J. R. R. Tolkien und die Welt von Mittelerde

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Meine Facharbeit

seine Bücher (mit Links)

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Berufliches Schulzentrum Ernährung                        Schuljahr 1998/99
Fachoberschule

FACHARBEIT

 

Jörg Erdmann

 

 

J. R. R. Tolkien und die Welt von Mittelerde

 

Unterrichtsfach:  

Deutsch

Klasse:  

FOS 12 L

Abgabetermin:  

22.02.1999

Betreuerin:  

Frau Ullmann

Bewertung:  

Note 1

   

Vorwort

Viele von uns haben einen Lebenstraum � oder hatten ihn zumindest in ihrer Jugend. Einigen ist es wirk­lich gelungen, diesen Traum zu verwirklichen. Manche wurden Lokomotivführer, andere Polizist und wieder andere flogen zum Mond. Doch nur sehr wenigen ist es gelungen, mit der Erfühlung ihres eigenen Lebenstraumes sehr viele andere Menschen glücklich zu machen.

 

J. R. R. Tolkien war so ein Mensch.  

Er wollte einfach nur seine Geschichte erzählen und aus seiner Geschichte entstand eine eigene Welt � die Welt von Mittelerde.  

Und er erzählte diese Geschichte so gut, so bewegend, realistisch und ergreifend, dass sie zum meist ver­kauften Fantasy-Roman aller Zeiten wurden.

Ich möchte im folgenden kurz erklären, um was es in Tolkiens Geschichten geht, was mich daran so fas­ziniert und welch großes Potential in diesen Büchern steckt.

Auch möchte ich aufzeigen, auf welche besondere Art und Weise er sich mit dem Thema Sprache ausein­andersetzte und das der Ursprung seiner �Schreiberei� eigentlich rein sprachwissenschaftliche Gründe hat.
Inhalt:

1.       Eine kurze Vorstellung der Welt von Mittelerde

2.       Was fasziniert mich so an Tolkien?

3.          Literarische Mittel/Inhalt

3.1          Schreibstil Tolkiens, Wahl der sprachlichen Mittel

3.2          Erzählertyp

3.3     Der Umfang der beschriebenen Welt

3.4     Sprachen der Elben, Hobbits, Menschen usw.

3.5          Realismus der Welt von Mittelerde

3.6     Die Aussagen zum Kampf Gut gegen Böse

3.7     Die moralischen Aussagen der Geschichten

4.       Tolkien � der �Herausgeber� der Schriften

4.1     Tolkiens Selbstbild

4.2     Die zeitliche Reihenfolge der Bücher

4.3     Der Bezug zur realen Weltgeschichte

4.4     Eine Biographie von Tolkien

4.5     Tolkiens Söhne setzen die Tradition fort

5.          Zusammenfassung


1.       Eine kurze Vorstellung der Welt von Mittelerde

Mittelerde ist der Name eines Kontinentes auf dem Planeten Arda, der unsere Erde darstellen soll. Schau­platz ist das uns heute bekannte Europa, allerdings in einer weit zurückliegenden Zeit. Einer Zeit der Magie, des Kampfes von Gut gegen Böse und der sich gerade formenden Gesellschaften.

In dieser Welt existieren verschiedene Wesen wie Elben, Menschen, Zwerge, Hobbits, Orks und viele andere mit- oder gegeneinander. Tolkien stellt diese Welt niemals als Utopia, als perfekte Fiktion dar, sondern die Individuen und Gruppen haben gute und schlechte charakterische Eigenschaften, die durch­weg glaubwürdig erscheinen und sehr viel �Menschliches� aufweisen.

Die Geschichten Tolkiens sind geprägt vom Leben dieser Wesen in ihrer geographischen, religiösen und sozialen Umwelt, erzählt in großen Epen oder kleinen Erlebnissen.

Tolkien, ein tiefgläubiger Mensch, ließ diese Welt von einem Urgott erschaffen, den er Eru oder Ilúvatar nannte. Dieser erschafft mit seinen Helfern (den Ainur, eine Art Erzengel) mittels Musik den Planeten Arda. So liegt das gesamte Schicksal von Mittelerde in den Händen dieses Gottes. Die Undurchschaubar­keit der göttlichen Entscheidungen wird in den Werken gelegentlich als Handlungsbegründung herange­zogen und erscheint durch die Darstellung der Religion der einzelnen Rassen realistisch.

Ich möchte hier kurz die Hauptvertretter der Rassen vorstellen:

Die Elben (den aus vielen Märchen bekannten Elfen sehr ähnlich) sind die Erstgeschaffenen. Sie besitzen die Gabe der Unsterblichkeit, sie haben oft magische Eigenschaften und eine gewisse geistige Erleuch­tung, da sie noch das Urlicht zum Schöpfungszeitpunkt gesehen haben. Körperlich gleichen sie dem Bild von Elfen, das wir kennen, aber in ihren geistigen Eigenschaften gelten sie überwiegend als edel, dem Schönen und den Künsten zugetan und klug.

Die Zwerge wurden von einem der Ainur geschaffen und sind deshalb in ihren Eigenschaften einge­schränkt. Sie besitzen starke körperliche Kräfte, sind aber von kleinem Wuchs und mit einer starken Gier nach Gold behaftet, aber dadurch nicht als charakterlich böse einzuordnen.

Die Menschen gelten als die zweite direkte Schöpfung Eru�s. Sie besitzen nicht so vollkommene Eigen­schaften wie die Elben, aber dafür eine, die nur schwer als Vorteil oder Geschenk zu erkennen ist. Die Sterblichkeit. Tolkien verteidigt in seinen Werken die Sterblichkeit als Gabe der Schöpfung. Nur der Tod ermöglicht Weiterentwicklung, das Streben zum Höheren, Evolution.

Die Hobbits sind etwa einen Meter große, menschenähnliche Wesen mit einem starken Haarwuchs, vor allen an den Beinen. Sie ähneln etwas den Plüschteddies und dies ist auch eine gute bildliche Vorstellung ihres Charakters. Sie sind eher gemütlich und den weltlichen Genüssen zugetan. Trotzdem spielen gerade diese unscheinbaren Wesen eine ganz wichtige Rolle in den Ereignissen am Ende des Dritten Zeitalters. Manchmal durch wahren Heldenmut, manchmal einfach durch Glück und Schicksal sind die vier Hobbits, die die Hauptakteure des Herrn der Ringe sind, verantwortlich für den Sieg über die Streitkräfte des Bö­sen und die endgültige Vernichtung des Ringes der Macht.

 

2.       Was fasziniert mich so an Tolkien?

Was mich vor allem an den Geschichten von Tolkien begeistert, ist die Realitätsnähe mit der er seine Geschichten erzählt. Dinge und Handlungen erscheinen nie grundlos oder phantastisch, sondern manch­mal einfach nur �undurchschaubar�, allerdings so wie im realen Leben. Tolkien hat es geschafft, eine ganze Welt mit eigenen Völkern, eigener Grammatik und eigenem Charakter aufzubauen um dann nur ein Stückchen des Vorhangs zu lüften, so wie es uns in der Realität auch geht.

Damit schafft er eine unglaublich dichte Atmosphäre. Außerdem spielt Tolkien durch die Handlungen seiner Bücher sehr geschickt mit solchen Themen wie Schicksal, Glück, Vorsehung, Götterfügung. Seine Werke regen zum Nachdenken an.

 

3.          Literarische Mittel/Inhalt

3.1          Schreibstil Tolkiens, Wahl der sprachlichen Mittel

Schon in seiner Jugend war Tolkien von Sprachen fasziniert, besonders den nordeuropäischen (sowohl den alten, als auch den modernen). So fand er in der Linguistik nicht nur seinen Beruf, sondern auch sein privates Hobby, die Erfindung von Sprachen. Ganz allgemein war er von der �Nordischen Kultur" sehr beeindruckt, las viele nordische Mythen und Epen und auch die Werke jener Autoren, die seine Vorlieben teilten (z. B. William Morris, George MacDonald). Sein breites Wissen führte natürlich zur Entwicklung verschiedener eigener Ansichten über Mythen, ihr Verhältnis zu Sprachen und die Wichtigkeit von Er­zählungen. All diese verschiedenen Aspekte (Sprachen, Heldenlieder, Mythen, Erzählungen und ein tiefer Glaube an das katholische Christentum) zeigen sich sehr stark in seinen Geschichten: Zuerst die Legen­den der Älteren Tage (z. B. Das Silmarillion), die als Hintergrund für seine erfundenen Sprachen dienten, und später für seine berühmetesten Werke, Der kleine Hobbit und Der Herr der Ringe.

Die verschiedenen Sprachen spielen also eine große Rolle in seinen Werken, genau wie die Art des Be­richtens. Darauf gehe ich in den nächsten Abschnitten noch näher ein.

Vor allem ist hervorzuheben, dass sich der Herr der Ringe tatsächlich wie ein historischer Bericht liest und immer wieder von Gedichten und Liedertexten unterbrochen oder besser ergänzt wird. Tolkien wählt viele altertümliche Bezeichnungen und Vorstellungen; genauso nutzt er auch ansprechende, ehrfurchts­volle Beschreibungen für Helden oder große Städte.  

 

3.2          Erzählertyp  

Die Geschichten in Tolkiens Welt werden zwar meist aus der neutralen Erzählerperspektive dargestellt, doch wird immer aus der Sicht der aktiv handelnden Person geschrieben. Sind � wie oft im Herrn der Ringe � die Hobbits die Hauptakteure, so berichtet Tolkien eben in einem Schreibstiel, der der Weltsicht der Hobbits entspricht. So scheinen Dinge viel größer als aus menschlicher Sicht, eine den Hobbits eigene Gemütlichkeit und der Drang zu guter Nahrung rücken in den Vordergrund und scheinen selbstverständ­lich.

Oftmals wird auch eine Person als Ich-Erzähler eingesetzt, meist bei rückblickenden Beschreibungen.

 

3.3     Der Umfang der beschriebenen Welt

Tolkien beschreib eine sehr umfangreiche Welt, zu der er selbst auch viele Karten erstellt hat, sehr detailiert. Doch behält er sich auch das Recht vor, viele Landstriche als weiße Flecken auf der Landkarte zu belassen, eben unerkundete oder gefährliche Gebiete, die nur wenige Wesen betreten haben.

Die bekannten Gebiete dagegen sind genau bekannt, haben feste Handelswege, Schiffsrouten und regio­nale Eigenarten. So leben in einigen Gegenden verschiedene Rassen friedlich zusammen, die sich anderer­orts bekämpfen.

 

3.4          Sprachen der Elben, Hobbits, Menschen usw.

Die Hauptsprache in Mittelerde ist die �Gemeinsame Sprache�, die auch die Hobbits sprechen. In dieser sollte ursprünglich der Herr der Ringe erschienen und von Tolkien ins Englische übersetzt worden sein. Hier gilt es hervorzuheben, dass Tolkien bei seiner Übersetzung � im Gegensatz zu den Sprachen der Elfen und Zwerge � auch die Ortsnamen ins Englische (und damit ins Deutsche) übertrug. So sind dem Leser die Ortsnamen Hobbingen, Wasserau, Buckelstadt oder Bruchtal sofort sehr vertraut, was sehr viel zur Atmosphäre des Buches beiträgt. Die Ortsnamen aus dem Sindarin z. B. wurden aber nie übersetzt (z. B. "Imladris", der Sindarin-Name von Bruchtal). Diese Ortsnamen klingen dem Leser fremd, genau wie den Hobbits, aus deren Sicht das Buch erzählt ist.

Tolkien ging bei seinem Spiel mit den Sprachen noch viel weiter. Im englischen Original tauchen sehr viele Namen von alten Orten auf, die Elemente der keltischen und altgermanischen Sprache  enthalten an die das (Alt-)Englische stark angelehnt ist. So verwendet Tolkien als Übersetzung von Tol Brandir das Wort tindrock, mit dem germanischen Wortelement tinn- (Zinne), obwohl im heutigen Englisch nur noch das aus dem Französischen übernommene Wort merlon verwendet wird. Dem englischen Leser erschei­nen solche Ortsbezeichnungen auf ganz natürliche Weise vertraut und �altehrwürdig�.

Leider konnten viele dieser Feinheiten in der deutschen Übersetzung nicht berücksichtigt werden. Das moderne Deutsch enthält aber fast keine Elemente des Altgermanischen bzw. Keltischen. Somit wäre einer Übertragung der Entsprechungen ins Deutsche unter Erhaltung der subtilen Wirkung der Worte sehr schwierig.

An solchen Beispielen zeigt sich sehr gut, was für eine großartige linguistische Meisterleistung Tolkien mit dem Herrn der Ringe erschaffen hat. Er erfand komplexe Sprachen für die verschiedenen Rassen, einige völlig neu und unbekannt, andere (in Anlehnung an den Realitätsanspruch der Geschichte) als Vorgängersprachen der alten europäischen Sprachen.

 

Zu den elbischen Sprachen Sindarin und Quenya heißt es:

 

[Diese waren] kein sinnloses Geplapper, sondern wirklich denkbare Sprachen mit konsistenten Wurzeln, Lautgesetzen und Endungen, in die er all seine kreativen und philologischen Kräfte steckte.

 

Obituary in Scholar and Storyteller (entnommen aus der HdR-FAQ, Internet)

Außerdem waren sie beide, wieder auf linguistisch plausible Art, von einer Ur-elbischen Sprache abge­leitet. Sindarin war die elbische Alltagssprache während Quenya als eine Art "Elbenlatein" nur von Ge­lehrten verwendet wurde. Daher sind die meisten elbischen Worte im Herrn der Ringe dem Sindarin ent­nommen. So stammen die elbische Ortsnamen auf der Landkarte (z.B. Minas Tirith, Emyn Beraid) aus dem Sindarin, wie auch die Hymne an Elbereth in Bruchtal; Galadriels Klagelied aber ist z. B. in Quenya verfaßt.

Adunaisch, als Sprache der Menschen von Númenor, zeigt sowohl Einflüsse des Elbischen als auch des Zwergischen. Dies ist auch durch die Geschichte der Menschheit im ersten und zweiten Zeitalter sehr plausibel. Adunaisch, welches Tolkien 1946 erfund, gilt als seine fünfzehnte Sprache.

Die anderen Sprachen im Herren der Ringe sind vom Autor weniger weit entwickelt worden: Entisch, Khuzdûl, die Schwarze Sprache (Sprache von Mordor und der Ringinschrift) und die Gemeinsame Sprache/Westron (die vollständig ins Englische übersetzt wurde).

Während die Elbensprachen untereinander eng verwandt sind und sich von einer gemeinsamen Ursprache herleiten, sind die anderen Sprachen von diesen und untereinander völlig unabhängig.

Entisch (die Sprache der Baumwesen Ents) ist eine Sprache, in der Wörter für neue Begriffe ohne Ein­schränkung durch Aneinanderfügen von bekannten Worten gebildet werden können; je genauer man einen Begriff fassen möchte, desto länger muß dann das entsprechende Wort anwachsen. Diese Art der Sprache paßt sehr gut zur Lebenseinstellung und Kultur der nichtsterblichen Ents.

Khuzdûl (die Zwergensprache) beruht, ähnlich den semitischen Sprachen unserer Welt (Hebräisch, Arabisch, Ägyptisch), auf einem System von Wortwurzeln, die aus genau drei Konsonanten bestehen; Worte werden gebildet, indem man Vokale zwischen die Konsonanten stellt oder zusätzlich noch Endsil­ben anhängt: So steht die Wurzel KhZD für den Begriffsbereich Zwerg, wobei �Kh� als ein Buchstabe gilt. Daraus lassen sich die Worte khazâd (Zwerg), khazad (Adjektiv: zwergisch) und khuzdûl (Name der Sprache der Zwerge) bilden.

Die Sprache der Rohirrim war jedoch eine reale Sprache: Angelsächsisch (Alt-Englisch), ebenso wie ihre ganze Kultur, bis auf die Pferde, an die Angelsachsen erinnert (es handelt sich dabei jedoch nicht um das Standard-Angelsächsische, sondern um den "Mercischen" Dialekt, wie er im Königreich Mercia (Tolkiens Heimatgegend) gesprochen wurde.

 

3.5          Realismus der Welt von Mittelerde

Da sich Tolkien ja nur als Herausgeber alter Schriften sah, stellte er auch einen Zusammenhang zwischen der Welt von Mittelerde und unserer Welt her. Nicht nur sprachlich verband er die alten Auenland-Sprachen mit denen Europas, sondern auch geographisch. In den Schriften selber findet man diese Hin­weise nur unterschwellig, so entsprechen Klima und astronomische Verhältnisse denen in Europa.

Der Kalender der Hobbits basiert auf einem Jahr mit 365 Tagen, genau wie ein Erdenjahr. Tolkien selbst stellt dies im Anhang D fest, der die Kalendersysteme von Mittelerde bespricht:

Der Kalender im Auenland unterscheidet sich in verschiedenen Einzelheiten von dem unseren. Das Jahr war zweifellos genauso lang(*), denn wenn jene Zeiten auch, gerechnet nach Jahren und Menschenleben, lange her sind, so sind sie doch für das Gedächtnis der Erde nicht sehr fern.

  (*) 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten, 46 Sekunden.

  Der Herr der Ringe (geb. Ausgabe), Anhang D, S. 1123

  Tolkien selbst nahm auch direkt Stellung zu diesem Problem und verband Mittelerde ganz klar mit dem heutigen Europa:  

Die Handlung der Geschichte spielt im Nordwesten von "Mittelerde", was in den Breitengraden etwa den Küstengebieten Europas und den Nordufern des Mittelmeers entspräche.... Wenn Hobbingen und Bruchtal (wie beabsichtigt) etwa auf der Breite von Oxford liegen, dann läge Minas Tirith, 600 Meinen südlich, etwa auf der Breite von Florenz. Die Mündung des Anduin und die alte Stadt Pelargir befinden sich etwa auf der Breite des alten Troja.

Briefe, Seite 490 (#294), An Charlotte und Denis Plimmer

Ich bin historisch interessiert. Mittelerde ist keine imaginäre Welt... Schauplatz meiner Erzählung ist diese Erde, dieselbe, auf der nun wir leben, aber die historische Periode ist imaginär. Die Grundzüge dieses Aufenthaltsortes sind alle vorhanden (jedenfalls für die Einwohner von Nord­west-Europa), darum wirkt es naturgemäß vertraut, wenn auch ein wenig verklärt durch den Zauber der zeitlichen Ferne.

Briefe, Seite 315 (#183), über eine Rezension von Die Rückkehr der Königs

 

3.6     Die Aussagen zum Kampf Gut gegen Böse

Tolkien hielt sich mit einer Wertung, welches Wesen als gut oder böse zu bezeichnen sei, in seinen Wer­ken stark zurück. Ganz klar erscheinen die beiden Seiten, der böse Agressor Sauron und die guten Vertei­diger. Aber zwischen diesen beiden Lagern und auch in den jeweiligen Reihen zeichnen sich viele ver­schiedene Beweggründe, Loyalitäten und Gewissenskonflikte ab.

Der Kampf der beiden Gegensätze wird zwar in all seiner Grausamkeit beschrieben (besonders wird dies bei der Darstellung der Schlachtfelder nach Kämpfen oder der Aufzählung von Opferzahlen deutlich), aber niemals verdammt. Es wird objektiv ein realer Zustand beschrieben, der in der Geschichte immer existierte. Der Tod und der Kampf wird als Teil des Lebens anerkannt.

 

3.7     Die moralischen Aussagen der Geschichten

Trotz seiner stark christlichen Erziehung, die sich auch oft in den Büchern wiederfindet, fällt doch auf, dass die Grundgeschichte aller Werke stark dem Prinzip von Jin und Jang ähnelt. Es ist mir nicht bekannt, ob Tolkien Kontakt mit dieser asiatischen Philosophie hatte, aber das Gleichgewicht der Kräfte des Guten und des Bösen und die Tatsache, dass aus dem Guten das Böse und aus dem Böse das Gute geboren wird, findet sich in vielen der Geschichten wieder.

Tolkien setzt niemals den moralischen Zeigerfinger ein, sondern berichtet einfach über den ständigen Kreislauf von Entstehen und Vergehen.

Zwar stellt Tolkien edle Werte wie Heldenmut, Selbstaufopferung, Nächstenliebe und Solidarität als durchaus positiv dar, er verzichtet aber darauf, menschliche Eigenschaften wie Angst, Eifersucht, Rache oder Gier als �das Böse� darzustellen. Diese negativen Eigenschaften sind genauso wie die positiven Teil der Wesen und nur das Zusammenspiel aller Kräfte macht die Charaktere zu dem, was sie sind.

 

4.       Tolkien � der �Herausgeber� der Schriften

4.1     Tolkiens Selbstbild

Sehr  interessant ist, dass Tolkien an vielen Stellen seiner Schriften versucht hat, sich selbst nur als den Herausgeber tatsächlich vorhandener alter Manuskripte darzustellen, die er nur übersetzt und überarbeitet hat.

Er behauptete das zwar selten direkt, aber es folgt implizit aus vielen Stellen im Herren der Ringe. So ist der Prolog genauso geschrieben, als ob ein heutiger Herausgeber seinen Lesern eine Einführung in den historischen Hintergrund seines Textes geben will. Andere Beispiele sind die Einführung in der überar­beiteten Ausgabe des Kleinen Hobbit, das Vorwort zu den Abenteuern von Tom Bombadil und Teile der Anhänge, besonders das Vorwort zu Anhang A sowie die Anhänge D und F.

Besonders interessant sind die Anmerkungen zu den Aufzeichnungen des Auenlandes (Prolog) wo Tolkien noch weitergeht und über das spätere Schicksal der Handschriften berichtet (wonach Frodos Original nicht erhalten bleibt, aber eine von vielen angefertigten Kopien schließlich in Tolkiens Hände kommt). Diese Manuskripte wurden in der Hobbit-Sprache �Westron� verfaßt.

 

4.2     Die zeitliche Reihenfolge der Bücher

In Bezug auf die Geschichte von Mittelerde zeichnet sich folgende Reihenfolge der Bücher klar ab:

Das Silmarillion beschreibt die Schöpfung des Planeten Arda und die Sagen und Mythen der Altvor­derenzeit. Es dient als Grundlage für das Verständnis des Herrn der Ringe.

Die Nachrichten aus Mittelerde sind zeitlich auch im ersten und zweiten Zeitalter anzusiedeln und sollten eher als Ergänzung oder weiterführendes Sagenbuch gesehen werden, das in der Welt von Mittelerde handelt. Dies soll aber keine Herabsetzung der Wertigkeit des Inhaltes sein.

Der kleine Hobbit erzählt die Geschichte von Bilbo, wie er auf einer abenteuerlichen Reise zum Ring der Macht (�der Eine Ring�) gelangt und verschiedene Charaktere werden vorgestellt.

Der Herr der Ringe letztendlich bildet den Abschluß der Geschichte mit der Suche nach dem Ring, dem Großen Ringkrieg und zu guter Letzt der Niederschlagung Saurons durch die vereinigten Kräfte von Mittelerde.

 

4.3     Der Bezug zur realen Weltgeschichte

Tolkien selbst lehnte einen Bezug seiner Bücher zur realen Geschichte immer strikt ab. Viele der Men­schen, die sich ausführlicher mit den Entstehungsdaten der Bücher und seiner privaten und der weltge­schichtlichen Situation beschäftigt haben, sehen da aber Parallelen. Vielleicht hat Tolkien dies nur unbewußt verarbeitet, aber so scheint es doch seltsam, dass viele Werke, die große Schlachten und Kriege beschreiben, in der Zeit um den 2. Weltkrieg erschienen sind, während die positiven Wendungen zum Ende hin in die Nachkriegszeit fallen. Die allmächtige Bedrohung durch Sauron, die die düstere Atmosphäre des Herrn der Ringe ausmacht, könnte durch die drohende und drückende Kriegsgefahr in den dreißiger Jahren beeinflußt worden sein.

 

4.4     Eine kurze Biographie von Tolkien

John Ronald Reuel Tolkien, englischer Staatsbürger, Professor für Englische Literatur in Oxford und Romanautor wurde in Bloemfontein (Südafrika) am 03. Januar 1892 geboren und starb in England am

02. September 1973. Seine ganze Kindheit verbrachte er in England, wohin die Familie 1896 nach dem Tod des Vaters zurückgekehrt war. Er erhielt seine Schulbildung an der King Edward's School, der St. Philip's Grammar School und der Universität von Oxford. Nach Studienende (1915) trat er der englischen Armee bei und wurde in der Schlacht an der Somme eingesetzt. Er wurde schließlich entlassen, nachdem er den größten Teil des Jahres 1917 wegen "Schützengraben-Fieber" im Spital verbracht hatte.  

Von Beruf war Tolkien Linguist. Seine akademischen Positionen waren: Mitglied im Stab des New Eng­lish Dictionary (1818-20); Lektor, später Professor für Englisch in Leeds (1920-25); Professor für Angel­sächsisch in Oxford (1925-45); und Professor für Englische Sprache und Literatur (1945-59). Seine beruflichen Hauptinteressen waren Angelsächsisch und dessen Beziehung zu verwandten Sprachen (Altnordisch, Althochdeutsch und Gothisch), unter besonderer Berücksichtigung von Mercia, dem Teil Englands, in dem er aufgewachsen war und lebte; daneben interessierte er sich auch für Mittelenglisch, besonders für den Dialekt im Ancrene Wisse (einer Handschrift aus dem zwölften Jahrhundert, die wahrscheinlich in Westengland entstanden war). Außerdem war Tolkien ein Experte für die überlebende Literatur dieser Sprachen.

   

4.5     Tolkiens Söhne setzen die Tradition fort

Vier Jahre nach seinem Tode, also 1977, gab der Sohn von J.R.R. Tolkien, Christopher Tolkien, Das Silmarillion heraus. Das Buch ist im Prinzip eine Sammlung von losen Geschichten aus der Zeit der Alt­vorderen. Im Allgemeinen handelt es sich um die Darstellung der Sagen und Legenden, die im Kleinen Hobbit und im Herrn der Ringe immer wieder mehr oder weniger stark angeschnitten werden.

Tolkien hat über viele Jahrzehnte hinweg diese sehr unterschiedlichen Berichte verfaßt. Dies macht sich sowohl im Schreibstiel, als auch in der gesamtgeschichtlichen Stimmigkeit der Geschichten bemerkbar. Manche Geschichten waren noch im Konzeptstadium und immer wieder umgeschrieben, andere schon sehr lange fertig und seit Jahrzehnten nicht mehr überarbeitet.

Christopher Tolkien ordnete die vielen verschiedenen Teilerzählungen zu einer einigermaßen fortlaufen­den und stimmigen Handlung im geschichtlichen Kontext.

"Außerdem sah mein Vater schließlich Das Silmarillion als eine Sammlung an, als ein Kompendium von Erzählungen, das viel später aus höchst unterschiedlichen Quellen (Gedichten, Geschichtswerken, mündlichen Berichten), welche die Zeitalter überdauert hatten, zusammengestellt wurde."

  Vorwort zum Silmarillion von Christopher Tolkien

Dabei kann das Silmarillion eindeutig in verschiedene, unabhängig Hauptteile getrennt werden. Dies sind Die Ainulindale, Die Valaquenta, Die Quenta Silmarillion, Akallabeth und Von den Ringen der Macht und dem Dritten Zeitalter.

Ebenfalls nach Tolkiens Tod erschienen die Nachrichten aus Mittelerde, die eine noch viel losere Sammlung einzelner Geschichten darstellen und als Lektüre nur für den wirklich eingeweihten und inter­essierten Leser zu empfehlen sind.

 

5.          Zusammenfassung

Man kann also ohne Übertreibung sagen, dass Tolkien mit all seinem Geschichten ein sehr vielschichtiges, im Umfang fast schon monumentales, realistisches und geschichtlich authentisches Werk gelungen ist. Sowohl linguistisch, als auch literarisch haben wir es hier mit einer Meisterleistung zu tun. Tolkien hat die Welt der Fantasy und der Literatur stark bereichert und beeinflußt, in dem er einfach seine Geschichten erzählt hat. Mehr wollte er nie.

 

Quellen:

 

Bei der Erstellung dieser Arbeit habe ich folgende Bücher als Quellen genutzt. Da es mehrere deutschsprachige Veröffentlichungen gibt (mit etwas unterschiedlichem Inhalt) und ich auch teilweise die englischen Ausgaben gelesen habe, verzichte ich auf die vollständige Angabe aller ISBN:

 

Der Herr der Ringe (The Lord of the Rings)

Ist in mehreren verschiedenen deutschen Auflagen im Klett-Cotta Verlag erschienen            

(erstmals 1972)

          Ich nutzte hier die 24. Auflage der kartonierten Sonderausgabe, 1996, Klett-Cotta

          (3 Bände als Gesamtwert, kartoniert)

          ISBN: 3-608-95211-X

          Es existiert weiterhin eine in rotem Leder gebundene Gesamtausgabe mit

          ausführlichen Anhängen

 

Der kleine Hobbit (The Hobbit)

          Ist als eigenständiges Buch erschienen.

          Mir lag die Version vor, die in einer Sonderausgabe zusammen mit dem Herrn der Ringe

          erschienen ist.

 

Das Silmarillion (The Silmarillion)

          Deutsche Auflage, erstmals erschienen 1978

          aktuelle Auflage erschienen 1997 im Klett-Cotta-Verlag

          Autor: J.R.R. Tolkien, Herausgeber: Christopher Tolkien

          ISBN: 3-608-87520-4

 

Nachrichten aus Mittelerde (Unfinished Tales)

The History of Middle-earth

    Von den zwölf Bänden dieser Reihe sind nur zwei ins Deutsche übersetzt worden (Das Buch

    der verschollenen Geschichten, Teil 1 und 2).

Die Abenteuer von Tom Bombadil (The Adventures of Tom Bombadil)

Briefe (The Letters of JRR Tolkien)

 

Den letzten vier Quellen konnte ich mich nur indirekt über die Internet-FAQ bedienen. Diese  �Liste der häufig gestellten Fragen über Tolkien (FAQ)� aus dem Internet habe ich auch für meine Arbeit herangezogen. Da mir nicht alle Bücher direkt zur Verfügung standen, habe ich teilweise Buchzitate aus dieser FAQ übernommen.

 

Weitere Quellen: 

Handbuch der Weisen von Mittelerde

          Autor: Wolfgang Krege

          erschienen 1996 bei Klett-Cotta


Tolkiens Bücher (Hier nur die wichtigsten einzeln vorgestellt). Eine ausführliche Übersicht aller Bücher von Tolkien findet sich hier:

 

Der Herr der Ringe (The Lord of the Rings)

Kartonierte Ausgabe (3 Bände)    ISBN: 3-608-95211-X

in Leder gebundene Ausgabe mit ausführlichen Anhängen

 

Der kleine Hobbit (The Hobbit)

Einzelausgabe

Gesamtausgabe Herr der Ringe + Hobbit

 

Das Silmarillion (The Silmarillion)

aktuelle Auflage erschienen 1997 im Klett-Cotta-Verlag   ISBN: 3-608-87520-4

 

Nachrichten aus Mittelerde (Unfinished Tales)

 

The History of Middle-earth

Von den zwölf Bänden dieser Reihe sind nur zwei ins Deutsche übersetzt worden (Das Buch der verschollenen Geschichten, Teil 1 und 2).

 

Die Abenteuer von Tom Bombadil (The Adventures of Tom Bombadil)

 

Briefe (The Letters of JRR Tolkien)

 

weitere Bücher


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Stand: Februar 1999

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