Tabakpfeifen-Formen und Tabak
Raucheigenschaften und Charakter einer Mischung
Eine eindeutige Beurteilung ist nicht erreichbar, denn es spielen zu viele Faktoren eine Rolle, die eine Geschmacksprobe nicht unerheblich beeinträchtigen: die Größe des Pfeifenkopfes und der Bohrung im Verhältnis zu Schnittart und Konsistenz des Tabaks, der Zustand der Pfeife bzw. welche Mixtur vorher aus ihr geraucht wurde usw. Neben diesen eher ,,technischen" Gegebenheiten haben aber auch Faktoren wie das Klima und - nicht zu unterschätzen - die persönliche Befindlichkeit Einfluß auf die Beurteilung eines Tabaks.
Hier die gebräuchlichsten Zubereitungs-Arten:
Granulated = feinkörnig. Granulierter Preßtabak. Jedes Korn besteht aus einer ganzen Lage gepreßter Tabakteilchen. Die Körnung entsteht durch den "Gross Cut", einem Schneidevorgang, bei dem die breiten Flakes zerkleinert werden.Er glimmt langsam und sehr gleichmäßig - kühl im Rauch.
Flake Cut im Gavendish-Verfahren hergestellter Preßtabak. Die großen gepreßten Tabakkuchen werden zunächst in kleinere Riegel und anschließend in dünne Scheiben (Flakes) geschnitten. Flake Cut muß, bevor er in die Pfeife kommt, im Handteller zerkrümelt werden. Flake-Cut-Tabak glimmt langsam und raucht sich deshalb schön kühl. Hält in der Packung lange frisch und beansprucht wenig Platz.
Crimp Cut vor dem Schneiden leicht gepreßter Schnittabak. Deshalb von krauser Gestalt und kurzfasrig. Sehr gleichmäßig glimmend. Beliebt in englischen Mischungen.
Curly Gut wird aus sogenanntem Strangtabak gewonnen.
Strangtabak war einstmals sehr beliebt, er gilt als die älteste Art der Rauchtabakherstellung. Wenn Sie in alten Schriften von Tabakspinnern lesen, dann sind jene Leute gemeint, die Strang- oder Rolltabak herstellten. Spinner deshalb, weil das Fabrikationsverfahren der Flachsspinnerei entlehnt ist. Die entrippten Tabakblätter werden zu einem endlosen Strang von 35 cm Stärke gerollt, und von diesem schneidet man später Stücke je nach Bedarf ab.
Curly Cut ist in dünne Scheiben geschnittener Strangtabak. Das Besondere dabei: Der Tabak wird während des Verspinnens mit Olivenöl beträufelt.Curly Cuts können unzerrieben in die Pfeife eingebracht werden.
Ready Rubbed gehört zu den Preßtabaken. Die Flakes werden aber nach dem Pressen in einer Wirbelkammer wieder aufgelockert. Ein Preßtabak also, der nicht zerrieben zu werden braucht, sondern direkt aus der Packung in die Pfeife gestopft werden kann.
Navy Gut »Marineschnitt«, ein Preßtabak im Mittelschnitt (1,0 mm), langfaserig in dünne Scheiben gepreßt. Muß vor dem Stopfen im Handteller zerkrümelt werden. Ist stets aromatisiert und glimmt langsam und sehr gleichmäßig. Wegen des großartigen Aromas und der Fülle des Duftes seit eh und je einer der beliebtesten Rauchtabake.
Plug auch Plug Cut, ein Preßtabak, der in einem besonderen Fabrikationsvorgang zu einer Nachfermentation angeregt wird. Stets gesoßt, meistens angenehm mild und durch den hohen Feuchtigkeitsgrad des fabrikfrischen Rauchgutes langsam glimmend. Ausgiebig!
Schließlich noch ein Wortzu den Geschmacks-variationen. Noch vor einem Vierteljahrhundert unterschied man recht genau zwischen Pfeifentabakmischungen englischer, amerikanischer oder holländischer Art. Heute sind die traditionellen Geschmacksrichtungen nur noch selten eindeutig erkennbar. Die Hersteller variieren, nuancieren und verwischen die alten Grundrichtungen. Nach dem Motto: Erlaubt ist, was dem Konsumenten zusagt.Deshalb gelten die nachfolgend geschilderten besonderen Merkmale auch nur noch unter Vorbehalt:
Englische Geschmacksrichtungen
EnglischeMixtures kommen ungesoßt und ohne Fiavouring in den Handel. (Nur Flakes
werden in der Regel mit Fruchtessenzen aromatisiert.) Mittelschnittbreite (1,4 mm), langfaserig, nicht gepreßt, also locker. Durch die Beimischung von Latakia und Perique, rauchig-würzig (Pferdestal aroma) und von perfekt abgerundetem Bukett. Farblich sind die Mixtures leicht zu identifizieren, denn die schwarzen Würztabake heben sich deutlich von den hellen Virginia- und Orient-Basistabaken ab. Englische Mixtures enthalten relativ wenig Feuchtigkeit. Ihre Glimmfähigkeit ist deshalb sehr gleichmäßig.
Flakes sind Preßtabake, deren Basis hauptsächlich Virginia bildet und denen Tabake anderer Provenienzen beigemischt werden. Halten lange die ihnen mitgegebene Feuchtigkeit, brennen sehr langsam und sind deshalb äußerst ergiebig. Köstlicher Geschmack und großer Duft durch die Zugabe von Aromastoffen.
Mischungen amerikanischer Geschmacksrichtung
Blends, hauptsächlich auf der Basis von Burleyund Brighttabaken, erhalten ihre besondere, manchmal schwere süße Note durch das »Flavouring« mit aromatischen Zutaten verschiedenster Art. Hoher Feuchtigkeitsgehalt, zuweilen schlecht glimmend, gut haltbar. Dank ihres groben Schnittes rauchen sich amerikanische Mischungen kühl und sind sehr ergiebig.
Mischungen holländischer Geschmacksrichtung
Die Basis bilden die ausgezeichneten Java-Tabake. Sie bleiben »naturbelassen«, sind mild und weich und besitzen die vortrefflichste Glimmfähigkeit. Sie sind sehr empfehlenswerte Tabake für Pfeifenanfänger. Neben den traditionellen holländischen Pfeifentabaken gibt es neuerdings auch solche im »Cavendish-Verfahren«.
Mischungen dänischer Geschmacksrichtung
Diese Blends lehnen sich teilweise an englische Vorbilder an. Die meisten dänischen Tabakmischungen sind aber aromatisiert. Trotzdem liegen sie leicht auf der Zunge, sind - anders als die Engländer fruchtig frisch und im Rauch unaufdringlich. Wegen ihrer relativen Leichtigkeit gelten sie als bekömmliche Tabake, die auch dem Pfeifenraucher-Anfänger empfohlen werden können.
Basistabake für Pfeifentabakmischungen
Burley Basis für Mischungen amerikanischer Geschmacksrichtungen. Die Hauptanbaugebiete liegen in den USA, Burley wird aber auch in allen anderen Tabakanbaugebieten der Welt kultiviert. Typisches Kakaoaroma, milde Süße.
Nimmt bereitwillig Aromastoffe auf und wird deshalb fast immer stark gesoßt.Aus dem leicht süßlichen Urtyp »White-Burley« sind die übrigen Burley-Sorten entstanden. Burley ergibt einen hellfarbigen bis hellbraunen Tabak. Eine der wichtigsten Tabaksorten überhaupt.
Java Häufiger Bestandteil holländischer Mischungen. Von mildem Duft und Geschmack. Verliert auch im trockenen Zustand nur wenig von seinem Aroma.
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Kentucky mittelschwere bis kräftige, aromatische Tabake, die ursprünglich hauptsächlich in den US-Staaten Kentucky und Tennessee angebaut wurden. Die Blätter werden über dem Rauch von Holzfeuern geräuchert (fire-curing).
Latakia schwarzer Würztabak aus Kleinasien und wichtiger Bestandteil so gut wie aller englischen Pfeifentabake. Der unverwechselbare, schwerrauchige Geschmack entsteht durch ein spezielles Trocknungsverfahren und durch Räucherung.
Orient findet in vielen Tabakmischungen, vor allem aber als Beimischungsmaterial für Feinschnitte Verwendung. Es gibt eine ganze Reihe Arten und vielerlei Sortierungen. Liefert im allgemeinen milde, angenehme und aromatische Tabake.
Perique schwarz, mit schwersüßem Aroma. Unentbehrliche lngredienz englischer und vieler anderer Pfeifentabakmischungen. Kommt aus Louisiana (USA) und macht bis zur «Schnittreife« komplizierte Manipulationen durch.
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