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FORCE ATTACK 2000
(verregnet, versoffen, verkatert)

Die Organisation zur Fahrt zum Force Attack war, wie sollte es auch anders sein, ein einziges Chaos. Natürlich wusste keiner am Tag vor der geplanten Abfahrt, ob und mit welchen Auto wir fahren würden, aber egal; letztendlich haben wir es doch noch gepackt und fuhren zu acht verteilt auf zwei Mietwagen (Punkrock !!!) per billigeren Wochenendtarif gen Küste. Schliesslich verlockte das Bandaufgebot allemal (Rantanplan, Fluchtweg, W$K, Baffdecks, Scattergun). Und Bier sowieso. Da der Punkrock-Gott anscheinend nichts besseres zu tun hatte, als am Freitag (28.07.) seine Schleusen zu öffnen, war die (gute) Laune natürlich ziemlich abgeflacht, aber dieser Zustand ließ sich mit dem einen oder anderen alkoholischen Getränk genüsslich verbessern bzw. verdrängen. Die Autofahrt gestaltete sich als ziemlich gesellig, hatten wir doch einen der schlechtesten Fahrer dieses Universums am Steuer - oder besser, den navigationslosesten. Zuerst auf dem Autobahnring Berlin in die falsche Richtung gesteuert, was aber aufgrund modernster Kommunikationstechnologie per Handy mit dem Zweitfahrer korrigiert werden konnte. Auf der hinteren Sitzbank wurde bereits nach den ersten Kilometern der Magen mittels eines Apfelkorns auf das intensive Wochenende ausgerichtet ... In Küstennähe angekommen, bot sich ein grauseliges Bild dem sonnengetränkten Auge - es regnete aus Eimern und die gesamte Dresden-Crew wurde dementsprechend naturgeduscht. Aber was soll's, der Zustand ließ sich nicht korrigieren und so errichteten wir in einem Moment der regenmässigen Unachtsamkeit (auf gut deutsch: bei nachlassenden Regen) unser kleines, bescheidenes Reich, im allgemeinen auch Zelt genannt. Nach getaner Arbeit wurden einige Bierchen geköpft und das Miet(!)auto sogleich dreckmässig eingesaut. Später gesellte sich zu dem anfänglichen Dreck noch Schlamm, Milch aus einem umgefallenen Tetra-Pak, zerlaufene Kaugummis, der Inhalt mehrerer Bierdosen usw. Antikörper hatten leider schon gespielt gehabt, Zaunpfahl gottseidank auch schon. Das Problem an diesem ersten von drei Abenden war, dass die grosse Bühne irgendwie durch den stundenlangen Dauerregen abgesackt war, und somit alle Bands, die eigentlich draussen spielen sollten, ins Festzelt verlagert wurden. Der Zeitplan war sowieso durcheinandergewirbelt und das Chaos perfekt. Dennoch konnte ich mir die letzten 4 Stücke von den genialen Scattergun ansehen bzw. -hören. Haben wie immer genialst abgerockt (öhm). Geil. Natürlich war das Zelt brechend voll und so warteten wir auf den letzten Auftritt der Skeptiker aus Berlin. Ist vielleicht ganz gut, dass sie sich auflösen, aber jeder sollte sich da sein eigenes Urteil bilden. Die Meute war absolut zweigeteilt, während die eine Hälfte mit Bierdosen warf (und das sicher nicht aus Sympathiegründen ...), pogte die andere Hälfte. War nett, aber nach 10 Stücken hatte ich auch keinen Bock mehr und zog es vor, zum Zelt zurückzukehren. Is ja irgendwie immer dasselbe ("Strassenkampf" & wichtig ist der "Widerstand", alles klar Eugen ... gähn) und Die Skeptiker habe ich weiss gott etliche Male live gesehen und bin ganz einfach übersättigt. Zwischendurch und davor oder danach spielten noch peinliche Mannen wie The Crushing Caspars und Dritte Wahl. Im Laufe des Abends erhöhte sich natürlich der Alkoholgehalt und ich zog es vor, einige Leute, die ich beim Festival treffen wollte, aufzusuchen. Man muss sich schliesslich profilieren, gelle ? In dem Stand eines Braunschweiger Plattenladens wurde HöhNIE erspäht, mit dem ich dann ein wenig plauschte. Im Laufe des Gesprächs bemerkte ich eine mir vom Foto bekannte Person, nämlich Fotzkopf von Blasenschwäche. Grüsse nach Schwaben, ihr lustigen Zecken ... Deren Sängerin Schlampe schwirrte auch herum und so schepperten auch hier die Bierdosen. Sind schon ziemlich kultige Gestalten, die Beiden. Nichtsdestotrotz, mein Magen machte sich bemerkbar und infolgedessen verschlang ich erst einmal drei Rostbratwürste. Leckerli. Anschliessend ging es zurück zum Zelt, um eine Stunde später Richtung Oxymoron aufzubrechen. Wollte ich ja schon immer mal live erlebt haben, die Oi-Punk-Stars aus Franken. Ich persönlich fand das Ganze zu metallisch und irgendwie langweilig. Robi hatte auch schon das eine oder andere Bier intus, so dass eine verbale Kommunikation unmöglich war. Dann ging es aber endlich ins "Bett". Am nächsten Tag dann gegen 10:30 aufgewacht, natürlich mit ein wenig Dickschädel. Gehört nun aber leider zum Saufen dazu. Dann ersteinmal etwas gegessen und rumgehangen. Gegen 13:00 kam dann Maik vom Frühschoppen zurück, lustig artikulierend und schon mächtig angeschwipst. Nach 5 weiteren Bieren konnte man Maik als menschlische Zeitbombe abhaken. Die erste Band am zweiten Festivaltag waren dann die Fünf kleinen Jägermeister, eine Tote Hosen - Coverband. Brrr. Hatte keine Lust, hinzugehen und meine Kraft beim Bierdosenwerfen zu vergeuden. Anschliessend dann The Pig must die (keine Ahnung, hab ich nichts mitbekommen) und Full Speed Ahead, Polit-Hardcore aus Leipzig für die Schlägerprolls. Naja, wer es unbedingt braucht. 17:30 dann Baffdecks aus Karlsruhe, die nicht wirklich toll waren. Ich persönlich hatte mir ein wenig mehr versprochen, so war es eben "nur" ein guter Auftritt. Hardcore-Punk-Brett eben. Danach wiederum Bier-Auszeit und halb Neun war es endlich soweit: Rantanplan auf der Hauptbühne. Geil war's, feiner Ska-Punk wurde dem Gehör indiziert und die bekannten Lieder ihrer göttlichen Alben mächtig abgetanzt und -gefeiert. Beste Festivalband. Anschliessend dann Die Schnitter (Folk-Punk) und einige andere Bands, bis schliesslich der Headliner des Festivals, The Exploited, zum Pogo für die willige Assimeute bat. Selbstdarsteller Wattie und seine Mannen spielten die bekannten Pseudo-Hymnen "Dead Cities", "Let's start a war" usw. Hat mich nicht im geringsten interessiert und so bin ich lieber Bier holen gegangen; in Hinblick auf den bevorstehenden Fluchtweg - Auftritt. Dieser war dann auch klasse, ich hatte auch nichts gegenteiliges erwartet. Im Repertoire natürlich alle Klassiker & Kulthits ("Tequillamond", "Das Traumschiff", "Arbeitsscheue Ostler"). Ich vermisste aber die Stücke der in Hommage an Die Ärzte veröffentlichten CD "Le Figur". Trotzdem geil. Anschliessend noch ein nettes & langes Gespräch mit dem Besitzer des Braunschweiger Plattenladens und Wishmopper (R.I.P.) - Bandmitglieds geführt. Über Dresden, das Leben, Bier und - Knorkator, die währenddessen die Bühne & unsere Gehöre malträtierten. Ich kann wirklich nicht behaupten, dass ich einen Kotzreiz verspürte, als ich mir das ganze Spektakel angesehen habe. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich die einwandfreie Show der Berliner Assis als schlecht empfunden hätte. Was die drei aber auf einem Punkfestival zu suchen hatten, kann ich beileibe nicht nachvollziehen. Obwohl, Publikum und Band passten schon gut zusammen. Zuguterletzt spielten noch die kultigen S.U.F.F. mit 6 Sängern (!!). Sind, glaube ich, der Leipziger Antifaszene zuordbar. Aber lustig war's allemal. Danach habe ich mir dann im/am/unterm/neben/auf'n ? Zelt noch den finalen Alki-Kopfschuss verpasst, so dass ich letztendlich gegen halb vier in den Schlafsack schlüpfte. Am Sonntag dann gegen 13:00 erwacht, obligatorisch mit einem hämmernden Kopf, aber das ging ziemlich schnell vorbei. Eine Stunde später schon wieder begonnen, Dosenbier zu trinken, was sich dann in meiner Laune widerspiegelte. Es müssten dann am Sonntag bestimmt 12-15 Bier gewesen sein, die ich meinem Magen qualvoll einflößte. Die erste Band des Tages sollten dann Die Dödelhaie sein, die ich natürlich kritisch beäugte. Auf jeden Fall waren die vier Duisburger publikumsnaher als alle anderen Bands, denn es wurde lecker Dosenbier verschenkt. So gewinnt man die Gunst der Zuhörer. Die Stimme von Andi ist eigentlich auch ganz kultig, nur das Liederrepertoire ließ teilweise zu wünschen übrig. Und die Ansagen, würg. "Brenn Bulle, Brenn". Brrr. Aber egal, "The Story of Punkrock" wurde auch noch gespielt und ich war zufrieden. Danach dann No Exit aus Berlin, aber bin lieber Bier nachholen gegangen, durch die obligatorische und taktisch günstig gelegene Lücke im Zaun. Gegen 19:00 betraten dann die Wohlstandskinder die Hauptbühne und begeisterten mich von Anfang an. Feiner Teenie-Pop-Punk ohne Schnörkel, aber mit Humor. Mein Lieblingsliedchen "Roter Luftballon" ertönte zudem und so gewannen die vier sympathischen Rheinländer meine Gunst. Als nächste Band schaute ich mir Dog Food Five an, die nicht ohne Grund den Ruf als trashigste Punk n'Roll - Band Deutschlands besitzen. Klasse, hat mir gefallen. Danach dann Hass auf der Mainstage und das Signal zum Flüchten schaltete natürlich unweigerlich auf Grün. "Gebt der Meute, was sie braucht". Bloss gut, dass ich mit dieser Meute nix am Hut habe/hatte. Totale D-Punk-kacke für Parolenprolos. Spitfire aus St.Petersburg dann leider verpasst, aber es galt noch persönliches, bestimmt wichtigeres, zu klären. Sollen aber wieder der Hammer gewesen sein, die Russen-Skaster. Ich glaube, danach ging es mit mir ungebremst dem Totalausfall entgegen, sprich, der Alkoholpegel erhöhte sich auf ein peinliches Übermaß. Huiuiui, Bier rules. Terrorgruppe waren gut wie immer und Die Kassierer sowieso. Wolfgang Wölli mit kultiger Schlüpfer & nackten Körper. Nur Nikolaj Sonnenscheisse's Kackwurst wollte nicht kommen. Ansonsten Assifaktor². Von "Ausserirdischer, wo befindet sich dein After", "Besoffen sein" oder "Älterer Herr" bis hin zu anderen PC-tauglichen Stücken wie "Blumenkohl am Pillemann" und "Kein Geld für Bier". Aber auch diverse Sketcheinlagen wie Eimer-auf'm-Kopf wussten zu überzeugen. Ganz klar der Gewinner dieses Festivaltages ... "Ich bin Frauenarzt, weil ich Fotzenfan bin" und - damit das Lied nicht sexistisch wirkt, als Abschlussrefrain: "Ich bin Urologe, weil ich Pimmelfan bin" ... Im Zelt wurde es dann ganz peinlich von meiner Seite aus; aber darüber den Mantel des Schweigens. Die Rückfahrt verlief ganz gut, so dass wir wohlbehalten in Dresden ankamen. Fazit: nicht ganz so kultig wie letztes Jahr, natürlich auch wetterbedingt; ähnliche Highlights wie beim 99er Festival (Rasta Knast, Bambix & Scattergun) waren rar gesäht. Sowas in der Richtung Turbonegro oder Misfits ... War trotzdem ganz nett.

Meine Force Attack Top 5:
1. Rantanplan
2. Die Kassierer
3. S.U.F.F.
4. Wohlstandskinder
5.1. Fluchtweg
5.2. Maik besoffen