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Das irdische Paradies

Nichts, daß ich euch von Höll und Himmel sing. Nichts kann ich singen, was die Furcht verkleint, den Tod verwandelt in ein nichtig Ding, nichts, daß vergangne Freude neu erscheint, noch was vergessen macht, um was ihr weint. Hofft nicht auf irgend etwas, daß ich sag, der müßige Sänger für den leeren Tag.

Allein wenn ihr, zwar müde eurer Lust, doch unbefriedigt, Seufzer aufwärts schickt, und aller Welt euch nah zu sein bewußt, in der Minuten flüchtig Sein verstrickt, der süßen Tage Hingang überblickt: Dann denkt an mich, wie kurz es auch sein mag, des müßigen Sängers für den leeren Tag.

Die Last der Sorge, das Gewühl der Pflicht auf uns, die leben und sich mühn um Brot, bewältigen diese müßigen Verse nicht. So laßt mich Namen singen, nie verloht, die nicht mehr sind und darum niemals tot, sofern nicht ihr Gedächtnis Zeit versag uns armen Sängern für den leeren Tag.

Traum-Träumer, nicht in meiner Zeit daheim: Was täusche ich mir schiefes grade vor? Mir seis genug, daß mein gelinder Reim anwehe leis an elfenbeinern Tor. Mit einer Sage, nicht zu schwer dem Ohr für alle, in den Schlafgefilden vag, gewiegt vom Sänger für den leeren Tag.

Man sagt: Ein Magier ließ, als Weihnacht nah, nordischen König solches Wunder schaun: daß durch ein Fenster man den Frühling sah und durch das andere den Sommer blaun und durch das dritte Reben reif am Zaun; doch drauß- wie sonst- trüb, nur unhörbar, lag der Wind von selbigem Dezembertag.

So ists mit diesem irdischen Paradies, wenn ihrs recht lest, ihr all, die süchtig Welt stets, die glückseligen Inseln suchen ließ inmitten Wellenschlag der stählnen See, die jedes Herz umherwirft je und je, voll wilder Brut, die kühn ein Held erschlag, kein armer Sänger für den leeren Tag.

William Morris