei Erstgenanntem liegt die Gefahr bei der Instrumentalisierung von Konsumräumen für repressive Zwecke, für die der Konsumraum die Lösung des Drogenproblems im öffentlich-sichtbaren Bereich darstellt. In weiterer Folge könnte die Rolle der Sozialarbeiter durch die vermehrte Übernahme von Kontrollfunktion nachteilig verändert werden.

Entgegen den Befürchtungen zeigt die Erfahrung, dass keine neuen zusätzlichen Szenebildungen vor solchen Einrichtungen entstehen und auch keine Dealer angezogen werden. Es geht doch nur unter Beteiligung von betroffenen Anrainern, Geschäftsleuten, Polizei und Nutzer/innen über einen passenden Ort zu diskutieren.

 

      1. Offene Fragen

Herwig Lempp (1993,S.84) und Trautmann (1995,S.216) meinen dass, das Betreiben von Konsumräumen eher vom Zweck her Teil der Szene als der Drogenarbeit ist. Dazu entgegnen Michaelis und Körner, dass die professionelle Intervention eher darin liegt, den formalen Rahmen für gesundheitliche, soziale oder kommunikative Unterstützung mit der Zielsetzung der harm-reduction zu bieten. Dieses professionelle Angebot ist nicht als Freiraum zu bezeichnen, weil es nicht frei von Interessen, Auflagen, Zwängen und Regeln ist.

Diese Frage klärt den Stellenwert dieses Angebots innerhalb des Drogenhilfesystems, die Verortung und vor allem seine Bedeutung für die Nutzer/innen. "Genießen" ist ein relativer Begriff. Diese Diskussion kann deshalb nur eine Thematisierung dessen sein, dass auch Drogenabhängige genießen, womit eine Erweiterung der stigmatisierenden Krankheitssichtweise gegenüber dem Drogenkonsum einhergeht.

Die Regeln der Konsumräume spiegeln eindeutig Sachlichkeit wider, bei der nicht "relaxen" sondern hohe Nutzbarkeit durch möglichst viele Menschen, Funktionalität und Machbarkeit im Vordergrund stehen.

Im Zusammenhang mit den weitergehenden Ansprüchen, die über bloße Bereitstellung von Räumlichkeiten hinausgehen, stellt sich die Frage, wie sie methodisch erreicht werden sollen, in Anbetracht der im Management gefragten Ordnungs- und Kontrollfunktion. Auch wenn vieles noch ungeklärt ist, so steht doch die Wichtigkeit einer Lebensweltorientierung an den Bedürfnissen der Zielgruppe fest.

Die Autoren warnen abschließend vor jeglicher Überidealisierung dieses Themas und favorisieren die nüchterne Betrachtung, dass der Konsumraum den Drogengebrauch ein wenig enttabuisiert bzw. entmystifiziert und ebenfalls akute Infektionsprophylaxe bietet – nicht mehr und nicht weniger.

 

      1. Ausblick

Die Notwendigkeit für die kontinuierliche Aufrechterhaltung von Konsumräumen und die Aufwertung für eine Verbesserung des psychosozialen Angebotes untermauert C. Ronco mit seiner "Evaluation der Gassenzimmer I, II und III in Basel":

Unbestritten ist die umfassende Nutzung der Einrichtung, sowie die Tatsache, dass es keine Sogwirkung auf weiter entfernte Gebiete gab. So hat sich die Drogenszene von den Gassen in die Gassenzimmer verlagert. Eine Stabilisierung bzw. Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes der Klient/innen konnte ebenso wahrgenommen werden, wie eine vermehrte soziale Einbindung.

 

Stöver und Michels (1999) wollen in ihrem Ausblick einen Gesichtspunkt nicht unbemerkt lassen: die Frage warum "der Konsumräume" nicht zum Standard effektiver niedrigschwelliger Drogenarbeit erhoben wurde, und richten mit der Antwort dieser Frage gleichzeitig einen Appell an die Mitarbeiter/innen der Drogenhilfsangebote.

Die Autoren schreiben diese lückenhafte offensive Vertretung der Drogenhilfe-Vereine also nicht nur den Schwierigkeiten im rechtlichen Bereich und formalen Hindernissen zu, sondern vielmehr dem Aufgeben ihres Bewegungscharakters im Zusammenhang mit der Integrierung in das staatlich geförderte Hilfesystem. Wünschenswert wäre demzufolge trotz etwaigen angespannten Haushaltslagen und politischem Klima, die Bereitschaft die fachlich und drogenpolitisch für notwendig und wichtig erachteten Angebote einzufordern.

 

 

 

 

 

 

 

  1. Aktuelles aus Österreich
    1. Gesetzliche Lage
    2. Univ.-Prof. Dr. Christian Bertel schrieb anlässlich der Bitte von der Caritas Diözese Innsbruck 1992 einen Bericht über die strafrechtliche Bedenklichkeit von Konsumräumen und Empfehlungen dazu, welche sich noch auf das alte Suchtgiftgesetz beziehen (aber auf das neue seit 1998 in Kraft getretene Suchtmittelgesetz umzulegen sind).

      Dem Süchtigen kommt die Straffreiheit des Drogenkonsums nicht zu gute, weil es strafbar ist Drogen zu erwerben und zu besitzen, doch es hat dann eine Bedeutung, wenn es um die strafrechtliche Verantwortung Dritter geht, die Süchtigen den Konsum von Drogen ermöglichen. Wer also Süchtigen lediglich hilft, Drogen, die sie ohnehin besitzen, zu konsumieren, ist nach § 27 SMG nicht strafbar. Diese Rechtlage hat sich z.B. schon als Vorteil erwiesen beim Drogenhilfsangebot des Spritzentausches. Wer einen Konsumraum einrichtet fördert zwar den Drogenkonsum, macht sich aber nicht strafbar: "Die Einrichtung von Fixerstuben ist strafrechtlich unbedenklich." (Bertel, 1998)

      Folgende Verpflichtungen des Betreibers erwachsen sich aus § 80 (fahrlässige Tötung), § 88 (fahrlässige Körperverletzung), §94 (Unterlassung der Hilfeleistung) und §286 (Nichtverhinderung einer Straftat) des Strafgesetzbuches: steriles Wasser und saubere Spritzen bereitstellen, erste Hilfe leisten und schwere Straftaten müssen verhindert werden.

      Dr. Bertel geht in weiterer Folge auf die Probleme ein, die über die rechtliche Lage hinausgehen. Er favorisiert Konsumräume, die in schon bestehende Angebote eingegliedert werden, weil zum Ersten den Anrainern "nichts aufzufallen braucht", wenn dort auch Drogen konsumiert werden dürfen, und zum Zweiten ist er der Meinung, dass sich die Hilfe nie auf die Erleichterung des Konsums allein beschränken sollte. Auch eine dezentrale Lage und das

      Nebeneinader von mehreren Konsumräumen zeigt sich in diesem Bericht als unbestrittener Vorteil.

      Die Gendarmerie könnte zwar einen Konsumraum sabotieren indem sie dort immer wieder Kontrollen durchführt, doch wenn daran eine Drogenberatungsstelle angeschlossen ist, wird sie solche dulden. Denn die Gendarmerie ist nicht verpflichtet Drogenberatungsstellen lahmzulegen, obwohl bewusst ist, dass viele Klienten Drogen besitzen, die dort unterwegs sind. Für die Gendarmerie ändert sich demzufolge nichts durch den Drogengebrauch in Drogenberatungsstellen.

      Abgeschlossen wird der Bericht mit der Empfehlung, nicht lange über einen Konsumraum zu diskutieren, sondern zu handeln und auf förmliche Eröffnungen zu verzichten – und mit der waagemutigen Feststellung: "Wenn eine Fixerstube eine Zeit lang unbemerkt Bestand hat, werden sich die Leute leichter von ihrer Ungefährlichkeit und ihren Vorteilen überzeugen lassen."

      Diese Vorgehensweise scheint mir hier nicht ungefährlich, denn was passiert, wenn die Öffentlichkeit oder die Polizei, die imstande ist dieses Angebot zu sabotieren (siehe oben), davon erfährt. Die Meinung des Dr. Bertel steht auch im krassen Widerspruch der bisher gemachten Erfahrungen, die dazu aufrufen mit allen Beteiligten gemeinsam eine Lösung zu suchen.

       

    3. Arbeitskreise in Drogenhilfsvereinen

Bei meinem Praktikum bei Streetwork beim Verein Wiener Sozialprojekte bin ich durch eine Befragung, die zu dieser Zeit gerade durchgeführt wurde, auf die Existenz eines vereininternen Arbeitskreises zum Thema Konsumräume gestoßen.

Dieser Arbeitskreis wird von sechs Mitarbeitern gebildet, die bei "Streetwork" und im "Ganslwirt" (zwei niedrigschwellige Angebote für Drogensüchtige im "Verein Wiener Sozialprojekte") tätig sind. Im Rahmen ihrer freien Zeiteinteilung beschäftigen sie sich mit dem ersten Aufbau. Konzept liegt noch keines vor.

Eine Bedarfserhebung der Drogenkonsument/innen vom Karlsplatz, Westbahnhof, Südtirolerplatz und vom "Ganslwirt" wurde schon in den Sommermonaten 2000 durchgeführt, die Auswertung jedoch noch nicht beendet.

 

Laut der Homepage von der Anlauf- und Beratungsstelle für Drogenabhängige in Vorarlberg wird innerhalb der Caritas Innsbruck über die Einrichtung einer zweiten niedrigschwelligen Anlaufstelle mit abgeschlossenem Drogenkonsumraum diskutiert. Hier wurde auch schon ein Konzept im Auftrag der Stadt Innsbruck und des Landes Tirol entwickelt. Dies bestätigte auch André Guerrini, der in der Mentlvilla Caritas tätig ist. Nach seiner Auskunft sollte 1995 eine Teestube mit angeschlossenem Konsumraum eröffnet werden. Doch das bereits seit fünf Jahren bestehende Konzept wartet, trotz ständigen Forderungen danach, noch immer auf seinen Einsatz.

Das Drogenkonzept von Vorarlberg beruft sich ebenfalls auf die caritasinternen Erfahrungen, denn in Frankfurt wird schon ein Gesundheitsraum von der Caritas geführt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Schlussteil

Um auf die anfangs gestellte Frage nach dem Sinn von Konsumräumen in Österreich explizit einzugehen, folgt eine Zusammenfassung der Artikel dieser Arbeit, und meine persönliche Meinung als Antwort.

Durch die Installierung von Gassenzimmern in der Schweiz, Gesundheitsräumen in Deutschland, den Niederlanden und Australien konnten viele Ziele der akzeptanzorientierten Drogenarbeit erreicht werden, das zeigen uns die Evaluationen, die rund um dieses neue Angebot gemacht wurden. Dass dahinter eine Menge Erfahrung steckt, auch Rückschläge aus denen man lernen muss, ist klar. Eine ständige Weiterentwicklung der verschiedensten Konzepte, die je nach Gegebenheiten angepasst werden müssen ist notwendig um dem Klientel gerecht zu werden. Deshalb ist eine Spezifizierung unumgänglich. Darunter soll jedoch die überregionale und internationale Vernetzung und gemeinsame Arbeit nicht leiden. Gerade bei Projekten, die im Aufbau sind und auch angesichts der sozialen Abbaumaßnahmen ist dies unumgänglich um einen Fortschritt erzielen zu können.

In dieser Arbeit wurde den gemeinsam erarbeiteten Leitlinien der Tagung in Hannover gerade deshalb soviel Platz eingeräumt, weil sie Ausdruck einer hervorragende Vernetzung sind, wichtig sind für ein professionelles Betreiben von Konsumräumen und gleichzeitig zum Verständnis beitragen was ein Konsumraum eigentlich ist.

Unter Beachtung eines professionellen Konzepts ist der Nutzen eines solchen Angebotes unbestritten. Fest steht auf alle Fälle, dass ein Konsumraum wesentlich zur Infektionsprophylaxe, Überlebenshilfe und Enttabuisierung des Drogenkonsums beiträgt, was meiner Meinung nach ausreicht um ein solches Angebot auch bei uns in Österreich zu installieren.

Ob der Bedarf dazu gegeben ist wird nach der Auswertung der Erhebung sicher feststehen, auch für diejenigen die von der Sozialarbeit immer wieder "Zahlen" einfordern, damit sich Gelder in Bewegung setzen können, Denkweisen sich verändern oder auch einfach nur nicht eingespart wird.

Die Frage nach der Entwicklung in Österreich bleibt offen. Spekulationen über politische Auswirkungen auf die Drogenpolitik scheinen mir hier nicht angebracht. Fest steht, dass es aktive Gruppen gibt, die sich mit der Schaffung von Konsumräumen explizit auseinandersetzen, auch wenn dies weit nicht in dem Ausmaß geschieht als notwendig wäre.

Mit der Arbeit an dieser Seminararbeit ist es mir einerseits gelungen eine differenziertere Sichtweise über dieses soziale Angebot zu bekommen und, ich hoffe, andererseits auch mehr allgemeines Interesse auf dieses Themengebiet zu lenken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Literaturverzeichnis

 

 

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* kein Autor bekannt