Nach einem ganzen Jahr ohne Kelly-Konzert überredete ich schließlich meine Eltern, mit mir nach Augsburg zum Konzert zu fahren. Ich bin in meiner Umgebung die einzige, die mehr oder weniger Kelly-Fan ist, und so hab ich auch niemanden, der mit mir hinfahren würde. Auch wenn es manchen langweilig erscheinen mag, alleine aufs Konzert zu gehen, finde ich das überhaupt nicht. Bis jetzt habe ich immer wieder, ganz normale, nette, nicht kreischende Fans kennengelernt.
Am Vormittag musste ich in der Schule noch eine zweistündige Mathematikschularbeit hinter mich bringen, echt schrecklich!! Gegen viertel nach 2 fuhren wir los, und um halb fünf kam ich an der Halle an. Es waren schon wahnsinnig viele Leute da, aber mir macht das nichts aus. Ich gehöre sicherlich nicht zu jenen Fans, die tagelang vorm Eingang ausharren, und noch dazu im tiefsten Winter! Nein, zu so was bringt mich niemand, denn das ist mir echt zu blöd. Ich lern schon immer wieder neue Leute kennen, aber dazu muss ich mir nicht vor der Konzerthalle die Zehen, Finger und Nase herunterfrieren lassen!!
Am Anfang erschien mir die Situation sehr gesittet und zivilisiert, doch als um 19:20 der Einlass begann brach das Chaos aus. Ich hab von hinten nicht viel mitgekriegt, aber es dauerte bis viertel nach acht, bis ich endlich in der Halle war.
Um 20:34 begann das Konzert endlich mit "I feel love". Nach einem längeren Donnern stürzte ein dunkler Vorhang in den Fotograben, die Scheinwerfer gingen an, und die Kellys legten mit voller Kraft los. Jimmy war dabei, Patricia war dabei, doch Adam, Kathy und John fehlten. Naja, was soll man machen? Die Stimmung war ein Wahnsinn, und es war kaum Gekreische, nur pure Begeisterung für die Kels und ihre Musik. Nach "Rock’n’Roll stole my soul", das Jimmy mit neuem Text, der mir unbekannt war, sang und "Key to my heart", kam John auf die Bühne. Er wirkte irgendwie krank, hatte einen dicken Schal um den Hals und beteiligte sich kaum an der Power und Show, den seine Geschwister boten. Kaum kam ihm ein Lächeln über die Lippen, aber er hielt das Konzert mit mehreren Pausen fast ganz durch.
Barby kam nach vor, und stimmte "The Rose" an, und da wurde mir klar, dass dieses Konzert außergewöhnlich werden würde. Wie lange war es wohl her, als ich "The Rose" zum letzten Mal live von den Kellys hörte? Barby war super drauf, sie kam oft vor, schüttelte Hände der Fans und nahm Geschenke entgegen, darunter neben Diddl-Mäusen auch ein großes, gelbes Plakat, auf dem auf französisch stand: Barby, tu es une belle fleur, dt: Barby, du bist eine schöne Blume.
Ich hatte einen relativ guten Platz gefunden. An den Seiten und hinten waren ein bis zwei Reihen Holzstühle aufgestellt, und glücklicherweise konnte ich einen ergattern, und hatte so eine sehr gute Sicht, als ich auf dem Stuhl stand.
Es ist mir unmöglich, die genaue Reihenfolge der Lieder zu behalten, aber es war so einzigartig, dass ich kaum eines vergessen habe.
Patricia kam dann nach vorne und erzählte, dass sie das folgende Lied guten Freunden widmen würde, die heute auch hier wären, die immer zu ihr gestanden sind und ihr viel Kraft gegeben haben. Es folgte "First Time", das sie mit starker Stimme, viel Ausdruck und Gefühl sang, und bei den Fans Gänsehaut auslöste. Ich konnte wegschmelzen!! Später sang sie auch mit Jimmy ihr Duett "Please don’t go". Jimmy interpretierte den Song mit viel Gestik, und den Schluß sangen die beiden umarmt in der Mitte der Bühne, nachdem Pat Jimmy nach vor zerren musste. Dieser lehnte zuerst ab, das es ja ihr Lied sei. Maite sang "Roses of Red" in einem wunderschönen rot-schwarzen Kleid, und sie ging von einer Seite der Bühne zur anderen. Vor den Boxen links und rechts der Bühne, waren so Balkone aufgestellt, ebenso hinter dem Schlagzeug, von denen immer wieder jemand runterwinkte.
Als John mit seiner Gitarre mit den Rosen drauf nach vorne ging, dachten alle an "Santa Maria" oder "Red Shoes", es kam aber, womit niemand gerechnet hatte, "When I was in Town" von 1992. Als er die Leute zum Mitsingen auffordern wollte, sangen viele nicht mit, weil die meisten den Text nicht kannten. So viel nur zum Thema Street Life. Viele auf den heutigen Konzerten kennen die Lieder nicht, kennen die Atmosphäre nicht. Ich find so was wirklich schade!! Auch "Stay Beside Me" von "WOW" wurde von Jimmy und Joey mal gesungen, doch irgendwie war es zu langsam. Ich hatte den Eindruck, sie genossen die Überraschung, die sie mit den älteren Songs bereiteten!!
Barby sang mit Maite ihr neues Lied "I wanna kiss you", das sehr schwungvoll und mit rockigen Elementen ist. Die zwei Mädels tanzten und sprangen ganz ausgelassen herum, und man sah ihnen und allen anderen Kellys einfach an, dass sie wieder Spaß an der Musik fanden. Es wirkte sehr professionell, jedoch nicht einstudiert und künstlich-fröhlich, sondern spontan und die Späße kamen aus dem tiefsten Inneren. Paddy kündigte daraufhin eine Folge von Songs aus ihrem Durchbruchsalbum "Over the Hump" an, das es mittlerweile in über 3,5 Millionen deutschen Haushalten gibt. Die Kellys spielten "Break Free" (wo Barby wieder super drauf war), "Why Why Why" sowie "Roses of Red", von dem ich ja vorher schon erzählt hab.
Dann kam der Folk-Rock-Irische Teil mit "I’ll tell you, Ma", "Good Neighbour" und "Oh Susanna". Ich wusste gar nicht mehr, wohin ich zuerst schauen sollte, alle Kellys gaben ihr bestes, und sie waren gut drauf – außer Johnny, der demonstrativ oft mit dem Rücken zu den Fans stand. "Let it be" wurde von allen anwesenden Kelly-Boys gesungen, auch Angelo kam zur ersten Strophe vor.
Vor der Pause hatte Angelo seinen ersten großen Auftritt. Er sang "Because it’s Love", und anschließend fiel ein weißer dünner Vorhang. Angelino erzählte, dass er jetzt ganz alleine ein Lied spielen würde, das ihm viel bedeutet und gut gefällt: In perfektem Deutsch sang er "Flugzeuge im Bauch" von Herbert Grönemeyer. Es passte sehr gut zu seiner Stimme, und er erntete auch viel, viel Applaus vom Publikum.
Nach einer dreißigminütigen Pause begann der zweite Teil wieder ebenso stimmungsvoll und dynamisch mit "Thunder". Ich weiß noch, dass alle auf dem Balkon hinter dem Schlagzeug in einer Reihe standen, und dann langsam nach vor kamen oder sprangen. Was Jimmy jedoch aufführte, hab ich noch nie erlebt. Er sprang wie ein Verrückter hin und her, machte irre Verrenkungen und warf die Beine in die Höhe. Er genoss es sichtlich, im Mittelpunkt zu stehen und eine Wahnsinnsshow abzuziehen. Ohne Unterbrechung ging’s gleich weiter mit "Hallelujah", das eines meiner Lieblingslieder ist. Da können es die Kellys abstreiten wie sie wollen, ich lass es mir nicht nehmen, dass das Lied genauso wie "Mama" für ihre Mutter ist. Mit der Symbiose aus dem ernsten Text und der kraftvollen Melodie und Dynamik ist den Kellys ein Meisterwerk gelungen!
Es wurde daraufhin wieder ruhiger, und die Kellys sangen "The Children of Kosovo" mit den englischen Lyrics im Refrain. Die Lichter verbreiteten dabei eine ganz unheimliche mystische Stimmung, so dass das Lied allen sehr nahe ging, den Fans ebenso wie den Kellys selbst.
Der heimliche Höhepunkt kündigte sich an, als Barby über einen Seitensteg am rechten Bühnenrand nach vorne tänzelte. Sie hatte sich umgezogen, trug ein weißes Satinkleid mit hellblauen Borten und hellblauen Schmetterlings-Flügelchen. Ich kann’s gar nicht in Worte fassen, wie süß sie aussah. Back to Street Life, endlich, denn sie sang "Crazy" von der Platte "Street Life". Der Text war schon größtenteils abgeändert, aber die Arrangements blieben gleich. Mit starker Stimme und vielen Emotionen sang sie das Lied, und zwischendurch tanzte sie. Der Jubel danach war frenetisch und wollte gar nicht mehr aufhören. Als sie wieder von einem Ohr zum anderen lächelnd zu den Keyboards zurücktanzte, wurde sie von Begeisterungsrufen wieder zum Steg vorgeholt. Sie verbeugte sich wie eine Ballerina, machte Pirouetten und bedankte sich. Paddy gab noch eins drauf, indem er meinte "Ist sie nicht super drauf?", und die Begeisterungsstürme begannen von neuem. Als Patrick meinte "Jetzt bin aber ich dran", fingen laute "Paddy, Paddy"-Schreie los, so wie ~ 1996, als die Patrick-Hysterie so arg war. Er winkte ab, indem er meinte, dass man gar nicht mehr fertig werden würde, wenn das bei allen so ginge, und dann legte er mit "An Alien" los, nachdem er für die neuen "Best of.."-CDs kräftig die Werbetrommel rührte.
Fiesta, Fiesta! Mein heißblütiges Herz schlug gleich höher, als "Ares Qui" und "When the boys come into town" an der Reihe waren. Kathy war zwar nicht da, aber John sang einfach ihre Strophe. Nach der gigantischen Powerstimmung wurde es wieder ruhig, als Maite nach vorne kam und erzählte, was ihr an jenem Tag passiert war. "Mir hat heute ein Junge das Herz gebrochen" – Applaus! - "Ich habe ihn gefragt, ob er mir einen Kuss gibt, und er hat nein gesagt" – ooh von den Fans - "Aber er war erst fünf Jahre alt!!" - Lachen. Sie ließ ihre philosophische Ader aufblühen und meinte, dass wir alle ja noch Babies seien, was ja eigentlich gut ist. Ja klar, jetzt kam "Every Baby"!! Immer wieder ließ Maite die Leute singen, und sie bekam einen ganz großen Teddybären geschenkt, den sie immer hielt. Währenddessen wurde der Flügel auf die Bühne geschoben, und Paddy setzte die Gänsehautstimmung fort mit "One more Song". Bei diesem Lied kann ich nur subjektiv schreiben, weil es mir sehr viel bedeutet. Es gibt mir immer Kraft, wenn es größere Probleme gibt. Ich weiß, man braucht einfach "One more song before everything goes wrong" und dass jeder weiterkämpfen muss - "Ride on, ride on into the sun". Und dieser Song sollte nicht der einzige bleiben, bei dem ich ganz feuchte Augen bekam...
Nach "The Wolf", bei dem Joey auf seine Salti und Sprünge verzichtete aber trotzdem die ganze Gewalt rüberbrachte, schloss sich wieder mal der weiße Vorhang und die Kellys berauschten mich und die anderen 5000 mit einer "Unplugged-Einlage". Patrick erzählte, dass sie so immer zuhause spielen würden, und sie präsentierten ihre unplugged-Talente mit "Wish I were a swallow", "I really love you", das so viel viel besser wirkte als in der ursprünglichen Fassung, und schlussendlich "NaNaNa".
Angelo
zeigte uns danach, was man mit einem Schlagzeug alles anstellen kann. Ich
spiele ja selbst seit 3 Jahren Drums, und deshalb sah (und vor allem hörte!!!)
ich es vielleicht mit anderen Augen als die meisten anderen. Er wurde immer
lauter und schneller, und spornte die Masse zu immer größerem
Beifall
an, damit er weiterdrummen würde. Genial, der Junge!! In Sachen Instrumente
zeigt Angelo die größte Virtuosität, an der Gitarre Joey,
und Kathleens Stimme ist sowieso unschlagbar!
Im selben Tempo und Rhythmus ging der Hardrock-Part gleich weiter mit einer Girl-Version von "Proud Mary", gefolgt von einem neuen, mir unbekanntem Lied gesungen von Patricia, Barby und Maite. Sie rockten ab, sangen wie eingefleischte Rockin-Röhren und fetzten ab, bei uns sagt man, sie ließen die Sau raus.
"I’m dreaming of a White Christmas", und schon kam John nach vorne gelaufen. Auch er zeigte keine Spagatsprünge und Tanzeinlagen, aber das überboten seine Geschwister mit ihren verrückten Ideen. Maite schlich sich an Joey heran und setzte ihm eine Weihnachtsmann-Mütze von hinten auf und zog sie ihm über die Augen. Er war weniger begeistert und warf sie gleich wieder weg. Die Weihnachtsüberraschung kam ja auch noch. Bei "Jingle Bells" verteilten Maite und Patricia viele viele Kelly-Gimmicks unter den Fans, T-Shirts, Photobooks, Videos, CDs und so weiter. Nur schade war’s, dass nur die Leute in der ersten Absperrung was davon mitkriegten. Nach "Take my Hand", bei dem Paddy sein übliches Shake-Hands mit den Fans ganz vorne absolvierte, verbeugten sich die Kellys, und der "offizielle" Teil war zu Ende.
Ohne Zugaben läuft ja nichts, und John und Patrick kamen wieder. Der Vorhang schloss sich, sie setzten sich auf Stühle, und ich wusste schon, was jetzt kommen würde: der nächste Tränendrüsensong "Mama". Ich finde das Lied einzigartig. So viele Gefühle und wahre Ausdrucksstärke in einen Song zu packen, ist eine Kunst. Diese Stimmung und Spannung zwischen den Fans und der Family existiert bei keinem einzigen anderen Song! Auch kleine Kinder, wie meine 9-jährige Cousine Martina, die den Text nicht verstehen, verstehen das Wort "Mama", sie sehen wie Paddy das Lied nahe geht und sie sind genauso gerührt und ergriffen wie alle anderen. Erst nach einigen mucksmäuschenstillen Sekunden, ging der Applaus los.
Nachher löste Angelo John ab, und das endgültige Abschlusslied war "I can’t help myself" wie eh und je. Schön finde ich es, dass die Kellys die Fans mit zwei so langsamen und gefühlvollen Balladen "entlassen", jeder ist noch ganz gerührt von den tiefgehenden Melodien und kann in höchster Konzentration seine Gedanken ordnen und das Konzert noch mal Revue passieren lassen. Es tut mir leid, dass ich das so von meiner Sicht auf andere schließe, aber ich kenne viele Leute, die nicht gefühlskalt sind, und denen es so geht wie mir.
Wie unter Trance verließ ich den Saal und traf mich um halb zwölf mit meinen Eltern wieder. Auch ihnen gefällt die Musik der Kelly Family sehr gut, und sie verstehen auch die Gefühle, die die Kellys ausdrücken wollen, und die mich so berühren.
Das
Konzert war zweifelsohne das phantastischste, das ich je erlebt habe. Ich
werde es nie vergessen, und ich hoffe, dass es mir gelungen ist, alles
so auszudrücken, wie ich es erlebt habe, und dass viele Menschen,
die leider nicht dabei sein konnten, meine Emotionen zu dieser Flut an
Wärme teilen können und mich verstehen. Vielleicht wirkt dieser
Bericht ein wenig sentimental oder kitschig, aber versteht mich nicht falsch,
das Konzert war eine Riesenparty mit Spaß und Tanz, jedoch auf eine
Art und Weise, wie sie Menschen wie mich einfach berührt und viel
bedeutet.
Dieser
schöne Komzertbericht hat Beate geschreiben!
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