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Vorfrühling Es läuft der Frühlingswind durch kahle Alleen, seltsame Dinge sind in seinem Wehn. |
Er hat sich gewiegt, wo Weinen war, und hat sich geschmiegt in zerrüttetes Haar. |
Er schüttelte nieder Akazienblüten und kühlte die Glieder, die atmend glühten. |
Lippen im Lachen hat er berührt, die weichen und wachen Fluren durchspürt. |
Er glitt durch die Flöte als schluchzender Schrei, an dämmernder Röte flog er vorbei. |
Er flog mit Schweigen durch flüsternde Zimmer und löschte im Neigen der Ampel Schimmer. |
Es läuft der Frühlingswind durch kahle Alleen, seltsame Dinge sind in seinem Wehn. |
Durch die glatten, kahlen Alleen treibt sein Wehn, blasse Schatten. |
Und den Duft, den er gebracht, von wo er gekommen seit gestern Nacht. |
Hugo von Hofmannsthal |
Wir sind die Treibenden, aber den Schritt der Zeit, nehmt ihn als Kleinigkeit im immer Bleibenden. |
Alles das Eilende wird schon vorüber sein, denn das Verweilende erst weiht uns ein. |
Knaben, o werft den Mut nicht in die Schnelligkeit, nicht in den Flugversuch. |
Alles ist ausgeruht: Dunkel und Helligkeit, Blume und Buch. |
Rainer Maria Rilke |
Aus der Vagantenbeiche |
Heißer Scham und Reue voll, wildem Grimm zum Raube schlag ich voller Bitterkeit an mein Herz, dass taube: Windgeschaffen, federleicht, locker wie vom Staube, gleich in loser Lüfte Spiel, gleich in einem Laube. |
Denn indem ein kluger Mann sorglich pflegt zu schauen, dass er mög auf Felsengrund seine Wohnung zu bauen: Bin ich Narr dem Flusse gleich den kein Wehr darf stauen, der sich immer neu sein Bett hinwühlt durch die Auen. |
Auf dem breiten Weg geh ich nach Art der Jugend, lasse mich mit Sünden ein ungedenk der Tugend: Mehr nach irdischer Begier als gegen Himmel lugend, geistlich tot, zu jeder Lust meinen Leib befugend. |
Wer, der in den Kohlen sitzt, bleibt wohl unversehret? Wann hat zu Pavia von Unschuld man gehöret, wo Frau Venus' Wink die Ruh jedem Jüngling störet, mit dem Lärvchen ihn bestrickt, mit dem Aug betöret? |
Zweitens hab ich auch das Spiel leider nicht gemieden. Doch sooft vom Spieltisch ich blutt und bloß geschieden hob im Frost des Leibes mir an der Geist zu sieden: Vers und Lieder kann ich erst dann die besten schmieden. |
Mein Begehr und Wille ist: In der Kneipe sterben, wo mir Wein die Lippen netzt, bis sie sich entfärben! Aller Englein Jubelchor wird dann für mich werben: " Lass den wackern Zechkumpan, Wotan, dein Reich ererben! |
Jeglichem hat die Natur zugeteilt die Gaben: Nüchtern schreiben, dazu war ich noch zu haben. Nüchtern steh ich weit zurück hinter jedem Knaben. Dursten! Fasten-eher noch laß ich mich begraben. |
" So die Verse, wie der Wein! Ist bei mir zu sagen; nie bring ich ein Werk zustand, fehlt mir was zu nagen; nimmer taugte, was ich je schrieb bei leerem Magen- hinterm Glas will mit Ovid ich den Wettstreit wagen. |
Mehr zu beichten, müßt ich erst aus dem Daumen saugen. Hohe Zeit wars immerhin, mich recht auszulaugen. Dieses alte Leben will mir nicht fürder taugen: Zeus nur sieht die Herzen an, Menschen,was vor Augen. |
Archipoeta ( 12.Jahrhundert ) |
Es ist alles eitel |
Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden. Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein; wo jetztund Städte stehn, wird eine Wiese sein, auf der ein Schäferkind wird spielen mit den Herden. |
Was jetzte prächtig blüht, soll bald zertreten werden; was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein; Nichts ist, dass ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein. Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden. |
Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn. Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn ? Ach, was ist alles dies, was wir vor köstlich achten. |
Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind, als eine Wiesenblume, die man nicht wieder findt! Noch will,was ewig ist, kein einzig Mensch betrachten. |
Andreas Gryphius |
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Unten sind die Links zu den anderen Seiten und die folgenden ca. über 50 Bilder von der 5. Herausforderung kommen in den nächsten Tagen auf die Webseite. |
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