| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |
Heinrich Heine
Gedichte
1822 - 1824
Teil 1
|
[An J. F. Koreff]
Berlin, den 27. Februar 1822 |
| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |
|
Auf dem Schloßhof zu Canossa |
| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |
|
|
| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |
|
(Wenn ich die Brüder zähle |
| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |
|
Die Blumen und Bäume blühn, Und durch die Himmelsbläue Die rosigen Wolken ziehn. Die Nachtigallen singen Herab aus der laubigen Höh, Die weißen Lämmer springen Im weichen grünen Klee. Ich kann nicht singen und springen, Ich liege krank im Gras; Ich höre fernes Klingen, Mir träumt, ich weiß nicht was. In den Kelch der Lilje hinein, Die Lilje soll klingend hauchen Ein Lied von der Liebsten mein. Das Lied soll schauern und beben Wie der Kuß von ihrem Mund, Den sie mir einst gegeben In wunderbar süßer Stund. Und haben viel geklagt; Doch was meine Seele gequälet, Das haben sie nicht gesagt. Sie machten ein großes Wesen Und schüttelten kläglich das Haupt; Sie nannten mich den Bösen, Und du hast alles geglaubt. Jedoch das Allerschlimmste, Das haben sie nicht gewußt; Das Schlimmste und das Dümmste, Das trug ich geheim in der Brust. Da kam der Mai, und sie ward spendabel, Und alles lacht, und jauchzt, und freut sich, Ich aber bin nicht zu lachen kapabel. Die Blumen sprießen, die Glöcklein schallen, Die Vögel sprechen wie in der Fabel; Mir aber will das Gespräch nicht gefallen, Ich finde alles miserabel. Das Menschenvolk mich ennuyieret, Sogar der Freund, der sonst passabel; - Das kömmt, weil man Madame titulieret Mein süßes Liebchen, so süß und aimabel. O sprich, mein Lieb, warum? Warum sind denn im grünen Gras Die blauen Veilchen so stumm? Warum singt denn mit so kläglichem Laut Die Lerche in der Luft? Warum steigt denn aus dem Balsamkraut Hervor ein Leichenduft? Warum scheint denn die Sonn auf die Au So kalt und verdrießlich herab? Warum ist denn die Erde so grau Und öde wie ein Grab? Warum bin ich selbst so krank und so trüb, Mein liebes Liebchen, sprich? O sprich, mein herzallerliebstes Lieb, Warum verließest du mich? |
| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |
|
Dann fließen die Tränen zusammen; Und an mein Herz drück fest dein Herz, Dann schlagen zusammen die Flammen! Und wenn in die große Flamme fließt Der Strom von unsern Tränen, Und wenn dich mein Arm gewaltig umschließt - Sterb ich vor Liebessehnen! Geliebtes, schönes Weib! Umschling mich mit Armen und Füßen, Und mit dem geschmeidigen Leib. Gewaltig hat umfangen, Umwunden, umschlungen schon Die allerschönste der Schlangen Den glücklichsten Laokoon. Ich irrte klagend im Wald herum. Ich habe die Bäum aus dem Schlaf gerüttelt; Sie haben mitleidig die Köpfe geschüttelt. In ihrer dunkeln Pracht, Wie 'n Märchen traurig und trübe, Erzählt in der Sommernacht. »Im Zaubergarten wallen Zwei Buhlen, stumm und allein; Es singen die Nachtigallen, Es flimmert der Mondenschein. Die Jungfrau steht still wie ein Bildnis, Der Ritter vor ihr kniet. Da kommt der Riese der Wildnis, Die bange Jungfrau flieht. Der Ritter sinkt blutend zur Erde, Es stolpert der Riese nach Haus -« Wenn ich begraben werde, Dann ist das Märchen aus. Trompeten schmettern drein; Da tanzt den Hochzeitreigen Die Herzallerliebste mein. Das ist ein Klingen und Dröhnen Von Pauken und Schalmein; Dazwischen schluchzen und stöhnen Die guten Engelein. Aus seiner funkelnden Höh! Das ist der Stern der Liebe, Den ich dort fallen seh. Es fallen vom Apfelbaume Der Blüten und Blätter viel! Es kommen die neckenden Lüfte, Und treiben damit ihr Spiel. Es singt der Schwan im Weiher, Und rudert auf und ab, Und immer leiser singend, Taucht er ins Flutengrab. Es ist so still und dunkel! Verweht ist Blatt und Blüt, Der Stern ist knisternd zerstoben, Verklungen das Schwanenlied. (siehe auch [Herbstzkclus] VI) Geärgert blau und blaß. Die Einen mit ihrer Liebe, Die Andern mit ihrem Haß. Sie haben das Brot mir vergiftet, Sie gossen mir Gift ins Glas, Die Einen mit ihrer Liebe, Die Andern mit ihrem Haß. Doch sie, die mich am meisten Gequält, geärgert, betrübt, Die hat mich nie gehasset, Und hat mich nie geliebt. |
| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |
|
Viel blühende Blumen hervor, Und meine Seufzer werden Ein Nachtigallenchor. Und wenn du mich lieb hast, Kindchen, Schenk ich dir die Blumen all, Und vor deinem Fenster soll klingen Das Lied der Nachtigall. Die Sterne in der Höh, Viel tausend Jahr, und schauen Sich an mit Liebesweh. Sie sprechen eine Sprache, Die ist so reich, so schön; Doch keiner der Philologen Kann diese Sprache verstehn. Ich aber hab sie gelernet, Und ich vergesse sie nicht; Mir diente als Grammatik Der Herzallerliebsten Gesicht. Steigt auf aus seinem Grab, Und zeigt, wie in deiner Nähe Ich einst gelebet hab. Am Tage schwankte ich träumend Durch alle Straßen herum; Die Leute verwundert mich ansahn, Ich war so traurig und stumm. Des Nachts da war es besser, Da waren die Straßen leer; Ich und mein Schatten selbander, Wir wandelten schweigend einher. Mit widerhallendem Fußtritt Wandelt ich über die Brück; Der Mond brach aus den Wolken, Und grüßte mit ernstem Blick. Stehn blieb ich vor deinem Hause, Und starrte in die Höh, Und starrte nach deinem Fenster - Das Herz tat mir so weh. Ich weiß, du hast aus dem Fenster Gar oft herabgesehn, Und sahst mich im Mondenlichte Wie eine Säule stehn. Die hat einen andern erwählt; Der andre liebt eine andre, Und hat sich mit dieser vermählt. Das Mädchen heiratet aus Ärger Den ersten besten Mann, Der ihr in den Weg gelaufen; Der Jüngling ist übel dran. Es ist eine alte Geschichte, Doch bleibt sie immer neu; Und wem sie just passieret, Dem bricht das Herz entzwei. Wer selber sich brachte um; Dort wächst eine blaue Blume, Die Armesünderblum. Am Kreuzweg stand ich und seufzte; Die Nacht war kalt und stumm. Im Mondschein bewegte sich langsam Die Armesünderblum. (siehe auch Sieben Lieder VII) Geärgert blau und blaß. Die Einen mit ihrer Liebe, Die Andern mit ihrem Haß. Sie haben das Brot mir vergiftet, Sie gossen mir Gift ins Glas, Die Einen mit ihrer Liebe, Die Andern mit ihrem Haß. Doch sie, die mich am meisten Gequält, geärgert, betrübt, Die hat mich nie gehasset, Und hat mich nie geliebt. So geben sie sich die Händ, Und fangen an zu weinen, Und seufzen ohne End. Wir haben nicht geweinet, Wir seufzten nicht Weh und Ach! Die Tränen und die Seufzer, Die kamen hintennach. Es war eine Nacht im Maie, Wir saßen unter dem Lindenbaum, Und schwuren uns ewige Treue. Das war ein Schwören und Schwören aufs neu, Ein Kichern, ein Kosen,ein Küssen; Daß ich gedenk des Schwures sei, Hast du in die Hand mich gebissen. O Liebchen mit den Äuglein klar! O Liebchen schön und bissig! Das Schwören in der Ordnung war, Das Beißen war überflüssig. Und werde sentimental. »Wenn ich ein Vöglein wäre! « Seufz ich viel tausendmal. Wenn ich eine Schwalbe wäre, So flög ich zu dir, mein Kind, Und baute mir mein Nestchen, Wo deine Fenster sind. Wenn ich eine Nachtigall wäre, So flög ich zu dir, mein Kind, Und sänge dir Nachts meine Lieder Herab von der grünen Lind. Wenn ich ein Gimpel wäre, So flög ich gleich an dein Herz; Du bist ja hold den Gimpeln, Und heilest Gimpelschmerz. Durch lustiges Waldesgrün, Durch blumige Täler, die zaubrisch Im Sonnenglanze blühn. Ich sitze und sinne und träume, Und denk an die Liebste mein; Da grüßen drei Schattengestalten Kopfnickend zum Wagen herein. Sie hüpfen und schneiden Gesichter, So spöttisch und doch so scheu. Und quirlen wie Nebel zusammen, Und kichern und huschen vorbei. Herbstnacht und Regen und Wind; Wo mag wohl jetzo weilen Mein armes, banges Kind? Ich seh sie am Fenster lehnen Im einsamen Kämmerlein; Das Auge gefüllt mit Tränen, Starrt sie in die Nacht hinein. Und sehe dich freundlich grüßen, Und lautaufweinend stürz ich mich Zu deinen süßen Füßen. Du siehst mich an wehmütiglich, Und schüttelst das blonde Köpfchen; Aus deinen Augen schleichen sich Die Perlentränentröpfchen. Du sagst mir heimlich ein leises Wort, Und gibst mir den Strauß von Zypressen. Ich wache auf, und der Strauß ist fort, Und das Wort hab ich vergessen. Die Nacht ist feucht und kalt; Gehüllt im grauen Mantel, Reite ich einsam im Wald. Und wie ich reite, so reiten Mir die Gedanken voraus; Sie tragen mich leicht und luftig Nach meiner Liebsten Haus. Die Hunde bellen, die Diener Erscheinen mit Kerzengeflirr; Die Wendeltreppe stürm ich Hinauf mit Sporengeklirr. Im leuchtenden Teppichgemache, Da ist es so duftig und warm, Da harret meiner die Holde - Ich fliege in ihren Arm. Es säuselt der Wind in den Blättern, Es spricht der Eichenbaum: Was willst du, törichter Reiter, Mit deinem törichten Traum? (siehe auch Minneklage) Im vertrauten Schoß der Nacht; Frohe Menschen muß ich meiden, Fliehen scheu, wo Freude lacht. Einsam fließen meine Tränen, Fließen immer, fließen still; Doch des Herzens brennend Sehnen Keine Träne löschen will. Einst, ein lachend muntrer Knabe, Spielt ich manches schöne Spiel, Freute mich der Lebensgabe, Wußte nie von Schmerzgefühl. Denn die Welt war nur ein Garten, Wo viel bunte Blumen blühn, Wo mein Tagwerk Blumenwarten, Rosen, Veilchen und Jasmin. Träumend süß auf grüner Aue, Sah ich Bächlein fließen mild; Wenn ich jetzt in Bächlein schaue, Zeigt sich mir ein bleiches Bild. Bin ein bleicher Mann geworden, Seit mein Auge sie gesehn; Heimlich weh ist mir geworden, Wundersam ist mir geschehn. Tief im Herzen hegt ich lange Englein stiller Friedensruh; Diese flohen zitternd, bange, Ihrer Sternenheimat zu. Schwarze Nacht mein Aug umdüstert, Schatten drohen feindlich grimm; Und im Busen heimlich flüstert Eine eigen fremde Stimm. Fremde Schmerzen, fremde Leiden Steigen auf mit wilder Wut, Und in meinen Eingeweiden Zehret eine fremde Glut. Aber daß in meinem Herzen Flammen wühlen sonder Ruh, Daß ich sterbe hin vor Schmerzen - Minne, sieh! das tatest du! Es schauen die Blumen alle Zur leuchtenden Sonne hinauf; Es nehmen die Ströme alle Zum leuchtenden Meere den Lauf. Es flattern die Lieder alle Zu meinem leuchtenden Lieb; Nehmt mit meine Tränen und Seufzer, Ihr Lieder, wehmütig und trüb!i |
| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |
|
Mag es hageln, mag es stürmen, Klirrend mir ans Fenster schlagen, Nimmer will ich mich beklagen, Denn ich trage in der Brust Liebchens Bild und Frühlingslust. Die liebt ich einst alle in Liebeswonne. Ich lieb sie nicht mehr, ich liebe alleine Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine; Sie selber, aller Liebe Bronne, Ist Rose und Lilje und Taube und Sonne. So schwindet all mein Leid und Weh; Doch wenn ich küsse deinen Mund, So werd ich ganz und gar gesund. Wenn ich mich lehn an deine Brust, Kommts über mich wie Himmelslust; Doch wenn du sprichst: Ich liebe dich! So muß ich weinen bitterlich. Das hab ich jüngst im Traum gesehn, Es ist so mild und engelgleich, Und doch so bleich, so schmerzenbleich. Und nur die Lippen, die sind rot; Bald aber küßt sie bleich der Tod. Erlöschen wird das Himmelslicht, Das aus den frommen Augen bricht. (siehe auch Schöne... 1820) Grüßt die Liebste in der Ferne, Sagt, daß ich noch immer sei Herzekrank und bleich und treu. Daß ich so lang dein Herz besessen, Dein Herzchen so süß und so falsch und so klein, Es kann nirgend was süßres und falscheres sein. So hast du die Lieb und das Leid vergessen, Die das Herz mir täten zusammenpressen. Ich weiß nicht, war Liebe größer als Leid? Ich weiß nur, sie waren groß alle beid! (Wünsche) Ach, wenn ich nur der Schemel wär, Worauf der Liebsten Füße ruhn! Und stampfte sie mich noch so sehr, Ich wollte doch nicht klagen tun. (Das Herz spricht: ) Ach, wenn ich nur das Kißchen wär, Wo sie die Nadeln steckt hinein! Und stäche sie mich noch so sehr, Ich wollte mich der Stiche freun. (Das Lied spricht: ) Ach, wär ich nur das Stück Papier, Das sie als Papillote braucht! Ich wollte heimlich flüstern ihr Ins Ohr, was in mir lebt und haucht. In fremden Landen geschwärmt und geträumt; Da ward meiner Liebsten zu lang die Zeit, Und sie nähete sich ein Hochzeitkleid, Und hat mit zärtlichen Armen umschlungen, Als Bräutgam, den dümmsten der dummen Jungen. Mein Liebchen ist so schön und mild, Noch schwebt mir vor ihr süßes Bild; Die Veilchenaugen, die Rosenwänglein, Die glühen und blühen, jahraus, jahrein. Daß ich von solchem Lieb konnt weichen, War der dümmste von meinen dummen Streichen. Wie tief verwundet mein Herz, Sie würden mit mir weinen, Zu heilen meinen Schmerz. Und wüßtens die Nachtigallen, Wie ich so traurig und krank, Sie ließen fröhlich erschallen Erquickenden Gesang. Und wüßten sie mein Wehe, Die goldnen Sternelein, Sie kämen aus ihrer Höhe, Und sprächen Trost mir ein. Die alle könnens nicht wissen, Nur Eine kennt meinen Schmerz: Sie hat ja selbst zerrissen, Zerrissen mir das Herz. (siehe auch Ich dacht... 1820) Und dacht an sie die halbe Nacht. Und als ich fest im Schlafe lag, Hat mich ein Traum zu ihr gebracht. Sie blüht wie eine junge Ros, Und sitzt so ruhig, still beglückt. Ein Rahmen ruht auf ihrem Schoß, Worauf sie weiße Lämmchen stickt. Sie schaut so sanft, begreift es nicht, Warum ich traurig vor ihr steh. »Was ist so blaß dein Angesicht, Heinrich, sag mirs, wo tuts dir weh?« Sie schaut so sanft, und staunt, daß ich Still weinend ihr ins Auge seh. »Was weinest du so bitterlich, Heinrich, sag mirs, wer tut dir weh? « Sie schaut mich an mit milder Ruh, Ich aber fast vor Schmerz vergeh. »Wer weh mir tat, mein Lieb, bist du, Und in der Brust da sitzt das Weh. « Da steht sie auf, und legt die Hand Mir auf die Brust ganz feierlich; Und plörzlich all rnein Weh verschwand, Und heitern Sinns erwachte ich. ` Und die Lüfte die wehen so lind und so lau, Und die Blumen winken auf blühender Au, Und funkeln und glitzern im Morgentau, Und die Menschen jubeln, wohin ich schau, - Und doch möcht ich im Grabe liegen, Und mich an ein totes Liebchen schmiegen. Die roten Rosen der Wängelein, Die weißen Liljen der Händchen klein, Die blühen und blühen noch immerfort, Und nur das Herzchen ist verdorrt. Bist du nicht ein Traumgebild, Wies in schwülen Sommertagen Aus dem Hirn des Dichters quillt? Aber nein, ein solches Mündchen, Solcher Augen Zauberlicht, Solch ein liebes, süßes Kindchen, Das erschafft der Dichter nicht. Basilisken und Vampire, Lindenwürm und Ungeheur, Solche schlimme Fabeltiere, Die erschafft des Dichters Feur. Aber dich und deine Tücke, Und dein holdes Angesicht, Und die falschen frommen Blicke - Das erschafft der Dichter nicht. Mach ich die schönsten Kanzonen. Auf meiner Herzliebsten Mündchen klein Mach ich die besten Terzinen. Auf meiner Herzliebsten Wängelein Mach ich die herrlichsten Stanzen. Und wenn meine Liebste ein Herzchen hätt, Ich machte darauf ein hübsches Sonett. Hatt ichs Lachen ganz verlernt. Schlechten Witz riß mancher Wicht, Aber lachen konnt ich nicht. Seit ich sie verloren hab, Schafft ich auch das Weinen ab; Fast vor Weh das Herz mir bricht, Aber weinen kann ich nicht. Finsternis, so dumpf und dicht, Seit mir nicht mehr leuchtend funkelt, Liebste, deiner Augen Licht. Mir erloschen ist der süßen Liebessterne goldne Pracht, Abgrund gähnt zu meinen Füßen - Nimm mich auf, uralte Nacht! ( Epilogue zu Poemes et legendes (1855)) Die alten, bösen Lieder, Die Träume schlimm und arg, Die laßt uns jetzt begraben, Holt einen großen Sarg. Hinein leg ich gar Manches, Doch sag ich noch nicht was; Der Sarg muß sein noch größer Wies Heidelberger Faß. Und holt eine Totenbahre, Von Brettern fest und dick: Auch muß sie sein noch länger Als wie zu Mainz die Brück. Und holt mir auch zwölf Riesen, Die müssen noch stärker sein Als wie der heilge Christoph Im Dom zu Köln am Rhein. Die sollen den Sarg forttragen Und senken ins Meer hinab, Denn solchem großen Sarge Gebührt ein groPses Grab. Wißt ihr, warum der Sarg wohl So groß und schwer mag sein? Ich legt auch meine Liebe Und meinen Schmerz hinein. |
| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |
|
Herzliebchen, trag ich dich fort, Fort nach den Fluren des Ganges, Dort weiß ich den schönsten Ort. Dort liegt ein rotblühender Garten Im stillen Mondenschein; Die Lotosblumen erwarten Ihr trautes Schwesterlein. Die Veilchen kichern und kosen, Und schaun nach den Sternen empor; Heimlich erzählen die Rosen Sich duftende Märchen ins Ohr. Es hüpfen herbei und lauschen Die frommen, klugen Gazelln; Und in der Ferne rauschen Des heiligen Stromes Welln. Dort wollen wir niedersinken Unter dem Palmenbaum, Und Liebe und Rahe trinken, Und träumen seligen Traum. Sich vor der Sonne Pracht, Und mit gesenktem Haupte Erwartet sie träumend die Nacht. Der Mond, der ist ihr Buhle, Er weckt sie mit seinem Licht, Und ihm entschleiert sie freundlich Ihr frommes Blumengesicht. Sie blüht und glüht und leuchtet, Und starret stumm in die Höh; Sie duftet und weinet und zittert Vor Liebe und Liebesweh. Aus der Mappe eines Malers) Im Rhein, im schönen Strome, Da spiegelt sich in den Welln, Mit seinem großen Dome, Das große, heilige Köln. Im Dom da steht ein Bildnis, Auf goldenem Leder gemalt; In meines Lebens Wildnis Hats freundlich hineingestrahlt. Es schweben Blumen und Englein Um unsre liebe Frau; Die Augen, die Lippen, die Wänglein, Die gleichen der Liebsten genau.
Du liebst mich nicht, du liebst mich nicht, Ich glaube keinem Weiberschwur! Dein Wort ist süß, doch süßer ist Der Kuß, den ich dir abgeküßt! Den hab ich, und dran glaub ich auch, Das Wort ist eitel Dunst und Hauch. O schwöre, Liebchen, immerfort, Ich glaube dir aufs bloße Wort! An deinen Busen sink. ich hin, Und glaube, daß ich selig bin; Ich glaube, Liebchen, ewiglich, Und noch viel länger, liebst du mich. Wird täglich abgeschmackter! Sie spricht von dir, mein schönes Kind, Du hast keinen guten Charakter. Die Welt ist dumm, die Welt ist blind, Und dich wird sie immer verkennen; Sie weiß nicht, wie süß deine Küsse sind, Und wie sie beseligend brennen. |
| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |
|
Die Sonne lachte mit freundlicher Lust; Da küßtest du. mich, und dein Arm mich umschlang, Da preßtest du mich an die schwellende Brust. Die Blätter fielen, der Rabe schrie hohl, Die Sonne grüßte verdrossenen Blicks; Da sagten wir frostig einander: "Lebwohl!" Da knickstest du höflich den höflichsten Knicks. Und dennoch uns gar vortrefflich vertragen. Wir haben oft »Mann und Frau« gespielt, Und dennoch uns nicht gerauft und geschlagen. Wir haben zusammen gejauchzt und gescherzt, Und zärtlich uns geküßt und geherzt. Wir haben am Ende, aus kindischer Lust, »Uerstecken« gespielt in Wäldern und Gründen, Und haben uns so zu verstecken gewußt, Daß wir uns nimmermehr wiederfinden. Und hast dich für mich verwendet, Und hast mir Trost gespendet In meinen Nöten und Ängsten. Du gabest mir Trank und Speise, Und hast mir Geld geborget, Und hast mich mit Wäsche versorget, Und mit dem Paß für die Reise. Mein Liebchen! daß Gott dich behüte, Noch lange, vor Hitz und vor Kälte, Und daß er dir nimmer vergelte Die mir erwiesene Güte! |
| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |
|
Im dunkeln Grab wirst liegen, Dann will ich steigen zu dir hinab, Und will mich an dich schmiegen. Ich küsse, umschlinge und presse dich wild, Du Stille, du Kalte, du Bleiche! Ich jauchze, ich zittre, ich weine mild, Ich werde selber zur Leiche. Die Toten stehn auf, die Mitternacht ruft, Sie tanzen im luftigen Schwarme; Wir beide bleiben in der Gruft, Ich liege in deinem Arme. Die Toten stehn auf, der Tag des Gerichts Ruft sie zu Qual und Vergnügen; Wir beide bekümmern uns um nichts, Und bleiben umschlungen liegen. Im Norden auf kahler Höh. Ihn schläfert; mit weißer Decke Umhüllen ihn Eis und Schnee. Er träumt von einer Palme, Die, fern im Morgenland, Einsam und schweigend trauert Auf brennender Felsenwand. |
| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |
|
Mach ich die kleinen Lieder; Die heben ihr klingend Gefieder Und flattern nach ihrem Herzen. Sie fanden den Weg zur Trauten, Doch kommen sie wieder und klagen, Und klagen, und wollen nicht sagen, Was sie im Herzen schauten. Geliebtes, holdes Weib, Daß ich dich einst besessen, Die Seele und den Leib. Den Leib möcht ich noch haben, Den Leib so zart und jung; Die Seele könnt ihr begraben, Hab selber Seele genung. Ich will meine Seele zerschneiden, Und hauchen die Hälfte dir ein, Und will dich umschlingen, wir müssen Ganz Leib und Seele sein. Spazieren durch Wald und Flur; Sie jauchzen, sie hüpfen wie Böcklein, Begrüßen die schöne Natur. Betrachten mit blinzelnden Augen, Wie alles romantisch blüht; Mit langen Ohren saugen Sie ein der Spatzen Lied. Ich aber verhänge die Fenster Des Zimmers mit schwarzem Tuch; Es machen mir meine Gespenster Sogar einen Tagesbesuch. Die alte Liebe erscheinet, Sie stieg aus dem Totenreich, Sie setzt sich zu mir und weinet, Und macht das Herz mir weich. |
| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |
|
Diese dreie hört ich preisen, Und ich pries und suchte sie, Aber ach! ich fand sie nie. Das einst die Liebste sang, So will mir die Brust zerspringen Vor wildem Schmerzendrang. Es treibt mich ein dunkles Sehnen Hinauf zur Waldeshöh, Dort löst sich auf in Tränen Mein übergroßes Weh. Mit nassen, blassen Wangen; Wir saßen unter der grünen Lind, Und hielten uns liebumfangen. »Ich will nicht deines Vaters Thron, Und nicht sein Zepter von Golde, Ich will nicht seine demantene Kron, Ich will dich selber, du Holde! « Das kann nicht sein, sprach sie zu mir, Ich liege ja im Grabe, Und nur des Nachts komm ich zu dir, Weil ich so lieb dich habe. Traulich im leichten Kahn. Die Nacht war still, und wir schwammen Auf weiter Wasserbahn. Die Geisterinsel, die schöne, Lag dämmrig im Mondenglanz; Dort klangen liebe Töne, Und wogte der Nebeltanz. Dort klang es lieb und lieber, Und wogt' es hin und her; Wir aber schwammen vorüber, Trostlos auf weitem Meer. Hervor mit weißer Hand, Da singt es und da klingt es Von einem Zauberland: Wo große Blumen schmachten Im goldnen Abendlicht, Und zärtlich sich betrachten Mit bräutlichem Gesicht; - Wo alle Bäume sprechen Und singen, wie ein Chor, und laute Quellen brechen Wie Tanzmusik hervor; - Und Liebesweisen tönen, Wie du sie nie gehört, Bis wundersüßes Sehnen Dich wundersüß betört! Ach, könnt ich dorthin kommen, Und dort mein Herz erfreun, Und aller Qual entnommen, Und frei und selig sein! Ach, jenes Land der Wonne, Das seb ich oft im Traum; Doch kommt die Morgensonne, Zerfließts wie eitel Schaum. Und fiele die Welt zusammen, Aus ihren Trümmern stiegen doch Hervor meiner Liebe Flammen. Geh ich im Garten herum. Es flüstern und sprechen die Blumen, Ich aber, ich wandle stumm. Es flüstern und sprechen die Blumen, Und schaun mitleidig mich an: Sei unserer Schwester nicht böse, Du trauriger, blasser Mann! |
| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |
|
Auf deinen Wängelein; Es liegt der Winter, der kalte, In deinem Herzchen klein. Das wird sich bei dir ändern, Du Vielgeliebte mein! Der Winter wird auf den Wangen, Der Sommer im Herzen sein. Und sprachen von Liebe viel. Die Herren die waren ästhetisch, Die Damen von zartem Gefühl. Die Liebe muß sein platonisch, Der dürre Hofrat sprach. Die Hofrätin lächelt ironisch, Und dennoch seufzet sie: Ach! Der Domherr öffnet den Mund weit: Die Liebe sei nicht zu roh, Sie schadet sonst der Gesundheit. Das Fräulein lispelt: Wie so? Die Gräfin spricht wehmütig: Die Liebe ist eine Passion! Und präsentieret gütig Die Tasse dem Herren Baron. Am Tische war noch ein Plätzchen; Mein Liebchen, da hast du gefehlt. Du hättest so hübsch, mein Schätzchen, Von deiner Liebe erzählt. Wie könnt es anders sein? Du hast mir ja Gift gegossen Ins blühende Leben hinein. Vergiftet sind meine Lieder; - Wie könnt es anders sein? Ich trage im Herzen viel Schlangen, Und dich, Geliebte mein. Mir träumte, du lägest im Grab. Ich wachte auf, und die Träne Floß noch von der Wange herab. Ich hab im Traum geweinet, Mir träumt', du verließest mich. Ich wachte auf, und ich weinte Noch lange bitterlich. Ich hab im Traum geweinet, Mir träumte, du bliebest mir gut. Ich wachte auf, und noch immer Strömt meine Tränenflut. |
| Seitenanfang | Register Gedichtanfänge | Heine Übersicht | Gedichte - Homepage |