Einleitung

Einleitung
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Wenn das Überfliegen des Inhaltsverzeichnisses den Eindruck eines "Sammelsuriums" erwecken sollte, so widerspricht dies in keiner Weise den Intentionen, die mich beim Zusammentragen der Rezepte geleitet haben. Der internationale Anstrich entspringt einem sozusagen weltoffenen Gaumen, der nahezu alles zu versuchen bereit war und ist.

Erste, damals noch handschriftliche Aufzeichnungen über eigene Rezepte liegen bereits viele Jahre zurück und stammen teils noch aus meiner Schulzeit. Der Anlaßfall zu einer weiterreichenden Sammlung war durch eine während des Studiums eingeführte Festivität gegeben. Mit 3 Kollegen war zu Beginn unserer universitären Laufbahn die Institution des "Viererfressens" ins Leben gerufen worden. Während wir bis zur Promotion noch mehrmals im Jahr zusammentreffen konnten, reduzierte sich die Gelegenheit hierzu – entfernungsbedingt –auf eine einzige pro Jahr. Beim ersten Zusammenkommen nach Beginn unserer beruflichen Karriere tauchte die erste Speisenkarte, im Anschluß daran die erste Rezeptzusammenstellung auf. Diese stellt gewissermaßen die "Keimzelle" des vorliegenden Buches dar. Die seither stattgehabten Feste sind im Kapitel "Ausgewähltes aus diversen Festen" nachzuvollziehen.

Was zuvor war, ist so leider teilweise in Vergessenheit geraten; Das "Urmenu" ist mir aber noch in Erinnerung:

Schinken-Spargelremoulade

(Felix)

Bouillabaisse

(Walter)

Wiener Schnitzel mit Erdäpfelsalat

(Michi, Erwin)

Mohr im Hemd

(Felix)

Diese doch eher extravagante Speisenfolge erfuhr in den folgenden Jahren eine gewisse (kulinarisch-geographisch-historische) Harmonisierung. Schlecht gegessen haben wir dabei nie. Unvergessenes Fondue mit 24 Saucen; allerdeftigste Schlachtplatten; überraschend mild schmeckende Knoblauchorgien;... Daß jedem irgendwann ein kleiner Ausrutscher passierte, ist überflüssig zu erwähnen. In der entwickelten Form stand unser Treffen schließlich in der Regel unter einem – meist geographischen – Motto.

Der noch zu tuende Schritt von der Sammlung zum Kochbuch wurde durch mein schlechtes Gedächtnis sehr erleichtert. Es war wiederholt vorgekommen, daß mir ein Gericht ganz passabel geglückt war, und ich, als ich wieder vor den gleichen Zutaten stand, erneut ins Grübeln kam, was jetzt damit anzufangen wäre. Da man nicht immer in gleich guter (kreativer) Laune ist, und es an sich ausreicht, wesentliche Dinge wie das Rad oder ähnliches nur einmal zu erfinden, fanden auch andere Rezepte hier Eingang. So auch von zu Hause Gekanntes oder bei Freunden Erlerntes. Nicht zu vergessen die kulinarischen Erlebnisse und Freuden, die sich in dem einen oder anderen Restaurant ergeben haben, und die den Wunsch reifen ließen, das Gericht auch daheim zu genießen und meine Lieben damit zu überraschen. Alles zusammen stellt einen recht repräsentativen Querschnitt über das, was ich gerne esse dar. Die Einteilung nach Herkunftsländern habe ich des besseren Überblickes wegen gewählt, teilweise verschwimmen aber die geographischen Grenzen, da Gaumenfreuden derartig willkürliche Festlegungen nicht anerkennen.

Der "Internationalismus" mit vor allem asiatischem Einschlag gründet sich auf meiner Überzeugung, daß ein leidlich kreativer Koch an nahezu jedem Punkt des Globus aus vor Ort angetroffenen Grundzutaten etwas kulinarisch Brauchbares hervorzubringen in der Lage sein müßte. Zudem können die Küchen verschiedener, auch grundverschiedener Länder einander durchaus befruchtend ergänzen. Das Streben nach Harmonie, nicht das Suchen der Gegensätze haben mich dabei geleitet.

In vielen Fällen wird man bei den Rezepten exakte Mengenangaben vermissen; hauptsächlich trifft dies auf Gewürze zu. Hierfür gibt es mehrere Gründe: zunächst den, daß ich selten bis nie ein Gewürz abgewogen habe. Auch ist Gewürz nicht gleich Gewürz, es ist von entscheidender Bedeutung, wie frisch und in welcher Qualität es zu bekommen ist. Nicht zuletzt ist das Würzen eben eine Frage des Geschmacks. Das will heißen, daß jeder, der einmal Thaiküche genossen und diese für gut befunden hat, höchstwahrscheinlich höher dosieren wird, wenn er liest: reichlich pfeffern, als der, dessen Leibspeisen sich mehr oder weniger ausschließlich aus der österreichischen Mehlspeisküche rekrutieren. In jedem Fall ist es vom Koch zu entscheiden, wie er es "anlegt". Finden sich ausnahmsweise Zahlenangaben, sind sie aber als bewährt zu betrachten.

Man mag einwenden, daß dem ganzen Unterfangen etwas Unfertiges eignet, daß kein Abschnitt mehr als einige scheinbar wahllos zusammengestellte Rezepte auflistet. Warum findet ein einfacher Gurkensalat Erwähnung, das Wiener Schnitzel hingegen nicht? Die Antwort ist einfach: Mit Gurkensalat war ich im Gasthaus oder sonstwo viel häufiger unzufrieden als mit dem Schnitzel, dessen Rezeptur ich als bekannt voraussetze, weshalb ich aufgeschrieben habe, wie ich ihn mag, den Salat. Recht sauer nämlich. Ein Böhmischer Knödelwecken wurde mir in meinen Kochanfängen von einer lieben Bekannten beigebracht, das Beuschel wurde so und nicht anders von meiner Mutter gekocht, deshalb haben sie hier Eingang gefunden. Es ließe sich so für jedes Gericht eine eigene Begründung angeben. Oder kurz: es lag nie in meiner Absicht, ein Kompendium herauszugeben, sondern Liebgewordenes zu sammeln.

Nicht zuletzt leitet mich der Gedanke, meiner Tochter etwas von ihrem Vater zu "konservieren". Ich habe es immer sehr genossen, für, noch mehr aber mit Annemarie zu kochen. Ihr ist diese Sammlung daher zugeeignet.