Die Gefährdung der Nordsee
Die Gefährdung der Nordsee--------------------------------demnächst mit vielen Graphiken
Gliederung:
1. Allgemeines
1.1. Aufbau und Besonderheiten des Wasserkörpers
1.2. Das Wattenmeer
1.3. Der Lebensraum Nordsee
2. Die Bedeutung einer intakten Nordsee
2.1. als Lebensraum
2.2. als Nahrungsmittel
2.3. als Arbeitsplatz
2.4. als Erholungsraum
2.5. als Küstenschutz
3. Überbeanspruchung und Missbrauch der Nordsee
3.1. industrielle, kommunale und diffuse Einleiter
3.2. Belastungen durch die Schiffahrt
3.3. Belastungen durch Landwirtschaft und Fischerei
3.4. Belastungen durch Erdöl und–gasförderung
3.5. Andere Belastungen
4. Auswirkungen der Belastungen
5. Maßnahmen zur Rettung der Nordsee (exemplarische Auswahl)
5.1. umweltpolitischer Ansatz
5.1.1. Problembereich Nährstoffeintrag-Überdüngung
5.1.2. Beendigung der Klärschlammverklappung in Großbritannien
5.1.3. Reduzierung des Luftstickstoffs
5.1.4. Problembereich Eintrag von biologisch nicht oder nur schwer abbaubaren
Stoffen
5.1.5. Ermittlung der Verschmutzungsverursacher
5.1.6. Völlige Unterbindung des Eintrags radioaktiver Rückstände aus
kerntechnischen Anlagen
5.1.7. Problembereich Schadstoffeintrag von Schiffen
5.1.8. verstärkte Sicherheitsüberprüfung beim Transport gefährlicher Güter
5.1.9. Verbot des Ablassens von Fäkalien aus den sanitären Einrichtungen der
Fahrgastschiffe
5.1.10. Wirkungsvollere Überwachung und Strafverfolgung von Umweltsündern
5.1.11. Problembereich Wattenmeer und Küste
5.1.12. Problembereich Fischerei
5.1.13. Förderung der Forschung zur Nordseeproblematik
5.2. Verändern des Konsumverhaltens
5.2.1. Vermeiden von PVC
5.2.2. Bio-Anbau fördern
5.2.3. keinen Pestizideinsatz im eigenen Garten
5.2.4. Problembereich Auto
5.2.5. Problembereich Waschen
5.2.6. Problembereich Heizen
5.2.7. Problembereich Papier
6. Literaturnachweis

 

1. Allgemeines
Die Nordsee, als Randmeer des Atlantiks, erstreckt sich auf eine Fläche von ca. 520.000 km² zwischen Ärmelkanal und Kattegat, Elbmündung und Shetland-Inseln. Sie ist somit eines der größten Randmeere der Erde. Ihre durchschnittliche Tiefe beträgt 94 m, im Süden nur durchschnittlich 37 m. Damit ist sie im Vergleich zu den großen Ozeanen, die im Durchschnitt eine Tiefe von 3 700 m aufweisen, ein sehr flaches Gewässer.
Die Nordsee steht, über die Straße von Dover und die Meeresöffnung zw. Norwegen und Schottland, in unmittelbarem Wasseraustausch mit dem Atlantik bzw. dem Europäischen Nordmeer.
Gegen Ende der letzten Eiszeit, vor ca. 10.000 Jahren, lag die Küstenlinie der Nordsee in Höhe der Doggerbank. Seit dieser Zeit steigt der Wasserspiegel, durch die Abschmelzung der polaren Eiskappen, beständig. Außerdem sinkt die Festlandplatte der südlichen Nordsee ab. Berechnungen zufolge steigt der Wasserspiegel, durch Treibhauseffekt und Landgewinnung, in 100 Jahren um 64 cm.
Karte-Nordsee
 
1.1. Aufbau und Besonderheiten des Wasserkörpers
Der Aufbau des Wasserkörpers ändert sich durch die unterschiedlichen Tiefen, Strömungs-richtungen und vor allem durch das wechselnde Wetter ständig. Das hat Schwankungen der Temperatur, des Sauerstoffgehalts und des Salzgehalts zur Folge. Häufig schichtet sich allerdings an den Mündungen der großen Flüsse deren salzärmeres Wasser über das salzige Nordseewasser.
Die Verweildauer von Wassermolekülen und vor allem auch Schadstoffen in der Nordsee ist relativ lang. So braucht z.B. ein H2O-Molekül aus der Deutschen Bucht 3 Jahre, bis es die Nordsee verlassen hat. Umweltgifte, die sich in Organismen oder Sedimenten festgesetzt haben, befinden sich sogar noch länger in diesem System.
1.2. Das Wattenmeer
Das Wattenmeer erstreckt sich 500 km lang von Den Helder (Niederlande) bis Esbjerg (Dänemark). Die Breite dieses regelmäßig im Gezeitenrhythmus trocken fallenden Küsten-gürtels variiert zwischen 10 und 35 km. Alle 12 Stunden und 24 Minuten tritt im Durch-schnitt der höchste Wasserstand (an der Elbmündung 3 m üb. Niedrigwasser) ein. Dieses Gebiet ist weltweit das größte zusammenhängende seiner Art. Eine Reihe von Lebewesen, die im Binnenland gefährdet sind, haben in dieser ökologischen Nische eine einmalige Überlebenschance.
Als Brut-, Nahrungs-, Rast- und Durchzugsgebiet für Millionen von Vögeln zählt es zu den vogelreichsten Gebieten der Erde.
U. a. als Aufwuchsgebiet (“Kinderstube“) wichtiger Speisefischarten (z.B. Scholle, Seezunge, Hering) und der Sandgarnele, ist es für den Menschen auch wirtschaftlich von Nutzten.

 
1.3. Der Lebensraum Nordsee
In der Nordsee tummeln sich eine immense Vielfalt von Lebensformen.
Min. 30 Wal- und Delphinarten (u.a. der nahezu ausgerottete Schweinswal) sowie 6 verschiedene Robbenarten (z.B. Kegelrobbe u. bestandsbedrohte Seehunde) sind bereits beobachtet worden. Zu den ca. 70 ständig an den Nordseeküsten lebenden Seevogelarten (z.B. Lummen, Papageientaucher, Baßtölpel, Seeschwalben), kommen mehr als 10 Millionen Zugvögel (ca. 50 Arten) jährlich, die den Nordseeraum als Raststation und zum Anfressen von Nahrungsreserven nutzen, bevor sie in ihre Brut- oder Überwinterungs-gebiete weiterziehen. Einige nutzen auch dieses Gebiet selbst zur Überwinterung.
Im Wasser selbst leben über 170 Fischarten und unzählige Arten wirbelloser Tiere (z.B. Schwämme, Hohltiere, Würmer, Krebse,...).
Die Nahrungsgrundlage all dieser Tiere bildet die unüberschaubare Individuenzahl an Zoo- und Phytoplankton. So befinden sich in der vertikalen Wassersäule eines Quadratmeters bis zu 2700 Planktonarten; in der gleichen Fläche des darunter liegenden Meeresbodens ca 3-5 Mio. Kleinstlebewesen.
Selbstverständlich gibt es auch in der Nordsee zusätzlich eine unzählbare Menge an Destruenten (Bakterien, Pilze), die für die Mineraliesierung der abgestorbenen Biomasse sorgen.
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2. Die Bedeutung einer intakten Nordsee
 

2.1. als Lebensraum
Die Nordsee ist ein unersetzbarer Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Viele vom Aussterben bedrohte Tiere (z.B. Schweinswal) sind hier noch in kleinen Populationen vorhanden. Vor allem das Watt ist Knotenpunkt und Raststation weltweiter Vogelzüge und Heimat gefährdeter Arten. Das Wattenmeer stellt eine selten gewordene ökologische Nische dar.

2.2. als Nahrungsmittel
Die Nordsee zählt zu den fischreichsten Meeren der Welt.
Daher werden bei einer Fläche von nur etwa 0,2% der gesamten Meeresoberfläche, in der Nordsee ca. 5% des Weltertrages gefischt. Neben Speisefischen (z.B. Scholle, Hering,...) werden auch beträchtliche Mengen an Muscheln und Krebsen aus der Nordsee geholt.

2.3. als Arbeitsplatz
Allein in der Bundesrepublik Deutschland arbeiten ca. 70.000 Menschen im Tourismus-bereich dieser Region. Daraus resultiert ein jährliches Gesamteinkommen von über zwei Milliarden DM. Zusätzlich kommen tausende von Arbeitsplätzen in der Fischerei und der Fischverarbeitung hinzu. Auch in der Ölindustrie sind 50.000 Menschen beschäftigt.

2.4. als Erholungsraum
Tausende erholungsbedürftiger Menschen strömen Jahr für Jahr an die Nordsee. Gerade für Familien mit Kleinkindern ist diese Region ideal um Urlaub zu machen.

2.5. als Küstenschutz
Die Flora und Fauna der Küste trägt durch Wurzeln bzw. Bauten aktiv zur Verfestigung des Bodens bei. So wird ein entscheidender Beitrag zum Schutz vor Bodenerrosion und Überflutungen geleistet.
 
 

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3. Überbeanspruchung und Missbrauch der Nordsee

Vor allem die südliche Nordsee, die von hoch industrialisierten Ländern eingekreist ist, trägt sehr hohe Belastungen der verschiedensten Art.

3.1. industrielle, kommunale und diffuse Einleiter
Man kann, ausgehend von der Belastung der Nordsee mit Gift- und Abfallstoffen, diese durchaus als Ausguß- und Deponiebecken Mitteleuropas bezeichnen. Die Einleitung erfolgt
a)über die Flüsse, die in die Nordsee münden,
b)direkt an der Küste oder
c)von Schiffen auf hoher See (Verklappung).
Bis 1989 war es in der BRD erlaubt, Dünnsäure (=15-20%-ige Schwefelsäure), aus der Produktion von Titandioxid (dient als Malerfarbe, Trübungsmittel f. Emaille, Glasuren,...), nordwestlich von Helgoland zu verklappen.
Klärschlamm aus Großbritannien wird noch heute verklappt.
Auch der Eintrag von Schwermetallen und halogenierten Kohlenwasserstoffen (HCW's) ist noch nicht beendet.
Ebenso wird unzulänglich geklärtes Abwasser aus Haushalten und industriellen Fertigungsanlagen in die Nordsee eingeleitet.
Aus der Luft und über Niederschläge gelangen Stickstoffverbindungen von Kraftwerken, Kleinfeuerungsanlagen und Kraftfahrzeugen in das Meer. Mit über 40% ist der Autoverkehr eine der Hauptquellen der Stickstoffverbindungen.
Weitere Schadstoffe gelangen durch die Verbrennung von Sondermüll auf Spezialschiffen in das Ökosystem Nordsee.
Auch der Eintrag radioaktiver Rückstände, auch deutscher Herkunft, z.B. aus den Wieder-aufbereitungsanlagen Windscale/Sellafield (GB) und La Hague (F), über den Normalbe-trieb und bei Störfällen, stellen eine Belastung für die Nordsee dar.

3.2. Belastungen durch die Schiffahrt
Der zum Teil stark belastete Hafenschlick und das Baggergut wird in die Nordsee verklappt.
Ein weiteres Problem stellt die Entsorgung des Festmülls der Großschiffe dar. Pro Jahr werden etwa 9000 t, in Form von 90 Mio. Müllteilen auf See entsorgt. Allein in der Dt. Bucht befinden sich 1.920 t davon.
Auch in flüssiger Form wird Müll, als Treibstoff- und Schmierölrückstände in das Wasser abgepumpt. Auch das Spülwasser aus den Tankreinigungen der Großschiffe gelangt so in die Nordsee.
Des Weiteren gelangen die Abgase der Schiffe genauso, wie die Ableitungen zahlreicher Ausflugsdampfer (bis 1988) ungereinigt in diesen Lebensraum.

3.3. Belastungen durch Landwirtschaft und Fischerei
Das größte Problem hierbei sind die Dünger- und Güllerückstände der Intensivlandwirt-schaft bzw. Massentierhaltung. Diese machen mehr als 50% des Gesamtstickstoffeintrags in die Nordsee aus.
Hinzu kommen Pestizidrückstände aus dem Pflanzenschutz.
Besonders gefährdet durch die intensivierte Landwirtschaft ist auch der Lebensraum Salzwiese. So bezeichnet wird der Übergangsbereich zwischen Watt und Festland. Die Salzwiesen werden bei hohen Wasserständen überflutet. In diesem Lebensraum haben sich ca. 40 ganz spezielle, salzliebende Pflanzenarten (Halophyten) angesiedelt, die entweder am Festland überhaupt nicht vorkommen (z.B. Strandflieder) oder in den Salzwiesen mit besonderen, salzresistenten Unterarten vertreten sind (z.B. Rotschwingel).
Ein weiterer Eingriff in das Ökosystem Nordsee ist die Zunahme der industriell betrieben Miesmuschelzucht. Damit einher geht die Plünderung der Wildmuschelbänke sowie die Herzmuschelbaggerei, die den Wattboden zerstört. Gerade Muscheln, als Filtrierer haben einen wichtigen Anteil an Reinhaltung des Wassers.
Der Fang von Jungfischen zur Fischmehlgewinnung für die Viehzucht und die Überfischung der Speisefisch-Fischgründe hat eine zusätzliche Verschiebung im Artengefüge zur Folge.

3.4. Belastungen durch Erdöl und–gas förderung
Schon bevor eine Ölplattform steht, werden die Wale und Delphine von den Vorbereitungen vertrieben. Um ein Ölfeld zu lokalisieren werden sehr laute Explosionen durchgeführt um mit Hilfe von Seismographen das Bodenrelief zu bestimmen. Da Wale und Delphine ein sehr feines Gehör haben verlassen sie das Testgebiet im Umkreis von
40 km sofort.
Zur Schmierung des Bohrkopfes schließlich wird ein Schmiermittel verwendet, welches ca. 10% Öl enthält. Dieses Schmiermittel wird nach der Verwendung zusammen mit dem Abraum nur ungenügend gereinigt ins Meer verklappt.
Während der Bohrung schließlich fördert der Bohrstuzen ein Gemisch aus Kohlenwasser-stoffen und Wasser zu Tage. Durch die Ableitung des noch mit Öl verschmutzten Wassers gelang 1988 eine Menge von 4.100 t Öl ins Meer. Dazu kommen etwa 500 t Öl jährlich die durch Lecks bei der Förderung und an den Piplines in die Nordsee gelangen.
Durch die Wartung der Plattformen und deren Korrosionsschutz werden zusätzlich Antifouling-Farben, Pestizide, Emulgatoren und Detergenzien (waschaktive, organ. Substanzen) zugeführt. Weitere 100 t Öl gehen jährlich bei der Verladung des Öls von den Sammelstellen am Ende der Piplines in die Tanker, die das Öl zu den Raffinerien transportieren, verloren.
Die Ölabfälle aus den Raffinerien betragen weitere 4000 t pro Jahr.

3.5. Andere Belastungen
Über Tausend Schiffwracks, auch mit Kampfstoffen beladene, liegen derzeit auf dem Meeresboden der Nordsee. Hinzu kommen 60.000 t Munition und Giftgas.
Auch im Zeitalter der Abrüstung werden noch immer Waffenerprobungen in der Nordsee durchgeführt. Militärische Übungen und Tiefflüge (z.B. Meldorfer Bucht, Königs-hafen/Sylt) gehören ebenfalls zur Tagesordnung.
In gleiche Richtung geht der Jagdsport. Auch er ist nicht nur Störfaktor für nicht bejagbare, streng geschützte Vogelarten, sondern trägt durch tonnenweise verschossenen Bleischrot zur „Vermüllung“ der Nordsee bei.
Auch die Belastungen der Lebensräume durch Tourismus und Bootsverkehr sind nicht unterzubewerten.
Die Landgewinnung bedeutet seit jeher ein Problem für die Küstenlebensräume. Eindeichung, Hafenbauten und Entwässerungen sind die modernen Formen dieser Lebensraumzerstörung.
 

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4. Auswirkungen der Belastungen

Die Auswirkungen der Nordsee-Belastung sind sehr zahlreich und verschiedenartig.
Die Fischkrankheiten nehmen immer mehr zu. An den Mündungen von Elbe und Rhein sind bereits heute über 50% der Fische hautkrank, bereits 60% leiden an Tumoren. Die Fischbrut ist häufig verkrüppelt. Bereits ein Drittel aller jungen Flundern ist heutzutage verkrüppelt. Hier lassen sich direkte Parallelen zum Eintrag von Schadstoffen ziehen. Diese nämlich, werden gerade in den küstennahen Gebieten, die als „Kinderstube“ vieler Fischarten genutzt werden, eingebracht.
Die Überfischung ist die entscheidende Ursache für die Verschiebung des Artenspektrums. So nehmen die Kleinfische anteilig zur Überfischung der wirtschaftl. Interessanten großen Speisefische zu.
Die Eier vieler Seevögel sind schon heute stark mit Polychlorierten Biphenylen (PCB), Lindan, DDT und Quecksilber belastet.
Auch die Miesmuscheln sind als Flitierer von dieser Belastung besonders betroffen.
Die an die Strände angespülten Ölreste und Teerklumpen beeinträchtigen neben der Vogelwelt auch die Bodenfauna und-flora. Der Schmierschlamm der Ölplattformen tötet die Bodenfauna in der Nähe teils einfach durch die heftige Sedimentation und teils durch die giftige Wirkung der Ölbeimischungen. Innerhalb eines Radius von 500 m, im Extremfall bis zu 5 km, um den Förderturm wird die artenreiche Fauna durch wenige robuste Arten ersetzt.
Des Weiteren wird durch das Öl die Fortpflanzungs- und Freßaktivität des Zooplanktons geschädigt.
Auch für den Menschen gibt es direkte Auswirkungen. So wurde z.B. im September 1988 erstmals ein Badeverbot vor Norderney aufgrund von Salmonellengefahr ausgesprochen. Die Ursache dafür waren Ausflugsdampfer, die ihre Fäkalien ungeklärt in die Nordsee einfließen ließen.
 Bereits im Mai des selben Jahres kam es aufgrund der starken Eutrophierung zu einem Algenboom. Hunderte Quadratmeter waren von der Goldalgenart Chrysochromulina polylepis bedeckt. Die giftigen Ausscheidungen dieser Art töteten viele Meerestiere. Gleichzeitig kam es, gemäß der Lotka-Volterra-Regel (1), zu einer Vermehrung der höheren Tiere. Schließlich starben die Algenmassen ab und darauf auch die höheren Lebewesen und es kam durch Sauerstoffmangel zu einem zweiten Massensterben.
Von den direkten Wirkungen der Schadstoffe und Schwermetalle ist bisher wenig bekannt. Man weiß allerdings, dass sich die Konzentration, je mehr man in der Nahrungspyramide nach oben kommt, immer mehr erhöht. So können beispielsweise bei einem PCB-Gehalt des Wassers von 0,000005 mg/kg, in einem Schweinswal bereits 50mg/kg festgestellt werden.
Außerdem ist bekannt, dass PCB's Robben unfruchtbar machen können.
Viele Indizien deuten auf die verheerenden Auswirkungen der Nordseeverschmutzung hin.
Die Rate an Frühgeburten bei Seelöwen steigt beständig.
Seit 1988 geht der Bestand des Schweinswales zurück.
Andere Tümmler werden vermehrt tot angeschwemmt.
Es ist weiterhin ein Mövensterben, durch den Fraß vergifteter Robbenkadaver festzu-stellen.
Auch den schleichenden Ölpesten bzw. denen nach Schiffskolisionen gehen zahlreiche Vögel zugrunde.
 
 

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5. Maßnahmen zur Rettung der Nordsee (exemplarische Auswahl)

5.1. umweltpolitischer Ansatz
Statt Immissionsmessungen am Ende der Wirkungskette sollen Emissionsmessungen durchgeführt werden, um die Ursache zu bekämpfen. Es macht keinen Sinn über die Regulierung einer Katastrophe nachzudenken, ohne neue zu verhindern.
Man sollte es aufgeben dem Gedanken des Verdünnungsprinzips anzuhängen. Dabei wird oft übersehen, dass sich der im Wasser verdünnte Stoff am Ende der Nahrungs-kette wieder immens angereichert hat.
Ein wichtiges Ziel muss es sein besonders gefährliche Stoffe, so weit es geht zu verhindern.
Vor der Einführung neuer Technologien wäre es sinnvoll eine Technologiefolgeab-schätzung durchzuführen. Es muss vor dem Einsatz neuer Technologien klar sein welche Folgen für die Umwelt zu erwarten sind.
Der Forschung angepasste Nachbesserungen bzw. Verschärfungen bestehender Genehmigungen müssen durchgeführt werden. Es können nicht heute, wider besserem Wissen, die selben Maßstäbe wie vor 30 Jahren gelten.
Neue Einleitungsgenehmigungen sollten nur bei Nachweis über die Unschädlichkeit vergeben werden.

5.1.1. Problembereich Nährstoffeintrag-Überdüngung
Ökologisch arbeitenden Betrieben sollten Umstellungsbeihilfen gewährt werden
Die Stickstoffsteuer könnte nach und nach erhöht werden.
Es sollte auf flächenbezogenen Viehbesatz gedrängt werden
Es sollte eine Gülleverordnung auf Bundesebene geben.

5.1.2. Beendigung der Klärschlammverklappung in Großbritannien

5.1.3. Reduzierung des Luftstickstoffs
Katalysatorfreie KFZ könnten verboten werden
Die Entwicklung schadstoffarmer Motoren sollte gefördert werden
Es müssen finanzielle Anreize für die Verlagerung des Schwerlastverkehrs auf die Schiene geschaffen werden.
Der öffentliche Personennahverkehr sollte noch besser ausgebaut werden.
Filter in Kraftwerken und Heizanlagen sollten dem neuesten techn. Stand entsprechen.

5.1.4. Problembereich Eintrag von biologisch nicht od. nur schwer abbaubaren Stoffen
Die Produktion neuer Schadstoffe mit hoher Toxizität, Anreicherbarkeit und unabsehbaren Folgen muss unterbunden werden
Die Verklappung von verseuchtem Hafenschlick und Baggergut muss gestoppt werden.
Krebserregenden und anderen gefährlichen Pestiziden sollte die Zulassung entzogen werden.
Auf öffentlichen Grünflächen sowie in Kleingartenkolonien und Hausgärten sollte der Pestizideinsatz verboten werden.

5.1.5. Ermittlung der Verschmutzungsverursacher
Messergebnisse sollten für die Öffentlichkeit transparent gemacht werden.

5.1.6. Völlige Unterbindung des Eintrags radioaktiver Rückstände aus kerntechnischen Anlagen

5.1.7. Problembereich Schadstoffeintrag von Schiffen
Alle Schiffe müssten in den Häfen, zu überall gleichen Gebühren, zur Entsorgung gezwungen werden.

5.1.8. verstärkte Sicherheitsüberprüfung beim Transport gefährlicher Güter
Alle Problemstofftransporte sollten laufend erfasst und kontrolliert werden. Die jeweilige Position der Schiffe und die Entsorgung muss ständig bekannt sein.

5.1.9. Verbot des Ablassens von Abwässern und Fäkalien aus den sanitären Einrichtungen der Fahrgastschiffe

5.1.10. wirkungsvollere Überwachung und Strafverfolgung von Umweltsündern
Das Strafmaß für überführte Umweltsünder ist auf die Reeder und nicht wie bislang als „Bagatellsache“ auf den Geldbeutel des betreffenden Schiffspersonals zu bemessen. Verantwortlichen Kapitänen ist der Entzug des Kapitänspatents anzudrohen.
Unfall- und Schadenshaftung sollten durch den Verursacher getragen werden.
Das Strafrecht für illegale Einleitungen und Emissionen sollte verschärft werden.

5.1.11. Problembereich Wattenmeer und Küste
Es dürfen keine neuen Industrieansiedlungen mit stark umweltbelastenden und gefährdenden Produktionsprozessen an der Küste entstehen.
Die Erprobung von Waffen durch die Rüstungsindustrie muss beendet werden.
Die Ölförderung im hochsensiblen Wattenmeerbereich muss sofort gestoppt werden.
Die Eindeichungen und die Aufspülung der Salzwiesen und Wattbereiche muss beendet werden.
Die Tiefflüge und Bundeswehrübungen im Watt und über den Inseln sollten einge-schränkt werden.

5.1.12. Problembereich Fischerei
Die Überfischung bestimmter Nordseefischarten ist zu beenden.

5.1.13. Förderung der Forschung zur Nordseeproblematik

5.2. Verändern des Konsumverhaltens

5.2.1. PVC vermeiden
Durch die Herstellung von PVC fallen Abfälle an die z.T. noch auf der Nordsee verbrannt werden.

5.2.2. Bio-Anbau fördern
Beim Bio-Anbau wird weitestgehend auf Pestizide und chem. Dünger verzichtetet.

5.2.3. keinen Pestizideinsatz im eigenen Garten

5.2.4. Problembereich Auto
Man sollte das Auto so oft es geht stehen lassen und beim Kauf auf ein Modell mit Katalysator achten

5.2.5. Problembereich Waschen
Man sollte das Waschmittel der Wasserhärte und Verschmutzung entsprechend dosieren und die Waschmaschine nur voll laufen lassen.

5.2.6. Problembereich Heizen
Verminderung des Stickoxidausstoßes, durch Filter u. ä. soweit wie möglich.
Gute Isolierung hilft Energie zu sparen.

5.2.7. Problembereich Papier
Die Herstellung von Umweltschutzpapier braucht weniger Frischwasser und vermindert die Abwasserbelastung. Deshalb ist es sinnvoll diese zu verwenden und Altpapier der Wiederverwertung zuzuführen.
 

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6. Literaturnachweis:

1)BUND Deutschland e.V.: Die Nordsee-Lebendiges Meer oder Müllkippe Europas; 2. Auflage; Bonn 1991
2) MacGarvin, Malcom: Das Greenpeace-Buch der Nordsee; Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.; Stuttgart 1991
3)Meyer, Hans Ulrich:Lebensraum Wattenmeer; Quelle und Meyer Verlag; Wiesbaden 1994
4)Hartwig Kremer: Der Schweinswal in Nord- und Ostsee; Umweltstiftung WWF-Deutschland (Hrsg.); Frankfurt/Main
   1991
5)Landesamt für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (Hrsg.): Nationalpark
   Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer; Tönning 1989
6)Lexikographisches Institut: Der Knauer, Universallexikon in 15 Bänden; Lexikographisches Institut; München 1990,
   1991²
7)Dr. Eckkard Philipp (Hrsg.): Ökologie, Neubearbeitung; Schroedel Verlag GmbH; Hannover 1998
8)Herder: Lexikon der Biologie; Spektrum Akademischer Verlag GmbH; Heidelberg · Berlin · Oxford 1994
 
 
mat.kraft@gmx.de