Wandern in Schottland - Trip 1999



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Tag 6 (31.05.99): Kingshouse - Lundavra (26.5 Km)


Loch Leven am Morgen unserer Rückfahrt

Am folgenden Morgen kehrten wir mit dem Bus nach Kingshouse zurück, um den WHW weiterzulaufen. Das nächste Ziel war dabei zunächst das 14.5 Kilometer entfernte Kinlochleven.

Schon zu Beginn dieser Etappe hatten wir dabei ein großes (oder besser gesagt hohes) Hindernis zu überwinden: Devil's Staircase. Dort steigt der Weg auf kürzester Strecke von 289 auf 548 Meter an, der "Gipfel" des Devil's Staircase bildet damit den höchsten Punkt des gesamten WHW.

Aufgrund der "Architektur" des Weges trägt dieser Anstieg seinen Namen vollkommen zu recht: Der WHW führt weitgehend auf kürzestem Weg den steilen Hang hinauf, erst kurz vor dem "Gipfel" gibt es Serpentinen. 

Dort ist es dann allerdings auch so steil, daß es ohne praktisch nicht ginge. Wir machten uns also an den Aufstieg. Zwar hatte das Gewicht unseres Gepäcks in den vergangenen Tagen wieder einen erträglichen Umfang erreicht, dafür war der Weg entsprechend steil und steinig.

Glücklicherweise war es wenigstens trocken, das machte die Sache etwas erträglicher. Nach ca. eineinhalb bis zwei Stunden hatten wir den Gipfel erreicht und wurden mit einem herrlichen Ausblick belohnt. 
 


Stob Dearg

 

An diesem Punkt hat man eigentlich das schwierigste Stück der Etappe hinter sich gebracht, danach fällt der Weg gemächlich bis nach Kinlochleven ab, wobei es trotzdem nochmals ca. zwei Stunden dauert, bis man letzteres erreicht.

Wir trafen dort gegen 12.30 Uhr ein und versorgten uns erst einmal im lokalen Supermarkt. Nach dem Lunch stellte sich die Frage, wie wir den angefangenen Tag zu Ende bringen wollten. Die eine Alternative war, eine Unterkunft zu suchen und in Kinlochleven zu bleiben.


Talblick vom Gipfel des Devil's Staircase

Die andere war, weiterzulaufen und zu versuchen, so weit wie möglich in Richtung Fort William, dem Ende des WHW, voranzukommen. Wir entschieden uns für die zweite Möglichkeit und brachen nach einer kurzen Ruhepause auf.


Blick zurück auf Kinlochleven

Zunächst hatten wir dabei (abermals) einen ziemlich steilen Anstieg zu überwinden, der uns von Meereshöhe in Kinlochleven bis auf fast 300 Meter im Lairig Moor brachte.


Farmruine nahe des Lairig Moores

Nach hartem Kampf ließen wir den Anstieg hinter uns und folgten dem Weg in ein ausgedehntes Tal. Dort führte er gut befestigt einige Kilometer lang durch Grasland, bevor er in ein Waldgebiet eintrat.

Als wir dieses erreichten, waren wir schon stehend k.o., und es war uns klar, daß wir Fort William an diesem Tag mit Sicherheit nicht mehr erreichen würden.

Wir hielten also Ausschau nach einem geeigneten Zeltplatz, um unseren Weg am nächsten Morgen fortzusetzen.

Einen solchen Platz zu finden, war dort gar nicht einfach. Die vermeintlich geeigneten Lichtungen im Wald erwiesen sich ausnahmslos als naß, so daß wir unseren Weg zunächst fortsetzten mußten.


Unser Zeltplatz nahe Lundavra

Nach kurzer Zeit erreichten wir den Informationspunkt bei Lundavra, der praktisch genau auf halbem Weg zwischen Kinlochleven und Fort William liegt.

Hinter der Informationstafel, von welcher u.a. der Wetterbericht der folgenden Tage zu erfahren ist, befand sich ein kleiner Hügel, dessen Rücken sich als relativ eben erwies.

Wir zögerten nicht weiter und stellten dort unser Zelt auf. Zunächst hatten wir uns noch gewundert, warum uns beim Zeltaufbau keinerlei Midges angefallen hatten, doch sobald wir fertig waren, fielen sie in Schwärmen über uns her. Es war derart kraß, daß uns nichts anderes übrig blieb, uns ins Zelt zu flüchten und den Reißverschluß des Außenzeltes zu schließen. Derweil flogen die Midges fleißig gegen das Außenzelt, wobei sich Myriaden dieser Tiere dort niederließen. Nach kurzer Zeit füllte sich auch der Innenraum des Zeltes zunehmend mit Midges, da diese durch den belüftungsbedingten Zwischenraum zwischen Außenzelt und Boden hinein gelangten.

Wir mußten uns daraufhin ins Innenzelt zurückziehen, in welches die Midges bei geschlossenem Reißverschluß nicht vordringen konnten (auch wenn sie sich Mühe gaben...). Ein Versuch Ilus, das Zelt zum Zähneputzen zu verlassen, endete damit, daß er schreiend und mit Midges besetzt ins Zelt zurückgesprungen kam. In der Folgezeit hatten wir genug damit zu tun, die Midges, die Ilu mit ins Zelt gebracht hatte, sowie jene, die aus dem Bereich zwischen Innen- und Außenzelt ins Innenzelt vorgedrungen waren, eine nach der anderen zu erlegen. Die ganze Nacht über prasselten weiter Midges gegen das Außenzelt, im Innenzelt waren wir aber (glücklicherweise!) sicher.

 

Tag 7 (01.06.99): Lundavra - Fort William (10.5 Km)

Am nächsten Morgen war die Situation nicht mehr ganz so schlimm wie am Abend zuvor, auch wenn immer noch genügend Midges auf dem Außenzelt saßen und die Zähne (bzw. die Rüssel...) fletschten.

Wir hatten daher keine andere Wahl, als uns einer nach dem anderen im geschlossenen Zelt anzuziehen und unsere Ausrüstung dort zu verpacken. Das gestaltete sich alles andere als einfach, da auf derart beengtem Raum jede Bewegung zu einem hochkomplizierten Unternehmen wurde.


Midges auf unserem Außenzelt

Da wir nicht wußten, wieviele Midges sich bei Verlassen des Zeltes auf uns stürzen würden, gaben wir uns Mühe, alle freien Hautpartien zu bedecken, was dazu führte, daß wir aussahen, als wären wir auf dem Weg ins ewige Eis. Auf Kommando öffneten wir schlagartig das Zelt, warfen unsere Ausrüstung nach draußen und stürmen hinterher. Danach verpackten wir in kürzester Zeit unser Zelt, bis wir merkten, daß die Midges durch unser hektisches Vorgehen (mit viel Wind!) schon weitgehend in die Flucht geschlagen worden waren. Unser äußeres Erscheinungsbild mit Kapuze, Mütze und Handschuhen sorgte dann noch bei einem vorbeilaufenden Wanderer für Verwirrung, der sich gefragt haben muß, welche Gestörten sich an einem sonnigen Morgen wie diesem derart winterlich anziehen... Aber der kannte ja unsere Schwierigkeiten nicht!
 

Normal gekleidet setzten wir schließlich unseren Weg fort. Der WHW führte zunächst weiterhin durch Nadelwald, wobei einige mitunter recht steile Anstiege zu bewältigen waren.  Das fiel uns nach dem Gewaltmarsch des vorigen Tages alles andere als leicht; wir schlichen mehr, als daß wir liefen.


 

 An Ben Nevis, dem mit 1344 Metern höchsten Berg Großbritanniens, vorbei liefen wir durch das Glen Nevis Fort William entgegen, das mittlerweile am Horizont aufgetaucht war.


Fort William kommt in Sichtweite

Obwohl der Weg von dort an nur noch bergab ging, brauchten wir noch einige Zeit, bis wir endlich am Ziel waren. 


Das Ende des West Highland Way

Besonders die letzten paar hundert Meter, die auf dem Bürgersteig an einer Straße entlang verliefen, waren die reinste Folter. Doch dann sahen wir am Ende der Straße das WHW-End-Monument auftauchen, was unsere Schritte wieder ein bißchen beschleunigte. Noch wenige Meter und wir hatten es geschafft. 
 

Zur Feier des Tages gönnten wir uns nach den Strapazen der vergangenen Tage ein Zimmer in einem B&B (bei Mrs. Kennedy, Garach Nan Ros, 24 Sutherland Ave, Fort William; ca. GBP 20,-). 
Den Rest des Tages erkundeten wir die Innenstadt von Fort William, bevor wir uns in einen Pub begaben, um den Tag dort bei ein paar Pints angemessen ausklingen zu lassen.

 

Tag 8 (02.06.99): Fort William


Die Seilbahn der Nevis Range

Unter dem Eindruck der guten Unterkunft und unserer netten Gastgeberin entschlossen wir uns, noch einen weiteren Tag in Fort William zu bleiben und uns dessen Umgebung anzusehen. 


Blick ins Tal auf Loch Linnhe (l.) und Loch Eil

 

Nach dem ersten reichhaltigen Frühstück seit längerer Zeit fuhren wir mit dem Bus zum nahen Skigebiet Nevis Range, wo wir mit der Seilbahn auf einen der Nachbarberge von Ben Nevis fuhren. Ganz billig war dieser Trip zwar nicht (GBP 6.50), aber man gönnte sich ja sonst nichts... 
 

Aufgrund des diesigen Wetters war der Talblick nicht ganz so toll wie erhofft, aber das störte uns nicht. Wieder im Tal angelangt, sahen wir uns in Spean Bridge noch eine Ausstellung an, bevor wir gegen Abend nach Fort William zurückkehrten. 
 

Am nächsten Tag stand unsere Weiterfahrt nach Skye bevor.

 

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