Wandern in Schottland - Trip 2004

 

Mein Trip durch Schottland
(23.08. - 03.09.2004)
 

Tag 3 (Mittwoch, 25.08.04: Stob Dearg und Buachaille Etive Mór)

Für den dritten Tag meines Aufenthalts hatte ich meine erste größere Tour ins Auge gefaßt. Nach einem Blick in den Lonely-Planet-Führer bot sich eine Wanderung durch das Buachaille Etive Mór, einem Hochmoor am Ostende des Glen Coe, an.

Als Distanz waren 10,5 Km, als Tourdauer 5 bis 6 Stunden angegeben. Das schien mir für den Anfang gerade richtig. Das Problem war nur, an den Ausgangspunkt der Tour zu gelangen. Zwar verkehren zwischen Glencoe Village und dem Rest der Welt Busse, dies allerdings nur ca. im 2-Stunden-Takt.

 


Blick über Loch Leven

Ich stand also um 6:45 Uhr auf, um nach einem kurzen Frühstück am Ufer des Loch Leven, während dessen ich die nächsten Auseinandersetzungen mit den Midges auszufechten hatte, um kurz nach 8 Uhr den Bus in Richtung Glasgow zu nehmen.


Stob Dearg, rechts im Hintergrund das Glen Coe
 
Zu dem schlechten Verbindungstakt kommt, daß man zwischen den vorgesehenen Stationen nicht aussteigen darf. Sich also nett an den Anfangspunkt der Tour, Langagarbh Cottage, kutschieren zu lassen und dort auszusteigen, war nicht möglich - der Busfahrer ließ sich auch nicht überzeugen, eine Ausnahme zu machen.

Also fuhr ich brav an meinem Ausgangspunkt vorbei, um ca. 5 Km weiter gegen 8:30 Uhr am Kingshouse Hotel auszusteigen und die 5 Kilometer bis Langagarbh zurückzulaufen.

Das machte mir nicht einmal viel aus. Es war ein herrlicher Morgen, ich war glücklich, endlich wieder schottische Landluft atmen zu können und wanderte guten Mutes zum Ausgangspunkt der Tour. Der Weg war mir noch von unserem Trip aus '99 bekannt, da auch der West-Highland-Way hier entlang führt. Nach ca. 75 Minuten war ich vor Ort und der Aufstieg zu Stob Dearg (1022 m) konnte beginnen. Auch wenn ich es zuerst nicht glauben wollte, führte der Weg nach oben tatsächlich schnurstracks die Bergflanke hinauf, von Serpentinen o.ä. keine Spur.

Man hatte das vermuten können, da man schon von unten eine Art Pfad sah, der sich dezent den Hang hinaufschlängelt; glauben mochte ich das aber erst, als ich mich mittendrin befand und der Weg steiler und steiler anstieg.

Aber eigentlich war alles halb so wild. Gut die Hälfte des Weges ist einigermaßen gut gehbar. Je höher man kommt, desto grober wird der Untergrund; zum Schluß bewegt man sich auf grobem Schotter bzw. Geröll, was körperlich einigermaßen anstrengend ist. Nach ca. 1,5 Stunden Aufstieg lugte ich über den Rand der Bergflanke und befand mich auf Coire na Tulaich.

 

Langagarbh Cottage & Stob Dearg

Den anstrengendsten Teil des Aufstiegs hat man hier hinter sich. Ich ruhte mich einen Moment aus, um zu essen und zu trinken. Allerdings blieb dies nicht lange angenehm, da sofort wieder Midges zum Angriff bliesen. Ich setzte meinen Weg zum Gipfel also fort und hatte ca. 45 Minuten später meinen ersten "Munro" (= Berge von mehr als 914 m Höhe) bezwungen. :-) Von dort aus eröffnete sich einem ein grandioser Ausblick in alle Richtungen: Im Westen sah man Loch Leven, im Nordosten das Blackwater Reservoir, im Osten übersah man das Rannoch Moor.


Blick nach Osten auf das Rannoch Moor

Blick zurück ins Tal auf Langagarbh
 

Blick nach Westen auf Stob nan Cabar und ins Glen Coe, im Hintergrund Loch Leven

Danach führte der Weg zurück über Coire na Tulaich ins Buachaille Etive Mór, das sich entlang des Bergkamms erstreckt.


Das östliche Ende des Glen Coe vom Gipfel des Stob Dearg

Stob na Doire, Stob Coire Altrum & Stob na Broige

Buachaille Etive Mór,
im Hintergrund das Blackwater Reservoir

Der Boden wurde dementsprechend schwer, aber die Aussicht entschädigte doch für einiges. Nachdem ich den Gipfel des Stob na Doire (1022 m) hinter mir gelassen hatte, beschloß ich gegen kurz nach 13 Uhr, den Abstieg zu beginnen. Ich hatte geplant, einen Bus zurück ins Glen Coe zu nehmen, der um kurz nach 17 Uhr von der Haltestelle "White Corries" abfahren sollte. Diese Haltestelle befand sich noch weiter entfernt als das Kingshouse Hotel, so daß ich erneut in Gegenrichtung des Glen Coe laufen und das Kingshouse Hotel dabei noch passieren mußte, um mich dann ca. 3 Km weiter  an der Haltestelle "White Corries" zu postieren.


Im Lairig Gartain



 


...Prinzessin oder nicht, das ist hier die Frage... ;-)

Da dies einige Zeit in Anspruch nehmen würde und ich auch nicht mehr allzu viel Proviant hatte, entschied ich mich, den Rückweg anzutreten. Dieser führte durch das Lairig Gartain über mitunter recht tiefen Boden zurück nach Langagarbh, wo ich um ca. 14:30 Uhr ankam.

Dort galt es erstmal, meine völlig verdreckten Schuhe einigermaßen sauber zu kratzen - mitunter war ich wirklich bis zum Knöchel im Morast versunken *slurp*.
Nachdem das erledigt war, lief ich zurück zur Haltestelle "White Corries", um dort auf den - für diesen Tag vorletzten - Bus nach Glencoe Village zu warten.

So stellte ich mich in Position und wartete. Der Bus kam dann auch bald, und ich lief an den Straßenrand, in der Erwartung, zusteigen zu dürfen. Allerdings interessierten meine Erwartungen den Busfahrer offenbar reichlich wenig. Auch wenn ich mich offensichtlich an der Haltestelle befand, fuhr der Bus weiter, ohne nur im entferntesten Anstalten zu machen, anzuhalten!

 


 

Das Kingshouse Hotel
 
Kurze Zusammenfassung: 

Ich war an diesem Tag also einmal sinnlos von Kingshouse nach Langagarbh gelaufen, am Nachmittag dann von Langagarbh zurück zum Kingshouse Hotel und von dort weiter zur Haltestelle White Corries, insgesamt also sicher 15 Km, um dort auf einen Bus zu warten, der schlicht nicht hielt.

Ich verstand die Welt nicht mehr.
 

Der Beginn meines "Leidenswegs"...
 
Wäre ich gleich vom Lairig Gartain aus ins Glen Coe gelaufen und nicht zu White Corries, wäre ich zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon fast wieder auf dem Campingplatz gewesen. Aber es half nichts, guter Rat war nun teuer.

Da ich nicht wußte, warum der Bus nicht gehalten hatte - später sagte man mir, man müsse durch Winken auf sich aufmerksam machen... - und ich nicht riskieren wollte, auch den letzten Bus des Tages, der drei Stunden später um 20:13 Uhr, also kurz vor Einbruch der Dunkelheit fahren sollte, entschied ich mich, in Richtung Glencoe Village zu laufen und dem letzten Bus am Glen Coe Visitor Centre, der letzten Haltestelle vor Glencoe Village, zuzusteigen. Allerdings war auch das ein ambitioniertes Ziel.
 


Kingshouse Hotel vom Gipfel des Stob Dearg, im Vordergrund die A 82

Ich brach um 17:30 Uhr auf, kurz nach 21 Uhr wurde es dunkel. Ich passierte also zum dritten Mal an diesem Tag das Kingshouse Hotel und Langagarbh. Außerdem hatte ich kein Wasser mehr und spürte langsam, daß ich meine Schuhe doch nicht so gründlich eingelaufen hatte, wie ich eigentlich dachte...


Das Glen Coe in der Abendsonne
Hinzu kam, daß der Fußweg, der ins Glen Coe führt, zunächst nicht einfach zu identifizieren war. Ein ganzes Stück lang lief ich mehr oder weniger auf der Straße. Mit Hilfe der Karte ließ sich dann ab dem Eingang zum Glen Coe rechts neben der A 82 so was wie ein "Weg" finden, der war allerdings morastig und schwer zu laufen, an diesem Tag sollte mir offenbar gar nichts erspart bleiben.

Aber die herannahende Dunkelheit und die Tatsache, daß ich keinerlei Ausrüstung dabei hatte, um im Glen Coe im Notfall "wild" zu campen - es befand sich ja alles auf dem Campingplatz, ich hatte nur das nötigste mitgenommen! -, trieben mich voran.

An den Parkplätzen im Glen Coe fragte ich mehrere Autofahrer, ob sie in Richtung Glencoe Village fuhren, allerdings durchweg ohne Erfolg. Auch mein Versuch, per Anhalter zu fahren, war nicht nur erfolglos, sondern an Straßen wie der A 82 sogar verboten, wie sich später herausstellte.

Ab Allt-na-reigh Cottage war die Zeit soweit fortgeschritten - mittlerweile war es 19:15 Uhr - , daß ich nur noch eine Chance hatte, den Bus am Visitor Centre zu erreichen, wenn ich mich etwas beeilte. Ich begann also mit Joggen. Gegen 20 Uhr passierte ich das Westende des Loch Achtriochtan , wo ein Auto mit englischem Kennzeichen parkte, an dem 2 Personen standen. Ich joggte zunächst grüßend an beiden vorbei, als sie fragten, ob ich denn einen Bus zu erreichen hätte. Ich bejahte das natürlich. Es stellte sich heraus, daß beide deutsche Touristen waren, die im Glen Coe Youth Hostel wohnten. Sie erklärten sich bereit, mich bis zur Haltestelle zu fahren, letztlich fuhren sie mich sogar bis zum Campingplatz und versorgten mich zu allem Überfluß auch noch mit Wasser. Hierfür noch mal vielen Dank!

Ich erreichte letztlich also doch noch den Zeltplatz und gönnte mir erstmal eine Dusche und ein Guinness. Nach einem Blick auf meine Füße, die schon recht geschwollen und mitgenommen aussahen, war mir klar, daß der folgende Tag ein "Day off" werden würde - ich hatte also schon nach der ersten Wanderung dringend eine Pause nötig, was so eigentlich nicht geplant war...

Die Lektion des Tages war aber: Wer in Schottland an einer Bushaltestelle wartet und von einem herannahenden Bus mitgenommen werden möchte, sollte sich - auch wenn er/sie sich an der weit und breit einzigen Bushaltestelle befindet - auf den Kopf stellen und mit den Ohren wackeln oder sonstwie auf sich aufmerksam machen, sonst fährt der Bus eventuell weiter...

 

® Fortsetzung...
 


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Letzte Änderung: 21.10.2005 22:29:42