palast_der_republik

 

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ein baudenkmal der ddr-moderne verschwindet

 

 


Dramatisches zeichnet sich in der Berliner Stadtmitte ab. Der Bundestag hat im vergangenen Herbst den Untergang des Palastes der Republik besiegelt, um dem Wiederaufbau des Stadtschlosses Platz zu machen. Eine fatale Fehlentscheidung, zumal von einer Gruppe derer, der man jegliches Verständnis für Architektur und Denkmalpflege absprechen muss. Entschieden hat hier politische Dummheit und Verblendung, fehlende Auseinandersetzung mit einem großartigen Gebäude, dem allein seine Herkunft zum Verhängnis wird. Kann Architektur überhaupt ideologisch sein? Der Beschluss zum Abriss beantwortet diese Frage mit einem eindeutigen „ja“.

Der Verlust des Palastes, als eines wirklichen, originalen Baudenkmals der DDR geht einher mit dem infrage zu stellenden Gewinn einer Totalkopie des Stadtschlosses, dessen Finanzierung noch nicht einmal geklärt ist und die allein von den ungeheuren Dimensionen der Baukubatur die Stadtmitte ins Dunkel tauchen wird. Berlin gewinnt durch das Stadtschloss wenig – eine Stadt die seit alters her reich mit bedeutenden Baudenkmalen gesegnet ist, insbesondere in der Straße unter den Linden, ist nicht auf eine Kopie, bezahlt von der freien Wirtschaft angewiesen. Berlin verliert dagegen ein wichtiges Denkmal der DDR-Moderne, Mitte der siebziger Jahre 70iger Jahre als Haus des Volkes und Sitz der Volkskammer von Heinz Graffunder (†) errichtet, das man mit seinen kupferfarben getönten Scheiben und seiner strahlenden Marmorfassade zu den spannendsten Bauten der DDR-Architektur zählen muss. Lang ist die Liste wichtiger DDR-Denkmale, die bereits vernichtet wurden, darunter das Ahornblatt von Ulrich Müther, das mit seinem markanten

Hyparschalendach Abwechslung in die recht eintönigen Hochhäuser der Leipziger Straße brachte. Nicht anders wird es nun auch dem Palast ergehen, Anfang 2005 wird mit dem schrittweisen Abriss begonnen; zunächst wird eine Grünfläche auf seinem Standort entstehen, die solange Bestand haben wird, bis der Wiederaufbau des Schlosses in allen Einzelheiten geklärt ist!

 

ein palast sucht seine republik

 

Man mag es drehen wie man will, der Abriss des Palastes ist politisch gewollt. Und gerade das ist das dramatische an der ganzen Geschichte. Als Relikt der DDR in der Mitte der Hauptstadt und ehemaliger Volkskammersitz war er vielen politisch Einflussreichen der BRD ein Dorn im Auge. Sein Untergang zeichnete sich unterdessen seit langem ab. Zunächst die Asbestsanierung, die von dem einstigen, hell strahlenden Gebäude eine ausgeschlachtete Ruine zurückließ, mausgrau, seiner Eingeweide beraubt, die Scheiben der Glasfassade getrübt oder eingeschlagen. Krähenschwärme umfliegen sie heute. So wie der Palast gegenwärtig dasteht, kann er wenig Befürworter finden. Eine Ruine in der Innenstadt von Berlin, die voller Absicht zu dem gemacht wurde, was sie jetzt ist, nichts anderes, als ein hässliches Ungetüm.

 

Kaum mehr lässt sich die einstige Schönheit erahnen. Das erleichtert der Politik allerdings ungemein die Entscheidung: das Ding muss weg. Eine Ruine kann man allerdings auch wieder aufbauen; sie wird dann immer noch sehr viel mehr originale Substanz besitzen als das Stadtschloss. Einrichtung und Fassadenelemente des Palastes sind in Spandau zwischengelagert.

Die Entscheidung des Bundestags kam rasch, nicht aber überraschend. Sie wollen das Schloss. Sie werden es bekommen. Das Volk, als rechtmäßiger Eigentümer des Hauses, so wie es im Grundbuch verbrieft ist, hat keiner gefragt. Wohl aus Angst, die Entscheidung für oder gegen das Schloss könnte anders ausfallen als die eigene. Die Berliner Denkmalpflege hat ihren einstigen Zögling schon lange aufgegeben. Alles ist dokumentiert, das ganze Gebäude, von außen, von innen. Nun können sich die Abrissbirnen krachend ins Mauerwerk fressen. Wenn sich der Wind nicht noch dreht, und man den Fehler, der im Fall des Ahornblattes unterlaufen ist, nicht noch einmal wiederholen will.

Seit Jahren sind mehrere Varianten für die Gestaltung des Schlossplatzes bekannt, von denen die spannendste und zugleich diffizilste die der Koexistenz von Palast und (teilwiederaufgebautem) Schloss ist – eine Herausforderung, die keine mehr sein darf. Und nie eine wirkliche war.

 

Benjamin Rudolph

Student der Architektur an der Bauhaus-Universität Weimar

 Contact_ b.rudolph.weimar@web.de

 


Der Verein zur Erhaltung des Palastes der Republik e.V. www.kultur-netz.de/pdr/ hat Handzettel zum Download (.pdf) bereitgestellt, der als

Protest des bevorstehenden Abrisses an den Bundestag geschickt werden kann. download