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DGT Travel 960. Digitale Schachuhr für die Westentasche. |
Winning Pawn Structures Batsford 1998 |
Die Schacheröffnungen bestimmen, welche Stellungen im Mittelspiel auf´s Brett kommen. Dabei sind Eröffnungen oder Eröffnungsvarianten mit diversen Bauernformationen assoziiert, die wiederum - im größeren oder auch zu vernachlässigenden Umfang - bestimmte Pläne implizieren. Der Einfluß der Bauernformationen auf das Gleichgewicht in der Stellung sollte nicht überschätzt werden, weil die dynamischen Faktoren wie Figurenaktivität, Kräftekonzentrationen und Entwicklung das moderne Schach prägen. Allerdings... selbst das mächtige Wasser muß zunächst an Hindernissen vorbeifließen, bevor es sein B(r)ett findet - so lehrt das Tao . Und somit kann sich dynamisches Spiel nur dann reibungsfrei entwickeln, wenn man den der Bauernstruktur angemessenen Plan findet. Deswegen ist das Studium von Bauernformationen alles andere als verschwendete Zeit, selbst wenn das eigene Eröffnungsrepertoire diese oder jene Formation in der eigenen Praxis a priori unwahrscheinlich zu machen scheint.
In diesem Cookie und den nächsten drei Fortsetzungscookies sollen die gebräuchlichsten Bauernformationen mit ihren assoziierten Plänen kurz vorgestellt und nach Möglichkeit durch Partien veranschaulicht werden.
Die symmetrischen Bauernformationen gelten (zu Unrecht) als etwas langweilig, da gerade in diesen spiegelbildlichen Strukturen das Figurenspiel dominant ist, während die von der Bauernstruktur gegebenen Pläne für beide Farben an sich identisch sind. Lediglich der Entwicklungsvorsprung macht die eine Seite zum Strategen, die andere zum Destruktor der Strategie. Die Erläuterung der Pläne im folgenden Text gilt also auch Schwarz, soweit Schwarz die Initiative an sich gerissen hat.
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Diese Bauernformation, auf die man vor allem in der Russischen Verteidigung, aber auch bei anderen Königsbauernspielen (z.B. Schottisch, Mittelgambit) trifft, hat wenig Einfluß auf die Spielgestaltung. Dynamische Faktoren wie Entwicklung, Konzentration und Aktivität der Figuren bestimmen das Spiel bzw. den Plan. Bleiben diese Kriterien beidseitig auf etwa gleichem Level, verbleibt die Position unbeschadet kleinerer Defekte in der Bauernstruktur im dynamischen Gleichgewicht. Die Figuren streben zum Zentrum, die Schwerfiguren in die offenen Linien.
Partie 1: (Als weiteres Beispiel siehe auch hier)
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Weiß beherrscht das Brett - vor allem das Zentrum - und übt seine Macht auch sofort überfallartig aus. Eine Frage: Erscheint Ihnen die schwarze Rochadestellung sicher ? Im Prinzip schon... 21.Dc5 g6 21...Dxg2 22.Dxf8+ Kxf8 23.Td8#; 21...Te8 22.De7; 21...f6 22.Dd5+ Kh8 23.Df7 22.Se7+ Kg7 23.Dd4+ Kh6 In dieser "verklemmten" Position gehört der schwarze König auf die Liste der bedrohten Arten. 24.Sxc8 Txc8 25.g4 Te8 26.f4 Dg2 27.a3 Um Spielchen mit der Grundlinienschwäche zu unterbinden, z.B. 27.g5+ Kh5 28.Dg7 Td8 29.Dxh7+ Kg4 und Weiß hat´s doch etwas schwerer. 27...Te4 28.Df6 Te3 29.g5+ Kh5 30.Dxf7 De4 31.Dxh7+ Kg4 32.Dd7+ Kg3 33.Dxc7 und Weiß gewann (1-0/54)
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Diese Struktur entsteht annähernd ausschließlich durch Damenbauernspiele wie z.B. dem Colle-System oder dem Torre-System. Der natürliche Plan besteht im Vorstoß e4, was in der Regel jedoch schwer zu verwirklichen ist. Alternativ und häufiger wird der Vorstoß c4 angestrebt, womit sich der Kampf eher auf dem Damenflügel denn im Zentrum abspielt. Die "Halbwertzeit" dieser Formation z.B. zugunsten Typ 3 oder Typ 4 ist allerdings nicht sonderlich hoch.
Partie 2:
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Eine der "langweiligsten" Bauernformationen im Mittelspiel, wie sie insbesondere in der slawischen Abtauschvariante auf´s Brett geklatscht wird. Ähnlich wie bei Typ 1 spielen hier dynamische Faktoren die wesentliche Rolle, wobei die Zentralbauern jedoch nicht selten derartig im Weg sind, daß die Stellungen eher "kühl" bleiben. Strukturell können aber auch die Verteilung der "guten" bzw. "schlechten" Läufer oder (seltener) die Etablierung von Vorposten auf e5/c5 das Gleichgewicht verschieben.
Partie 3:
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(Typ 4 ist natürlich - wie jetzt mancher mit Kopfschütteln bemerkt - keine symmetrische Formation. Der Typ wird in diesem Teil wegen seiner Verwandtschaft mit Typ 2 behandelt.) Diese Struktur ist eine der gängigsten Bauernformationen, wie sie z.B. aus dem Damengambit, der Abtauschvariante im Caro-Kann (Typ 4a) oder sogar der Nimzoindischen Verteidigung entstehen kann. Weiß hat zwei grundsätzliche Pläne zur Auswahl: Plan 1 ist natürlich der Minoritätsangriff (b2-b4-b5), f.e. zur Schaffung von Bauernschwächen (Bc6, Isolani d5) - Experten des Damengambits langweile ich bereits. Plan 2 ist die Durchsetzung des Vorstoßes e4 - nicht selten durch f3 vorbereitet -, der dann angebracht ist, wenn der Bauer d4 nicht anfällig wird und Weiß im Endergebnis das Läuferpaar zur Verfügung hat. Die schwarzen Möglichkeiten - neben Unterbindung der weißen Pläne - liegen in der halboffenen e-Linie. Mit der Etablierung eines Vorpostens auf e4 eröffnen sich Aussichten für einen Königsangriff. In Typ 4a sind neben den Farben dann schlicht die o.g. Pläne vertauscht... soweit die Entwicklung und die Aktivität der Figuren die betreffende Strategie zulassen. Erwähnt werden sollte aber auch noch, daß in 4a bzw. der Abtauschvariante im Caro-Kann der Hebel c4 (Panow) gespielt wird, was aber auf Anzugsvorteil und nicht der Bauernstruktur basiert. Und zum Isolani kommen wir später noch...
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Partie 4:
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Das ist sicherlich analog der "Typenbeschreibung" oben. Aber auch Schwarz ist noch im Besitz des "Säuferpaars". 15...dxe4 16.Sxe4 Le7 17.Sc5 Tc7 18.Te1 h6 19.Lf4 Ld6 20.Se5 Die schwarzen Figuren sind gut postiert, so droht Schwarz z.B. die e-Linie zu übernehmen und der Bauer d4 beginnt verwundbar zu werden. Weiß muß aufpassen, daß er das Gleichgewicht nicht verliert. 20...Sd5 21.Lg3 Tce7 22.b5 axb5 23.axb5 f6 24.Sf3 24.Sg6 Sxg6 25.Sxe6 (25.Lxg6? Lf5) 25...Txe6 26.Txe6 Txe6 27.Lxd6 Dxd6 28.Lxg6 sollte ausgleichen, z.B. 28...Sf4 29.bxc6 bxc6 30.d5! Sxd5 31.Dxc6 Dxc6 32.Tb8+ Te8 33.Txe8+ Dxe8 34.Lxe8 und dieses Endspiel ist ausnahmsweise nicht von Interesse. 24...Lc8 25.Txe7 Txe7 26.bxc6 bxc6 27.Se4 Lxg3 28.hxg3 Ld7 29.Dc5 Le8 30.Sd6 Se6 31.Da3 g6 32.Tc1 Kg7 33.Kh2 Sf8 34.Sxe8+ Dxe8 35.Dc5 Tc7 36.Lc4 Sd7 37.Da5 S7b6 38.Ld3 g5 39.Tb1 Sc8 40.Dc5 Sce7 41.Te1 Db8 42.Lc4 Db4 43.Te6 g4 44.Se1 Dxc5 45.dxc5 Sb4 46.f3 ½-½
Partie 5:
Partie 6:
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Diese Formation entsteht in der Regel über die Abtauschvariante in der französischen Verteidigung. Im Zentrum herrscht null Spannung und selbst der Hebel c4 kann die Voltzahl nicht wesentlich erhöhen. Wichtig sind natürlich die e-Linie und das Feld e5, das nach Möglichkeit mit einem Vorposten besetzt wird. Kommt es zur großen Rochade des Gegners, gewinnen der Vorstoß c4 und das Feld c5 an Bedeutung.
Partie 7:
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10.0-0 Wenn 10.Lxe4?, so 10...dxe4 11.Dxe4 Lc4 12.Le3 (12.d5 Lxe2 13.dxc6 Te8) 12...f5 13.Df3 f4 mit Gewinnstellung für Schwarz. 10...f5 Der Textzug befestigt zwar e4 betonmäßig, hat aber auch Schattenseiten: Er macht den Le6 zum "Deppen" (= noch schlechterer Läufer). 11.Lxd6 Dxd6 12.Df4 De7 13.h4 Weiß behagte die Stellung nach 13.Te1 g5 14.Df3 wohl nicht. Der Bauer h4 ist jedoch eine gute Angriffsmarke für Schwarz. 13...h6 14.f3 g5 15.hxg5 hxg5 16.Dc1 Sd6 17.f4 g4 Schwarz hat als Resumee der Eröffnung etwas bessere Chancen. 18.De3 Sc4 19.Dc1 Natürlich gibt man den guten Läufer nicht weg mit 19.Lxc4? dxc4 Und schauen Sie ´mal auf das tolle Feld d5 ! 19...Tf6 Schwarz schielt zur h-Linie. 20.b3 Sd6 21.De3 Th6 22.Sd2 Kf7 23.Sg3 Te8 24.Tfe1 Df6 25.Sdf1 Th4 25...Ld7 sieht verlockend aus, aber: 26.Df2 Se4 27.Lxe4 (27.Sxe4? fxe4 28.Lc2 Se7 29.Sg3 Teh8 und Weiß geht´s nicht gut.) 27...fxe4 28.Se3 Einmal mehr kann man sehen, das Springer ideale Blockadefiguren vor Bauern sind. Dagegen ist der schwarze Läufer gar kein Strahlemann. Es könnte folgen 28...Se7 29.Tad1 Teh8 30.c4 c6 31.Kf1 Th2 32.Ke2 Weiß hat die besseren Perspektiven. 26.Lc2 b5 27.a3 a5 28.b4 Thh8 29.Tad1 Te7 30.Dc1 Ta8 Auf beiden Seiten scheint ein wenig Ratlosigkeit zu herrschen... oder saß beiden Spielern der Zeitnotaffe im Genick ? 31.Se3 Dh4 32.Kf2 Dh6? 32...Df6 sollte = sein. 33.Sexf5 Lxf5 34.Lxf5 Df6 35.Lb1 35.Lxg4 erschien Weiß wohl vor allem auch unter Zeitdruck zu risikobehaftet - er hat seinen Mehrbauern ja schon. 35...axb4 36.axb4 Tae8 37.Th1 Te3 38.Sf1 Te2+ 39.Kg1 Se4 40.Th5 Se7 Die Zeitkontrolle ist überstanden: Weiß hat einen Mehrbauern, Schwarz dagegen einen Turm auf der 2.Reihe. Doch die weiße Stellung sieht nur optisch stark bedroht aus, der blondschöpfige Monarch ist gut verteidigt. 41.Ld3 Ta2 42.Lxe4 dxe4 43.Db1 Te2 44.Sg3 Te3 45.Sxe4 Dg6 46.Te5 Kf8 47.Te1 Txe1+ 48.Dxe1 Sc6 49.Txe8+ Dxe8 50.Kf2 Df7 51.Kg3 Se7 52.Sg5 Sf5+ 53.Kxg4 Sh6+ 54.Kg3 Sf5+ 55.Kf2 Dh5 56.De6 Sd6 57.Dh3 Dg6 58.Dd7 Dc2+ 59.Kg3 Se4+ 60.Sxe4 Dxe4 61.Dd8+ Kf7 62.Dxc7+ Kf8 63.f5 Kg8 64.Df4 De1+ 65.Kh2 Dxc3 66.Dg3+ 1-0
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Diese Bauernstruktur ergibt sich z.B. in der Philidorverteidigung oder im geschlossenen Spanier. Es gibt Analogien mit Typ 5 bezüglich der offenen Linie und Vorposten. Da diese Stellungen aber üblicherweise mit kurzen Rochaden gespielt werden, ist hier der Hebel f4 wesentlich schärfer als c4 bei Typ 5. Ein Vorposten auf f5 fällt ebenfalls weit gefährlicher aus.
Partie 8:
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Diese potentiell durchaus spannungsgeladene Formation entsteht z.B. aus so altehrwürdigen Eröffnungen wie dem Giuoco Piano oder dem Vierspringerspiel, aber auch nach 1.Sf3 (z.B. Ungarisch i.A.) kommt sie auf´s Brett. Weiß hat die Wahl zwischen der Vorbereitung von d4 mittels c3 oder dem Vorstoß f4. Schwarz kann sich gegen Letzteres mit ...h6 und ...g5 wenden oder aber am Damenflügel vorgehen.
Partie 9:
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