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Der Krebsmann
Man kann in ihm nicht wie in einem offenen Buch lesen, denn er zeigt Fremden eine undurchsichtige Seite. Er trägt sich sogar mit Geheimnissen, die er nie enthüllt, nicht einmal dem engsten Freund.
Er ist ruhelos, neigt zum Brüten, ist ein Idealist und ein sehr sentimentaler Träumer. Da er vom zunehmenden und abnehmenden Mond beherrscht wird, erlebt er gefühlsmäßig wunderbare Höhen und abgründige Tiefen, und er hat die Fähigkeit, andere Menschen in die eine oder andere Richtung mitzuziehen. Bei der ersten Begegnung erscheint er vielleicht aufgeräumt und zum Flirten geneigt, aber das ist nur eine seiner Stimmungen. Bei der nächsten kann er finster und unfreundlich sein. Man weiß nie so recht, woran man bei ihm ist. Selbst wenn man ihn näher kennt, wird man durch seine wechselnden Stimmungen verwirrt. Vielleicht flammt er plötzlich jähzornig auf. Doch wenn man nicht darauf eingeht, entschuldigt er sich zerknirscht.
Er mag an die Frauenbefreiung glauben, aber seine Natur zwingt ihn, sich dem schwachen Geschlecht gegenüber als Beschützer zu fühlen. Er ist höflich und galant, ein Charmeur der alten Schule.
Er liebt die Gesellschaft schöner Frauen, besonders wenn sie geistreiche Gesprächspartnerinnen sind. Wer nicht? fragt man da, aber der Unterschied besteht darin, daß auch der Krebsmann auf solche Frauen sehr anziehend wirkt. Doch wenn er sie umworben und erobert hat, wird er bald possessiv. Die Geliebte wird es schwer haben, seinen Erwartungen zu entsprechen, denn er erwartet viel zuviel. Die Lage wird dadurch erschwert, daß der Krebsmann dazu neigt, zu schmollen und sich in seine Schale zurückzuziehen, wenn er enttäuscht ist, anstatt offen zu sagen, was ihm paßt.
Er genießt Speis und Trank, aber man glaube ja nicht, daß er sich dem Anlaß entsprechend anzieht. Um Kleidung kümmert er sich nicht. Er trägt immer noch seinen alten Pullover und die Tennishosen aus seiner Studentenzeit, die ihm um den Bauch herum etwas eng geworden sind. Der Krebsmann hat nichts von einem Pfau.
Er unterhält sich gern und ist oft recht beredsam. Mit Worten kann er andere dazu bringen, ihm überallhin zu folgen und alles zu tun, was er verlangt. Bei Diskussionen kommt ihm sein unglaublich gutes Gedächtnis zustatten. Er hegt feste Ansichten, und alles geht gut, solange man ihm nicht widerspricht. Ist man anderer Meinung, so läßt er nicht locker, bis er den Gegner überzeugt hat. Wenn er an seinen Sieg nicht so recht glaubt, nimmt er die Diskussion bei nächster Gelegenheit wieder auf und bomardiert den andern mit weiteren Argumenten. Die Debatte endet erst, wenn man klein beigibt, sei es auch nur um des lieben Friedens willen.
Er kann aber ebenso gut zuhören. Dann ist er ganz Ohr. Er fühlt zutiefst mit und ist stets bereit, dem andern bei der Lösung eines Problems zu helfen.
Sein scharfer, analytischer Verstand entwirrt den verwickelsten Knoten. Er versteht sich auf Geldfragen. Schneller als eine Eidechse die Fliege erspäht er eine Gelegenheit zum Geldverdienen. Aber er interessiert sich nur für die konservative, konventionelle Methode. Auf ein Risiko läßt er sich nicht ein.
Er ist empfindsam, unsicher und sentimental, trennt sich ungern von alten Freunden, alten Gewohnheiten oder einem Ort, der ihm zur vertrauten Umgebung geworden ist. Eine Freundschaft hält bei ihm das ganze Leben lang.
Er kommt sogar gern mit seinen ehemaligen Schulkameraden zusammen, auch wenn er mit ihnen nichts mehr gemeinsam hat. Er scheut und fürchtet Veränderungen in seinem Lebensstil. Er hängt an Erinnerungen, stellt überall in der Wohnung Familienbilder auf und bewahrt Andenken. Er grübelt über vergangene Zeiten und klammert sich hartnäckig an die Vergangenheit.
Er braucht ständig die Bestätigung, daß man ihn liebt.
Man suche bei diesem Mann keine leichte Episode. Dazu nimmt er die Liebe viel zu ernst. Er verlangt von der Geliebten geistige und körperliche Anregung in ungefähr gleichem Maße. Da er selbst unbedingt treu ist, verlangt er auch unbedingte Treue. Er glaubt an die immerwährende Liebe von jener Art, die alle Stürme übersteht und nicht zu erschüttern ist. Das ist sein Rezept für den Seelenfrieden.
Er ist kein Springinsfeld. Heim und Herd bieten ihm die größten Freuden. er findet, daß die Verträglichkeit im Heim beginnt und die Zufriedenheit im eigenen Garten wächst. Aber er neigt zu einer Selbstgefälligkeit, die an Überheblichkeit grenzt und ihn nur den Splitter im Auge des andern sehen läßt, nicht aber den Balken im eigenen.
Der Krebsmann sucht eine langwährende oder dauernde Beziehung zu einer Frau. Wenn es doch zum Bruch kommt, kann er bald eine neue Liebe finden, denn er hat die Fähigkeit, sich schnell anzuschließen. Wer aber sein Herz wirklich gewonnen hat, wird nie vergessen werden, was auch geschehen mag.
Er ist ein kompliziertes Wesen, dessen wechselnde Stimmungen das Leben mit ihm alles andere als leicht machen - auch alles andere als langweilig. Seine beharrliche Zielstrebigkeit ist ein gutes Omen für Erfolg, sein Einfühlungsvermögen und seine Intelligenz prädestinieren ihn zu führenden Rollen in Politik, Literatur und Geschäftsleben.
In Vollmondnächten mehme man sich vor ihm in acht.
Das Sexleben des Krebsmannes
Er braucht fortwährend Ermutigung. Wird sie ihm zuteil, so ist er ein wunderbarer Liebhaber. Er spielt gern die Rolle des Lehrmeisters, und eine Frau handelt klug, wenn sie ihn glaubenläßt, er weihe in die wahren Geheimnisse des Liebeslebens ein. er wird sie Schritt für Schritt einführen, ihr erklären, was und warum er es tut, und was sie tun soll. Man unterbreche ihn bloß nicht mit der Bemerkung, das alles schon zu kennen und praktiziert zu haben; er würde sich sofort in seinen Panzer zurückziehen, und vielleicht nur noch von all den wundervollen Dingen träumen, die gemeinsam hätten erlebt werden können.
Er ist sowohl geduldig als auch draufgängerisch, und es dürfte nicht leicht sein, eine solche Kombination nochmals zu finden. Vom ersten geflüsterten Vorschlag an weiß er genau, wohin er strebt, auch wenn er einen Umweg einschlägt. Man lasse sich von ihm führen - der Ausflug lohnt sich. Eine Reise ist ja oft ebenso schön wie die Ankunft.
Zu Beginn einer Liebesbeziehung muß alles Derbe und Vulgäre vermieden werden. Er möchte seine Partnerin idealisieren, und jegliches Aus-der-Rolle-Fallen -mag es auch im Moment erregend wirken - untergräbt die Aussicht auf eine langdauernde sexuelle Beziehung. Mit der Zeit wird er realistischer und akzeptiert Dinge, die seine konventionelle Natur zuerst schockieren. Aber vor einer plötzlichen Rückkehr zu seiner angeborenen Überempfindlichkeit muß man stets auf der Hut sein. Wenn er gefühllos behandelt wird, flüchtet er sich in sein Schneckenhaus.
Beim Vorspiel geht er ungezwungen und sicher vor, denn es liegt ihm ebensosehr daran, die Frau glücklich zu machen, wie sein eigenes Bedürfnis zu befriedigen. Im Gegensatz zu den Männern, die meinen, sexuelle Verachtung im Bett sei ein Beweis von Männlichkeit, hat der Krebsmann die überaus wichtige Einfühlsamkeit in Stimmungen, die den wahren Liebeskünstler kennzeichnet.
Er beginnt den Liebesakt gern an einem anderen Ort als im Bett. Vielleicht legt er seine Gespielin behutsam auf einen Tisch und geht allmählich vom manuellen Vorspiel zum subtilen Peniskontakt über. Während die Geliebte den Augenblick der Erfüllung herbeisehnt, nimmt er sie plötzlich in die Arme und trägt sie zum Bett.
Er ist ein Experte im Spiel mit der Klitoris. Für diese Technik beim Vorspiel hat er eine besondere Begabung. Er benutzt lieber die Finger als die Zunge, aber seine Fingerspitzen sind geradezu magisch sensibel.
Zu seinen bevorzugten Techniken gehört es, den Penis zwischen den Brüsten seiner Partnerin zu reiben und zwar so nahe an ihrem Mund, daß sie mit der Zunge über die Penisspitze fahren kann. Die Kombination von Brüsten und Zunge steigert seine Lust - und die seiner Partnerin.
Sein außergewöhnliches Gedächtnis kommt dem Krebsmann auch in der Liebe zugute. Er erinnert sich an alles, womit er eine Frau jemals zur Leidenschaft angestachelt hat. Er genießt die Befriedigung zu wissen, daß er sie zu beglücken vermag. Er rettet alle seine Jugenderfahrungen ins Erwachsenendasein hinüber und verfeinert sie dann phantasievoll.
Er liebt Reizwäsche. Wenn er homosexuell veranlagt ist, zieht er sich gern selbst wie eine Frau an, und seine schauspielerischen Talente und die Fähigkeit, die Reaktion anderer Menschen blitzschnell einzuschätzen, lassen ihn seine Rolle perfekt spielen. Homosexuelle, die im Zeichen des Krebses geboren sind, machen die größten Anstrengungen, sich auch physisch in Frauen zu verwandeln und unterziehen sich dafür sogar chirurgischen Eingriffen.
Erogene Zonen
Zu den stärksten Reizen für den Krebsgeborenen gehören innige, tiefe Küsse mit vollem Gebrauch von Zunge und Zähnen. Sie können dadurch sogar zum Orgasmus gelangen.
Der empfindsamste Körperteil sind jedoch die Brüste. Beide, Männer wie Frauen, reagieren auf manuelle und orale Stimulation der Brustwarzen. Sachtes Streicheln der Brust erregt bei ihnen sofort sexuelle Begierde. Sie haben es auch sehr gern, wenn man ihre Brustwarze behutsam zwischen Daumen und Zeigefinger dreht. Die Berührung der Brust kurz vor dem Höhepunkt erhöht ihre Lust beträchtlicht.
Als Frau sollte man sich diese spezielle Empfindsamkeit des Krebsmannes zunutze machen. Schon zartestes Fingerspiel an seiner Brust machen ihn wild!
So fängt es an
Ein geschickter Schachzug: Man frage den Krebsgeborenen um seinen Rat. Da er Fremden gegenüber mitfühlend und hilfreich ist, sind seine Ratschläge immer schätzenswert.
Vor der uralten Eröffnung "Kennen wir uns nicht?" ist dringend abzuraten. Krebse haben ein bemerkenswertes Gedächtnis und erinnern sich an jedes Ereignis, jeden Ort, jedes Gesicht. Damit kommt man bei ihnen also nicht weit.
Krebse sind leicht ins Gespräch zu ziehen, wenn man die Rede auf Kinderhilfsorganisationen bringt. Die Krebsfrau liebt Kinder in einem Maße, daß ihr schon der Vorwurf gemacht worden ist, sie wolle die ganze Welt bemuttern. Mit dem Krebsmann als Vater!
Auch mit politischem Interesse kann man sein Glück versuchen.
Kulturelles zieht fast immer. Besonders stark reagieren Krebse auf Musik. Besonders auf sehr melodische, romantische Musik. Sie bringt ihn in Harmonie mit dem Unendlichen. Ein Eßlokal mit leiser Musik im Hintergrund, ein Zigeunergeiger mit schluchzender Geige - das läßt den Krebs schwelgen. Musik ist der Seele Nahrung, heißt es bei Shakespeare. Für den Krebs trifft das gewißlich zu.
Wassersport zieht den Krebs an; er dürfte also für einen Tag am Strand empfänglich sein. Nacktbaden ist er nicht abgeneigt. Kann er dabei jedoch seinen eigenen Körper zeigen und bewundern lassen.
Man möchte der Krebsfrau etwas schenken? Am besten wäre etwas fürs Haus: Bilder, Tapeten, ledergebundene Bücher, auch originelle Haushaltsgeräte. Für ihn eignen sich exotisch verpackte Eßwaren oder ein eleganter Silberrahmen mit seinen Initialen. Krebsgeborene sind gewöhnlich Sammler, und alles, was man ihrer Sammlung hinzufügt, erfreut ihr Herz. Kleine Silbersachen entzücken sie.
Die Familie des Krebses muß sehr
gepflegt werden, am meisten die Mutter. Was die Mutter betrifft,
sind Krebse sentimental.
Nie, niemals spreche man von früheren Liebesgeschichten.
Menschen, die im Leben des andern eine Rolle gespielt haben,
bevor er aufgetaucht ist, interessieren den Krebs nicht.
Eich wichtiger Rat: Der Krebsgeborene sieht es gar nicht gern, wenn man ihn als Selbstverständlichkeit betrachtet. Ein neuer Anzug, neue Ohrringe - das alles muß gebührend beachtet werden.
Vor allem aber viel Vorsicht mit der Überempfindlichkeit der Krebsgeborenen.
Allein die Formulierung, die neuen
Ohrringe seien wirklich hübsch, bringt sie auf die Vermutung,
die vom letzten Mal seien es nicht gewesen. Sagt man, er sehe in
dem neuen Anzug viel sportlicher aus, glaubt er, man finde, er
habe eingentlich eine mickrige Figur. Wenn derartige Reaktionen
auftreten, müßen sie sofort ausgebügelt werden, bevor die
Kränkung sich fortsetzt.
Eine Verabredung mit dem Krebs abzusagen, weil man sich nicht
wohl fühlt - das wäre töricht. Denn gerade da kann er seinen
Beschützertrieb ausleben. Er ist der Kraftspender, der
Leuchtturm im Nebel, den jeder braucht, der eine Klippe
umschiffen muß. Mit wahrer Begeisterung bringt er Obst, liest
aus einem Buch vor, bedient den Plattenspieler oder ist es
zufrieden, Händchen zu halten. Ebenso willig verabreicht er
Medizin und füttert den Bettlägerigen. Wer noch nie von einem
Krebs umsorgt worden ist, der weiß nicht, wie schön die
Zweisamkeit mit ihm sein kann. Es ist zwar nur eine Form seiner
Besitzgier, aber man sollte sich die wengisten zunutze machen,
ohne allzusehr nach den Gründen zu forschen.