Kontrapunkt, Fuge

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Invention BWV 772
Wohltemperiertes Klavier I

Kontrapunkt

Abgeleitet von lat. "contrapunctum": "entgegengesetzt". Als Kontrapunkt wird eine Gegenstimme bezeichnet, die dem Thema einer Fuge nach komplizierten Regeln der Stimmführung im polyphonen Satz gegenübertritt. Durch größtmöglichen rhythmisch-melodischen Kontrast kontrapunktisch geführter Stimmen wird der Eindruck von einem organischen Geflecht höchst individueller Einzelstimmen erweckt. Die Lehre von dieser Selbständigkeit der Stimmen, welche in der Fuge besonders prägnante Gestalt annimmt, ist die Lehre vom Kontrapunkt.

Fuge

Vom Kanon abgeleitete Kompositionsform, die vor allem im Barock ihre Blütezeit erlebte.

Ein Thema tritt nacheinander in allen Stimmen auf. Diese werden ihrerseits nach strengen kontrapunktischen Regeln geführt. Der erste Themeneinsatz heißt "Dux" (lat. für "Anführer"), der zweite, auf der Dominante einsetzend, "Comes" (lat. für "Gefährte"). Während die Comes-Stimme das Thema intoniert, entwickelt die Dux-Stimme in streng reglementierter Weiterführung eine Gegenmelodie (Kontrapunkt). Folgen weitere Stimmeinsätze, so bildet immer die Vorgängerstimme einen neuen oder übernimmt einen bereits entwickelten Kontrapunkt. Abschnittweise wechseln rein kontrapunktische "Durchführungen", in denen alle Stimmen einmal das Thema vorgestellt haben, und freie, oft weniger polyphone "Zwischenspiele" einander ab. Die Stimmenanzahl einer Fuge beträgt in der Regel drei bis fünf. Bei J. S. Bach zu höchster Entfaltung gelangt, galt die Fuge im Barock als höchste Kunstform, deren später leicht antiquierter Herausforderung sich sowohl die Komponisten der Wiener Klassik als auch der Romantik mit besonderer Kunstfertigkeit stellten.

Quelle: klassik.com/de