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Otto Eduard Leopold Graf von Bismarck
Sein Leben � Seine Innen- und Außenpolitik als Reichskanzler
Otto
Eduard Leopold Graf von Bismarck (seit
1871 Fürst von Bismarck )(1815-1898)
preußisch-deutscher Staatsmann und erster Kanzler des Deutschen Reiches (1871-1890)
Gliederung
Zeittafel
Bismarcks
Jugend
Sein
Aufstieg zur Macht
Seine
Zeit als Kanzler
Außenpolitik
Innenpolitik
Das Ende
Ein Überblick über die wichtigsten Daten in Bismarcks Leben:
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1815 |
Geburt Bismarcks auf Gut
Schönhausen bei Magdeburg |
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1822 |
Eintritt
Bismarcks in die Plamannsche Erziehungsanstalt zu Berlin |
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1827-1832 |
Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums/Graues
Kloster |
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1832-1834 |
Studium
der Rechte an Universitäten in Göttingen und Berlin |
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1836 |
Regierungsreferendar
in Aachen |
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1839 |
Bismarck
beendet Staatsdienst und Wechsel zu Gutshof Kniephof |
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1839 |
Tod
der Mutter Wilhelmine von Bismarck, geb. Mencken |
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1845 |
Tod
des Vaters und Wechsel zu Gut Schönhausen |
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1847 |
Heirat
mit Johanna von Puttkamer |
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Abgeordneter
des ersten Vereinigten Landtags in Preußen |
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1848 |
Märzrevolution
in Deutschland und Berufung liberaler Ministerien in den deutschen Staaten |
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1849 |
Wahl
Bismarcks in die zweite Kammer des preußischen Landtags |
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1850 |
Bismarck
wird Abgeordneter des Erfurter Parlaments |
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1851 |
Ernennung
Bismarcks zum Gesandten am Frankfurter Bundestages |
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1858 |
Wilhelm
I. von Preußen übernimmt
Regentschaft für geisteskranken Bruder Wilhelm IV. |
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1859 |
Abberufung
Bismarcks aus Frankfurt und Ernennung zum preußischen Gesandten |
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in
Petersburg |
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1861 |
Tod
Wilhelm IV. von Preußen, Thronbesteigung Wilhelms I. |
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1862 |
Preußischer
Verfassungskonflikt |
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Ernennung
Bismarcks zum preußischen Gesandten in Paris |
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Berufung Bismarcks zum preußischen Ministerpräsidenten |
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1866 |
Auflösung
des Deutschen Bundes |
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Gründung
des Norddeutschen Bundes |
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1867 |
Kriegserklärung
Frankreichs an Preußen |
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1870 |
Kapitulation
einer franz. Armee bei Sedan |
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1871 |
Proklamation
des deutschen Kaiserreiches in Versailles |
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Bismarck wird erster deutscher Reichskanzler |
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1872 |
Dreikaiserabkommen
zwischen Österreich-Ungarn, Rußland, Deutsches Reich |
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1878 |
Verabschiedung
des �Sozialistengesetzes� durch Reichstag |
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1888 |
Tod
Kaiser Wilhelm I. und Thronfolge Wilhelms II. |
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1890 |
Entlassung
Bismarcks als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident |
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1894 |
Tod
Johanna von Bismarcks |
| 1898 | Tod Otto von Bismarcks |
1.
Bismarcks Jugend
1.April 1815 Geburt Bismarcks auf dem väterlichen Gut Schönhausen bei Magdeburg
mütterlicherseits
Sohn einer Beamtenfamilie, der Mencken
sein
Vater, Ferdinand von Bismarck, ist ein preußischer Landadliger
Bismarcks
Mutter wollte, daß er viel lernt und viel werden sollte (in Brief schrieb er:
�Als kleines Kind haßte ich sie, später hinterging ich sie mit Falschheit
und Erfolg.�; �Meinen Vater liebte ich wirklich ...�, heißt es in
demselben Brief)
Bismarck
mochte von früh auf die Unabhängigkeit und Ungebundenheit des Lebens eines
Landedelmannes, wie das des Vaters
diese
beiden Positionen hatten einen weitreichenden Einfluß auf seine spätere
Lebensgestaltung und seine Lebensziele
zunächst
aber verlief sein Leben unter dem dominierendem Einfluß der Mutter: das hieß
(für Otto und Bruder Bernhard) Bildungsweg und schließlich Beamtenlaufbahn, um
vielleicht später Minister zu werden
im
Alter von 6 Jahren kam er in ein Berliner Internat, die Plamannsche Lehranstalt
(von Söhnen hoher preußischer Beamter besucht und von diesem Milieu bestimmt)
1827
wechselte Bismarck auf das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und dann 1830 bis zum
Abitur an das berühmte �Graue Kloster� in Berlin (ein Gymnasium, das die
Beamtenelite Preußens bildete)
es
folgte die nächste Etappe zur Beamtenlaufbahn: das Jurastudium; erst in Göttingen
und dann in Berlin
zu
dieser Zeit häuften sich bei Bismarck Klagen über seine richtungs-und ziellose
Existenz (�sich emporzudienen, sich sein ganzen Leben im Amt zu quälen, das könne
doch nicht der Lebensinhalt sein")
seine
Laufbahn als Jurist und angehender Verwaltungsbeamter verlief alles andere als
erfolgreich:
er langweilte sich nämlich zu Tode
und
als er im Juni 1936 als Regierungsreferendar nach Aachen versetzt wurde geriet
er schon bald in eine tiefe, lebensverändernde Krise, er hatte Gefühl, daß
sein Leben weder Sinn noch Perspektive gewann
diese
Krise endete dann in einer Eskapade:er reiste kreuz und quer durch Deutschland,
verliebte sich in eine junge Britin, verursachte riesige Spielschulden (da war
er Anfang 20)
Bismarck
brach dann seine Beamtenlaufbahn ab und faßte endgültig den Entschluß
�Landjunker� (Landedelmann) zu werden
Krankheit
und schließlich der frühe Tod der Mutter haben das letzte Hindernis auf dem
Weg in die Welt des Vaters beseitigt - Wilhelmine von Bismarck starb 1839
Bismarck
scheidet noch im selben Jahr aus dem Staatsdienst aus und übernimmt die
Bewirtschaftung des väterlichen Gutshofes Kniephof, Pommern
jedoch
ahnte Bismarck bald, daß sich diese Rückkehr in die Welt der Väter als
Sackgasse erweisen würde: er war einfach zu ehrgeizig und intelligent
Bismarck
war mehr als je zuvor auf der Suche nach dem Sinn seiner Existenz
der
�tolle Bismarck� hieß es schon bald in der Gegend wegen seiner Gelage und
Eskapaden, aber auch wegen seiner Neigung plötzlich ein ganz anderer zu sein
und sich nächtelang in Büchern zu vergraben
Beschäftigung
mit Philosophie, Kunst, Religion und Literatur (ausgeprägte literarischen
Bildung)
1845
stirbt Bismarcks Vater - es folgt Übersiedlung Bismarcks auf das Gut Schönhausen
1847
Heirat Johanna von Puttkamer
endgültige
Bekehrung des �Tollen Bismarcks" - er erlangt wieder Vertrauen und
Lebensmut
m
öffentlichen Leben, in der Politik, im Staat jemand zu werden wurde in dieser
Zeit zu Bismarcks Lebensziel
2.
Sein Aufstieg zur Macht
in
einem absolutistisch regiertem Staat wie Preußen führte in die Politik nur die
Beamtenlaufbahn
diesen
Weg aber hatte Bismarck ausgeschlagen � nicht mal ansatzweise geschafft
in
diesem Sinne wurde die Revolution von 1848 zur Stunde Bismarcks
der
entschiedene Angriff, die tödliche Bedrohung der bestehenden
Gesellschaftsordnung führten auch zu einem Wandel des Menschen Bismarck und so
wurde der Verteidiger der Monarchie und des Bestehenden zum Gegenrevolutionär
und Mann der Zeit, seine politische Karriere begann:
1847
war der konservative Bismarck Mitglied des preußischen Landtages geworden
die
Revolution von 1848 wollte er mit Gewalt unterdrückt sehen
und
die politischen Ansichten seiner Gegenspieler bestärkten ihn in seiner
konservativen und monarchistischen Haltung
politische Hauptziele Bismarcks:
konstiutionelle Monarchie
Erhaltung der Stellung des Adels
Abwehr
der Machtansprüche des Bürgertums
Bismarck
war ehrgeizig und hatte den leidenschaftlichen Wunsch etwas zu werden, wollte
die Existenz des kleinen Gutsbesitzers hinter sich lassen
persönliche Leitlinien waren:
Unabhängigkeit seines Privatlebens
weitgehende Autonomie als Politiker
Gewinnung
einer politischen Stellung aus eigener Kraft
er
war Taktiker und Stratege, meisterhaft am Rednerpult und vermochte es geschickt
wichtige Kontakte aufzubauen (er war von Natur aus auf aktives Handeln und
Selbstbestätigung ausgerichtet)
1849
wurde Bismarck in die zweite Kammer des preußischen Landtages gewählt
nach
der Revolution wurde er Abgeordneter im Erfurter Parlament, führendes Mitglied
der Konservativen Partei und Mitarbeiter der konservativen Kreuzzeitung
Bismarck
fehlte eine entsprechende Ausbildung und eine langjährige Erfahrung und trotz
dessen wurde er 1851 Gesandter beim wiederhergestellten Deutschen Bundestages in
Frankfurt
seine
Beförderung wurde heftig diskutiert, da er ja nicht im geringsten die
Voraussetzungen für diese Tätigkeit mitbrachte
die
Beförderung war jedoch ein gewaltiger Sprung für den jungen Bismarck
er
jetzt schon eine recht wichtige Figur der preußischen Diplomatie und
Politik geworden
im
Frankfurter Bundestag trat er für die Gleichberechtigung Preußens mit Österreich
im Deutschen Bund ein
vielen
politischen Freunden wurde Bismarcks Streben nach Einfluß und Drang zur Macht
unheimlich
Bismarck
war unablässig tätig: arbeitete, lernte, beobachtete, bereiste benachbarte Höfe
um wichtige Persönlichkeiten kennenzulernen
1859
ging Bismarck als preußischer Botschafter nach Rußland und 1962 nach
Frankreich (fern von Entscheidungen)
1862
war in Preußen die Auseinandersetzung zwischen Regierung und Parlament über
eine Heeresform zu einem scheinbar unlösbaren Konflikt geworden. Das von
liberalen Kräften dominierte Parlament hatte die Heeresvorlage abgelehnt. In
dieser Situation war König Wilhelm I. auf die Hilfe Bismarcks angewiesen - und
berief diesen im September 1862 als preußischen
Ministerpräsidenten
Bismarck
beendete den Heereskonflikt im Sinne der Krone: er löste das Parlament auf -
regierte dann, gestützt durch die Lückentheorie,
ohne vom Parlament gebilligtem Etat weiter. Mit seiner �Blut-und Eisenrede�
(�Die großen Probleme unserer Zeit [Anm.: Die Einigung Deutschlands] lassen
sich nur durch Blut und Eisen lösen.�) hatte Bismarck bei Amtsantritt seine
Aktion gerechtfertigt
Das
Bild Bismarcks verlor zu dieser Zeit jede Eindeutigkeit: Einige sahen in ihm
prinzipienfesten Verteidiger der bestehenden Ordnung (Beharren auf Monarchie);
andere einen Zerstörer aller Ordnungen
(Staatsneu- und Staatsumgründung / Modernität d. Norddeutschen Bundes)
Bismarck
war also sehr flexibel in seiner Politik, um seine Ziel zu erreichen
Überblick
zur Außenpolitik Bismarcks
das
Verhältnis zwischen Preußen und Östereich (Dualismus) im deutschen Bund
wollte Bismarck zugunsten Preußens ändern
Bismarck
provoziert einen Krieg mit Österreich (preußisch-österreichischer Krieg 1866)
Folgen des Krieges :
Gründung des Norddeutschen Bundes
Beilegung
des Preußischen Verfassungskonfliktes
der
nationale Charakter des deutsch-französischen Krieges (1870/71) ermöglicht die
Gründung des Deutschen Kaiserreiches
18.01.1871
in
der Folgezeit kann Bismarck die Position des Deutschen Reiches durch ein ausgeklügeltes
Bündissystem sichern (neuer Machtblock in Europa stört Kräftegleichgewicht)
Beispiele:
Dreikaiserabkommen - Zweibund mit Österreich - Dreibund
Bismarck,
der nun Reichskanzler geworden ist,
hatte damit sein Ziel erreicht:
Einigung
Deutschlands unter preußischer Führung
trotz
dieser großen außenpolitischen Erfolge scheitert Bismarcks Innenpolitik
Überblick
zur Innenpolitik Bismarcks
innenpolitisch
scheitert die Politik Bismarcks bezüglich des Kulturkampfes und im Kampf gegen
die Sozialdemokratie
mit
dem Kulturkampf
wollte er das antiliberale katholische Zentrum
ausschalten, provozierte damit jedoch neue innenpolitische Konfrontationen und
mußte gegenüber katholischer Kirche einlenken
Sozialistengesetz
von 1878, Verbot aller sozialdemokratischen, sozialistischen und kommunistischen
Vereinigungen
sein
Ziel: die Sozialdemokratie zu zerschlagen
es
beschwor jedoch eine neue innenpolitische Krise herauf
Sozialgesetzgebung
stellt eine bleibende positive Errungenschaft dar (Unfall-, Invalidenvers.)
Das Ende
als
Bismarck am 10.Mai 1871 seine Unterschrift unter den endgültigen
Friedensvertrag mit Frankreich
setzte, war er auf dem Höhepunkt seiner politischen Laufbahn angelangt
seine
großen außenpolitischen Erfolge, seine Stetigkeit, sein Maß, Festhalten am
Bewährten führten zur Legendenbildung um Bismarck
Kaiser
Wilhelm II. entließ Bismarck am 20. März 1890 wegen unüberbrückbarer persönlicher
und politischer Gegensätze aus seinem Amt
Bismarck
zog sich daraufhin auf sein Landgut im Sachsenwald zurück
er starb am 30. Juli 1898
Begriffserklärung:
Lückentheorie: �Lücke� in preußischer Verfassung : keine Aussage über Verfahren bei Nichtübereinstimmung von Regierung und Parlament.
Indemnität:
nachträgliche parlamentarische Billigung strittiger Regierungsmaßnahmen
Stand: Februar 1999
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