Mein Trip durch Schottland
(23.08. - 03.09.2004)
Tag 6 (Samstag, 28.08.04: Glencoe Village ® Fort William)
In der Nacht regnete es erneut, so daß man nicht wirklich Erholung finden konnte. Zu allem Überfluß stellte sich nach dem Frühstück heraus, daß sich die Batterien meiner Digicam nicht laden ließen.
Die Inhaberin des Invercoe-Kiosks erklärte sich - gegen eine kleine Spende zu wohltätigen Zwecken - bereit, das Ladegerät anzuschließen, alle Versuche blieben jedoch ohne Erfolg. Von da an verblieben mir für den Rest meines Aufenthalts nur 1,5 Akkus, es hieß also Energie sparen...
Einsamer Sonnenstrahl im Glen Nevis...Vor meiner Abreise nach Fort William um 12:30 Uhr wusch ich nochmal eine Maschine Wäsche, weil ich nicht wußte, wie der Campingplatz im Glen Nevis ausgestattet sein würde. Wir waren zwar auch an diesem 1999 vorbeigelaufen, mehr aber eben auch nicht. Auffallend war, daß Midgeaktivität seit den ergiebigen Regenfällen von vor 2 Tagen kaum noch festzustellen war.
Ob es denen wohl langsam zu kalt wurde? Mich störte es nicht.. :-) Ich baute also mein Zelt ab und fuhr mit dem Bus weiter nach Fort William, wo ich kurz nach 13 Uhr ankam. Ich erinnerte mich nicht mehr genau, wie man von der Busstation zum Campingplatz kommt und mußte erstmal im Tourist Office fragen. Schon als das Stichwort "Belford Road" fiel, war ich wieder einigermaßen im Bilde. 45 Minuten Fußmarsch und ich war da (Preis pro Nacht: GBP 6,20).
Der "Glen Nevis Caravan & Camping Park"Der Platz selbst ist sehr groß und in weitere kleinere Areale unterteilt, u.a. auch einige, die ausschließlich für Backpacker vorgesehen sind.
Auf den sonstigen Grounds mischen sich Backpacker mit "normalen" Campern, so daß es sein kann, daß man dort zwischen Autos zelten muß. Die Qualität der Pitches ließ größtenteils zu wünschen übrig, ebene Pitches gab es außerdem so gut wie gar nicht.
Hinzu kam, daß die Regenfälle der letzten Tage auch hier ihre Spuren hinterlassen hatten. Überall stand das Wasser. Zudem gab es keine Möglichkeit, sich in der Nähe einer Hecke o.ä. niederzulassen, was sich ja vor 2 Tagen als sehr nützlich erwiesen hatte.
Ich brauchte also einige Zeit, bis ich einen wenigstens einigermaßen zumutbaren Platz fand und baute auf. Ganz wohl war mir zwar nach meinen jüngsten Erfahrungen mit den schottischen Winden mitten auf diesem Platz nicht, aber es gab keine bessere Möglichkeit.
Auffällig war, daß auch hier nicht mehr allzu viele Backpacker unterwegs waren.
Es gab ein paar Briten, die hier an diesem Wochenende offensichtlich einen über den Durst trinken wollten, ansonsten noch ein deutsches Pärchen und zwei deutsche Mädels aus Essen in direkter Nachbarschaft zu mir.
Letztere erzählten mir, sie hätten ursprünglich den West-Highland-Way wandern wollen, diese Aufgabe aber unterschätzt und die Tour abgebrochen. Anstatt dessen spielten sie jetzt mit dem Gedanken, Ben Nevis zu besteigen...
Mein Zeltplatz, Ben Nevis im HintergrundNach dem Aufbau machte ich mich nochmal auf nach Fort William, um ein paar Einkäufe zu tätigen. An der Busstation gibt es einen riesigen Saveway's, wo ich endlich auch Teelichte erstehen konnte.
Auch am Süßigkeitenregal konnte ich erneut nicht vorbeigehen, diesmal traf es Fruit Crumpets - auch sehr lecker!
Auch SPAM, das englische Dosenfleisch, von dem die ungewünschten eMails ihren Namen haben, nahm ich mit. Nettes Souvenir für alle Daheimgebliebenen! :-)
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Am nächsten Tag wollte ich dann den Aufstieg zu Ben Nevis wagen. Laut Lonely Planet gab es hierfür 2 Möglichkeiten: Entweder den direkten Aufstieg, sozusagen den Touristenpfad oder eine Alternative, eine Art Rundweg über zwei weitere Gipfel (die sog. "Carn Mhor Dearg Arrête"-Variante). Letztere Möglichkeit wird als landschaftlich sehr reizvoll, dafür aber auch schwierig (Ranking: "hard") beschrieben.
Bei schlechtem Wetter kam diese Möglichkeit daher von vornherein nicht Betracht, unter diesen Bedingungen schien schon der "reguläre" Aufstieg gefährlich genug zu sein.Ich laß immer wieder über die "tückischen Gullys", die neben dem Weg steil abfallen sollten, über die Opfer, die Ben Nevis in jedem Jahr fordert etc. Letztlich wollte ich meine Entscheidung, welchen Weg ich wählen würde, dem Wetter des kommenden Tages entsprechend treffen. Der Forecast verhieß nichts Gutes, es war mit niedrigen Wolken und Regen zu rechnen. Das sprach deutlich für die Touri-Route...
Für später am Abend hatte ich mich noch mit Manuela und Christian, den beiden deutschen Touristen aus dem Lost Valley verabredet.
Beide waren auch nach Fort William weitergefahren und hatten sich schon heute an Ben Nevis versucht. Allerdings hatten sich die Wetterbedingungen unterwegs so rapide verschlechtert, daß sie umgekehrt waren. Sie erzählten auch von "Wanderern", die sich in kurzen Hosen und Turnschuhen auf den Weg gemacht hätten. Ich konnte es kaum glauben, sollte aber selbst noch ausreichend Gelegenheit haben, mir solche Spezialisten anzusehen.Nach unserem Pubtrip am Abend stand mir der Heimmarsch zum Platz bevor. Manuela und Christian hatten sich in einem Youth Hostel eingebucht, so daß ihnen meine Probleme erspart blieben. Zwischenzeitlich hatte es - wen wundert es - wieder heftig zu regnen begonnen, so daß ich schon sehr gespannt darauf war, in welchem Zustand sich meine Sachen wohl befinden würden. Ich rechnete mit dem schlimmsten... Glücklicherweise fuhren mich die beiden bis zum Campingplatz, wenigstens der Marsch und die entsprechenden nassen Klamotten blieben mir - vorerst - erspart.
Nach meiner Ankunft stellte sich heraus, daß alles halb so wild war. Zwar regnete es noch immer Bindfäden, offenbar war der Boden auf diesem Platz aber aufnahmefähiger als der in Glencoe Village. Ich hatte vorher befürchtet, daß die Niederschläge wegen des Gefälles, inmitten dessen ich mich eingerichtet hatte, direkt um das Zelt herum abgeleitet würden, aber das war nicht der Fall. Es war alles trocken, sogar der Zeltboden war nicht wesentlich naß. Ich konnte also beruhigt abmatten und dem nächsten Morgen entgegensehen.
Tag 7 (Sonntag, 29.08.04: Ben Nevis)Nach einer regnerischen und unruhigen Nacht (...den benachbarten Mädels war dem nächtlichen Geschrei zufolge wohl das Zelt umgeweht worden...:-P) begann der Sonntag natürlich alles andere als sonnig. Ich stand um 6:45 Uhr auf, um nach einem ausgiebigen Frühstück den Aufstieg zu beginnen. Der Wetterbericht des Tages stellte mittlerweile "strong showers" und entsprechende Winde in Aussicht, so daß die Route Carn Mhor Dearg Arrête definitiv ausschied.
Ich brach also kurz nach 8 Uhr auf. Nach ein paar Metern talaufwärts zweigt links gegenüber dem SYHA-Hostel der Weg zu Ben Nevis ab.
Zunächst führt er über eine Holzbrücke über den River Nevis, bevor er sich stetig bergan schlängelte. Der Weg ist teilweise mit groben Steinen befestigt, woraus sich eine Art "Kopfsteinpflaster" ergibt, auf dem zu laufen zwar nicht immer einfach ist, das aber sehr hilfreich ist, wenn der Weg - wie so häufig - gleichzeitig das "Bett" für das zu Tal laufende Wasser bildet.Unterwegs traf ich einen Wanderer, der sich schon kurz nach 8 Uhr wieder auf dem Abstieg befand und der erklärte, seine Arbeit des Tages erledigt zu haben. Respekt, ich konnte mir nicht vorstellen, wann er losgegangen sein mußte...
Der Weg führt einige Zeit bergauf, bis er nach ca. 1 Stunde ein Hochplateau erreicht, auf dem sich ein See gebildet hat. War der Weg bis dahin einigermaßen gangbar, wurde er von hier ab deutlich steiler und schwieriger.
Außerdem wurde das Wetter zunehmend schlechter. War es zunächst noch akzeptabel gewesen, dauerte es nicht lange, bis der erste heftige Regenguß niederging. Zudem wurde es natürlich mit steigender Höhe zunehmend kälter. Ich hatte mich von Anfang an mit Regenhose und Überschuhen (...bzw. dem, was nach dem Trip ins Lost Valley noch davon übrig war...) ausgestattet und dem Rucksack eine Regenhülle verpaßt.
Das Hochplateau
Videoclip vom Aufstieg (833 KB, mit DivX 5.2 codiert; abspielbar z.B. mit der Freeware FFDShow)
Blick zurück ins Tal...Dies half zwar zunächst noch, allerdings wurde das Wetter schlechter und schlechter, insbesondere der eiskalte Wind, der einem permanent ins Gesicht blies, war alles andere als angenehm.
Etwas oberhalb des Plateaus war ein etwas breiterer Bach zu überqueren, danach versank der Weg langsam aber sicher im Nebel.
War bis dahin noch ein Blick ins Tal möglich, lief man von nun an völlig in den Wolken.
Kurze Zeit später traf auch ich hier tatsächlich einen Wanderer in kurzen Hosen, der, nur mit dünnem Jäckchen und Turnschuhen bekleidet, auf dem Rückweg war. Er hatte nur eine Plastiktüte dabei, schlotterte vor Kälte, schien aber tapfer durchzuhalten.
Zwischendurch gingen immer wieder heftigste Regenschauer nieder. Zudem war der Weg oftmals nicht eindeutig zu identifizieren. Man bewegte sich in einer vernebelten Mondlandschaft, in der sich teilweise nur vage ein Pfad ausmachen ließ und war den Naturgewalten völlig ausgeliefert.
Der schmerzfreie Schotte..
In der Nähe des Gipfels...Zu Orientierungszwecken hat man dort entlang des Weges große Steinhaufen ("Cairns") aufgeschichtet, die man als Anhaltspunkt nehmen konnte. Das funktionierte auch wirklich sehr gut.
Wer nicht weiter weiß und vom Weg abgekommen ist, muß einfach zum nächsten Cairn laufen, in dessen unmittelbarer Nähe befindet sich der Weg.
Vorbei an den berüchtigten "Gullys" schlängelte sich der Weg steil bergauf, bis nach ca. 3,5 Stunden Aufstieg die Ruinen der ehemaligen Sternwarte in Sichtweite - also ca. 10 m - kamen.
Um 11:40 Uhr war der Aufstieg vollbracht. Viel zu sehen gibt es dort oben unter diesen Wetterbedingungen allerdings nicht.
Man bewegte sich noch immer inmitten von Nebel auf einer großen Schotterfläche, von der sich neben den Ruinen des Observatoriums nur eine Schutzhütte erhebt.
Einer der berüchtigten "Gullys"..
Videoclip vom Gipfel (963 KB, mit DivX 5.2 codiert; abspielbar z.B. mit der Freeware FFDShow)
Die Reste der SternwarteNach ein paar Fotos und einem kurzen Päuschen machte ich mich daher 10 Minuten später wieder auf den Rückweg; es war dort oben einfach deutlich zu kalt und ungemütlich. Vor allem natürlich mit nassen Klamotten, wie ich sie anhatte...
Während des Abstiegs boten sich mehrfach - im schnellen Wechselspiel der Wetterlagen - grandiose Aussichten ins Tal.
Oftmals zog es dabei so schnell wieder zu , daß ich nicht einmal rechtzeitig die Kamera herausholen konnte.
Gott sei Dank hatte ich genug Wasser und Proviant dabei. Auch wenn es einem unter diesen Bedingungen nicht direkt auffällt, wenn man abbaut, so geht es doch nach einer kurzen Pause mit Banane und Flüssigkeitsaufnahme deutlich flüssiger voran.
Die Schutzhütte
Am Ende des Abstiegs wurde es sogar noch richtig sonnig und ich konnte Jacke und Regenhose ausziehen und diese schon unterwegs etwas trocknen lassen.
Gegen 14:30 Uhr war ich zurück auf dem Campingplatz.
Nachdem man zwischenzeitlich sogar einen freien Blick auf den Gipfel von Ben Nevis hatte, zog es kurz nach meiner Rückkehr schon wieder zu und begann zu regnen.
Das interessierte mich aber nicht mehr sonderlich, schließlich hatte ich mein Tagesziel erreicht. Ich aß erstmal ausgiebig und machte mich dann daran, meine Klamotten zu säubern bzw. zu trocknen. Auch dieser Campingplatz verfügt über Waschmaschinen und Trockner, so daß beides kein Problem war.
Am kommenden Tag wollte ich dann mit dem Bus weiter auf die Insel Skye fahren. Pünktlich sollte auch ab Dienstag das Wetter besser werden - das waren ja gute Aussichten!
Blick auf Ben Nevis nach meiner RückkehrIch dachte zunächst an, mich nach Errichten des "Basecamps" auf dem altbekannten Campingplatz in Staffin, zuerst mit dem Old Man of Storr zu befassen, den ich beim letzten Trip ja nur von der Straße aus gesehen hatte. Von dort aus wollte ich den im Lonely Planet beschriebenen 22,5 Km langen Ridgewalk zum Quiraing laufen und von dort aus zurück zum Campingplatz laufen. Mit dem Quiraing wollte ich mich dann am darauffolgenden Tag intensiver befassen.