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Outing und Comming out Es sind wohl die beiden ersehntesten und zugleich am schwersten zu verwirklichenden Dinge im Leben eines jeden Crossdressers/Transvestiten: das Outing, also das verbale "Geständnis", sich gerne als Frau zu kleiden, und das Comming out, also die Verwirklichung der individuellen Träume in der Öffentlichkeit.
Die Angst, ausgelacht, verstoßen, für pervers erklärt, vom Partner verlassen, vom Arbeitgeber entlassen oder gar enterbt zu werden, kann so groß sein, dass sich manche Menschen eher umbringen würden, als dass ihre Neigung nach aussen dringt. Das kann natürlich krank machen, und wer wegen seiner transvestitischen Neigungen eine Psychotherapie aufsucht, lässt seine diversen Neurosen am besten gleich mitbehandeln. Ich habe nun bei mir die Erfahrung gemacht, dass beides nicht nur eine großartige Erlösung einer schlimmen Lebenslüge sein kann, sondern im Grunde genommen eigentlich ganz leicht ist, vorausgesetzt, mensch fällt nicht gleich mit der ganzen Tür ins Haus, sondern bereitet sich und die Umgebung geschickt darauf vor. Das Outen: Grundsätzlich gilt: je öfter, desto leichter fällt es, der Umgebung klar zu machen, dass man /frau ein ganz normaler Mensch ist, nur eben mit einer gar nicht so ungewöhnlichen Neigung. Mein ersten Outing vor ca. zehn Jahren sah so aus, dass ich meinem besten Kumpel angetrunken in einer Disco erzählte, dass ich transvestitische Neigungen hätte und danach sofort auf die Tanzfläche rannte; so sehr schämte ich mich. Jetzt sieht es so aus: Ich nehme grundsätzlich gute Fotos von mir mit, aus denen klar wird, dass ich kein schwammiger Mann in rosaroter Damenunterwäsche bin, sondern ein Mensch, der Geschmack hat, sich zu kleiden und zu schminken versteht und dessen gesamtes Erscheinungsbild deutlich vom Respekt der Femininität gegenüber geprägt ist; also Bilder, auf die ich stolz sein kann. Bilder haben auch den Vorteil, dass man sie "zufällig" vom letzen Fasching dabei haben kann, für den Fall, dass das Gegenüber unerwartet negativ reagiert. Ich lenke also ein Gespräch in eine günstige Richtung (z.B. Feminismus, allgemeine Toleranz in unserer Gesellschaft, Kleidung allgemein...), wobei ich abwarte, ob sich mein Gegenüber überhaupt für mein geplantes"Geständnis" interessieren könnte, zeige in einem günstigen Augenblick die Bilder her, und warte die Fragen ab. Denn von nun an bin ich in der passiven Rolle, und Fragen zu beantworten ist immer leichter als einen langen Monolog zu halten. Um solche Bilder zu besitzen, muss mensch sie natürlich erst machen (lassen), hier etwas Zeit, Geld und Geduld zu investieren ist also sicher kein Fehler. So machte ich es auch bei meinen Eltern und bei meinem Lehrer auf der Universität. Und kein einziges mal kam es zu Ansagen, die mir unangenehm gewesen wären, ganz im Gegenteil. Mein Geschmack, mein Mut und meine Ehrlichkeit wurden sehr anerkennend gewürdigt. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Frau findet, die einen bei den ersten Versuchen in der Öffentlichkeit helfend begleitet, ist sehr hoch. Das Comming out. Sich nicht nur in Worten oder auf Fotos, sondern auch real als Mensch in seiner weiblichen Seite zu zeigen, ist sicherlich der schwierigere Teil. Wenn jedoch keine Angst mehr besteht, sich zu outen, dann ist es oft nur mehr eine Frage der Zeit. Ich verstehe unter Comming out freilich nicht die Verkleidung im Fasching oder auf speziellen TG-Partys, wenngleich diese ein ausgezeichnete Probeläufe sein können, sondern am besten Samstag vormittag in der belebtesten Einkaufsstraße einer großen Stadt shoppen zu gehen, am besten gleich in der eigenen. Mein eigenes Comming out war sehr rationell geplant. Zuerst war da der Grazer Tuntenball, auf dem ich das erste mal selbst geschminkt erschienen bin. Danach folgte der Regenbogenball in Wien, ebenfalls ein geschützter Rahmen, doch wesentlich offener, größer und vor allem eleganter und weniger schrill. Durch beide im Selbstbewusstsein gestärkt, bewegte ich mich am Faschingsdienstag genau so, wie ich es dann einige Zeit später gewissermaßen ohne Netz vorhatte. Ich und eine gute Freundin von mir besuchten Cafés, gingen Essen und machten all das, was ein Mensch eben in einer Stadt wie Graz tun kann. Die "Generalprobe" klappte, ich wurde kaum erkannt, und wenn, dann mit sehr wohlwollender Anerkennung. Und dabei waren meine Schmink- und Bewegungskünste damals noch recht unausgereift (was freilich nicht heisst, dass sie jetzt so viel besser sind ;-). Der eigentliche Schritt am 28. April war dann eigentlich nur mehr die logische Folge aus all diesen Probeläufen. Und als ich kürzlich ganz alleine en femme durch die Stadt ging, fragte ich mich, warum ich denn nicht schon viel früher diesen Schritt gemacht hatte. Ich hätte mir viel Leid erspart. |
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