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Teurer (fast) "Gratis"-Computer
Ein Theorie & Praxis-Bericht


Irgend jemand sagte einmal: "Man ist selten reich genug, um sich billige Sachen leisten zu können". Wie teuer müssen da erst Produkte sein, die - scheinbar - gar nichts kosten?
Kaum eine andere Branche entwickelt sich so rasant wie die der Computer-Industrie. Aber das Top-Gerät von heute gilt spätestens in einem halben Jahr als Schrott.
Seit einiger Zeit bieten diverse Magazine Computer um unglaubliche 0,- Schilling an. Nein, ein bißl muss man natürlich schon bezahlen. Eh nur 299,- Schilling monatlich, 39 Monate lang. Dafür bekommt man als Draufgabe noch eine Wochenillustrierte, die sich hauptsächlich von den Werbeeinnahmen finanziert. Also trotzdem - fast - "geschenkt"?
Man zahlt im Laufe der Zeit rund 12.000,- Schilling. Aber was bekommt man dafür? Konsumentenschützer in Deutschland, wo diese Praktiken natürlich auch längst üblich sind, warnen bereits vor diesen doch-nicht-Gratis-Geräten: In der Regel sind es ausrangierte Serien 2. Wahl, für die - aus gutem Grund - kein "normaler" Käufer mehr gefunden werden kann. Was die möglichen Käufer nicht bzw. zu wenig wissen, ist, dass sie mit Vertragsunterzeichnung noch nicht Eigentümer des Gerätes sind, sondern erst nach 39 Monaten. Bis dahin bleibt es im Eigentum der Leasing-Firma. Jede Fremdinstallation gilt - rein rechtlich - als unerlaubte Manipulation und kann unangenehme Folgen haben. Z.B. wenn der PC abstürzt und man die Garantie in Anspruch nehmen will.
Nun kauft man ein - für die Computer-Welt - schon von Haus aus relativ "altes" Gerät, das spätestens nach einem Jahr eigentlich nichts mehr wert ist.
Was nützen all die Argumente, wenn ich aber dringend einen PC brauche und nicht genügend Cash habe, um mir normal in einem Geschäft ein Gerät zu kaufen?
Was wird von den Anbietern versprochen? Nach der (telefonischen) Bestellung erhält man den PC innerhalb von zwei Wochen. Das Gerät wird von einem Fachmann dann in der Wohnung aufgestellt.
Wie sieht die Praxis aus?
Vier Wochen nach der Bestellung noch kein Computer im Haus. Anruf. Tja, der Apparat wird erst zwei Wochen nach Erhalt der ersten Rate geliefert.
Aha. Kann man dann bitte auch einen Erlagschein bekommen?
Nach einer Woche kommt der Erlagschein. Zwei Wochen nach der Einbezahlung kommt endlich die Anlage. Geliefert von einer Speditionsfirma. Und was ist mit der versprochenen Installierung?
"Da müssen Sie sich erst mit der Auftragsfirma einen Termin ausmachen..."
Es ist Freitag Nachmittag und bei der Lieferfirma rennt nur ein Tonbanddienst. Also geht man selbst ans Werk. Ausgepackt, die Bedienungsanleitungen gelesen und das Werkl aufgestellt. Aber es bleiben ein paar Unklarheiten. Für diesen Fall ist eine Telefonnummer (in Deutschland) angegeben, wo die Minute telefonieren 14,- Schilling kostet. Nützt nichts. Beim Anruf wartet man endlos, dann erhält man die Auskunft, dass einem der freundliche Ratgeber bei DIESEM Problem halt auch nicht weiterhelfen kann. Also Telefonrundruf unter Freunden, die sich mit Computern besser auskennen. Einer kann endlich helfen.
Und dann der große Augenblick: Man schaltet ein, hofft, dass alles gut geht und man das "gute" Ding in Betrieb nehmen kann. Und dann stellt man fest, man ist vor allem auch Mitglied im "Club" des Anbieters geworden. Man hat mit dem Gerät einstweilen keine andere Möglichkeit, aktiv zu werden, als im Internet zu surfen. Sonst nichts. Denn nicht einmal ein halbwegs taugliches Schreibprogramm ist installiert. Die Verbindungen zu allen kommerziellen Internet-Adressen funktionieren bestens. Bei allen anderen dauert es ewig, bis sich das Bild öffnet.
Zum nichtkommerziellen Internet-Gebrauch ist das Gerät also mäßig tauglich. Fürs normale Arbeiten (wie zum Beispiel schreiben) gar nicht. Die zwei bisher gebrauchten Drucker und das Zip sind nicht kompatibel. Die bisher verwendeten (aber auch ganz neue) CD´s erkennt die "Sensation!" an "Top-PC" nicht.
Wenigstens sind ein paar nette Spiele auch noch installliert und so kann man, wenn einem fad ist, wenigstens seine Neigung zur Spielsucht erproben...
Genau ein Monat später. Plötzlich, ohne Vorwarnung, stürzt der PC - einfach so - ab. Total. Der "Tower" macht keinen Mucks mehr. Egal, schließlich gibt es für diesen unerfreulichen Anlass auch eine Garantie. Von einer Telefonistin (nach einer Endlosschleife eines Anrufbeantworters, die Minute kostet wieder 14,- Schilling) erfährt man eine Telefonnummer in Linz, an die man sich wenden soll. Nach fast einer Stunde (!) Telefonat mit Linz, wird einem versprochen, dass in einer Woche das fehlerhafte Gerät zur Reparatur abgeholt wird. Allerdings muss es in der Originalverpackung bereit stehen (?!).
Die gibt es natürlich nicht mehr. Man werde das Gerät halt trotzdem abholen, doch garantieren könne man wegen der fehlenden Originalverpackung nichts. Wie lange die Reparatur dauern wird, könne man nicht versprechen. Je nach dem - ein bis vier Wochen.
Sollte man "stolzer" (Noch nicht-) Besitzer eines solchen Gerätes sein, noch ein guter Rat: Erzählt niemandem, dass ihr einen Illustrierten-"Top-PC" habt, denn von jedem, der sich halbwegs auskennt, bekommt ihr nur ein "selber Schuld" als Antwort...
Gerald Grassl