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Vorwort Viele von uns haben einen Lebenstraum � oder hatten
ihn zumindest in ihrer Jugend. Einigen ist es wirklich gelungen, diesen Traum
zu verwirklichen. Manche wurden Lokomotivführer, andere Polizist und wieder
andere flogen zum Mond. Doch nur sehr wenigen ist es gelungen, mit der Erfühlung
ihres eigenen Lebenstraumes sehr viele andere Menschen glücklich zu machen. J.
R. R. Tolkien war so ein Mensch. Er
wollte einfach nur seine Geschichte erzählen und aus seiner Geschichte entstand
eine eigene Welt � die Welt von Mittelerde. Und
er erzählte diese Geschichte so gut, so bewegend, realistisch und ergreifend,
dass sie zum meist verkauften Fantasy-Roman aller Zeiten wurden. Ich
möchte im folgenden kurz erklären, um was es in Tolkiens Geschichten geht, was
mich daran so fasziniert und welch großes Potential in diesen Büchern
steckt. Auch
möchte ich aufzeigen, auf welche besondere Art und Weise er sich mit dem Thema
Sprache auseinandersetzte und das der Ursprung seiner �Schreiberei�
eigentlich rein sprachwissenschaftliche Gründe hat. 1. Eine kurze Vorstellung der Welt
von Mittelerde 2. Was fasziniert mich so an
Tolkien? 3. Literarische
Mittel/Inhalt 3.1 Schreibstil
Tolkiens, Wahl der sprachlichen Mittel 3.2 Erzählertyp 3.3 Der Umfang der beschriebenen Welt 3.4 Sprachen der Elben, Hobbits, Menschen usw. 3.5 Realismus der
Welt von Mittelerde 3.6 Die Aussagen zum Kampf Gut gegen Böse 3.7 Die moralischen Aussagen der Geschichten 4. Tolkien � der �Herausgeber�
der Schriften 4.1 Tolkiens Selbstbild 4.2 Die zeitliche Reihenfolge der Bücher 4.3 Der Bezug zur realen Weltgeschichte 4.4 Eine Biographie von Tolkien 4.5 Tolkiens Söhne setzen die Tradition fort 5. Zusammenfassung 1. Eine
kurze Vorstellung der Welt von Mittelerde Mittelerde
ist der Name eines Kontinentes auf dem Planeten Arda, der unsere Erde darstellen
soll. Schauplatz ist das uns heute bekannte Europa, allerdings in einer weit
zurückliegenden Zeit. Einer Zeit der Magie, des Kampfes von Gut gegen Böse
und der sich gerade formenden Gesellschaften. In
dieser Welt existieren verschiedene Wesen wie Elben, Menschen, Zwerge, Hobbits,
Orks und viele andere mit- oder gegeneinander. Tolkien stellt diese Welt niemals
als Utopia, als perfekte Fiktion dar, sondern die Individuen und Gruppen haben
gute und schlechte charakterische Eigenschaften, die durchweg glaubwürdig
erscheinen und sehr viel �Menschliches� aufweisen. Die
Geschichten Tolkiens sind geprägt vom Leben dieser Wesen in ihrer
geographischen, religiösen und sozialen Umwelt, erzählt in großen Epen oder
kleinen Erlebnissen. Tolkien,
ein tiefgläubiger Mensch, ließ diese Welt von einem Urgott erschaffen, den er Eru
oder Ilúvatar nannte. Dieser erschafft mit seinen Helfern (den Ainur,
eine Art Erzengel) mittels Musik den Planeten Arda. So liegt das gesamte
Schicksal von Mittelerde in den Händen dieses Gottes. Die Undurchschaubarkeit
der göttlichen Entscheidungen wird in den Werken gelegentlich als Handlungsbegründung
herangezogen und erscheint durch die Darstellung der Religion der einzelnen
Rassen realistisch. Ich
möchte hier kurz die Hauptvertretter der
Rassen vorstellen: Die
Elben (den aus vielen Märchen bekannten Elfen sehr ähnlich) sind
die Erstgeschaffenen. Sie besitzen die Gabe der Unsterblichkeit, sie haben oft
magische Eigenschaften und eine gewisse geistige Erleuchtung, da sie noch das
Urlicht zum Schöpfungszeitpunkt gesehen haben. Körperlich gleichen sie dem
Bild von Elfen, das wir kennen, aber in ihren geistigen Eigenschaften gelten sie
überwiegend als edel, dem Schönen und den Künsten zugetan und klug. Die
Zwerge wurden von einem der Ainur geschaffen und sind deshalb in
ihren Eigenschaften eingeschränkt. Sie besitzen starke körperliche Kräfte,
sind aber von kleinem Wuchs und mit einer starken Gier nach Gold behaftet, aber
dadurch nicht als charakterlich böse einzuordnen. Die
Menschen gelten als die zweite direkte Schöpfung Eru�s. Sie
besitzen nicht so vollkommene Eigenschaften wie die Elben, aber dafür eine,
die nur schwer als Vorteil oder Geschenk zu erkennen ist. Die Sterblichkeit.
Tolkien verteidigt in seinen Werken die Sterblichkeit als Gabe der Schöpfung.
Nur der Tod ermöglicht Weiterentwicklung, das Streben zum Höheren, Evolution. Die
Hobbits sind etwa einen Meter große, menschenähnliche Wesen mit
einem starken Haarwuchs, vor allen an den Beinen. Sie ähneln etwas den Plüschteddies
und dies ist auch eine gute bildliche Vorstellung ihres Charakters. Sie sind
eher gemütlich und den weltlichen Genüssen zugetan. Trotzdem spielen gerade
diese unscheinbaren Wesen eine ganz wichtige Rolle in den Ereignissen am Ende
des Dritten Zeitalters. Manchmal durch wahren Heldenmut, manchmal einfach durch
Glück und Schicksal sind die vier Hobbits, die die Hauptakteure des Herrn
der Ringe sind, verantwortlich für den Sieg über die Streitkräfte des Bösen
und die endgültige Vernichtung des Ringes der Macht. 2. Was
fasziniert mich so an Tolkien? Was
mich vor allem an den Geschichten von Tolkien begeistert, ist die Realitätsnähe
mit der er seine Geschichten erzählt. Dinge und Handlungen erscheinen nie
grundlos oder phantastisch, sondern manchmal einfach nur
�undurchschaubar�, allerdings so wie im realen Leben. Tolkien hat es
geschafft, eine ganze Welt mit eigenen Völkern, eigener Grammatik und eigenem
Charakter aufzubauen um dann nur ein Stückchen des Vorhangs zu lüften, so wie
es uns in der Realität auch geht. Damit
schafft er eine unglaublich dichte Atmosphäre. Außerdem spielt Tolkien durch
die Handlungen seiner Bücher sehr geschickt mit solchen Themen wie Schicksal,
Glück, Vorsehung, Götterfügung. Seine Werke regen zum Nachdenken an. 3.
Literarische Mittel/Inhalt 3.1
Schreibstil Tolkiens, Wahl der sprachlichen Mittel Schon
in seiner Jugend war Tolkien von Sprachen fasziniert, besonders den nordeuropäischen
(sowohl den alten, als auch den modernen). So fand er in der Linguistik nicht
nur seinen Beruf, sondern auch sein privates Hobby, die Erfindung von Sprachen.
Ganz allgemein war er von der �Nordischen Kultur" sehr beeindruckt, las
viele nordische Mythen und Epen und auch die Werke jener Autoren, die seine
Vorlieben teilten (z. B. William Morris, George MacDonald). Sein breites Wissen
führte natürlich zur Entwicklung verschiedener eigener Ansichten über Mythen,
ihr Verhältnis zu Sprachen und die Wichtigkeit von Erzählungen. All diese
verschiedenen Aspekte (Sprachen, Heldenlieder, Mythen, Erzählungen und ein
tiefer Glaube an das katholische Christentum) zeigen sich sehr stark in seinen
Geschichten: Zuerst die Legenden der Älteren Tage (z. B. Das Silmarillion), die als Hintergrund für seine erfundenen
Sprachen dienten, und später für seine berühmetesten Werke, Der
kleine Hobbit und Der Herr der Ringe. Die
verschiedenen Sprachen spielen also eine große Rolle in seinen Werken, genau
wie die Art des Berichtens. Darauf gehe ich in den nächsten Abschnitten noch
näher ein. Vor
allem ist hervorzuheben, dass sich der Herr
der Ringe tatsächlich wie ein historischer Bericht liest und immer wieder
von Gedichten und Liedertexten unterbrochen oder besser ergänzt wird. Tolkien wählt
viele altertümliche Bezeichnungen und Vorstellungen; genauso nutzt er auch
ansprechende, ehrfurchtsvolle Beschreibungen für Helden oder große Städte. Die Geschichten in Tolkiens Welt werden zwar meist
aus der neutralen Erzählerperspektive dargestellt, doch wird immer aus der
Sicht der aktiv handelnden Person geschrieben. Sind � wie oft im Herrn
der Ringe � die Hobbits die Hauptakteure, so berichtet Tolkien eben in
einem Schreibstiel, der der Weltsicht der Hobbits entspricht. So scheinen Dinge
viel größer als aus menschlicher Sicht, eine den Hobbits eigene Gemütlichkeit
und der Drang zu guter Nahrung rücken in den Vordergrund und scheinen
selbstverständlich. Oftmals wird auch eine Person als Ich-Erzähler
eingesetzt, meist bei rückblickenden Beschreibungen. 3.3 Der
Umfang der beschriebenen Welt Tolkien
beschreib eine sehr umfangreiche Welt, zu der er selbst auch viele Karten
erstellt hat, sehr detailiert. Doch behält er sich auch das Recht vor, viele
Landstriche als weiße Flecken auf der Landkarte zu belassen, eben unerkundete
oder gefährliche Gebiete, die nur wenige Wesen betreten haben. Die
bekannten Gebiete dagegen sind genau bekannt, haben feste Handelswege,
Schiffsrouten und regionale Eigenarten. So leben in einigen Gegenden
verschiedene Rassen friedlich zusammen, die sich andererorts bekämpfen. 3.4
Sprachen der Elben, Hobbits, Menschen usw. Die
Hauptsprache in Mittelerde ist die �Gemeinsame
Sprache�, die auch die Hobbits sprechen. In dieser sollte ursprünglich
der Herr der Ringe erschienen und von
Tolkien ins Englische übersetzt worden sein. Hier gilt es hervorzuheben, dass
Tolkien bei seiner Übersetzung � im Gegensatz zu den Sprachen der Elfen und
Zwerge � auch die Ortsnamen ins Englische (und damit ins Deutsche) übertrug.
So sind dem Leser die Ortsnamen Hobbingen, Wasserau, Buckelstadt oder Bruchtal
sofort sehr vertraut, was sehr viel zur Atmosphäre des Buches beiträgt. Die
Ortsnamen aus dem Sindarin z. B. wurden aber nie übersetzt (z. B. "Imladris",
der Sindarin-Name von Bruchtal). Diese Ortsnamen klingen dem Leser fremd, genau
wie den Hobbits, aus deren Sicht das Buch erzählt ist. Tolkien
ging bei seinem Spiel mit den Sprachen noch viel weiter. Im englischen Original
tauchen sehr viele Namen von alten Orten auf, die Elemente der keltischen und
altgermanischen Sprache enthalten
an die das (Alt-)Englische stark angelehnt ist. So verwendet Tolkien als Übersetzung
von Tol Brandir das Wort tindrock, mit dem germanischen Wortelement tinn-
(Zinne), obwohl im heutigen Englisch nur noch das aus dem Französischen übernommene
Wort merlon verwendet wird. Dem englischen Leser erscheinen solche
Ortsbezeichnungen auf ganz natürliche Weise vertraut und �altehrwürdig�. Leider
konnten viele dieser Feinheiten in der deutschen Übersetzung nicht berücksichtigt
werden. Das moderne Deutsch enthält aber fast keine Elemente des
Altgermanischen bzw. Keltischen. Somit wäre einer Übertragung der
Entsprechungen ins Deutsche unter Erhaltung der subtilen Wirkung der Worte sehr
schwierig. An
solchen Beispielen zeigt sich sehr gut, was für eine großartige linguistische
Meisterleistung Tolkien mit dem Herrn der
Ringe erschaffen hat. Er erfand komplexe Sprachen für die verschiedenen
Rassen, einige völlig neu und unbekannt, andere (in Anlehnung an den Realitätsanspruch
der Geschichte) als Vorgängersprachen der alten europäischen Sprachen. Zu
den elbischen Sprachen Sindarin und Quenya heißt es: [Diese waren] kein sinnloses Geplapper, sondern wirklich denkbare
Sprachen mit konsistenten Wurzeln, Lautgesetzen und Endungen, in die er all
seine kreativen und philologischen Kräfte steckte. Obituary
in Scholar and Storyteller (entnommen aus der HdR-FAQ, Internet) Außerdem
waren sie beide, wieder auf linguistisch plausible Art, von einer Ur-elbischen
Sprache abgeleitet. Sindarin war die elbische Alltagssprache während Quenya
als eine Art "Elbenlatein" nur von Gelehrten verwendet wurde. Daher
sind die meisten elbischen Worte im Herrn
der Ringe dem Sindarin entnommen. So stammen die elbische Ortsnamen auf
der Landkarte (z.B. Minas Tirith, Emyn Beraid) aus dem Sindarin, wie auch die
Hymne an Elbereth in Bruchtal; Galadriels Klagelied aber ist z. B. in Quenya
verfaßt. Adunaisch,
als Sprache der Menschen von Númenor, zeigt sowohl Einflüsse des Elbischen als Die
anderen Sprachen im Herren der Ringe sind vom Autor weniger weit entwickelt
worden: Entisch, Khuzdûl, die Schwarze Sprache (Sprache von Mordor und der
Ringinschrift) und die Gemeinsame Sprache/Westron (die vollständig ins
Englische übersetzt wurde). Während
die Elbensprachen untereinander eng verwandt sind und sich von einer gemeinsamen
Ursprache herleiten, sind die anderen Sprachen von diesen und untereinander völlig
unabhängig. Entisch (die Sprache der Baumwesen Ents) ist eine Sprache, in der Wörter für
neue Begriffe ohne Einschränkung durch Aneinanderfügen von bekannten Worten
gebildet werden können; je genauer man einen Begriff fassen möchte, desto länger
muß dann das entsprechende Wort anwachsen. Diese Art der Sprache paßt sehr gut
zur Lebenseinstellung und Kultur der nichtsterblichen Ents. Khuzdûl (die Zwergensprache) beruht, ähnlich den semitischen Sprachen unserer
Welt (Hebräisch, Arabisch, Ägyptisch), auf einem System von Wortwurzeln, die
aus genau drei Konsonanten bestehen; Worte werden gebildet, indem man Vokale
zwischen die Konsonanten stellt oder zusätzlich noch Endsilben anhängt: So
steht die Wurzel KhZD für den Begriffsbereich Zwerg, wobei �Kh� als ein
Buchstabe gilt. Daraus lassen sich die Worte khazâd (Zwerg), khazad (Adjektiv:
zwergisch) und khuzdûl (Name der Sprache der Zwerge) bilden. Die
Sprache der Rohirrim war jedoch eine reale Sprache: Angelsächsisch
(Alt-Englisch), ebenso wie ihre ganze Kultur, bis auf die Pferde, an die
Angelsachsen erinnert (es handelt sich dabei jedoch nicht um das Standard-Angelsächsische,
sondern um den "Mercischen" Dialekt, wie er im Königreich Mercia
(Tolkiens Heimatgegend) gesprochen wurde. 3.5
Realismus der Welt von Mittelerde Da
sich Tolkien ja nur als Herausgeber alter Schriften sah, stellte er auch einen
Zusammenhang zwischen der Welt von Mittelerde und unserer Welt her. Nicht nur
sprachlich verband er die alten Auenland-Sprachen mit denen Europas, sondern
auch geographisch. In den Schriften selber findet man diese Hinweise nur
unterschwellig, so entsprechen Klima und astronomische Verhältnisse denen in
Europa. Der
Kalender der Hobbits basiert auf einem Jahr mit 365 Tagen, genau wie ein
Erdenjahr. Tolkien selbst stellt dies im Anhang D fest, der die Kalendersysteme
von Mittelerde bespricht: Der Kalender im Auenland unterscheidet sich in verschiedenen
Einzelheiten von dem unseren. Das Jahr war zweifellos genauso lang(*), denn wenn
jene Zeiten auch, gerechnet nach Jahren und Menschenleben, lange her sind, so
sind sie doch für das Gedächtnis der Erde nicht sehr fern. Die Handlung der Geschichte spielt im Nordwesten von
"Mittelerde", was in den Breitengraden etwa den Küstengebieten
Europas und den Nordufern des Mittelmeers entspräche.... Wenn Hobbingen und
Bruchtal (wie beabsichtigt) etwa auf der Breite von Oxford liegen, dann läge
Minas Tirith, 600 Meinen südlich, etwa auf der Breite von Florenz. Die Mündung
des Anduin und die alte Stadt Pelargir befinden sich etwa auf der Breite des
alten Troja. Briefe,
Seite 490 (#294), An Charlotte und Denis Plimmer Ich bin historisch interessiert. Mittelerde ist keine imaginäre Welt...
Schauplatz meiner Erzählung ist diese Erde, dieselbe, auf der nun wir leben,
aber die historische Periode ist imaginär. Die Grundzüge dieses
Aufenthaltsortes sind alle vorhanden (jedenfalls für die Einwohner von Nordwest-Europa),
darum wirkt es naturgemäß vertraut, wenn auch ein wenig verklärt durch den
Zauber der zeitlichen Ferne. Briefe,
Seite 315 (#183), über eine Rezension von Die Rückkehr der Königs 3.6 Die
Aussagen zum Kampf Gut gegen Böse Tolkien
hielt sich mit einer Wertung, welches Wesen als gut oder böse zu bezeichnen
sei, in seinen Werken stark zurück. Ganz klar erscheinen die beiden Seiten,
der böse Agressor Sauron und die guten Verteidiger. Aber zwischen diesen
beiden Lagern und auch in den jeweiligen Reihen zeichnen sich viele verschiedene
Beweggründe, Loyalitäten und Gewissenskonflikte ab. Der
Kampf der beiden Gegensätze wird zwar in all seiner Grausamkeit beschrieben
(besonders wird dies bei der Darstellung der Schlachtfelder nach Kämpfen oder
der Aufzählung von Opferzahlen deutlich), aber niemals verdammt. Es wird
objektiv ein realer Zustand beschrieben, der in der Geschichte immer existierte.
Der Tod und der Kampf wird als Teil des Lebens anerkannt. 3.7 Die
moralischen Aussagen der Geschichten Trotz
seiner stark christlichen Erziehung, die sich auch oft in den Büchern
wiederfindet, fällt doch auf, dass die Grundgeschichte aller Werke stark dem
Prinzip von Jin und Jang ähnelt. Es ist mir nicht bekannt, ob Tolkien Kontakt
mit dieser asiatischen Philosophie hatte, aber das Gleichgewicht der Kräfte des
Guten und des Bösen und die Tatsache, dass aus dem Guten das Böse und aus dem
Böse das Gute geboren wird, findet sich in vielen der Geschichten wieder. Tolkien
setzt niemals den moralischen Zeigerfinger ein, sondern berichtet einfach über
den ständigen Kreislauf von Entstehen und Vergehen. Zwar
stellt Tolkien edle Werte wie Heldenmut, Selbstaufopferung, Nächstenliebe und
Solidarität als durchaus positiv dar, er verzichtet aber darauf, menschliche
Eigenschaften wie Angst, Eifersucht, Rache oder Gier als �das Böse�
darzustellen. Diese negativen Eigenschaften sind genauso wie die positiven Teil
der Wesen und nur das Zusammenspiel aller Kräfte macht die Charaktere zu dem,
was sie sind. 4. Tolkien
� der �Herausgeber� der Schriften 4.1 Tolkiens
Selbstbild Sehr
interessant ist, dass Tolkien an vielen Stellen seiner Schriften versucht
hat, sich selbst nur als den Herausgeber tatsächlich vorhandener alter
Manuskripte darzustellen, die er nur übersetzt und überarbeitet hat. Er
behauptete das zwar selten direkt, aber es folgt implizit aus vielen Stellen im Herren der Ringe. So ist der Prolog genauso geschrieben, als ob ein
heutiger Herausgeber seinen Lesern eine Einführung in den historischen
Hintergrund seines Textes geben will. Andere Beispiele sind die Einführung in
der überarbeiteten Ausgabe des Kleinen
Hobbit, das Vorwort zu den Abenteuern
von Tom Bombadil und Teile der Anhänge, besonders das Vorwort zu Anhang A
sowie die Anhänge D und F. Besonders
interessant sind die Anmerkungen zu den Aufzeichnungen des Auenlandes (Prolog)
wo Tolkien noch weitergeht und über das spätere Schicksal der Handschriften
berichtet (wonach Frodos Original nicht erhalten bleibt, aber eine von vielen
angefertigten Kopien schließlich in Tolkiens Hände kommt). Diese Manuskripte
wurden in der Hobbit-Sprache �Westron� verfaßt. 4.2 Die
zeitliche Reihenfolge der Bücher In
Bezug auf die Geschichte von Mittelerde zeichnet sich folgende Reihenfolge der Bücher
klar ab: Das Silmarillion beschreibt die Schöpfung des Planeten Arda und die Sagen und Mythen der
Altvorderenzeit. Es dient als Grundlage für das Verständnis des Herrn der
Ringe. Die Nachrichten aus Mittelerde sind zeitlich auch im ersten und zweiten Zeitalter
anzusiedeln und sollten eher als Ergänzung oder weiterführendes Sagenbuch
gesehen werden, das in der Welt von Mittelerde handelt. Dies soll aber keine
Herabsetzung der Wertigkeit des Inhaltes sein. Der kleine Hobbit erzählt die Geschichte von Bilbo, wie er auf einer abenteuerlichen
Reise zum Ring der Macht (�der Eine Ring�) gelangt und verschiedene
Charaktere werden vorgestellt. Der Herr der Ringe letztendlich bildet den Abschluß der Geschichte mit der Suche nach dem
Ring, dem Großen Ringkrieg und zu guter Letzt der Niederschlagung Saurons durch
die vereinigten Kräfte von Mittelerde. 4.3 Der
Bezug zur realen Weltgeschichte Tolkien
selbst lehnte einen Bezug seiner Bücher zur realen Geschichte immer strikt ab.
Viele der Menschen, die sich ausführlicher mit den Entstehungsdaten der Bücher
und seiner privaten und der weltgeschichtlichen Situation beschäftigt haben,
sehen da aber Parallelen. Vielleicht hat Tolkien dies nur unbewußt
verarbeitet, aber so scheint es doch seltsam, dass viele Werke, die große
Schlachten und Kriege beschreiben, in der Zeit um den 2. Weltkrieg erschienen
sind, während die positiven Wendungen zum Ende hin in die Nachkriegszeit
fallen. Die allmächtige Bedrohung durch Sauron, die die düstere Atmosphäre
des Herrn der Ringe ausmacht, könnte durch die drohende und drückende
Kriegsgefahr in den dreißiger Jahren beeinflußt worden sein. 4.4 Eine
kurze Biographie von Tolkien John
Ronald Reuel Tolkien, englischer Staatsbürger, Professor für Englische
Literatur in Oxford und Romanautor wurde in Bloemfontein (Südafrika) am 03.
Januar 1892 geboren und starb in England am 02.
September 1973. Seine ganze Kindheit verbrachte er in England, wohin die Familie
1896 nach dem Tod des Vaters zurückgekehrt war. Er erhielt seine Schulbildung
an der King Edward's School, der St. Philip's Grammar School und der Universität
von Oxford. Nach Studienende (1915) trat er der englischen Armee bei und wurde
in der Schlacht an der Somme eingesetzt. Er wurde schließlich entlassen,
nachdem er den größten Teil des Jahres 1917 wegen "Schützengraben-Fieber"
im Spital verbracht hatte. Von
Beruf war Tolkien Linguist. Seine akademischen Positionen waren: Mitglied im
Stab des New English Dictionary (1818-20); Lektor, später Professor für
Englisch in Leeds (1920-25); Professor für Angelsächsisch in Oxford
(1925-45); und Professor für Englische Sprache und Literatur (1945-59). Seine
beruflichen Hauptinteressen waren Angelsächsisch und dessen Beziehung zu
verwandten Sprachen (Altnordisch, Althochdeutsch und Gothisch), unter
besonderer Berücksichtigung von Mercia, dem Teil Englands, in dem er
aufgewachsen war und lebte; daneben interessierte er sich auch für
Mittelenglisch, besonders für den Dialekt im Ancrene Wisse (einer Handschrift
aus dem zwölften Jahrhundert, die wahrscheinlich in Westengland entstanden
war). Außerdem war Tolkien ein Experte für die überlebende Literatur dieser
Sprachen. 4.5 Tolkiens
Söhne setzen die Tradition fort Vier
Jahre nach seinem Tode, also 1977, gab der Sohn von J.R.R. Tolkien, Christopher
Tolkien, Das Silmarillion heraus. Das
Buch ist im Prinzip eine Sammlung von losen Geschichten aus der Zeit der Altvorderen.
Im Allgemeinen handelt es sich um die Darstellung der Sagen und Legenden, die im
Kleinen Hobbit und im Herrn
der Ringe immer wieder mehr oder weniger stark angeschnitten werden. Tolkien
hat über viele Jahrzehnte hinweg diese sehr unterschiedlichen Berichte verfaßt.
Dies macht sich sowohl im Schreibstiel, als auch in der gesamtgeschichtlichen
Stimmigkeit der Geschichten bemerkbar. Manche Geschichten waren noch im
Konzeptstadium und immer wieder umgeschrieben, andere schon sehr lange fertig
und seit Jahrzehnten nicht mehr überarbeitet. Christopher
Tolkien ordnete die vielen verschiedenen Teilerzählungen zu einer einigermaßen
fortlaufenden und stimmigen Handlung im geschichtlichen Kontext. "Außerdem sah mein Vater schließlich Das Silmarillion als eine Sammlung
an, als ein Kompendium von Erzählungen, das viel später aus höchst
unterschiedlichen Quellen (Gedichten, Geschichtswerken, mündlichen
Berichten), welche die Zeitalter überdauert hatten, zusammengestellt wurde." Dabei
kann das Silmarillion eindeutig in verschiedene, unabhängig Hauptteile getrennt
werden. Dies sind Die Ainulindale, Die
Valaquenta, Die Quenta Silmarillion, Akallabeth und Von
den Ringen der Macht und dem Dritten Zeitalter. Ebenfalls nach Tolkiens Tod erschienen die Nachrichten
aus Mittelerde, die eine noch viel losere Sammlung einzelner Geschichten
darstellen und als Lektüre nur für den wirklich eingeweihten und interessierten
Leser zu empfehlen sind. 5.
Zusammenfassung Man
kann also ohne Übertreibung sagen, dass Tolkien mit all seinem Geschichten ein
sehr vielschichtiges, im Umfang fast schon monumentales, realistisches und
geschichtlich authentisches Werk gelungen ist. Sowohl linguistisch, als auch
literarisch haben wir es hier mit einer Meisterleistung zu tun. Tolkien hat die
Welt der Fantasy und der Literatur stark bereichert und beeinflußt, in dem er
einfach seine Geschichten erzählt hat. Mehr wollte er nie. Quellen: Bei der Erstellung
dieser Arbeit habe ich folgende Bücher als Quellen genutzt. Da es mehrere
deutschsprachige Veröffentlichungen gibt (mit etwas unterschiedlichem Inhalt)
und ich auch teilweise die englischen Ausgaben gelesen habe, verzichte ich auf
die vollständige Angabe aller ISBN: Der
Herr der Ringe (The Lord of the Rings) Ist
in mehreren verschiedenen deutschen Auflagen im Klett-Cotta Verlag erschienen (erstmals
1972)
Ich nutzte hier die 24. Auflage der kartonierten Sonderausgabe, 1996,
Klett-Cotta
(3 Bände als Gesamtwert, kartoniert)
ISBN: 3-608-95211-X
Es existiert weiterhin eine in rotem Leder gebundene Gesamtausgabe mit
ausführlichen Anhängen Der
kleine Hobbit (The Hobbit)
Ist als eigenständiges Buch erschienen.
Mir lag die Version vor, die in einer Sonderausgabe zusammen mit dem
Herrn der Ringe
erschienen ist. Das
Silmarillion (The Silmarillion)
Deutsche Auflage, erstmals erschienen 1978
aktuelle Auflage erschienen 1997 im Klett-Cotta-Verlag
Autor: J.R.R. Tolkien, Herausgeber: Christopher Tolkien
ISBN: 3-608-87520-4 Nachrichten
aus Mittelerde (Unfinished Tales) The
History of Middle-earth
Von den zwölf Bänden dieser Reihe sind nur zwei ins Deutsche übersetzt
worden (Das Buch
der verschollenen Geschichten, Teil 1 und 2). Die
Abenteuer von Tom Bombadil (The Adventures of Tom Bombadil) Briefe
(The Letters of JRR Tolkien) Den letzten vier
Quellen konnte ich mich nur indirekt über die Internet-FAQ bedienen. Diese
�Liste der häufig gestellten Fragen über Tolkien (FAQ)� aus dem
Internet habe ich auch für meine Arbeit herangezogen. Da mir nicht alle Bücher
direkt zur Verfügung standen, habe ich teilweise Buchzitate aus dieser FAQ übernommen. Weitere Quellen: Handbuch
der Weisen von Mittelerde
Autor: Wolfgang Krege
erschienen 1996 bei Klett-Cotta Tolkiens Bücher
(Hier nur die wichtigsten einzeln vorgestellt). Eine ausführliche Übersicht
aller Bücher von Tolkien findet sich hier: Der
Herr der Ringe (The Lord of the Rings) Kartonierte Ausgabe (3
Bände) ISBN: 3-608-95211-X in Leder gebundene Ausgabe mit
ausführlichen Anhängen Der
kleine Hobbit (The Hobbit) Einzelausgabe
Gesamtausgabe Herr der Ringe + Hobbit
Das
Silmarillion (The Silmarillion) aktuelle Auflage erschienen 1997 im Klett-Cotta-Verlag
ISBN: 3-608-87520-4 Nachrichten
aus Mittelerde (Unfinished Tales) The
History of Middle-earth Von den zwölf Bänden dieser Reihe sind nur zwei ins Deutsche übersetzt
worden (Das Buch der verschollenen Geschichten, Teil 1 und 2). Die
Abenteuer von Tom Bombadil (The Adventures of Tom Bombadil) Briefe
(The Letters of JRR Tolkien) weitere Bücher Stand: Februar 1999 (c) 1999 - 2001 by Joerg Erdmann (webmaster@joerg-erdmann.de)
Berufliches Schulzentrum Ernährung
Schuljahr 1998/99
FachoberschuleFACHARBEIT
Jörg
Erdmann
J. R. R. Tolkien und die Welt von Mittelerde
Unterrichtsfach:
Deutsch
Klasse:
FOS 12 L
Abgabetermin:
22.02.1999
Betreuerin:
Frau Ullmann
Bewertung:
Note 1
Inhalt:
3.2
Erzählertyp