von:
Ralph Mennicke
DBG, gk mus, Jgst. 12
Schwerpunkt:
Der Expressionismus in der Musik
Inhaltsverzeichnis:
6.1 Der Dadaismus
6.2 Die expressionistische Prosa
6.3 Das dramatische Schaffen des Expressionismus
6.4 Die expressive Lyrik
Else Lasker-Schüler (1869-1945)
Georg Trakl (1887-1914)
8.2 Anton Webern (1883-1945)
8.3 Bela Bartok (1881-1945)
8.4 Hindemith (1895-1963)
8.5 Mahler (1860-1911)
8.6 Russland:
8.7 Strawinsky (1882-1971):
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Das Werk beginnt mit der Schilderung des Krieges als eine lebendige Person, die nie ganz tot war, nur in einem hinterlistigen Schlaf ruhte. Die zweite Strophe schildert, wie sich der Krieg langsam und unerkannt anschleicht (Vorahnung auf Katastrophe) und die Katastrophe beginnt, d.h. der Krieg ausbricht. Heym steigert die Zerstörung noch einmal, indem er die Grausamkeit erneut aufgreift, diesmal noch intensiver endend: nicht mit dem Tod einzelner sondern mit der Vernichtung ganzer Städte.
Das Interessante an diesem Gedicht ist die Tatsache, daß es vor den Weltkriegen geschrieben wurde, diese in den ersten Strophen aber mit all den Schrecken beschreibt und gleichzeitig die Vernichtung einer Großstadt in besonders zerstörerischer, ja unvorstellbarer Weise vorhersieht:
Hiroshima und Nagasaki wurden 28 Jahre später total zerstört!
Charakteristisch für die Beunruhigung und die Vorahnungen der Expressionisten sind auch andere Werke Georg Heyms:
Gedichte wie "Umbra vitae" (= Schatten des Lebens), "Der Gott der Stadt" oder "Die Morgue" zeigen düstere Visionen der kommenden Ereignisse. Ihn quälten meist Sorgen vom Untergang der Menschen und vom Tod.
Die "Ausdruckskunst" (lat. "ex" + "premere") wurde in eine Zeit von großen Ereignissen, Turbulenzen und vor allem in die Vorzeit bzw. die Zeit der Weltkriege selbst hineingeboren.
Unter Wilhelm II. erlebte Deutschland eine unruhige Zeit. Auf der einen Seite stand seine Vernachlässigung innenpolitischer und sozialer Probleme, auf der anderen Seite die verstärkte Militarisierung und die turbulente Außenpolitik:
Dem Dreibund Deutschlands mit Italien und Österreich-Ungarn standen zum einen der Pakt Russlands mit Frankreich, zum anderen die sogenannte "Entente cordiale" Frankreichs mit Großbritannien. Als sich dann Deutschland nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgepaares in den kritischen Konflikt "verhedderte", sah sich Deutschland schließlich beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs umgeben von Gegnern.
Nach schweren Kriegsjahren waren die politischen und wirtschaftlichen Probleme Deutschlands noch lange nicht ausgestanden. Der "Vertrag von Versailles" 1919 mit immensen Forderungen an die Weimarer Republik war ein erneuter Rückschlag. Die Gebietsabtretungen, der Verlust des Auslandsvermögens und die Wiedergutmachungszahlungen stürzten die Wirtschaft in ein tiefes Loch. So sah man sich 1923 mit der Inflation, die das Vertrauen der Bürger in den Staat schwer erschütterte, an einem neuen Tiefpunkt angelangt.
An dieser Stelle möchte ich Hermann Bahr, einen bedeutenden Beobachter dieser Zeit, zitieren, dessen Aussage ich als Ausgangspunkt nehmen werde:
"Darum geht es, dass der Mensch sich wiederfinden will... Die Maschine hat ihm die Seele weggenommen - und jetzt will ihn die Seele wiederhaben. Darum geht es; alles, was wir erleben, ist nur der ungeheure Kampf um den Menschen, Kampf mit der Maschine.
Wir leben ja nicht mehr, wir werden gelebt... Niemals war eine Zeit von solchem Entsetzen geschüttelt, von solchem Todesgrauen. Die ganze Zeit wird ein einziger Notschrei, auch die Kunst schreit mit. Sie schreit nach dem Geist: das ist der Expressionismus!" (zitiert nach Wilhelm Grenzmann: "Deutsche Literatur der Gegenwart", 1953).
In diesem Kommentar steckt deutlich erkennbare Kritik an der damaligen Situation:
Der expressionistische Künstler lehnt sich auf gegen eine "Enthumanisierung" durch die Industrialisierung. Er sieht sich von den Maschinen, die durch die sprunghaft wachsende Industrie allgegenwärtig sind, und durch die Autorität der Großunternehmer diktiert.
Zusätzlich ist auch immer mehr die Anonymität der Großstadt ein Grund, dass der Mensch den Bezug zu seinem Geist und seiner Seele verliert. Durch die technischen Erfolge kommt Selbstzufriedenheit in den Menschen auf. Die jungen Expressionisten sahen sich zutreiben auf eine Gesellschaft ohne Rücksicht und Moral.
In der Jugend der Jahre kurz nach der Jahrhundertwende, grob von 1910-1925, vollzog sich bald eine Aufbruchsstimmung ähnlich der des Sturm und Drangs.
Die jungen Leute kritisierten die aktuelle Ordnung, sie hatten den festen Willen der Erneuerung. Die Expressionisten wollten die Welt vor einem bevorstehenden Chaos retten.
In den jungen Kunstschaffenden entbrannten düstere Visionen vom (Welten-) Ende ("Menschheitsdämmerung"). Die Musiker, Maler und Autoren traten nun revolutionär und respektlos für einen kompletten Bruch mit der Vergangenheit ein und setzen sich das Ziel, sich selbst wiederzufinden und der Welt zu helfen. Zugrunde lag diesem Ziel insbesondere nach 1914 ein starker Pazifismus. Dieser bildete sich vor allem heraus, zumal ein Großteil der Künstler den Ersten Weltkrieg miterlebte und selbst als Soldaten Dienst leisteten.
Man könnte denken, dass speziell die kleinbürgerlichen Schichten die ersten Vertreter der neuen Kunstrichtung stellten, denn sie waren ja die eigentlichen Opfer der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Missstände. Doch erstaunlicherweise stammen vor allem die kritischen Autoren aus bürgerlich-gebildeten Schichten und besuchten fast alle ein Gymnasium oder eine Universität. Der Hintergrund dieses scheinbaren Paradoxons ist die erstarrte Bildung, d.h., es wurden Ideale geleert, die schon lange nicht mehr mit der Wirklichkeit übereinstimmten.
So kam es, dass die Karriere verdrängt wurde und sich die neuen Künstler entweder als Verkünder einer neuen Zeit verstanden oder sie sich einfach nur befreien wollten von Konventionen.
Unter den Expressionisten herrschte, trotz vieler individueller Stile, immer ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl, so dass sich Vereinigungen wie der "Der blaue Reiter", "Die Brücke" und der "Charon" bildeten.
Diese gaben Zeitschriften heraus, unter ihnen z.B. "Der Sturm", "Der Brenner", "Die Aktion", "Das neue Pathos" oder die berühmte Zeitschrift "Die Brücke" (Kopie). In den Zeitschriften wurden wiederholt politische Thesen und sozialistische Forderungen veröffentlicht. Vielfach handelten Texte von Themen wie Frieden, Weltverbrüderung oder Ähnlichem. Die zumeist sozialistisch-orientierten Autoren verurteilten den aufkommenden Nationalismus und sahen ihn als Bedrohung kommen.
Nach 1933 wurden sie nur noch verlacht und verfolgt. Die Zäsur der Nationalisten setzte der Kunstepoche ein jähes Ende.
[Zuerst einmal muss natürlich diese wunderliche und seltsam-komische Bezeichnung zu klären. Der Legende nach wurde einmal ein Federmesser in ein deutsch-französisches Lexikon gesteckt, das den Blick auf "dada = kindliche Bezeichnung für Holzpferdchen" lenkte. Doch selbst die Dadaisten waren sich nicht einig, was Dada bedeutet.]
So "unvernünftig", wie dieser Titel also ist, so "ohne Vernunft" war auch das Denken der Dadaisten. Man war der Meinung, dass die menschliche "Vernunft" es so weit gebracht hatte, dass sich beispielsweise die Völker in Kriegen vernichteten. Deshalb verlangten die Schriftsteller eine "Rückkehr der menschlichen Naivität" und einen "Verzicht auf jede Logik". Ohne Zweifel sind diese Forderungen auch im Schreibstil der Dadaisten erkennbar. Oft wurden Worte oder Sätze ohne logischen und grammatikalischen Zusammenhang aneinandergereiht oder das Ergebnis eines Werkes war absurd und aussagelos.
Kurt Schwitters Titelgedicht zu "Anna Blume" (1919) gipfelte beispielsweise einmalig und völlig unerwartet in der erschütternden Feststellung:
"Man kann dich auch von hinten lesen, und du, du Herrlichste von allen, du bist von hinten wie von vorne: »a-n-n-a«."
Äußerst interessant sind auch Kurt Schwitters sogenannte "visuelle Gedichte", die nicht durch ihren Inhalt, sondern durch den Einfall und das Arrangement glänzen (i-Gedicht: "rauf, runter, rauf, Pünktchen drauf").
[Wichtige Vertreter:
Hugo Ball (1886-1927) - gründete "Cabaret Voltaire" (berühmtester Dadaisten-Club)
Hans Arp (1887-1966)
Richard Huelsenbeck (1892-1974)]
6.2 Die expressionistische Prosa
Die Erzählkunst des Expressionismus ist von eher geringer Bedeutung.
Die wohlüberlegte Struktur eines epischen Werkes nämlich stand der Ausdruckskunst gegensätzlich gegenüber und es fiel schwer, das eigene Fühlen zum Ausdruck zu bringen.
[Wichtige Vertreter:
Autoren wie Klabund (eigentlich Alfred Henschke) und Kasimir Edschmid versuchten sich zwar in der expressionistischen Epik, doch hatten sie nur mit wenigen dieser Werke Erfolg.]
6.3 Das dramatische Schaffen des Expressionismus
Im Drama konnten expressionistische Schriftsteller ihre Ideen der Wandlung dagegen wirkungsvoll demonstrieren. Die Geburt des neuen, gewandelten Menschen wurde gezeigt und als Beispiel dargestellt (z.B. "Die Wandlung" von Ernst Toller).
Unterstützt wird das Drama durch Musik, Tanz, Pantomime, Bühnenbild und Lichteffekte. Die Charaktere werden nicht als individuelle Wesen, sondern typisiert ("Mann", "Frau", "Tochter" ...) und oft übersteigert oder grotesk verzerrt, mit dem Ziel, ihre Seele aufzudecken. Meist wurde als Hauptfigur ein junger Mensch ins Zentrum gesetzt, der Konflikte mit den Schicksalsgewalten, mit der engstirnigen Gesellschaft oder mit dem eigenen Vater austrug.
[Wichtige Vertreter:
Ernst Toller (1893-1939) vom Kriegsfreiwilligen zum Pazifisten und Sozialisten
Georg Kaiser (1878-1945): "Die Koralle", "Gas I" und "Gas II" als Trilogie]
6.4 Die expressive Lyrik
Am besten waren die Gedanken der "Epoche des Ausdrucks" in der Lyrik auszudrücken. In ihr konnten die Probleme besonders klar schon von der Wurzel angesprochen werden
Bedeutend für die expressionistischen Dichter war nicht die eigene Situation und persönliche Schwierigkeiten, also nicht die eigene Persönlichkeit, sondern die Beziehungen aller Menschen untereinander.
Fortlaufend wurde an Humanität, Menschenliebe und Frieden appelliert; Krieg, (Völker-) Hass und Tod waren dagegen, insbesondere für die kriegsteilnehmenden Dichter, Künstler und Musiker, "Horrorvision" und Angriffspunkt (Gedichte wie "Der Krieg" von Georg Heym, Bilder wie James Ensors "Skelette, die sich um einen Erhängten streiten" ).
Gottfried Benn (1886-1956):
Benns erste Gedichte handeln ohne Rücksicht auf den Leser in einer extremen Weise von Verwesung, Zerfall und Leichenhäusern ("Morgue" - übersetzt Leichenschauhaus - 1912). Es kommen Bilder vor wie ein Rattennest in der Bauchhöhle oder der Besuch einer Krebsbaracke. Diese Werke sind meist in einem zynischen Ton oder Medizinersprache geschrieben. Gottfried Benn lehnte die Hervorhebung des Menschen als höchstes Geschöpf ab (Zitat: "Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch"). In den Gedichten flüchtet er meist aus der Wirklichkeit in Wunschzustände.
Else Lasker-Schüler (1869-1945):
"Die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte", wie Gottfried Benn sie hervorhob, hatte ein wirklich bewegtes Leben geprägt von vielen Schicksalsschlägen, Umbrüchen und vor allem von ihrem jüdischen Glauben. (Kopie Lasker-Schüler und Trakl )
Georg Trakl (1887-1914):
Der vielleicht beste expressionistische Dichter beging im ersten Weltkriegsjahr Selbstmord durch eine Überdosis Drogen (Kokain).
Schon vor 1914 war Trakl immer eine Person, die leidend die Umwelt betrachtete und sie oft nicht ertragen konnte (wohl auch deshalb schon seit 1907 rauschgiftabhängig). Georg Trakl hatte wenige Kontakte zu anderen Menschen. Aus seinen lyrischen Werken hört man stets den Schwermut und die Qualen heraus, die er fühlte. Den Zustand seiner Seele drückte der Dichter nicht selten in ungeordneten Gedanken und Sätzen aus. Gerade sein Werk fand unter den Musikern immer wieder gefallen.
Ein ernsthaftes Problem vieler expressionistischer Künstler, insbesondere aber der Maler und Lyriker waren Drogen. Um in ihr Innerstes, d.h. in ihr Unterbewusstsein und die Seele, vorzudringen, erstrebten sie die Ekstase als höchsten, zu erstrebenden schöpferischen Zustand.
[Den Expressionismus lässt man meist von ca. 1910 bis 1925 andauern. Doch oft wird auch gesagt, dass man diese Epoche nach hinten schlecht begrenzen kann, da nach dem zweiten Weltkrieg bis heute noch manche bedeutsamen Werke eigentlich expressionistisch sind.
Stücke großer Autoren späterer Zeit, wie Heinrich Manns "Der Untertan", Heinrich Bölls "Verlorene Ehre der Katharina Blum", Carl Zuckmayers "Hauptmann von Köpenick" oder Günter Grass’ "Die Blechtrommel", lassen noch immer Einwirkungen der expressionistischen Kunst erkennen. Brecht, Frisch.]
Paul Signacs "Blick auf die Ile de la Cite, Paris", 1912, Wassily Kandinskys "Improvisation Klamm"
Farbe, Dynamik, Gefühl - drei Elemente, die sich unschwer in nahezu jedem expressionistischen Kunstwerk finden lassen. Auch die beiden hängenden Bilder weisen diese Merkmale in plakativer Form auf. Scharf abgegrenzte Farbflächen greller, triumphierender Farbtöne (Farben des Prismas), viele Farbkontraste, Linien und Konturen (Formvereinfachung) vermitteln eine extreme Dynamik und wirken stark auf den Betrachter ein.
Der Maler kehrt damit auch ab von der Zentralperspektive, im Expressionismus sollen verschiedene Perspektiven in einem Bild zusammengefasst werden.
Den Malern dieser Epoche war nicht die wirklichkeitsgetreue Weitergabe von Eindrücken der Natur und schöne Formen wichtig; im Gegensatz zu den impressionistischen Malern drücken die Expressionisten ihre eigenen Regungen aus, sie geben ein "durchfühltes" und interpretiertes Motiv weiter.
Es werden also innerlich gesehene Wahrheiten und Erlebnisse dargestellt, nicht die Lichtreize, wie sie auf das Auge fallen.
Wie anfangs gesehen (s. "Der Schrei"), gibt sogar ein schwarzweißes Bild die Energie und das Gefühlsleben des Künstlers zu verstehen.
Künstlervereinigungen wie "Die Brücke" oder "Der Blaue Reiter", der unter anderem die bekannten Künstler August Macke, Paul Klee und Franz Marc angehörten, führten diesen Malstil weiter bis hin zur Abstraktion.
Es ist nicht verwunderlich, dass das Ausdrücken von Gefühlen auch den Musikern wieder Anreize gab, nachdem sie während des Impressionismus darauf verzichteten.
Scrjabina "Le Divin Poeme" und Henri Matisse "Der Tanz II"
Um dieses wesentliche Merkmal des Expressionismus in der Musik zu erläutern, gehe ich zuerst kurz auf Schönbergs Prinzip der Atonalität ein:
8.1 Schönberg (1874-1951):
Jude, schrieb anfangs "normale" Lieder, lehnte aber ihre Veröffentlichung ab, da er seine Musik noch nicht für gut hielt
Seine ersten Veröffentlichungen stießen dagegen zumeist auf Ablehnung, ihre Aufführung wurde aufgrund unkonventioneller Akkorde verboten!
Wende: Zweites Streichquartett (1907/08), Liedfinale: Befreiung von der Tonalität symbolisiert "alles ist vergangen"
Schüler Berg und Webern eifern dem Lehrer nach und sind fast noch mutiger
brach als erster vollständig mit dem Dur-/Moll-Tonarten-System und führte Zwölftonreihentechnik ein (Die Dodekaphonie, d.h. die Zwölftonmusik, ist charakterisiert durch die festgelegte Folge von allen Tönen der chromatischen Skala, wobei die Wiederholung eines Tones vermieden werden soll ® kein Grundton!, Skizze zur Zwölftonreihe von Strawinsky )
Gemeinsam war den Expressionisten, dass sie auf die Auflösung von Dissonanzen generell verzichteten und sich von Dur-/Moll-System entfernten. Die einen verschrieben sich dem Zwölftonprinzip, die anderen begnügten sich mit der Mischung verschiedener Tonarten (Polytonalität).
Dabei Probleme bei Abkehr von jeder Art von Themen und Harmonie
neue Bedeutung: Lautstärke, Klangfarbe und Instrumentierung
Überschreitung von Genres: Kammermusik mit kleiner Orchesterbesetzung von zwei Holzbläsern, zwei Streichern, Klavier
Die Komponisten hatten sehr genaue Vorstellungen von Orchesterbesetzung und -größe, oft sehr unkonventionelle Zusammensetzungen
von Soli, Instrumentengruppen bis zu vielfältigen Schichtungen des ganzen Orchesters; Gesang, Sprechgesang bis Sprechen; Vorschriften wie Orchester muss mit dem Rücken zum Publikum sitzen (Notenblatt Hindemith )
Hervorrufen von Bestürzung und Spot, Schwierigkeiten bei der Rezeption, wusste, dass seine Musik erst später auf breite Anerkennung und Beachtung stoßen würde
auch
8.2 Anton Webern (1883-1945)
interpretierte musikalisch die Gedichte Trakls, der die entsetzlichsten und kristallklarsten Gedichte jener Zeit schrieb. Webern komponierte insgesamt die gefühlsbetontesten Lieder der drei Wiener.
8.3 Bela Bartok (1881-1945):
sehr bezeichnend für die Komponisten dieser Zeit, Pianist
Hauptzentren des Expressionismus: wie gehört Wien, aber auch Budapest und Berlin
ungarische, volkstümliche Lieder, Zigeunermusik
Romantik: Strauß, Liszt
[arbeitete eng zusammen mit dem ebenfalls ungarischen Komponisten Kodaly]
"Allegro barbaro" mit seiner Wildheit als erster Schritt zum Expressionismus
unmenschliche Brutalität des Krieges, Trostlosigkeit in Suite für Klavier in teils arabischer Tonleiter
Anfang der 20er Jahre expressionistische Periode mit extremer Dissonanz. Nähe zur Zwölftonmusik. Bekannt geworden sind insbesondere seine Sonaten für Violine und Klavier. Die Aufführung der Pantomime "Der wunderbare Mandarin" mit düsterer Gewalttätigkeit und Sexualität wird vom Kölner Bürgermeister Konrad Adenauer nach einer Aufführung untersagt.
auch impressionistische Züge und Einflüsse, zuletzt Klassizist
8.4 Hindemith (1895-1963):
Arbeitersohn, Pragmatiker, mit Disziplin erzogen
begabter Geiger, Bratschist
musste die Ernährerrolle für den gefallenen Vater übernehmen, wurde dann selbst eingezogen
begann mit nachromantischen Stücken, Bach als Vorbild
Autodidakt
probierte vom Barock über impressionistische Musik, atonale Musik bis hin zum Jazz
dann Expressionismus:
grelle Geräuscheffekte (auch unter Verwendung vom Jazz)
er wollte die konservativen Komponisten aufrütteln, radikaler Expressionist
Vorliebe für Entsetzen und Grausamkeit, sadistische Züge
Sancta Susanna (Bühnenbildentwurf), Erzählung von einer sexbesessenen Nonne, die sich entkleidet und eine Christusfigur entweiht. ® heftige Reaktionen, Zensur
Zitat über seine Radikalität: "Wenn der Arzt einem Kranken den Genuss von Wein empfiehlt, so will er nicht, dass jener ein Säufer wird."
später aber z.B. Das Marienleben, in dem er "brav" von den Begebenheiten im Leben der Jungfrau Maria "erzählt"Klaviersuite, Der Dämon)
Zusammenarbeit mit Brecht und Benn
8.5 Mahler (1860-1911):
komponierte mit 6 Jahren sein erstes Musikstück (Trauermarsch mit Polka)
8.6 Russland:
Aleksandr Skrjabin (1872-1915): Prometheus-Akkord C-Fis-B-A-D
Dmitrij Schostakowitsch (1906-1975)
8.7 Strawinsky (1882-1971):
Bild Strawinsky
Sohn eines russischen Basssängers, studierte Jura auf Wunsch seines Vaters, wandte sich dann aber der Musik zu, stammt aus Petersburg, wie Bartok: Schüler Rimski-Korssakows, wohnte im 1.WK in Schweiz, dann Paris, 1939 in die USA.
Erste Werke: "Das Feuerwerk", "Der Feuervogel" (mit dem er über Nacht berühmt wurde), "Petruschka"
"Les Noces" (Die Bauernhochzeit)
wiederholende Einzelnotenfiguren und pentatonische und diatonische Melodien
winzige Notengruppen werden zu umfangreichen Sequenzen komponiert
unerwartete Wiederholungen einzelner Notenblöcke (kein Muster)
Polyrhythmus: Häufiger, genau auf Inhalt abgestimmter Taktwechsel, Vervielfachungen und Unterteilung der Zählzeit, Tempowechsel über breites Spektrum (Beispiele Takt)
dann Neoklassizismus mit expressionistischen "Rückbleibseln" (z.B. unregelmäßige Satzstruktur), doch ist es bis heute nicht geklärt, warum er sich wieder den musikalischen Formen und Ordnungen der Vergangenheit unterordnete
® man spricht von (Zitat) "gewaltigen, dionysischen (d.h. rauschhaft-ekstatischen) Kräften expressionistischer Stücke, die zur Entfesselung gewaltiger psychischer Energien bei den Komponisten führte", vor denen er zurückschreckte"
finanzielle Probleme und Probleme mit dem Krieg
Strawinsky wollte Schrecken des Konflikts in der Welt überwinden, indem er historische Fragmente übernahm und sie (und damit die Vergänglickeit und den Tod in seinen Stücken "beherrschen" konnte)
Oper "Oedipus rex" (s. Bild Matisse):
auf Lateinisch, Hauptfiguren Ödipus, Kreon, Iokaste mit Masken ® Distanz des Zuschauers, Erzähler als Vermittler ® expressionistische Kennzeichen, aber dagegen wieder Harmonie, feste Takte und Tonarten, er selbst sagt, dass (Zitat) "Ausdruck nie eine anhaftende Eigenschaft von Musik war".
geordneter, aber plötzlicher, springender Wechsel von Tonarten
1948-51 Beschäftigung mit Zwölftonmusik seiner Schüler Alban Berg und Anton Webern und Schönberg, Rückkehr zur expressionistischer Musik
Pariser Premiere von "Le sacre du printemps" (Das Frühlingsopfer) sorgte für Aufregung ® S. 119 r. ff.
Regelmäßigkeit assoziiert mit negativen Erlebnissen, kleine Terz als Symbol des Todes
"Le sacre du printemps"