Es begann wie im Märchen. Die Anfänge liegen im Dunkeln.
Es waren einmal 4 Bauernhöfe, dazu gehörten auch noch einige wenige kleine, armselige Häuschen, sogenannte Kotten, die lagen eng beieinander am Rande der Großholthauser Mark und der Kleinholthauser Mark. Marken, das waren Waldgebiete, die die Bauern gemeinsam nutzen konnten.
Der kleine Ort, das kleine Dorf wurde um 1250 - also vor 750 Jahren - zum ersten Mal in einer Abgabenliste, einem Urbar, im Kloster Werden (bei Essen) erwähnt und hieß damals "Lufferdinchusen" - oder etwas später "Lotfrodinchusen" - oder dann einmal "Lotferdinchusen" (jeder schrieb den Namen ein bißchen anders)-und irgendwann hieß das Dorf "Löttringhausen". Aber mit Sicherheit ist unser Ort noch viel älter als 750 Jahre und stammt aus der keltischen Zeit.
Das kann man sich heute nur schwer vorstellen, wie "Lufferdinchusen" damals ausgesehen haben mag. Fotos gibt es ja leider nicht. In' etwa kann man es sich vorstellen, wenn man durch Großholthausen oder durch Kleinholthausen geht. Dort ist der Höfeverband noch gut zu erkennen. So lagen auch in Löttiinghausen die vier Höfe und die Kotten damals eng beieinander. Man muß sich den Bahndamm wegdenken. Doch auch damals verlief eine Grenze mitten durch den Ort, ein Grenzwall.
Die heutigen Namen der vier Höfe tauchten auch schon sehr früh auf, zum Teil schon vor 500 Jahren: Schmidt, Frieg, Neuhoff und Möller, aber auch die wurden manchmal etwas anders geschrieben.
Am Ortsbild von Löttringhausen hat sich seit 1250 etwa 500 Jahre lang nichts Wesentliches geändert. Mal war ein Kotten mehr da, mal einer weniger. Die Menschen wurden geboren und starben, lebten und arbeiteten schwer, und es ging ihnen mal etwas besser, mal schlechter. Die nächsten Städte waren weit entfernt, Dortmund und Hörde, und öffentliche Verkehrsmittel gab es nicht. An Hombruch mit der Harkortstraße war noch lange nicht zu denken; da war nur ein Domänenwald, ein hohes Bruch, das Hombruch.
1740 wurde unweit von dem alten Ortskern Löttringhausen am Rande eines kleinen Waldes. dem "langen Loh", eine Schule gebaut. Bis dahin'waren die Kinder in Kirchhörde vom Küster in der Küsterei unterrichtet worden, und das genügte wohl nicht mehr. Diese Schule war die erste und einzige Schule weit und breit, eine Mittelpunktschule, und alle Kinder aus einem weiten Umkreis bis zur Viermärker Eiche und bis nach Kruckel und bis zum Hombruch mußten zu dieser Schule kommen - ohne Schulbus.
Die erste Langelohschule brannte einmal ab; das war 1870. Da wurden die Kinder vorübergehend auf dem Möllerhof unterrichtet, bis die neue Schule fertig war. Aber auch diese Schule steht heute nicht mehr, sie war baufällig, und statt dessen wurde an der gleichen Stelle 1929 die heutige Schule mit der schönen Aufschrift "Langeloh" gebaut. Seit 1969 wird auch in dem Neubau daneben unterrichtet
Zu der Langelohschule von 1929 gehörte ein Brunnen auf dem Schulhof mit einem Denkmal für den Dichter Peter Hille, der damals sehr verehrt wurde. Der Brunnen fiel dem Straßenbau zum Opfer, aber das Denkmal konnte gerettet werden und steht heute vor der Schule.
Die Schule brachte damals im Grunde auch keine große Veränderung für das kleine Dorf Löttringhausen. Die Veränderung kam aber, als überall Eisenbahnen gebaut wurden und auch eine Ringstrecke von Düsseldorf über
Essen - Bochum nach Dortmund und über Hörde - Hagen - Wuppertal nach Düsseldorf zurück geplant wurde. Diese Eisenbahnstrecke führte nämlich ausgerechnet mitten durch das kleine Dorf Löttringhausen. Die Strecke war 1879 fertig. Zuletzt mußte nahe dem Dorf Löttringhausen in Richtung Herdecke und Hagen ein Tunnel gegraben werden, und in Löttringhausen mußte ein hoher Bahndamm aufgeschüttet werden, der das Dorf zerschnitt und total veränderte. Der Hof Möller fiel dem Bahnbau ganz zum Opfer und ist heute nur noch Begegnungsstätte und Tagungsort.
Als dann ein Jahr später auch noch eine Zweigverbindung nach Langendreer (Bochum) eingeweiht wurde.War Löttringhausen auf einmal ein wichtiger Bahnknotenpunkt geworden und bekam einen stolzen Bahnhof, sogar mit Bahnhofsgaststätte.
Von dem ist aber auch nur noch das Fundament zu erkennen, und auf der alten Bahntrasse nach Langendreer kann man heute gut mit dem Fahrrad fahren, spazieren gehen oder sich im Kinderwagen schieben lassen.
Über den Bahnanschluß freuten sich auch die Betreiber einer Zeche mit dem Namen "Gottessegen", denn sie bekamen einen Gleisanschluß. Schon seit 1743 wurde in der Nähe von Löttringhausen nach Eisenerz gegraben; später fand man Kohle, und so gab es bis 1963 die Zeche "Gottessegen"an der Hagener Straße. Den Namen haben die Behindertenwerkstätten an der Kobbendelle übernommen.
Doch nicht nur für die Zeche war der Gleisanschluß wichtig, sondern ebenso für zwei Ziegeleien, und weitere Industrie siedelte sich nach dem Bahnbau in Löttringhausen an. Zum ersten Mal wuchs Löttringhausen.
Darüber hinaus wurde Löttringhausen ein beliebtes Ausflugsziel für die Menschen aus der Stadt. Die fuhren in bester Laune sonntags in vollen Zügen nach Löttringhausen in die beiden Gaststätten mit Gartenterrassen Meinberg und Wittich. Die Gaststätte Meinberg befand sich in dem quer stehenden Haus an der Ecke von Blickstraße und Kruckeler Straße. Die Gaststätte Wittich war bis zum vergangenen Jahr "Haus Klein" und ist heute das italienische Restaurant "Gattopardo".
Nach dem letzten Krieg aber zogen immer mehr Menschen nach Löttringhausen der schönen Lage wegen und bauten ihre Häuser an der heutigen Hellerstraße, am Zickenbrink und am Trienensiepen. "Alt-Löttringhausen" entstand. Auch auf dem Blick wurde gebaut, und neben der alten Schule standen ein paar Häuser.
Dann aber kam die ganz große Veränderung. Sie begann 1964 mit einer Fertigbauausstellung an der Bahnebredde und an der Toppstraße, ehe mit dem Bau der großen Siedlung begonnen wurde. Jahrelang war Löttringhausen eine einzige Baustelle. Ein Haus nach dem anderen wurde fertig, eine Wohnung nach der anderen wurde bezogen.
Da gab es mancherlei Probleme. Die vielen neuen Menschen mußten versorgt werden. Also wurde das Ladenzentrum gebaut, denn bis dahin hatte es nur zwei kleine Läden an der Blickstraße gegeben. Die kleine Schule mußte auch vergrößert werden und bekam eine Turnhalle dazu und einen Sportplatz. Ein katholisches Gemeindezentrum wurde schließlich gebaut, und ein evangelisches Gemeindehaus später auch, und den krönenden Abschluß bildete das Hochhaus.
Löttringhausen hatte sich grundlegend verändert, und der Ortskern war gewandert. Wer aber interessiert und aufmerksam durch Löttringhausen und die Umgebung geht, der kann immer wieder noch etwas von dem alten Märchen entdecken.
Ins Internet gestellt
K.D.Besche
Bewohner von Löttringhausen
Verfasser des Textes
Karl-Heinz Bartsch
Impressum:
Herausgeber:
Dorf -Verein Löttringhausen e.V.