second hand pipe

Der heimliche Charme der Second-Hand Pfeife

Von Friedemann Kraus

Um es vorweg zu sagen, es ist nicht die Rede von historischen oder antiken Pfeifen, auch nicht von Reklamationsfällen oder Pfeifen, die sich im Gebrauch als mangelhaft erwiesen haben und deshalb vom Käufer zurückgegeben wurden.
Die Rede ist von ge(b)rauchten Pfeifen, die über viele Jahre oder Jahrzehnte ihren Besitzer erfreut haben und nun einen neuen Herrn und Liebhaber suchen.
Wie so manch anderes hat der Handel mit gebrauchten Pfeifen vor einem knappen Vierteljahrhundert in Amerika begonnen,vor einem guten Jahrzehnt in europäischen Ländern Fuß gefaßt und ist seit einigen Jahren auch in Deutschland im Kommen.
Die Tendenz ist zwar steigend, aber "hoffähig" ist die Second-Hand-Pfeife noch nicht.
Nicht zuletzt auch deshalb, weil offene Fragen, widersprüchliche Aussagen und Verunsicherungen nie deutlich ausgeräumt wurden.
Nicht jedes alte Auto ist ein erhaltenswerter Oldtimer und nicht jede gebrauchte Pfeife taugt als Second-Hand-Pfeife.
Anders als bei Flohmarkt-und Privatkäufen muß eine im Fachhandel angebotene Second-Hand-Pfeife sortiert, aufgearbeitet und generalüberholt sein.
Kein seriöser Antiquitätenhändler käme auf die Idee, seinem Kunden und Sammler Porzellan, Glas oder andere zum Gebrauch geeignete Gegenstände in ungereinigtem und unrestauriertem Zustand anzubieten oder im Schaufenster auszustellen.
Es mag zwar ökologisch verständlich sein und kurzfristig dem schnellen Umsatz dienen, gebrauchte Pfeifen so wie angekommen weiterzuverkaufen, langfristig wird diese Handhabung aber sowohl dem Ruf der Second-Hand-Pfeife als auch dem des Händlers schaden.
Natürlich ist es nicht jeden Mannes Sache, eine gebrauchte Pfeife zu rauchen und schon deshalb ist es unerläßlich, die Second -Hand -Pfeife vor dem Weiterverkauf gründlich aufzuarbeiten. Die Kohleschicht im Pfeifenkopf wird fast vollständig entfernt, der Rauchkanal wird gereinigt und desinfiziert, Beißspuren am Mundstücke werden weitgehend ebengeschliffen, Mundstück und Pfeife werden gereinigt und aufpoliert. Durchgebissene Mundstücke werden, sofern es sich lohnt, erneuert. Dieser Aufwand ist natürlich mit Kosten verbunden und schon aus diesem Grund scheiden diverse Pfeifen für die Aufarbeitung und den Weiterverkauf aus. Mit Kondensat vollgesogene sehr stark benutzte Pfeifen, bunt bedruckte und lackierte Pfeifen so wie stark gekittete, beschädigte und billige Massenware sind ungeeignet, werden aussortiert und wanderten den Weg alles Irdischen. Was bleibt sind erhaltenswerte Pfeifen namhafter Hersteller und Pfeifenmacher, die wie vorher beschrieben ,ordentlich auf gearbeitet und generalüberholt nicht nur den Sammler und Liebhaber älterer Modelle und Formen begeistern ,sondern auch manchen Skeptiker überzeugen werden. Zugegeben, die erste Second- Hand -Pfeife kauft sich am schwersten und gerade deshalb ist das gesamte Erscheinungsbild sowie die optische, technische und ästhetische Gebrauchsfähigkeit von enormer Bedeutung.
Vor allem aber ist es die Vielfalt der nicht mehr erhältlichen Modelle und Unikate, die Qualität des um Jahre oder Jahrzehnte älteren Bruyèreholzes sowie die Maserung und Zeichnung der Pfeife, was dem heimlichen Charme einer Second- Hand -Pfeife ausmacht.
Wenn man dann noch bedenkt, daß der Preis des Guten Stückes ca. 50 Prozent bis 80 Prozent unter dem heutigen Anschaffungspreis liegt, kommt nicht nur der "sparsame Schwabe" ins grübeln.

PIPE ART 2000

MUSEUM & GALERIE

 

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