Griech.-röm. Philosophie
Die Stoa.............*
Abschnitte *
Zweck der Lehre *
Grundzüge der stoischen Lehre *
Die Lehre der mittleren Stoa *
Die Lehre der jüngeren Stoa *
Tugenden *
Stichworte *
Sallust: "Coniuratio Catilinae", Prooemium *
Cicero: "Somnium Scipionis" *
Seneca: "Epistulae morales ad Lucilium" *
Epistel 1 *
Epistel 26 *
Epistel 16 *
Epistel 61 *
Epistel 41 *
Epikur.............*
Person *
Seine Lehre in Stichworten *
Lehrer und Verfechter *
Hauptkritikpunkte, Gegner *
Naturphilosophie (vor Sokrates) .............*
Stichworte *
Sokrates.............*
Stichworte *
Platon.............*
Lehre *
Stichworte *
Werke *
"Phaidon": Dialog mit Sokrates *
"Georgias" (493a) *
Aristoteles.............*
Stichworte *
Philosophie.............*
Grundfragen menschlichen Seins *
Weitere Stichworte.............*
Die Stoa
Abschnitte
-
ältere Stoa (4. u. 3. Jh. v. Chr.): Zenon, Kleanthes, Chrysippos
-
mittlere Stoa (2. u. 1. Jh. v. Chr.): Panaitios, Poseidonius
-
jüngere Stoa: Seneca
Zweck der Lehre
Der Mensch weiß um das Gute, doch er wird durch seine Unzulänglichkeit
beherrscht. Die Stoa wehrt sich dagegen.
Grundzüge der stoischen Lehre
-
"secundum naturam vivere" (ein Leben gemäß der Natur)
-
Mensch = Teil der göttlichen Vernunft (logos, nus, pneuma, deus)
-
vernunftgemäßes Leben
-
Seele kehrt nach dem Tod zum Ursprung (Göttern) zurück
-
Die Götter greifen ein. Jeder hat einen "personalen Gott".
-
"fortuita", "fatum"
-
Leben im Sinne der Götter
-
Mensch muss sich auf Erden beweisen, seine Aufgaben erfüllen und nach
dem Leben Rechenschaft ablegen.
-
"s v m
a s
h e m
a " = "soma saema" ("Der Körper ist ein
Gefängnis für die Seele.")
"efugere e carcere"
-
Der "vir sapiens" (» Philosoph) steht
über den Affekten. Er ist uneigennützig (®
ist da für andere) und "weiß um der Dinge".
Die Lehre der mittleren Stoa
-
Bildung ist Macht!
-
Der Mensch muss Aufgaben erfüllen ®
Dienst an der Gemeinschaft (Politik als höchste Form des Dienstes
am Gemeinschaftswesen)
-
Lohn im Jenseits
-
keine Selbstsucht
Die Lehre der jüngeren Stoa
-
praktische Lebenshilfe; Ratschläge für den Alltag, für ein
glückliches Leben
-
Selbstmord / Freitod in bestimmten Fällen (®
um höherer Ziele willen):
-
zur Rettung des Vaterlandes
-
zur Rettung der Freunde
-
bei übermäßigem Leid / schwerer, unheilbarer oder psychischer
Krankheit (ep. 70, 15)
-
in größter Armut
-
in politischen Notlagen (ep. 70, 19 ® Cato)
v.a. Sokrates, Cato, auch Seneca, Cicero
Tugenden
-
"apatheia" (über den Dingen stehen, Schicksal ertragen, Gelassenheit)
-
"a t a
r a x
i a " ("Ataraxia",
"aequitas animo", Gelassenheit, dazu gehört Selbstbeherrschung)
-
"beate vivere" (vgl. Epikur)
-
"secundum naturam vivere" (gemäß der Natur, d.h. vernunftgemäß
leben)
-
"magnum animum" (Seelengröße, -stärke)
-
4 Kardinaltugenden:
-
"temperantia" (Bescheidenheit, Maßvollheit)
-
"iustitia" (Gerechtigkeit)
-
"sapientia" (Weisheit, Erkenntnis)
-
"fortitudo" (Tüchtigkeit)
-
["ratio" (Vernunft)]
-
["aequus", "paris" (Gleichheit, auch der Sklaven laut Seneca)]
-
["sine metu" (Furchtlosigkeit)]
-
["Füge Dich dem Schicksal, bereitwillig und unverdrossen!"]
Stichworte
-
Seele / Geist ist göttlich und stiftet den Menschen zu Guthandeln
an. Sie / Er kehrt anschließend wieder zu den Göttern zurück.
-
Nach dem Tod kommt die Erlösung.
-
Der Mensch muss sich seinen Aufgaben stellen und soll dem Staat dienen.
-
"Aufteilung" des Lebens in
-
"vita contemplativa": "otium"; Betrachten; Nachdenken über den Sinn
des Daseins; Vorbereitung der
-
"vita activa": aktives Handeln (im Staate)
-
"Heimarmené": Geschick, das von den Göttern beeinflusst wird
Sallust: "Coniuratio Catilinae", Prooemium
-
Der Mensch soll nicht "dem Bauch gehorchen", also nicht wie die Tiere leben.
Er soll die anderen Lebewesen übertreffen und sein Leben so verbringen,
dass man über ihn spricht (® er soll
etwas leisten).
-
Der Geist ist göttlich und daher herrschend, der Körper, den
der Mensch mit den Tieren gemeinsam hat, dagegen besitzt nur dienende Funktion
.
-
"gloriam quaerere" ® Unsterblichkeit
-
virtus ® Leistungsbereitschaft, Tüchtigkeit;
geistige Leistung ist unvergänglich
Cicero: "Somnium Scipionis"
-
Die Seele ist etwas Göttliches.
-
Die Seele hat eine Bestimmung.
-
Der beste Dienst ist der Dienst an der Gemeinschaft.
"omnibus, qui patriam conservaverint, adiuvaverint, auxerint, certum
esse in caelo definitum locum"
-
Verurteilung von Selbstmord, da der persönliche Gott die Seele aus
dem Körper freigeben muss; man darf sich dem Körper als Geschenk
Gottes nicht entziehen
-
Sphärenlehre:
-
neun Kreise mit der Erde als Mittelpunkt
-
der äußerste ist der höchste Gott selbst, der heilige Bezirk
("mundus", "caelum")
-
der Mond trennt das Ewige vom Vergänglichen, der Erde
-
Die göttliche Ordnung in der Welt drückt sich in der Sphärenmelodik
aus.
-
Begrenztheit des menschlichen Ruhms auf Erden (zuletzt durch das Weltenfeuer
® Weltenjahr)
-
Bewegungsprinzip:
Das sich ewig Bewegende ist der Ursprung, ist göttlich, unendlich
und unsterblich.
"nam quod semper movetur, aeternum est, [...] vivendi finem habeat necesse
est."
Die Seele ist ewig.
"inanimum est enim omne, quod pulsu agitatur externo."
-
nach den Gesetzen der Götter und Menschen leben, denn sonst muss die
Seele noch viele Jahrhunderte um die Erde fliegen
Seneca: "Epistulae morales ad Lucilium"
-
Ratschläge für das praktische Leben
-
"honestum" (das Sittlichgute)
-
Dialogform, Für und Wider
Epistel 1
-
rechter Umgang mit der Zeit
-
Ein großer Teil unserer Zeit geht verloren.
-
Zeitverlust aufgrund von Nachlässigkeit ist am schändlichsten.
-
"Dum differtur vita, transcurrit."
-
Der Tod liegt immer kurz vor uns. Daher soll man heute die Zeit gut nutzen,
um nicht vom nächsten Tag abzuhängen.
-
Zeit als größtes Geschenk der Natur
Epistel 26
-
"Ecquis exitus est melior quam in finem suum natura solvente dilabi?" ®
Sterben aus Altersschwäche ist ein gutes Sterben
-
"mors de te pronuntiatura est" ® Erst im
Sterben zeigen sich die wahren Verdienste des Menschen.
-
"Incertum est, quo loco te mors expectet." ®
Der Tod kann immer und überall kommen.
-
Epikur: "Meditare mortem" ® Bereite Dich
stets auf den Tod vor.
-
Epikur: "Egregia res est mortem condiscere." ®
Eine ehrenvolle Sache ist es, den Tod zu erlernen.
-
"amor vitae [...] minuendus est" ® Um auf
den Tod vorbereitet zu sein, muss man die Lebenslust vermindern. Auch muss
man in bestimmten Fällen bereit sein, sich vom Leben zu trennen, d.h.
Selbstmord zu begehen.
-
Bewährung im Angesicht des Todes
-
Nicht ängstlich am Leben halten, besonders dann nicht, wenn die letzte
Notwendigkeit eintritt
Epistel 16
-
"neminem posse beate vivere [...] sine studio sapientiae" ®
Streben nach Weisheit (» Philosophie)
ist die Bedingung für ein glückliches Leben
-
Beharrlichkeit und guter Wille machen den Geist gut ("Wer immer strebend
sich bemüht, den können wir erlösen.")
-
"illud ante omnia vide, utrum in philosophia an in ipsa vita profeceris"
-
Philosophie = Ordnungskraft
-
"non est philosophia populare artificium"
-
"non in verbis, sed in rebus est"
-
"[philosophia] animum format et fabricat, [...] sedet ad gubernaculum"
® Die Philosophie als Maßstab für
das Denken, als Lenkerin der Handlungen
-
"fatum" = "deus", "fortuna" (® Prädestination,
Determinismus), "casus"
-
"philosophia nos tueri debet"
-
"Contine impetum animi!"
Epistel 61
-
"Ante ad mortem quam ad vitam praeparandi sumus."
Epistel 41
-
"ire ad bonam mentem"
-
"Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott." ®
Selbst handeln, nicht bei Gott betteln
-
"prope est a te deus, tecum est, intus est"
-
"bonus vir sine deo nemo est"
-
Erhabenheit, Mysterium der Natur ® "animum
tuum quadam religionis suspicione percutiet" (Glaube an Gottheit)
-
Philosoph, vir sapiens = "hominem interritum periculis, intactum cupiditatibus,
inter adversa felicem, in mediis tempestatibus placidum, ex superiore loco
homines videntem, ex aequo deos"; "conversatur quidem nobiscum, sed haeret
origini suae"
-
"Non faciunt meliorem equum aurei freni."
-
"Nemo gloriari nisi suo debet."
-
"animus et ratio in animo perfecta [proprii hominis est]"
-
"Rationale enim animal est homo."
-
"ratio exigit secundum naturam suam vivere"
Epikur
Person
-
* 342, † 270 v. Chr.
-
* in Samos
-
wohnte in Athen
-
Mitte des 4. Jh. v. Chr.
Seine Lehre in Stichworten
-
"Carpe diem (in modo correcto)!"
-
Nach dem Tod kommt "nichts".
-
Der Mensch soll sich vom Staat fernhalten.
-
Hedoné, Eudaimonia als höchstes Ziel
-
Hedonismus: Affekte beherrschen; Genuss aus den kleinsten Dingen ziehen
-
auch Stolzsein auf Geleistetes
-
"beate vivere" (vgl. Stoa)
-
Zügelung der Begierden und Leidenschaften
-
Freisein von Schmerz
-
Die Erde besteht aus Atomen, die sich zufällig zusammenballen und
wieder zerfallen (nach der Lehre des Heraklit).
Auch die Seele besteht aus Atomen und zerfällt nach dem Tod.
-
"casus"
-
Die Götter leben in Intermundien (Zwischenwelten) und haben keinen
Einfluss auf die Menschen. Der Mensch muss also keine Angst vor den Göttern
haben.
-
Rationalismus, Aufklärung
-
Der Tod beendet alles: Man braucht keine Angst vor dem Tod haben. Der Tod
geht den Menschen gar nichts an.
-
Fernhaltung von der Politik, da sie Störfaktor auf dem Weg zur Eudaimonia
ist
-
"Late biosas" ("Leben im Verborgenen", mit Freunden)
-
"otium cum dignitate"
Lehrer und Verfechter
Hauptkritikpunkte, Gegner
-
Scipionenkreis als Gegner
-
Kritik an der Forderung, sich von der Politik und aus der Öffentlichkeit
fernzuhalten
Naturphilosophie (vor Sokrates)
Stichworte
-
damalige Philosophie = Naturphilosophie
-
Naturwissenschaft, Physik
-
Lehre von den Naturphänomenen
Sokrates
Stichworte
-
Beschäftigung mit dem zwischenmenschlichen Leben und mit dem Sinn
des Lebens
-
Mensch (® Ethik) im Mittelpunkt der Betrachtung
-
Der Mensch ist von Geist beseelt. Seine Seele ist unsterblich.
-
Maieutik ("Hebammenkunst")
-
ständiger "Mahner", daher bei den meisten Zeitgenossen unbeliebt
Platon
Lehre
-
Lehre von der Seelenwanderung (nach Pythagoras)
-
"s v m
a s
h e m
a " = "soma saema" ("Der Körper ist ein
Gefängnis für die Seele.")
-
Die Seele inkorporiert auf Erden.
-
Der Weltenschöpfer bildet unsere Seele aus demselben Stoff wie die
vollkommene Weltseele, aber in geringerer Reinheit. Wenn diese nun im leiblichen
Dasein die Sinnlichkeit überwunden hat und sich dem edlen Streben
hingegeben hat, kehrt sie wieder in ihre wahre Heimat, den Himmel, zurück.
-
Die Seele hat Teil am Göttlichen; die Tätigkeit, die dem göttlichen
Auftrag am nächsten kommt, ist die Regierung von Staaten.
-
Göttliche Vernunft = Weltenfeuer
-
Die Seelen sind aus demselben Feuer wie die Sterne. Sie verbinden "caelum
et terram", Himmel und Erde.
-
Mensch = Teil der göttlichen Vernunft
Stichworte
-
Staatsphilosophie, Gedanken über den Politikstaat (vgl. Aristoteles’
"zoon politicon")
-
schrieb die Lehre Sokrates’ auf
-
Akademiker = Schüler Platons und Verfechter seiner Lehre
Werke
-
"Politeia" als fiktive Lehre vom Staatsaufbau (vgl. Ciceros reelle "De
re publica")
"Phaidon": Dialog mit Sokrates
-
Sokrates sagt, der Philosoph wünsche nichts mehr als den Tod. Die
Seele kann dann unbehindert vom lästigen und störenden Körper
zur wahren Erkenntnis kommen. Die Seele muss in diesem Dasein einsam leben.
"Georgias" (493a)
-
Leib = Grab der Seele ("s v
m a
s h e
m a ")
-
Der Selbstmord wird von Pythagoras und Platon verurteilt (Fromme werden
im Körper zurückgehalten).
-
Die Menschen gehören den Göttern. Sie besitzen keine freie Verfügungsgewalt
über sich.
-
Seelen sind aus dem gleichen Feuer entstanden wie Sterne Þ
Teil des Weltfeuers = Gott
-
Die Seele hat teil am Göttlichen.
Aristoteles
Stichworte
-
"Hó Anthropos physei zoon politicon."
-
Der Staat ist die höchste Gemeinschaftsform. Er ist um des höchsten
Guten, d.h. sein Ziel ist das Sittlichgute. Der Staat existiert von Natur
aus.
-
Peripatetiker = Schüler des Aristoteles und Verfechter seiner Lehre
Philosophie
-
"dux vitae"
-
Die Philosophie nimmt uns die Angst vor Leben und Tod.
Grundfragen menschlichen Seins
-
Sinn und Zweck des Daseins?
-
Worin besteht das Ziel des Lebens? Welche Aufgaben hat man deshalb zu erfüllen?
-
Wie kann man Glück und Unglück ertragen?
-
Auf welchem Weg kann man Selbständigkeit / Freiheit / Würde trotz
eines unbestimmten Schicksals gewinnen?
-
Wie beherrscht und überwindet man körperlichen Schmerz / seelisches
Leid?
-
Wie gestaltet man die Beziehungen zu Mitmenschen?
-
Welche Verpflichtungen ergeben sich daraus?
-
Wie verhält man sich, wenn die Privatinteressen konträr zu den
Forderungen der Gemeinschaft sind?
-
Welche Verantwortung übernehme ich für das Gelingen des Lebens
miteinander?
-
Muss man das "fatum" hinnehmen oder hat man das Recht / die Pflicht, sich
dagegen zu wehren?
-
Kampf oder Kapitulation?
-
Engagement oder Resignation?
-
Mitmachen oder aussteigen?
-
Verändern, bewahren oder zerstören?
Weitere
Stichworte
-
Metaphysik: Frage nach einem Leben nach dem Tod
-
Onthologie: Lehre vom Sein
-
Ethik: Bereich der Philosophie, die sich mit dem Menschen beschäftigt
-
Cicero: allgemein gehaltene Schriften über das Leben
-
Seneca: konkrete Ratschläge, besonders praktische Hinweise zur Lebensführung
im Sinne der Stoa