Meine Erlebnisse
Schöne und weniger schöne Erlebnisse

Hier möchte ich ganz ohne den Wunsch auf Vollständigkeit einige Erlebnisse schildern, die mir als Crossdresser so „passiert" sind. Vieles war lustig, manches sehr schön, einiges aber auch weniger schön, dafür aber sehr interessant. Die Erlebnisse sind nach hinten chronologisch geordnet.

Anmerkung: Die Fortsetzung gibt es - als Zusammenfassung - auf meinem Bilanzbericht.

Samstag, 26. Mai 2001: Der vielleicht schöste Tag in meinem Leben als Michaela. Ich hatte mit Claudia ausgemacht, dass wir uns in der Stadt treffen würden, um die bestellte Dirndl-Schürze abzuholen. Der Treffpunkt war klar, die Zeit auch, und so fuhr ich am Vormittag allein mit dem Bus in die Stadt. An der Haltestelle ging übrigens meine Nachbarin an mir vorbei, doch sie würdigte mich keinen Blickes. Eigentlich schade! ;-)
Als ich in der Grazer Herrengasse ausstieg, spähte ich nach Claudia, doch wo war sie!? Ich ging zum Hauptplatz, unserem eigentlichen Treffpunkt, doch auch hier war sie nicht. Später stellte sich heraus, dass alles nur ein blödes Missverständnis war, sie wartet an der anderen Seite der Haltestelle und ich dann am ca. 100 Meter entfernten Hauptplatz.
Nun, ich war alleine, als Crossdresser in der großen Stadt das erste mal plötzlich und ganz unerwartet ganz auf mich sebst gestellt. Na ja, dachte ich, irgendwann muss ich sowieso alleine zurechtkommen, wieso also nicht jetzt, und ging los. Ich holte die Schürze ab, wobei die Verkäuferin (siehe oben) sogar meinte, dass mir alles sehr gut stünde, und ging wieder in die Stadt. Meine Nervosität hatte sich schon ganz aufgelöst, ich genoss einfach das Gefühl, öffentlich überzeugend ein Kleid tragen zu können und wurde immer glücklicher. Ich war frei! Es war so schön, als Michaela durch die Strassen zu schlendern, in die Auslagen zu schauen, sich hinzusetzen, um einen Caffee zu trinken, sich auf der Damentoilette zurechtzumachen, und die herrliche Sonne in der Seide des Tuches und der Schürze gespiegelt zu sehen. Ich hatte keinerlei Scheu, Kosmetik zu kaufen, einen Bediensteten des öffentlichen Verkehr nach den Abfahrstzeiten der Straßenbahn zu fragen usw. Wer noch nie offentlich Crossdresser war, kann dieses Gefühl nicht nachvollziehen, es ist eine Mischung aus Konzentration, Entspanntheit, Glück und auch Macht, eine ungeheure Mischung, die jeder Mensch, der sie kennt, wiedererleben möchte.
Der Tag endete dann mit einem schönen Ausflug in die Südsteirmark, wobei wir uns als Grazer Gruppe mit unseren Kolleginnen aus Wien trafen (genauer Bildbericht folgt).
Crossdressing ist schön!

Montag, 21. Mai 2001: Ich war - bereits das vierte mal - als Frau in der Öffentlichkeit unterwegs. Claudia begleitet mich zum Grazer Heimatwerk, wo ich mir eine schwarze Seidenschürze für mein Ausseer Dirndl machen lassen wollte. Wir gingen also hinein. Die einzige Verkäuferin war etwas gestresst, und so mussten wir eine Weile warten. Ich betrachtete inzwischen die Kleider, wobei sich meine Liebe für Stoffe wie Seide oder Brokat erneut entzündete. Als sich die Verkäuferin endlich mir zuwandte, dachte ich, alles würde sehr schnell und ohne Probleme von statten gehen. Doch weit gefehlt. Sie kümmerte sich sehr genau um mich, zeigte mir die verschiedensten Stoffe, und sparte nicht mit Komplimenten für meinen guten Geschmack. Mein Passing war offensichtlich überzeugend. ;-)
Ich suchte mir reinste Seide aus, wurde vermessen, und wir machten einen Termin für die Abholung aus. Claudia und ich wollten gerade gehen, da sagte die Verkäuferin plötzlich: „Darf ich ihnen etwas sagen?" Ich wurde etwas nervös, hatte sie mich denn erkannt? Doch nein, der Oberteil meines Dirndls sei etwas zu lange, ich könne ihn jedoch gerne kürzen lassen, einen Moment,..., und schon holte sie die Schneiderin herein. Ich hätte natürlich sagen können, dass das ja alles kein Problem sein, ich müsste ja nur das Korsett etwas nach unten schieben, doch das war natürlich unmöglich. Ich wurde fast ausgezogen, so schien es mir, und wild vermessen. Das die beiden noch immer noch nichts entdeckten, erschien mir wie ein kleines Wunder. Nun, alles schön und gut, ich knöpfte mein Kleid wieder zu, bindete meine Schürze um, und machte eine kleine Anzahlung. Wir verabschiedeten uns, und gingen ins Freie. Es war jetzt schon 18.00 Uhr, und so wurde das Geschäft gleich nach uns als letzte Kundinnen dieses Tages geschlossen.
Uff!, jetzt eine Erfrischung, dachten wir, und setzten uns in ein Straßencafé. Doch wo war meine Geldtasche!?!, ich hatte sie doch nicht....?!!!,...im Geschäft vergessen! Scheiße!, da gelingt es mir, selbst in schwierigen Situationen zu überzeugen, und dann das. Es waren alle meine Ausweise als Robert darin, meine Kreditkarte als Robert, alles von mir, als Mann! Wie in einem schlechten Film! Nun, alia acta est, Du musst zurück - aber das ging jetzt ja nicht mehr - also morgen anrufen, sich als Bruder von Michaela ausgeben, und die Geldtasche abholen. Zum Glück hatte ich meinen echten Nachnahmen angegeben, das mit dem Bruder könnte also durchgehen...
Und so war es dann auch , am nächten Tag bekam ich - als Bruder Robert - freundlich meine Geldtasche wieder, für ein Gespräch war ohnehin zuviele Kunden da. Und als ich dann am Samstag meine Schürze abholte, kam das Thema nur in einem kleinen Satz vor. Glück muss der Mensch haben. ;-)

Mittwoch, 9. Mai 2001: Wie es „Frauen" so geht: Wir hatten unseren TG-Stammtisch in der Traminer und waren beim aufbrechen. Ich hatte mein gelbes Leinenkleid im Landhausstil an, wobei ich mich über Komplimente von Seiten der Gruppenmitglieder und der Wirtsleute nicht beklagen konnte. Das schafft natürlich Selbstvertrauen; und macht auch etwas übermütig. Ich blieb dann noch ein bisschen, da mir erstens der Wein so gut schmeckte und ich mein en femme-Dasein in der Öffentlichkeit noch ein bisschen genießen wollte. Durch den Wein mit viel Mut ausgestattet beschloss ich, noch alleine als Frau auszugehen (es war ca. 1.00 Uhr in der Nacht). Doch wohin?
Gleich in der Nähe war ein recht „interessantes" Lokal, ein Hort für Nachtschwärmer und Schwule mit einer Transsexuellen als Kellnerin, die sogenannte Frühbar. Ich ging also hin und hinein. Das erste was ich sah, war eine Gruppe Männer, und das erste was die sahen war wohl ich. Denn ich wurde von lüsternen Blicken regelrecht durchbohrt, wenn nicht gleich visuell entkleidet, ein sehr unangenehmes Gefühl! Nun, jetzt weiss ich zumindest, wie es Frauen geht, wenn sie sich alleine in diverse Lokale wagen. Ich „flüchtete" schnell.
Auf der Straße wurde mir unwohl. Was ist, wenn mir einer dieser Idioten folgt? Und meinen Pfefferspray hatte ich auch nicht dabei. Doch alles kein Problem, ich blieb unbehelligt und auch mein Mut kehrte schnell zurück. Immerhin war ich jetzt um eine wichtige Erfahrung reicher.
Ich ging dann ins Q, eine Underground-Disco, in der ich früher Stammgast war, und die als offener Ort für Randgruppen wie Punks, Grufties, Fetisch-Liebhaber etc. bekannt ist. Ich wurde sehr zuvorkommen bedient - und natürlich von Männern angequatscht. Einer ladete mich auch ein. Wir plauderten, wobei ich allerdings keinen Versuch mehr machte, mich besonders weiblich zu geben. Die Leute hier können ruhig wissen, dass ich ein Transvestit bin, dachte ich, und sprach also mit meiner gewohnten Stimme. Der Kerl - ca. 35 Jahre und wohl vom Land - reagierte aber auffallend seltsam. Er sprach mit der Zeit immer sanfter und sah mich so lieb an, dass ich ihn fragen musste, ob er denn schwul sein. Die Frage wurde entschieden verneint, sie schien ihn auch sehr zu wundern. Nun fragte ich, ob er denn nicht bemerkt habe, dass ich ein Wirklichkeit..., nun..., äh..., ein Mann bin....
Ich habe wohl noch nie so ein verwirrtes Gesicht gesehen. Die Sanftheit wich einem Ausdruck einer Mischung aus Staunen, Ungläubigkeit, Unsicherheit und Peinlichkeit. Er tat mir so leid, dass ich ihn jetzt einlud. Also, das hätte ich nie gedacht, hatte der Kerl mich für „echt" gehalten, und das, obwohl ich mich gar nicht um Authentizität bemüht hatte. Und zum darüberstreuen passierte mir das ganz gleiche eine halbe Stunde später noch einmal!, wieder fiel ein Mann auf meine „Verkleidung" hinein, obwohl ich das in keinster Weise beabsichtigt hatte.
Was lerne ich daraus: Dass Männer , also mein eigenes Geschlecht, sich offensichtlich gern selbst belügen, indem sie oberflächliche Reize wie Kleidung, Schminke, lange Haare etc. für echter halten als die Person, die dahinter steckt. Und ich muss sagen, dass ich auch ganz schön Glück hatte. Denn was wäre gewesen, wenn einer der beiden aggressiv reagiert hätte. Denn nicht zuletzt hatte ich ihre Naivität wie ihre Geilheit schamlos bloßgestellt. Nun, ich muss in Zukunft wohl etwas mehr achtgeben. ;-)

Samstag, 28. April 2001: Das „Comming out"!, ein so wichtiges Ereignis, dass es eine eigene Web-Seite mit zwei Bilderserien dazu gibt.