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Wellensittiche zu züchten, ist eigentlich gar nicht so schwer. Manchmal muß man zwar leider einige Mißerfolge hinnehmen, aber
wenn das erste Küken einer Brut geschlüpft ist, ist die Freude um so größer !


Zuerst muß ich auf etwas sehr wichtiges hinweisen : Ohne Zuchtgenehmigung vom zuständigen Veterinäramt darf man seine Wellis
nicht brüten lassen ! Den Antrag auf Erteilung einer Zuchtgenehmigung stellt man beim zuständigen Veterinär- oder Ordnungsamt.Ist
der Antrag gestellt, bekommt ihr Besuch vom Amtstierarzt. Dieser überprüft, ob ihr die nötige Sachkenntnis besitzt, um diese
Tiere zu züchten.Der Amtstierarzt wird dies durch eine mündliche oder aber auch schriftliche Prüfung feststellen.Außerdem
wird darauf geachtet, ob die Tiere artgerecht gehalten werden, und ob ihr über einen Quarantäneraum verfügt, der nötig ist,
falls die gefürchtete Psittakose ( Papageienkrankheit ) ausbricht. Mehr dazu findet ihr unter dem Link Krankheiten und der
gesetzlichen Psittakoseverordnung.


Vorbereitungen :
Der Käfig, in dem gebrütet werden soll, muß groß genug sein, damit man von innen oder aussen vor einer Tür einen Nistkasten
anbringen kann. Wellensittiche nehmen gerne Nistkästen mit den Maßen 15 x 20 cm und 15 cm Höhe an. Diese Kästen haben im Inneren
eine sogenannte Nestmulde eingefräst, um zu verhindern das die Eier wegrollen. Nistmaterial wird nicht benötigt, da die Wellis
in der Natur auch auf dem hölzernen Boden der Baumhöhlen brüten. Unterhalb des Einschlupfloches befindet sich eine Sitzstange,
von der das Männchen das Weibchen häufig füttert, bewacht und ggf. gegen Artgenossen verteidigt. Wenn in einer Voliere gezüchtet
wird, sollten mindestens zwei Nistkästen pro Pärchen angeboten werden. Diese sollten auf der gleichen Höhe, und mit mind.
einem Meter Abstand von einander angebracht werden. Sonst wird oft von den Weibchen um die Nistkästen gestritten und die Kämpfe
enden meist blutig.


Balz :
Bald nach dem Einhängen der Nistkästen zeigt sich, das es dem Wellensittichpärchen ernst mit dem Brüten und der Aufzucht ist.
Nach wenigen Tagen, manchmal auch schon nach ein paar Stunden interessieren sich die Vögel für einander und für den Nistkasten.
Das Weibchen macht einen langen Hals, um den Kasten zu besichtigen und wagt sich nach einem oder mehrerenTagen kurz in die
Bruthöhle. Der Kasten wird benagt, und man kann hören wie sie innen
scharrt. Mit der Zeit bleibt die Henne immer länger im Nistkasten, als wenn sie brüten würde ohne überhaupt schon ein Ei gelegt
zu haben. Damit stimmt sie sich auf die Brutzeit ein, und der Aufenthalt in Dunkeln fördert die Eireifung. Nach etwa ein bis
zwei Wochen beginnt die eigentliche Balz. Das Männchen unternimmt den ersten Schritt. Ob der Hahn geeignet ist, entscheidet
aber die Henne. Wenn sich nach ein paar Wochen nichts getan hat, scheinen die beiden nicht zu harmonieren, und man sollte
ihnen andere Partner zukommen lassen. Hat sich das Pärchen genügend gern, ist das Männchen jetzt wie aufgedreht. Es zwitschert
und gluckst und klopft mit seinem Schnabel auf alle möglichen Gegenstände und auch gegen den Schnabel des Weibchens. Der Hahn
nickt dem Weibchen eifrig zu, und beginnt auf der Stange zu tanzen. Wenn das Weibchen sich daran beteiligt, trippeln beide
hin und her und geben glucksende Geräusche von sich. Die Pupillen verengen sich und das Weiß der Iris ist viel deutlicher
zu sehen als im Normalzustand. Während und nach der Balz füttert der Hahn die Henne in dem er ihr hochgewürgtes Futter aus
dem Kropf übergibt. Dieses Füttern ist eine
Einstimmung auf das Füttern während des Brütens und bei der Versorgung der Küken. Nach einer heftigen Balz kommt es dann zur
eigentlichen Paarung. Das Weibchen kauert sich auf einen Ast oder die Sitzstange, stellt den Schwanz auf und lässt die Flügel
hängen. Das Männchen besteigt den angebotenen Rücken und stützt sich dabei mit einem oder auch beiden Flügeln ab. Es rutscht
dann nach hinten um die Kloake des Weibchens zu finden. Die Begattung dauert meistens einige Minuten und danach wird eifrig
geschnäbelt und gefüttert.


Eiablage :
Ungefähr eine Woche nach der ersten Paarung legt das Weibchen das erste Ei. Jeden zweiten Tag kommt eines hinzu und es können
bis zu neun Eier gelegt werden. Meistens wird vom ersten Ei an gebrütet, aber manchmal auch erst ab dem zweiten Ei. In der
Balzphase hat sich beim Weibchen ein Brutfleck gebildet. Der Bauch schwillt leicht an und erwärmt sich, da das Gewebe von
vielen kleinen Blutgefäßen durchzogen ist. Teilweise fallen die Federn an dieser Stelle aus, oder sie werden zur Seite gelegt,
damit die Wärme direkt auf die Eier übertragen wird. Nach 5 Bruttagen kann man gegen helles Licht schon feine Blutgefäße in
den Eiern feststellen und der winzige Embryo ist sichtbar. Nach etwa 10 Tagen kann man auch anhand der Eifarbe sehen, ob ein
Ei befruchtet ist oder nicht. Unbefruchtete Eier werden gelblich, Abgestorbene werden graubraun und fleckig, Befruchtete Eier
haben eine porzellanartige, grauweißliche Oberfläche. Die Brutdauer bei Wellensittichen beträgt 18 Tage.


Schlupf und Entwicklung der Küken :
Nachdem das Weibchen die Eier im Abstand von zwei Tagen gelegt hat, schlüpfen die Küken ebenfalls mit zwei Tagen Abstand.
Das Küken klopft mit einem auf dem Schnabel gewachsenen Eizahn von innen gegen die Schale, und perforiert dadurch das Ei.
Mit heftigen Bein - und Flügelbewegungen versucht es, sich aus dem Ei zu befreien. Ist in der Schale ein Loch oder ein Riss
zu sehen, hilft die Henne beim Schlüpfen mit. Die Eierschalen werden aufgefressen oder zum Einschlupfloch hinausgeworfen.
Die Küken werden von der Henne sorgfältig gewärmt und gefüttert. In den ersten Tagen erhalten die Küken die sogenannte Kropfmilch
und werden auf dem Rücken liegend gefüttert. Diese wird im Drüsenmagen der Henne gebildet. Im Alter von etwa 7 Tagen wird
schon ein Gemisch aus Kropfmilch und ganz feinen, vorverdauten Nahrungsteilchen gegeben. Die älteren Küken erhalten vorverdautes
Körnerfutter mit Kropfmilch vermischt. Nach und nach bekommen die Küken den aus Aufzuchtfutter, Grünfutter und Körnern bestehenden
Kropfinhalt. Beim Schlüpfen sind die Jungen nackt, blind und können den Kopf nicht heben. Am ersten Tag nach dem Schlüpfen
hat sich ihr Gewicht bereits verdoppelt. Mit 3 Tagen liegen die Jungen noch auf dem Rücken. Am sechsten Lebenstag verlieren
die Küken den Eizahn und heben den Kopf. Schon im Alter von 6 - 9 Tagen sollten die Kleinen mit den vorgeschriebenen Ringen
versehen werden. Mit 9 Tagen sitzen sie aufrecht, haben die Augen geöffnet und man kann erste Federspelze sehen. Am 15. Tag
sind bereits die Dunen entfaltet, und die Federkiele von Schwingen und Kopfgefieder brechen durch. Mit 20 Tagen platzen die
Federkiele auf, und die Farbfedern sind sichtbar. Nach 24 Tagen hat das Küken sein Höchstgewicht erreicht und besitzt fast
ein vollständiges Kleingefieder. Ab dem 30. Tag ist der Nestling voll befiedert, nur Schwanz und Schwingen sind noch nicht
ausgewachsen. Im Alter von ca. 35 Tagen verlassen die Jungen den Nistkasten.


Selbstständigkeit: Nach dem Verlassen des Nistkastens sind die Jungvögel noch flugungewandt und können ihren Flug nicht richtig steuern. Leider prallen sie dadurch oft noch irgendwo dagegen. Bitte alle Gegenstände, an denen sich die Jungen verletzen können aus dem Käfig nehmen ! Nach dem Ausfliegen wird der Nachwuchs dann fast ausschließlich vom Vater gefüttert, da die Mutter meist schon wieder brütet. Nach wenigen Tagen lernen die Jungvögel das Entspelzen der Körnchen. Am besten eignet sich hierbei Kolbenhirse und Keimfutter. Mit ungefähr 6 - 7 Wochen sind die Wellis selbstständig und man kann nur noch an den großen Knopfaugen erkennen, welches die Jungvögel sind. Im Alter von 3 - 4 Monaten findet die Jugendmauser statt, und die Sittiche sind geschlechtsreif. Aber bitte erst im Alter von 9 - 10 Monaten zur Zucht ansetzen.