RHEINISCHE BURGEN  
 
 
[fackel]  Geschichte 

    Burgen und  Schlösser

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      Ein hervorstechendes Element der Kulturlandschaft Deutschlands ist die große Vielfalt an Burgen und Schlössern. Dies ist in erster Linie das Ergebnis einer äußerst zersplitterten mittelalterlichenTerritorialstruktur im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, die bis zum Wiener Kongreß 1815 und der damit verbundenen Neuordnung Europas bestand. Neben einem gewählten König gab es in dieser Struktur über Jahrhunderte hinweg in Deutschland eine große Anzahl mehr oder weniger autonomer Gebietsfürsten. Um seine Macht zu festigen, war das Königtum stets bestrebt, sein Territorium auszuweiten und zu sichern. Diesem Zweck dienten die zahlreichen Burgen, auf denen oft Reichsministeriale als Verwalter eingesetzt wurden.

Daneben gab es sog. Pfalzen, die meist nur als vorübergehende Herrschaftssitze genutzt wurden. Aber auch die Gebietsfürsten versuchten, ihre Machtsphäre ständig auszubauen und errichteten ihrerseits Burgen und Festungsanlagen, was ihnen oft genug die Rivalität untereinander und mit dem Königtum einbrachte.

      Eine sinnvolle Gliederung der deutschen Burgenlandschaft ergibt sich aus den einzelnen Zeitepochen, in denen die Burgen gebaut wurden.
In der Phase des Frühmittelalters (6. bis 10. Jh.) wurden Burgen meist aus Holz und Erde errichtet und sind deshalb heute kaum noch erhalten .

    Die klassische Epoche des mittelalterlichen Burgenbaus war die staufische Zeit (Mitte des 12. bis Ende des 13. Jh.). In dieser Zeit kam es zur Gründung vieler neuer Burgen, da die territoriale Zersplitterung des Reiches immer weiter fortschritt . Auf der einen Seite errichteten die Könige zur Sicherung ihrer Macht sog. Reichsburgen und Pfalzen, auf der anderen Seite waren weltliche und geistliche Reichsfürsten (Herzöge, Markgrafen, Bischöfe) Hauptträger des Burgenbaus.  Insgesamt herrschte zu dieser Zeit die meist auf Bergspornen gelegene Höhenburg vor, und zwar als Ringmauer- bzw. Randhausburg. Diese hatte prinzipiell überall den gleichen Aufbau.

  Bei der Baugestaltung war vielerorts der Einfluß von Kreuzfahrerburgen nicht zu übersehen, vor allem im Rheinland und an der Mosel .
In der Zeit des Spätmittelalters (ab 1300) ist ein Nachlassen des Burgenbaus zu beobachten, was in erster Linie auf knapper werdende finanzielle Mittel zurückzuführen ist, teilweise ausgelöst durch Hungersnöte und Pestepidemien . So wurden nur noch vereinzelt neue Burgen gebaut, wie z.B. die Rheinburgen , Rheinfels und Neukatzenelnbogen . Auf der anderen Seite sind aber vorhandene  Anlagen in dieser Zeit oft verändert worden, vor allem durch das Hinzufügen von Vorburgen .

    Ab dem Anfang des 16. Jahrhunderts setzte im Burgenbau eine neue Entwicklung ein.
Auf der einen Seite gewann der Bau repräsentativer und komfortabler Schlösser gegenüber dem mittelalterlichen Burgenbau an Bedeutung, andererseits hatten sich grundlegende Veränderungen im Festungsbau ergeben. Festungen mußten nunmehr im Zeichen der aufkommenden Feuerwaffen verteidigungsfähig sein und ließen wegen Platz- und/oder Geldmangels meist keinen repräsentativen Wohnbau mehr zu . Dagegen ist bei den Schloßbauten erst ab dem Ende des 17. Jahrhunderts der völlige Verzicht auf aktive Verteidigungsanlagen zu beobachten.
     Unter kunstgeschichtlichen Gesichtspunkten wird zwischen den Bauepochen der Renaissance (ca. 1550-1650) und des Barock (ca. 1650 bis Ende 18. Jh.) unterschieden, zwei Phasen, in denen viele bedeutende Schlösser entstanden sind .
Im Barock stand der Repräsentationsgedanke eindeutig im Vordergrund. In unmittelbarer Umgebung der Barockschlösser gründeten die jeweiligen Herrscher oft ganze Stadtteile oder Städte, wie die Beispiele von Mannheim und Karlsruhe  deutlich machen.

Ab der Jahrhundertwende 18./19. Jh. vollzieht sich in Europa eine
Burgenrenaissance (Phase des sog. Historismus), die ihren Höhepunkt um 1900 fand . Sie begann mit einem Ruinenkult, in dem sogar bewußt Burgruinen gebaut wurden.
Ab 1820 folgte der sog. "Romantische Historismus", als viele zerfallene Burgen wieder aufgebaut (z.B. die Rheinburgen ,Rheinstein, Stahleck, Sooneck, Schönburg, Rheinfels und Stolzenfels) oder ganz neu errichtet wurden. Beispiele für solche neuen Schloßbauten sind Hohenschwangau  (1833-53), Babelsberg/ Potsdam (1834-49), Lichtenstein/ Schwäb. Alb (1839-57), und schließlich Neuschwanstein (1868-92).

        Im darauffolgenden "Heroischen Historismus" (ab 1850) wurde ein möglichst stilreiner Wiederaufbau von Burgen und/oder Schlössern versucht. Die heutige Bedeutung der Burgen und Schlösser in Deutschland weist ein breites Spektrum auf. Viele der Burgen oder Burgruinen sind historische und überwiegend denkmalgeschützte Bauwerke, die ihre ursprüngliche Funktion nicht mehr erfüllen . Allerdings bestehen die unterschiedlichsten Nutzungsansprüche, so daß diesem Thema große Aufmerksamkeit zuteil wird. Bei alledem spielt die Frage des Denkmalschutzes  eine zentrale Rolle.
Hauptziel ist dabei die Erhaltung der historischen Zeugnisse als Bestandteil der Kulturlandschaft. Kontrovers verlaufen oft die Diskussionen um Fragen der Restaurierung baufälliger oder erneuerungswürdiger Anlagen. Dazu sind eigene Fördervereine oder Gesellschaften entstanden, wie z.B. die Deutsche Burgenvereinigung , die Wartburg-Gesellschaft  und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz .

        Neben der auch heute noch häufigen Nutzung von Burgen und Schlössern als Wohngebäude steht die kulturelle Nutzung oft im Vordergrund. Verbreitet befinden sich in den Burgen/Schlössern Museen , die teilweise sehr speziellen Themen gewidmet sind , andererseits gibt es vielerorts kulturelle Veranstaltungen wie Schloßkonzerte (z.B. Weilburg  oder Theateraufführungen. Auch die touristische Nutzung als Hotel , als Jugendherberge (z.B. Stahleck ) oder als Restaurant findet sich sehr häufig. Sehr bedeutend für die Art der Nutzung sind natürlich die Besitzverhältnisse. So werden Nutzungen von Burgen und Schlössern in Privatbesitz in erster Linie von den Interessen der Eigentümer bestimmt (oft Wohn- oder kommerzielle Nutzung). Objekte im staatlichen oder kommunalen Besitz stehen demgegenüber häufiger der Öffentlichkeit zur Verfügung oder werden lediglich als Objekte des Denkmalschutzes verwaltet. Oft ergeben sich aber auch Kombinationen der verschiedensten Nutzungsarten, oder ein Nutzungswandel, der sich im Laufe der Zeit ergeben hat. Die Vielfältigkeit der Nutzungen ist so vielfältig wie die Burgen- und Schlösserlandschaft Deutschlands schlechthin.

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